.

Leichtathletik-
Europa-Cup 2001

am 23. und 24. Juni
im Bremer Weserstadion

European Athletic
Association

Alle Informationen zum Europa-Cup auf der Home-Page des Bremer Leichtathletikverbandes
Interview mit dem BLV-Vorsitzenden Dr. Matthias Reick (24.3.2001)
Die Arbeit von Klaus de Vries, Leiter der Logistik-Gruppe (20.4.2001)
Pressekonferenz am 26. April (26.04.2001)
Die Vermarktung eines Events (2.5.2001)
Marion Poppen und die Betreuung der VIP`s
(15.5.2001)
Alwin Visser und die Arbeitsgruppe Sporttechnik (31.5.2001)
41 deutsche Athleten in Bremen am Start (12.6.2001)
Auch Delmenhorster sind als Funktioner dabei (14.6.2001)
Gerhard Kloidt und die Suche nach Sponsoren (20.6.2001
Europa-Cup ist kein Selbstläufer (19.6.2001)
Gute Nachricht zur rechten Zeit. Heike Drechsler springt doch (21.6.2001)
Damit der Funke überspringt. Moderator Henry Vogt informiert aus dem Innenraum (21.6.2001)
1. Tag : Siege für Breuer, Dietzsch und Staffel (24.6.2001)
Alle Ergebnisse (24.6.2001
Starke Frauen, schwache Männer (25.6.2001)
Dem Abstieg knapp entronnen (25.6.2001)
Der beeindruckende Auftritt der Weitspringerin Heike Drechsler (25.6.2001)
Wolfram Müller ein junger Baumann? (25.6.2001)
Zuviel Gegenwind für Kirsten Bolm (25.6.2001)
Stabhochsprung-Rekord - Zum Glück für die Kampfrichter (27.6.2001)
Europa-Cup - Organisatoren und Helfer im Hintergrund (27.6.2001)
Bestes Ergebnis seit München (28.6.2001)
Neue Seite : Aus dem “Nähkästchen” geplaudert (Von Herward Schmidt)
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Weser Kurier vom 24. März 2001
“Attraktiver als ein Weltcup”
Leichtathletik-Chef Dr. Matthias Reick über den Europapokal und den Standort Bremen
Bremen. Sechs Jahre ist es her, dass Bremen mit der Ausrichtung der deutschen Leichtathletikmeisterschaften den nationalen Verband beeindrucken konnte. Am 23. und 24. Juni, wenn der Europacup im Weserstadion ausgetragen wird, steht der Bremer Leichtathletikverband erneut auf dem Prüfstand. Matthias Reick, seit zwei Jahren Vorsitzender des Bremer Verbandes, hat sich für dieses internationale Sportfest stark gemacht und ist nun der örtliche Orga-Chef. In einem Gespräch mit unseren Redakteuren Olaf Dorow und Ruth Gerbracht sprach der 39-jährige Orthopäde und ehemalige Langstreckler über den Leichtathletik-Standort Bremen, über das Hin und Her des Stadionumbaus, und warum ihm solche Großereignisse wie der Europacup so sehr am Herzen liegen.
Frage: Der Umbau des Weserstadion ist wieder gekippt worden, der Europacup könnte die letzte Leichtathletik- Großveranstaltung dort sein. Freuen Sie sich trotzdem noch auf den Cup?
Reick: Natürlich freue ich mich, auch wenn die Vorbereitung sehr kurz war. Florenz hat den Cup ja erst letztes Jahr zurückgegeben. Wir hoffen natürlich, dass das Weserstadion auch weiter für die Leichtathletik zur Verfügung steht. Ich halte es in seiner jetzigen Form für ein Schmuckstück. Für mich wären zusätzliche Tribünen ohne Dach einfach nur Stückwerk. Über ein reines Fußballstadion hätte man damals nachdenken sollen, als die Kurven geplant wurden. Es ist ja auch fraglich, ob tatsächlich 10 000 Leute mehr kommen, wenn erweitert wird. Ich hoffe jedenfalls, dass die Multifunktionalität des Stadions auch weiterhin gewährleistet sein wird.
Inwieweit kann Platz elf für die Leichtathleten und vor allem für den Europacup genutzt werden?
Leider derzeit gar nicht. Durch den gekippten Senatsbeschluss ist auch der Umbau von Platz elf zurückgestellt. Eigentlich  war alles unter Dach und Fach, wäre die Stadiondiskussion eine Woche später gekommen, wären die Verträge unterzeichnet gewesen. Aber jetzt muss wieder neu ausgeschrieben werden. Das ist aber nicht geschehen. Für den Europacup können wir Platz elf als Trainingsplatz nicht nutzen.
Was hat das Weserstadion, was andere Stadien nicht haben?
Es ist ideal, fast einzigartig in Deutschland. Hier stimmen auch die Sekundärleistungen. Vor allem der Logenbereich ist etwas, was großen Eindruck auf die Sponsoren macht. Das haben andere nicht so. Es gibt doch immer weniger geeignete Stadien, auch Duisburg wird demnächst ein reines Fußballstadion. Wir rechnen uns gute Chancen auf dem Markt aus. Wenn der Europacup erfolgreich ist, werden wir uns um weitere Großveranstaltungen wie die Deutschen Meisterschaften 2004 bewerben.
War nicht von einem Weltcup die Rede?
Ich halte einen Europacup für attraktiver als einen Weltcup, da sind die Bedingungen für die ausrichtende Stadt viel schlechter. Da müssen Sie schon vorab eine Million Mark an den Weltverband rüberschieben, dieses Geld ist dann einfach weg.
Wie finanziert sich denn der Europacup und welches Risiko geht Bremen ein?
Der Gesamt-Etat beläuft sich auf 1,5 Millionen Mark. Davon sind dreiviertel durch den europäischen Verband und seiner Sponsoren abgedeckt. Bei einer Zuschauerzahl von 10 000 geht alles ungefähr plusminus null aus. Doch wir haben auch noch die Möglichkeit, regionale Sponsoren mit ins Boot zu holen. Sollten wir Gewinne machen, müssen wir sie an den deutschen Verband abgeben, minus 20 Prozent für uns.
Der europäische Verband EAA hat seine Werberechte an die Firma Octagon verkauft. Wie groß ist der Einfluss des Vermarkters beim Europacup?
Es gibt keinen. Zumindest, was den technischen Ablauf anbelangt. Es gibt da aber ein paar ziemlich widersinnige Rechte. Zum Beispiel muss der Vermarkter erst drei Wochen vorher seine Gäste benennen, wir müssen eine unbestimmte Zahl von Betten blockieren. Was die Vermarktung vor Ort schwierig macht: Die regionalen Sponsoren dürfen im Vergleich zu den anderen Sponsoren nur in 50 Prozent Schriftgröße auf die Flyer und Poster. Nur durch ein Versehen des Grafikers haben wir für Bremen noch 75 Prozent bekommen.
Seit dem Fall der Mauer ist der Europacup nicht mehr der Kampf der Systeme. Wie verkauft man so einen Wettbewerb?
Er läuft unter dem Slogan “EM der Nationalmannschaften". Es gibt ja heutzutage kaum noch Länderkämpfe. Alles stürzt sich auf die Meetings, aber der Teamgedanke lebt trotzdem noch. Nicht nur ich habe das letztes Jahre beim Cup in Gateshead  so empfunden. Außerdem bietet der Cup ein gute Chance, die WM-Norm für Edmonton zu erfüllen. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass die Topathleten nach Bremen kommen.
Und wieviel Zuschauer müssen kommen? Immerhin soll ja vom Erfolg oder Misserfolg des Europacups abhängen, in  welcher Form das Weserstadions nun umgebaut wird.
Klar, wenn der Europacup nicht eine gewisse Resonanz hervorruft, könnte es sein, dass von einer Multifunktionalität im Weserstadion keine Rede mehr sein wird. Wenn 20 000 pro Tag kommen, dann wäre das schon spitzenmäßig. Aber es ist nicht allein die Zuschauerzahl, die solch ein Ereignis zum Erfolg werden lässt. Die Außenwirkung spielt ein große Rolle, wieviel Fernsehzeiten man hat und ob die Sponsoren zufrieden sind.
Wieviel Fernsehzeit bekommen sie denn? Leichtathletik boomt ja nicht gerade.
Das stimmt nur zum Teil. Immerhin sind wir neben Fußball der einzige Verband mit einem festen Fernsehvertrag. Die Uber- tragungszeiten vom Europacup sind grandios, es wird in ARD und ZDF rund drei Stunden
live aus Bremen berichtet.
Was versprechen Sie sich überhaupt vom Europacup in Bremen?
Vor allem auch einen Aufschwung für die Bremer Leichtathletik in den nächsten sechs bis zehn Jahren. Im Jugendbereich  haben wir nicht zuletzt durch das Lehrer-Trainer-Modell einige Erfolge verbuchen können. Doch letztendlich motivieren Sie junge Leute dadurch, dass sie den Großen auch mal nahekommen. Vorbilder oder Idole spielen im Sport eine große Rolle. Jede Spitzenveranstaltung weckt Interesse. Wenn gar nichts läuft, kommt man aus dem Tal erst recht nicht raus.
Wie wollen Sie Ihre Veranstaltung interessant machen? Große Meisterschaften leiden oft unter einem unüber- sichtlichen Programm.
Deswegen wollen wir durch einen zusätzlichen Moderator im Innenraum dem Zuschauer einen kleinen Schubs geben, wo gerade was Spannendes läuft. Sonst ist das doch so: Die Läufer kommen ins Ziel, der Beifall hört plötzlich auf, es entsteht ein Loch. Die Leute gucken wirr in der Gegend rum. Das wollen wir ändern. Im Vorfeld machen wir natürlich eine Menge Werbung. Wir haben sogar zwei Busse gechartert.
Kann man das alles schaffen, wenn man “nebenbei" noch Orthopäde und dreifacher Familienvater ist?
Naja, in den letzten Wochen bin ich selten vor halb zwei ins Bett gekommen.

Weser Kurier vom 20. April 2001
„Hier ist der Logistik-Klaus“
Leichtathletik-Europacup: Klaus de Vries macht auch vor Betten nicht halt
Von unserem Mitarbeiter Stefan Freye
Bremen. „Hallo, hier ist Logistik-Klaus.“ Was im ersten Moment wie eine lockere Wortspielerei klingt, dokumentiert eher nüchterne Verbundenheit. Klaus de Vries ist Leiter der Logistik-Gruppe des Leichtathletik-Europacups, der am 23./24. Juni im Weserstadion ausgetragen wird. Für verbale Ausschweifungen ist überhaupt kein Raum – Sachlichkeit ist Trumpf.
De Vries soll Unmögliches möglich machen und dabei möglichst nicht den Überblick über die Belange von 1200 Athleten, Trainern, Offiziellen und Technikern verlieren. Deren Transport, Verpflegung und Unterbringung erfordert umsichtige
Planung – ein zwei Meter großer Kugelstoßer aus Russland benötigt eben ein anderes Bett als die italienische Langstrecken- läuferin.
„Im Detail nicht“, beantwortet de Vries denn auch die Frage, ob er mit so viel Arbeit gerechnet habe. Aber schnell verfestigt sich der Eindruck: Je komplizierter es wird, desto lieber ist es dem 60-Jährigen. Allein einen flexiblen Hol- und Bringservice einzurichten, der den Pendelverkehr zwischen Flughafen, Hotels und Stadion aufrechterhält, würde so manchem wohl schwer auf die Nerven gehen. Nicht so Klaus de Vries. „Die Arbeit macht mir Spaß“, geht er ganz in der Logistik auf – als „Automann“ komme er ja auch aus dieser Ecke. Über 18 Jahre hat de Vries die Produktbewährung eines Düsseldorfer Auto- mobilwerkes geleitet – und einige harte Nüsse geknackt.
Nun beschert ihm sein Vorruhestand eine ähnlich komplizierte Aufgabe: Wöchentlich trifft er sich mit seinem Logistik-         Mitstreiter Peter Springborn und tüftelt. „Gott sei Dank“ habe er mit Springborn einen in Hotel- und Reiseangelegenheiten erfahrenen Kollegen – als Reiseführer in Sachen Laufveranstaltungen bereiste Springborn alle Erdteile.
Mit dem schlichten Transport der Teilnehmer ist es längst nicht getan. Die ausländischen Teams müssen in ihrer Landessprache betreut werden. Ein Problem? Kein Problem. „Hier haben sich Nachwuchskräfte aus dem Bereich der Städte- und Messe- führung als Mannschaftsattaché angeboten.“ Ein anderes Feld bereitet ihm dagegen Kopfzerbrechen: Noch haben sich nicht genug Fahrer für den Fuhrpark gemeldet. Deshalb sucht die Logistik-Gruppe interessierte Leichtathleten mit Ortskenntnis. Sie können sich an ihre Vereinsleitung oder den Bremer Leichtathletik-Verband wenden.

Pressekonferenz Leichtathletik Europa Cup in Bremen am 26. April 2001
Bremer Weserstadion wird mit Leichtathletikanlage ausgebaut
Bremen (hes)."Bremen ist auch gerne Partner des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) bei weiteren Veranstaltungen", sagte Sportsenator Bernt Schulte im Weserstadion. Im Zuge des Umbaus des Stadions für Fußball-WM-Spiele 2006 werde das Sportressort die neue Kunststoffanlage finanzieren. Zuvor werde der Platz 11, auf dem auch Werders Fußballamateure ihre Heimat haben, nun mit einer Kunststoffanlage ausgebaut, auf der auch Landesmeisterschaften der Leichtathleten ausge- tragen werden können. Derzeit sei eine Steigerung der Attraktivität des Weserstadions durch Renovierung und Ausbau der Nordtribüne mit privaten Mitteln in Verhandlungen, ein Restaurant als Mitfinanzier sei bereits gefunden.
Für diese freudige Botschaft bedankte sich der neue Verbandspräsident Dr. Clemens Prokop beim Sportsenator, "Bremen bleibe so dem DLV als Standort erhalten". Der Leichtathletik-Verband wolle verstärkt internationale Veranstaltungen einwer- ben und Bremen als Ausrichtungsort dabei gerne berücksichtigen. Er bedauerte, dass es "in der letzten Zeit mehr juristische
Querelen als leichtathletische Ereignisse gab". Der DLV sei an verschiedene, gegensätzliche Urteile gebunden gewesen, doch beim Europa-Cup in Bremen am 23./24. Juni werden endlich sportliche Antworten gegeben. DLV-Generalsekretär Frank Hensel freute sich darüber, dass jüngste Erhebungen überraschend Leichtathletik als beliebteste Sportart im Fernsehen erbracht hätten. Die neuen Verträge des DLV mit ARD und ZDF machten es nun möglich, daß die in Bremen startenden mindestens hundert Olympia-Medaillengewinner Europaweit zu sehen sind.

Weser Kurier vom 2. Mai 2001
“Von allein geht´s nicht”
Europacup-Serie: Die Vermarktung eines Events
Von unserem Mitarbeiter Stefan Freye
Bremen. Die Crème de la Crème europäischer Leichtathletik im Weserstadion – eigentlich sollte es doch kein Problem sein, für den Europacup am 23.und 24. Juni zu werben. Namen wie Nils Schumann, Heike Drechsler oder Jonathan Edwards ver- markten sich schließlich von selbst, oder?
“Von allein geht es nicht”, widerspricht Claudia Earp. Die Leiterin der Marketinggruppe nennt die Gründe: Das Hauptproblem sei, dass es um ein Ereignis geht, das keiner kennt, da der Europacup ein für die Leichtathletik seltener Teamwettbewerb sei. Zudem sei es leichter, eine Sache zu vermarkten, die jedes Jahr am gleichen Ort stattfindet. Demzufolge eine wichtige Aufgabe für Claudia Earp. “Wir sind für ein volles Weserstadion verantwortlich”, umschreibt die 38-Jährige die Ziele. Also arbeitet sie mit Hochdruck daran, den Leichtathletik-Europacup bekannter zu machen – mit einem Team von “acht fleißigen Männern, die mich hervorragend unterstützen”. Dabei haben sie sich neben den üblichen Plakatierungsaktionen und Annoncen einiges ein- fallen lassen: “Es gibt sehr viele Angebote, da mussten wir hinsichtlich einer Leichtathletikveranstaltung neue Wege gehen.” So werden zusätzlich zu den Radiospots auch Fernsehtrailer auf das Event hinweisen. Daneben fahren zwei Busse der BSAG mit Europacup-Werbung durch die Hansestadt, werden riesige Banner an vier Bremer Eisenbahnbrücken gehängt.
Der Europäische Leichtathletikverband kontrolliert alle Aktivitäten der Gruppe, vorab ist immer das Okay seines Vermarkt- ungspartners Octagon in England einzuholen. “Wir können nicht selbstständig arbeiten”, bedauert Earp das ewige Hin und Her zwischen Bremen und London. Zudem gehe viel Zeit durch die oftmals langwierigen Prüfungen verloren.
Zeit, die Earp und ihre Mitstreiter eigentlich gar nicht haben: Schließlich waren die Bremer kurzfristig für Florenz als Austrag- ungsort eingesprungen. Dementsprechend musste die Vermarktungsstrategie nun in der Hälfte der Zeit entwickelt und umsetzt werden.

Weser Kurier vom 15. Mai 2001
Mit Erfahrung und Routine
Marion Poppen und die Betreuung der VIPs beim Europacup
Von unserem Mitarbeiter Stefan Freye
Bremen. Es zählt wohl zu den unumstößlichen Gesetzen sportlicher Großveranstaltungen, dass diese neben einer der großen Anzahl von Athleten auch viele Vip´s anlocken. Und so werden sich auch beim Europa Cup am 23.und 24. Juni zahlreiche Ehrengäste im Bremer Weserstadion einfinden: „Wir betreuen insgesamt 750 Leute im Stadion“, berichtet Marion Poppen, Leiterin der Arbeitsgruppe Rahmenprogramm/Protokoll. Neben einer Delegation des Europäischen Leichtathletik Verbandes, werden auch Gäste vom Deutschen Leichtathletik Verband erwartet, sie müssen ebenso betreut werden wie die Leute aus Politik und Wirtschaft. „Und die Sponsoren werden auch immer mehr“, fügt Marion Poppen an. Da trifft es sich gut, dass Poppen über eine ganze Menge Erfahrung verfügt: Von 1973 bis 1999 war sie Vorsitzende des Bremer Leichtathletik Verbandes und als solche für viele große Wettkämpfe im Weserstadion verantwortlich. „Für mich ist vieles Routine. Im Vergleich zu anderen Veranstaltungen ist es aber komplizierter.“
Klar, mit EAA und DLV haben sich gleich zwei Verbände angemeldet – da kann allein die Sitzordnung zu einem Rätsel werden. Dabei ist es mit der Betreuung im Stadion nicht getan. Schließlich verlangt die lange Liste prominenter Gäste nach einem Rahmenprogramm: Besuche der Innenstadt, ein Rathausempfang und eine Fahrt nach Worpswede sollen ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich machen. „Eine vielschichtige Aufgabe“, fasst Marion Poppen zusammen. Aber nach 26 Jahren BLV-Vorsitz, wird sie mit den VIPs wohl auch noch fertig . . .

Weser Kurier (Online) vom 31. Mai 2001
Ein Käfig als größte Herausforderung
Die Abteilung Sporttechnik ist die größte im Organisations-Stab für den Leichtathletik-Europa-
Cup
Von unserem Mitarbeiter Stefan Freye
Bremen. Das Schutzgitter für Diskus- und Hammerwurf ist die aktuelle Nuss, die es für Alwin Visser zu knacken gab. “Ich habe in ganz Deutschland telefoniert.” Für den Leiter der Arbeitsgruppe Sporttechnik beim Leichtathletik-Europacup in Bremen hat sich die Dauertelefonie gelohnt.
Das Problem mit dem enormen Drahtgeflecht – der neun Meter hohe Käfig wird aus Rehlingen geliehen – hat Visser ebenso gelöst wie bislang alle anderen schwierigen Fälle. Ist auch besser so: Die Sporttechnik ist die mit Abstand größte und für den reibungslosen Ablauf des Europacups, der am 23. und 24. Juni stattfindet, wohl wichtigste Gruppe. Rund 350 Personen werden vor und hinter den Kulissen arbeiten. Unter ihnen 150 Kampfrichter, “ohne die es nicht geht”, wie Visser, zugleich BLV-Kampfrichterreferent, entschieden feststellt.
Wie es sich für eine Veranstaltung dieser Größenordnung gehört, hat die Sporttechnik die Aufgaben in einem rund 40 Seiten starken Handbuch zusammen gestellt. Dort erfahren die Helfer, welche Sportler sich wo aufwärmen dürfen und wann diese aufzurufen sind. Kurz vor seinem Start muss der Athlet dann in den “Callroom”, wo Ausrüstung und Startnummern kontrolliert werden.
Für die Geräte, mit denen die Werfer dann im Weserstadion auf Weitenjagd gehen, mussten die Bremer Veranstalter selbst sorgen. “Die meisten bringen aber eigene mit, die müssen wir dann erst noch prüfen”, beschreibt Alwin Visser ein weiteres Betätigungsfeld.
Und weil so viele Sporttechnikhelfer und Kampfrichter durchs Stadion wuseln, hat die Technikgruppe auch gleich die Akkreditierung übernommen. In erster Linie kümmert sich Herwig Renkwitz um die Einteilung von Bereichen und Personen- gruppen. “Du musst für jeden wissen, wohin er darf”, schildert er seinen Kampf um den nötigen Durchblick.
Eigentlich soll ja erst im nächsten Jahr mit der Tieferlegung des Weserstadions begonnen werden. Die Sporttechnikgruppe beginnt bereits in dieser Woche: Nachdem der Wurf- bzw. Stoßring eingetroffen ist, wird ein Stück des Bodens eines Straf- raums ausgehoben. Wo sonst die Bälle fliegen, starten nun am 23./24. Juni Diskus und Kugel.
Da die Firma Russell nur Sportbekleidung liefert, bezogen die Veranstalter alle Stoffhosen der Helfer über Karstadt. Leider gab es ein Problem mit den größeren Größen: Sie fielen alle zu klein aus. Nun muss schnellstens Abhilfe geschaffen werden.

Weser Kurier vom 12. Juni 2001
In Bremen WM-Norm knacken
41 deutsche Leichtathleten beim Europa-Cup am Start / Figura läuft Staffel
Stuttgart (dpa). Die Diskus-Olympiasieger Lars Riedel und 800-Meter Ass Nils Schumann führen das Aufgebot des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) für den Europacup der Superliga am 23. und 24. Juni im Bremer Weserstadion an. Der DLV nominierte eine 41-köpfige Mannschaft. Verletzungsbedingt fehlt Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler.
Das deutsche Team hatte im vergangenen Jahr im englischen Gateshead bei den Männern und Frauen jeweils den zweiten  Platz belegt. “Dies streben wir auch in diesem Jahr wieder an", sagte DLV-Leistungssport-Chef Frank Hensel.
Unter den Teilnehmern sind einige Athleten, die die Norm für die Weltmeisterschaften im August im kanadischen Edmonton noch nicht erfüllt haben. So der vierfache Weltmeister Riedel, der am Wochenende bei seinem Saisondebüt bei der DLV-Gala in Dortmund mit 64,36 m unter den geforderten 65 m blieb. Bisher haben insgesamt nur 27 deutsche Athleten die WM-Norm gebracht. Attraktiv ist der Europacup vor allem für die Athleten in Disziplinen, wo mehrere deutsche Sportler die WM- Erfordernisse erfüllen: Mit einem zweiten Platz in Bremen können sie sich direkt für Edmonton qualifizieren.
Zum ersten Mal wieder seit drei Jahren im Kreis der Nationalmannschaft ist Hochspringerin Alina Astafei (Mannheim), die offensichtlich ihr Tief überwunden hat. Für Doppel-Starts sind in Bremen Europameisterin Grit Breuer (400 m/4 x 400 m), die Dortmunderin Gabi Rockmeier (100 m/4 x 100 m) sowie Holger Blume (200 m/4 x 100 m), Tim Goebel (100 m/4 x 100 m) und Ingo Schultz (400 m/4 x 400 m) vorgesehen. Noch nicht besetzt hat der DLV die 100 m Hürden und den Speerwurf der Frauen sowie die 400 m Hürden, 3000 m Hindernis und Dreisprung der Männer. Für diese Disziplinen werden die Athleten nach dem Internationalen Meeting in Nürnberg nominiert.
Aufgebot Männer:
100 m: Tim Goebel (ASV Köln); 200 m: Holger Blume (TV Wattenscheid); 4x100m: Marc Blume (Wattenscheid)
Alexander Kosenkow ( Wattenscheid), Tim Goebel (ASV Köln), Holger Blume (TV Wattenscheid); 400 m: Ingo Schultz  (LG Olympia Dortmund); 4x400 m: Ingo Schultz (LG Olympia Dortmund), Michael Dragu (LG Olympia Dortmund), Lars Figura (LG Olympia Dortmund), Marc-Alexander Scheer (TSV Bayer 04 Leverkusen); 110 m Hürden: Florian Schwarthoff (OSC Berlin); 800 m: Nils Schumann (LG Nike Berlin); 1500 m: Benjamin Hetzler ( Wattenscheid); 3000 m: Wolfram Müller (LSV Pirna); 5000 m: Jan Fitschen (Wattenscheid); Hochsprung Martin Buß (TSV Bayer 04 Leverkusen); Stabhochsprung: Michael Stolle (TSV Bayer 04 Leverkusen); Weitsprung: Konstantin Krause (LG Ohra-Hörsel); Kugel: Ralf Bartels (SC Neubrandenburg); Diskus: Lars Riedel (LAC Chemnitz); Hammer: Holger Klose (LG Eintracht Frankfurt); Speerwurf: Raymond Hecht (SC Magdeburg).
Frauen:
100 m: Gabi Rockmeier (LG Olympia Dortmund); 200 m: Birgit Rockmeier (LG Olympia Dortmund); 4x100 m: Sina  Schielke (LG Olympia Dortmund), Gabi Rockmeier (LG Olympia Dortmund), Marion Wagner (USC Mainz), Melanie Paschke ( Wattenscheid); 400 m: Grit Breuer (SC Magdeburg); 4x400 m: Grit Breuer (SC Magdeburg), Claudia Marx (LG Nike Berlin), Shanta Ghosh (LC Rehlingen), Florence Ekpo-Uhmo (USC Mainz); 400 m Hürden: Heike Meißner (LAC Chemnitz); 800 m: Yvonne Teichmann (SG Magdeburg); 1500 m: Irina Mikitenko (LG Eintracht Frankfurt); 3000 m: Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg); 5000 m: Luminita Zaituc (LG Braunschweig); Hochsprung: Alina Astafei (MTG Mannheim); Stabhoch: Christine Adams (TSV Bayer 04 Leverkusen); Weitsprung: Inga Leiwesmeier (LG Paderborn); Dreisprung: Nicole Herschmann (OSC Berlin); Kugel: Nadine Kleiner-Schmitt (SC Magdeburg); Diskus: Franka Dietsch (SC Neubrandenburg); Hammer: Kirsten Münchow (LG Eintracht Frankfurt).

Delmenhorster Kreisblatt vom 14. Juni 2001
Delmenhorster als Funktioner beim Europa-Cup
Leichtathletik-Elite im Weserstadion
Bremen (fr). Für Liebhaber der Leichathletik ist in anderthalb Wochen ein Leckerbissen direkt vor der Haustür Pflicht. Am 23./24. Juni lockt der Europa-Cup der Superliga in das Bremer Weserstadion.
Auch vier Delmenhorster werden in der Organisation dabei sein. Renate Bartschat ist für das Protokoll, für Rekorddienst und Entgegennahme von Einsprüchen verantwortlich. Wolfgang Budde zählt Runden, misst den Wind und bedient die Glocke vor der letzten Runde. Bruno Schminke ist als Obmann der Bahn- und Wechselbeobachter und Rundenzähler aktiv. Christel Schminke wirkt als Bahn- und Wechselbeobachterin und Rundenzählerin mit.
Der Europa-Cup wird jährlich ausgetragen. Es gibt die Super-A-, -B- und -C-Liga, jeweils mit Auf- und Abstieg. Die jeweils acht besten Ländermannschaften, Männer und Frauen getrennt, kämpfen um den Sieg. Es werden fast alle olympischen Wettbewerbe zu sehen sein. Statt des 10000-m-Laufs werden 3000 m gelaufen. Pro Land tritt nur ein Athlet oder eine Athletin in jeder Disziplin an. Der Sieger eines Wettbewerbs erhält acht Punkte, der Achte einen Zähler.
Folgende Nationalmannschaften treten in Bremen an, Männer: Großbritannien und Nordirland, Deutschland, Frankreich, Italien, Russland, Griechenland, Spanien, Polen.
Frauen: Russland, Deutschland, Frankreich, Rumänien, Italien, Großbritannien und Nordirland, Weißrussland, Tschechien.
Die Reihenfolge spiegelt bis zum sechsten Platz die vorjährige Rangfolge wieder. Die weiter aufgeführte Nationen sind die Aufsteiger.
Die Wettkämpfe beginnen am Sonnnabend, den 23. Juni nach der offiziellen Eröffnung um 14.30 Uhr. Der erste Tag wird um 17.30 Uhr mit den 4x100-m-Staffeln abgeschlossen. Am Sonntag ist um 13.30 Uhr Wettkampfbeginn. Nach den 4x400-m-Staffeln wird der Europa-Cup um 17.45 Uhr mit der Siegerehrung beendet.

Weser Kurier vom 20. Juni 2001
Klinkenputzen für den Europacup
Auf der Suche nach Sponsoren: Beim Fisch ging keiner an die Angel
Bremen. Nein, Gerhard Kloidt feiert in diesen Tagen weder seinen 30. Geburtstag noch ist er ledig. Vor allem ist er jedoch ein Mann. Dass er trotzdem so viele Klinken putzen musste, liegt einfach an seiner Aufgabe: Er hat Sponsoren für den am kommenden Wochenende im Bremer Weserstadion stattfindenden Leichtathletik-Europacup beschafft.
Sieben europaweit tätige Unternehmen unterstützen den Europäischen LeichtathletikVerband und sind damit als große Werbe- partner gesetzt. Neben den drei regionalen Sponsoren, die sich bereits im vergangenen Sommer vertraglich gebunden hatten, bestand jedoch noch immer ein Bedarf an wirtschaftlicher Hilfe. " Sachleistung gegen Werbung", nennt der 58-Jährige die Formel für den Erfolg in Sachen Sponsorengewinnung.
Schließlich war er erst im Dezember als Unterstützung für den BLV-Präsidenten Matthias Reick eingestiegen. "Geld haben wir nicht, die Budgets sind vergeben", musste er sich stets anhören. "Geld wollen wir nicht, wir wollen eure Sachleistung ", begegnete er ebenso regelmäßig  und schon war er wieder im Geschäft. Auf diese Weise beschaffte er Hosen für die Helfer der Veranstaltung oder das Mineralwasser für die Athleten.
Daneben sind auch die Kleinbusse für den Shuttleservice dem Kloidtschen Prinzip zu verdanken. Im Gegenzug werben diese Sponsoren nun auf den Banden des Stadions oder im Programmheft und erhielten Freikarten. "Sponsorensuche hat viel mit Vertrauen zu tun, das war in der Kürze der Zeit natürlich schwierig", umreißt Gerhard Kloidt das größte Manko. Zudem darf bei den Titelkämpfen keine Doppelwerbung betrieben werden. Werbepartner aus den Branchen der Hauptsponsoren waren tabu. Alle Versuche, weitere Partner zu gewinnen, waren allerdings auch nicht von Erfolg gekrönt. Neben kostenfreiem Büromaterial müssen die Organisatoren unter anderem auch auf gesponsorten Fisch verzichten. "Und das in einer Stadt wie Bremen", kann Gerhard Kloidt es noch immer nicht richtig glauben.

Leichtathletik Nr. 25 vom 19. Juni 2001
Kein Selbstläufer
Leben Totgesagte länger ? - Bremer hoffen auf 40 000 Europacup-Zuschauer
Von Norbert Hensen
Mitte der 90er Jahre drohte dem Europacup die Luft auszugehen: Wenig Zuschauer im Stadion und kaum öffentliches  Interesse an den Fernsehschirmen waren die Kennzeichen. 1997 bekam dann München den Zuschlag für das Superliga-Finale der je acht besten Männer- und Frauen-Nationalmannschaften Europas. Der DLV und die Olympiapark GmbH brachten den nicht für möglich gehaltenen Kunstgriff fertig, zweimal mehr als 20.000 Zuschauer ins Olympiastadion zu locken Es grenzte an eine chiurgische Meisterleistung. Doch der Patient erlitt Rückfälle.
Pannen in St. Petersburg
Schon 1998 in St. Petersburg war die Euphorie wieder verflogen. Zur geringen Resonanz gesellten sich peinliche Pannen des
überforderten russischen Ausrichters. Der damalige DLV-Präsident Helmut Digel ging sogar so weit, von einer "negativen Werbung fur die Leichtathletik" zu sprechen. Und noch etwas zeigten die Veranstaltungen der vergangenen Jahre: Das  Gelingen des Europacups steht und fällt mit der Kompetenz und dem Engagement des örtlichen Ausrichters.
Wenige Tage vor dem 22. Europacup-Finale strahlt man in Bremen und auch beim Europäischen LeichtathletikVerband (EAA) Zuversicht aus. Vielleicht ist es ein gutes Omen, dass sich mit dem Chef des Organisationskomitees, Matthias Reick,  ein Orthopäde daran gemacht hat, dem Europacup erneut auf die Beine zu helfen. Reick, auch Vorsitzender des Bremer Leichtathletik-Verbandes, hofft auf 20.000 Zuschauer an beiden Tagen. “Aber es ist nicht allein die Zuschauerzahl, die solch ein Ereignis zum Erfolg werden lässt”, meinte der 39-Jährige. Auch die Außenwirkung, sprich Femsehzeiten sowie die Zufriedenheit der Sponsoren, spiele ein große Rolle. Dafür, dass das Ereignis Europacup am 23. und 24. Juni im Weser- stadion in punkto Zuschauerresonanz als Erfolg verbucht werden kann, haben sich die Bremer einiges einfallen lassen.
Radio Bremen strahlt über 80 Mal einen Hörfunkspot aus, darüber hinaus macht im Regionalfernsehen des Senders 15 Mal  ein Trailer Werbung für den Spar-Europacup. Eine Kooperation mit Karstadt Sport ermöglicht es, diesen Werbefilm zudem ununterbrochen in einem Schaufenster des Kaufhauses zu senden. Die Bremer Politik machte sich ebenfalls für die Veranstalt- ung stark. 20 ausgewählte Stellen wurden für Sonderplakatierungen zur Verfügung gestellt.
Ob das genügt, 20.000 Zuschauer in Stadion zu locken, wird auch von nicht beeinflussbaren Faktoren abhängen. Sonnenschein und angenehme Temperaturen dürften so manchem die Entscheidung für einen Stadionbesuch erleichtern.
Eines wollen die Bremer auf keinen Fall: den Besucher am Stadioneingang alleine lassen. “Große Meisterschaften leiden oft unter einem unübersichtlichen Programm", sagte Matthias Reick, deshalb haben wir einen zusätzlichen Moderator im Innen- raum, der die Zuschauer im Stadion informiert, wo gerade etwas Spannendes läuft." Ein Erfolg ist es eben auch, wenn die zahlenden Zuschauer auf dem Nachhauseweg behaupten können: Das war gute Unterhaltung.
Dass der Europacup kein “Selbstläufer" ist, weiß auch EAA-Generalsekretär Till Lufft. Die EAA hat aus der Pleite- Veranstaltung in St Petersburg Lehren gezogen. Wir nehmen jeden Ausrichter noch strenger unter die Lupe und suchen in der Vorbereitung ständig die Kooperation", sagt Lufft. Man will schließ
lich keine 1,5 Millionen Mark in den Sand setzten. Von diesem Gesamtetat deckt der europäische Verband und seine Sponsoren fast eine Million Mark ab.
Für den örtlichen Ausrichter kann am Ende neben Werbung für die Stadt auch noch Bares übrig bleiben. Wobei die Gewinn- möglichkeiten wiederurn stark von den Zuschauerzahlen abhängig sind, da auch der Deutsche Leichtathletik-Verband am möglichen Erlös partizipiert. Was die Resonanz angeht, übertrifft Luffts Optimismus sogar den von Matthias Reick. Ich bin nie zufrieden, deshalb hoffe ich auf über 20.000 Zuschauer pro Tag", sagt der EAA-Funktionär.
Fünf Olympiasieger
Für ein sportlich hochkarätiges Programm ist an den zwei Tagen in Bremen ohne Zweifel gesorgt. Jeder Meeting-Veranstalter würde sich nach einem solchen Feld die Finger lecken - auch ohne Top-Stars aus Übersee. Neben dem deutschen 800m- Olympiasieger Nils Schumann, der nach seinem Verzicht in Nürnberg hoffentlich wieder starten kann, geben sich noch vier andere Sydney-Sieger die Klinke in die Hand: 200m Olympiasieger Konstantinos Kenteris, der zuletzt in Athen glänzende 20,10 s sprintete, geht für Griechenland über 100 m und 200 m an den Start. Dreisprung-Weltrekordler Jonathan Edwards  will mit seinem britischen Team den Cup verteidigen. Der Pole Szymon Ziolkowski möchte den Hammer trotz der zur Anwendung kommenden Vier-Versuche-Regel in den horizontalen Sprungwettbewerben und Würfen über die 80m Marke schleudern, und Gabriela Szabo, Lauf-Königin aus Rumänien, startet über 5000 m. Ein vielfaches länger ist die Liste anderer Medaillengewinner aus Sydney.
Der DLV hat nach dem Wochenende noch Marc Blume für seinen verletzten Bruder Holger über 200 m, sowie Jan Reinberg über 400 m Hürden, Ralf Aßmus über 3000 m Hindeniis, Charles Friedek im Dreisprung, Kirsten Bolm über 100 m Hürden und Steffi Nerius im Speerwurf nachnominiert. Beide deutsche Teams wollen natürlich so weit wie möglich vorne mitmischen. Bei den Männern könnte es erneut auf ein Duell Großbritannien gegen Deutschland hinauslaufen. Die DLV-Frauen wollen der starken russischen Equipe möglichst bis zum Schluss Paroli bieten. Vielleicht können sogar die Zuschauer zum Zünglein an der Waage werden, wenn sie im Weserstadion, wo sonst die Werder-Fußballprofis zu Hause sind, die Rolle des “zwölften  Manns" für beide deutschen Teams übernehmen.

Weser Kurier vom 21. Juni 2001
Gute Nachricht zur rechten Zeit
Heike Drechsler springt doch: Ein Kick für den Leichtathletik-Europacup
Von unserem Redakteur Olaf Dorow
Bremen. Kennen Sie Inga Leiwesmeier? Nein? Das ist eine aufstrebende 24-jährige Weitspringerin aus Paderborn. Bestleist- ung 6,66 m. Sie war als deutsche Starterin für den Leichtathletik-Europacup im Bremer Weserstadion vorgesehen. Bis gestern Nachmittag. Dann teilte der DLV aus Darmstadt mit, dass stattdessen die lange verletzte Heike Drechsler (36) springen wird.
Die kennt jeder. Etwas Besseres hätten dem Veranstalter, der auf 20 000 Besucher täglich hofft, nicht passieren können. Nichts gegen Inga Leiwesmeier, aber die Aussicht auf die Doppel-Olympiasiegerin könnte Wankelmütige noch eher ins Stadion treiben als die wohlwollende Wetterprognose fürs Wochenende. Drechsler, die spätestens in Sydney in die Herzen aller Sportfans gehüpft war, hatte am Dienstag Abend bei einem als Test gedachten Meeting in Straßburg die WM Norm von 6,75 m um einen Hauch verfehlt (6,74). So war es oft in der quasi ewigen Karriere der blonden Thüringerin mit den Endlos- Beinen: Plötzlich ist sie wieder da.
Und plötzlich wird der Hauch von großer olympischer Leichtathletik kräftig angepustet. Der eher beiläufige Gedanke, dass am Wochenende im Weserstadion wirklich zu Hauf verdiente Olympier einmarschieren, drängt sich auf einmal in den Vorder- grund.
Tatsächlich, da sind ja lauter Leute zu gange, die wir von Atlanta oder Sydney noch gut kennen: Jonathan Edwards, der streng gläubige Dreisprung-Weltrekordler, Colin Jackson, der Hürden-Sprinter, Langstrecklerin Gabriela Szabo aus Rumänien, die so klein ist und immer allen wegläuft. Oder der flinke Grieche Konstantinos Kenderis, der im olympischen 200-Meter-Finale sogar die übermächtige Streitmacht aus Ubersee besiegte. Und so weiter.
Eine Zeitlang wurde der Europacup betrachtet wie ein vom Aussterben bedrohtes Reptil. Zum einen weil die Leichtathletik    insgesamt gegenüber Disziplinen wie Formel 1, Tennis oder Skisport erschreckend schnell an Anhängern, Geldgebern, Sende- zeiten und Nachwuchs verlor. Zum anderen weil Mannschaftswettbewerbe wie der Europacup sich aus der Annahme  speisten, hier werde Klassenkampf auf der Tartanbahn betrieben.
Den spannenden und hochemotionalen Kampf der Systeme gibt es so nicht mehr. Es hat eine Weile gedauert, bis sich die einstige Königs-Sportart davon erholt hat. Doch seit einigen Jahren steigen die Zuschauerzahlen wieder, jetzt nennt sich der Europacup Superliga (mit Auf- und Abstieg, jeweils zwei Teams) und in Bremen werben die Organisatoren, dies sei eine inoffizielle Mannschafts-Europameisterschaft. Viele Nationen nehmen den Wettbewerb inzwischen wieder richtig emst. Wie zum Beispiel Titelverteidiger England (Herren) und Russland (Frauen). Seit der Zusage von Heike Drechsler gibt es einen Grund mehr, das auch für Deutschland anzunehmen.

Weser Kurier vom 21. Juni 2001
Damit der Funke richtig überspringt
Moderator Henry Vogt begleitet im Innenraum das Publikum durch die Wettbewerbe
Von unserer Redakteurin Ruth Gerbracht
Bremen. Die Idee spukte Matthias Reick, dem Chef des Bremer Leichathletikverbandes schon lange im Kopf herum. Neben den üblichen Veranstaltungssprechern sollte es im Innenraum noch einen zusätzlichen Moderator geben, der die Zuschauer durch die Leichtathletik-Veranstaltungen begleitet.
Der Hintergrund: Viele Stadion-Besucher sind angesichts der Fülle von Wettbewerben, die womöglich noch parallel laufen, überfordert. Oftmals ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen, wer was wo macht. “Um das zu erklären, bin ich da", erklärt Henry Vogt, Sportredakteur beim Hörfunk von Radio Bremen und seit einigen Jahren versierter Moderator zahlreicher Sport- veranstaltungen. “Bei den Laufwettbewerben ist es einfach, das Geschehen zu verfolgen,” meint Henry Vogt, “aber bei den technischen Disziplinen verliert man schnell den Überblick." So wird der Bremer Innenraumsprecher den Zuschauern im Weserstadion beispielsweise erklären, wie weit Lars Riedel bei seinem dritten Versuch den Diskus noch werfen muss, um sich an die Spitze zu setzen. Wenn möglich soll es auch kurze Gespräche mit den Athleten im Innenraum geben. Ob vor dem Wettbewerb oder nachher, hängt immer vom Befinden des einzelnen ab. Die einen sind so konzentriert, die mögen das nicht, aber andere sind für so etwas immer zu haben", meint Henry Vogt. "Das muss man ausloten."
Seine zweite Aufgabe besteht darin, für Unterhaltung zu sorgen, die Begeisterung der Zuschauer zu fördern und ihnen in kritischen Situationen auch die Unterstützung für die Athleten abzuringen. "Ich sehe mich als Bindeglied zwischen Zuschauern und Athleten", beschreibt er seine Aufgabe. Die Kommunikation zwischen beiden soll funktionieren. "Da muss der Funke überspringen."
Spaß machen soll die Veranstaltung aber auch schon im Vorfeld der Europacup-Wettbewerbe. Beim Vorprogramm " Fun in Athletics" demonstriert der Jüngste Bremer Nachwuchs, wieviel Spaß Leichtathletik bereits in jungen Jahren machen kann. Und damit die Kinder das nicht nur zeigen, sondern auch darüber erzählen können, dafür steht Henry Vogt mit dem Mikrofon
vor Ort.

Kölner Stadt-Anzeiger vom 24. Juni 2001
Siege für Breuer, Dietzsch und Staffel
22. Europacup der Leichtathleten in Bremen
Bremen (sid) Dank ihrer Siegertypen Grit Breuer und Franka Dietzsch steuern die deutschen Frauen nach dem ersten Tag  des Leichtathletik-Europacupfinales in Bremen mit 61 Punkten hinter Abonnementsieger Russland (70) auf Silberkurs.
Überraschend kämpfen die Männer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) als Siebter mit 38 Zählern am Sonntag bei dieser inoffiziellen Mannschafts-EM sogar gegen den Abstieg. Überraschungs-Spitzenreiter bei Halbzeit ist Aufsteiger Polen mit 56 Punkten vor Italien (55), nur Vierter Titelverteidiger Großbritannien.
"Eine glänzende Vorstellung unserer Frauen", lobte DLV-Generalsekretär Frank Hensel das "schwache Geschlecht", das vor etwa 15.000 Zuschauern im Weserstadion ohne Einbruch war und auf der ganzen Linie überzeugte.
Auch wenn Hensel auf den zu erwartenden starken zweiten Tag der Männer verwies, liegt das mit Siegambitionen angetretene Team aussichtslos zurück. Mit Ausnahme der Dortmunder 400-m-Hoffnung Ingo Schultz, Vierter in 45,53 Sekunden, boten die DLV-Asse ein klägliches Bild.
Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch kommt nach überstandenen Knieproblemen sechs Wochen vor der Titelverteidigung in Edmonton/Kanada immer besser in Fahrt. Nach dem Triumph über Rumäniens Weltjahresbeste mit angesichts schwieriger Windverhältnisse hervorragenden 64,04 m sagte die 33-jährige Neubrandenburgerin:
"Für mich persönlich war dieser Sieg ganz wichtig, weil ich nach den Problemen im Vorfeld niemals damit gerechnet hatte, Grasu zu schlagen. Ich hoffe, das war ein Anschub für das Team."
Die Teamkolleginnen ließen sich nicht lange bitten. Vor allem 400-m-Europameisterin Grit Breuer begeisterte im Weserstadion mit ihrem unwiderstehlichen Endspurt zum überlegenen Sieg in deutscher Jahresbestzeit von 50,49 Sekunden.
"Es geht weiter bergauf", meinte die Staffel-Weltmeisterin von 1997 nach ihrer besten Zeit seit zwei Jahren. Am kommenden Wochenende bei den deutschen Meisterschaften in Stuttgart hofft Breuer auf eine weitere Steigerung: "Es geht noch deutlich schneller, wenn es endlich mal Sommer wird. Bei der WM will ich ins Finale und dann weitersehen."
Weitere wichtige Punktesammlerinnen für die weibliche DLV-Auswahl waren jeweils mit deutschen Jahresbestmarken Breuers Teamkollegin Ivonne Teichmann als 800-m-Zweite in 1:59,39 Minuten und die Chemnitzerin Heike Meissner über 400 m Hürden als Dritte in 55,33 Sekunden sowie Steffi Nerius als Speerwurf-Zweite mit 63,12 m. Die 4x100-m-Staffel setzte mit ihrem Sieg in 43,02 Sekunden das i-Tüpfelchen auf die überzeugende Vorstellung.
Schwach dagegen durch die Bank die Männer. Hammer-Weltmeister Karsten Kobs war nach Rang fünf mit 75,79 m ratlos: "Im Moment macht es keinen Sinn, zur WM zu fahren. "Der Hochsprung-WM-Dritte Martin Buß (beide Leverkusen) stellte nach Platz drei mit 2,19 m ernüchtert fest: "So etwas bei einem Europacup ist peinlich. Der WM-Zug fährt wohl ohne mich  ab." Die Kölner Sprint-Hoffnung Tim Goebel, Fünfter in 10,35 Sekunden, blieb im Rahmen.
Schonungslos offenbarten sich mit letzten Plätzen über 400 m Hürden und 1.500 m die Laufschwächen. Das wird am Sonntag nach der verletzungsbedingten Absage von 800-m-Olympiasieger Nils Schumann kaum anders aussehen.
"Wir haben ohnehin schon nicht viele Asse, und dann greifen wir auch noch zweimal in die Scheiße", klagte Lauf-Bundestrainer Lothar Hirsch und meinte damit neben dem Ausfall von Deutschlands Sportler des Jahres auch den von Punktegarantin Irina Mikitenko. Die 5.000-m-Olympiafünfte muss nach einem Muskelfaserriss in der Wade sogar um ihre WM-Teilnahme bangen.
Alle
Ergebnisse

Kölner Stadt-Anzeiger vom 25. Juni 2001
Leichtathletik-Europacup: Starke Frauen, schwache Männer
Bremen - Noch längst nicht WM-tauglich präsentierten sich die deutschen Leichtathleten beim Europacupfinale im Bremer Weserstadion.
Zwar untermauerten die Frauen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) mit Platz zwei (117 Punkte) hinter dem erfolgreichen Titelverteidiger Russland (126,5) ihre kontinentale Spitzenstellung.
Doch der Absturz der Männer auf Rang sechs (91), der schlechtesten Platzierung seit der Wiedervereinigung, weit hinter dem Sieger Polen (107), und lediglich zwei neue Normerfüllungen für die Weltmeisterschaften in Edmonton ließen keine rechte Freude aufkommen.
"Unsere Athleten müssen noch zulegen", sagte DLV-Präsident Clemens Prokop.
Vor knapp 30 000 Zuschauern am Samstag und Sonntag in Bremen verzeichneten die DLV-Athleten acht Siege durch Weit- sprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler (Karlsruhe), die Diskus-Asse Lars Riedel (Chemnitz) und Franka Dietzsch (Neubrandenburg), Stabhochspringer Michael Stolle (Leverkusen), Kugelstoßerin Nadine Kleinert-Schmitt und 400-Meter- Läuferin Grit Breuer (beide Magdeburg) sowie beide Frauen-Staffeln.
Für den Wermutstropfen sorgte ausgerechnet Dreisprung-Weltmeister Charles Friedek. Der Leverkusener zog sich einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel zu und erklärte danach seinen WM-Verzicht.
"Es macht keinen Sinn hinzugehen, selbst wenn die Sache noch in Ordnung kommen sollte. Die Saison ist beendet", sagte der 29-Jährige.
Im Hinblick auf die WM Anfang August in Edmonton ist der DLV ohnehin kaum weiter gekommen. Von den 29 ohne Norm- erfüllung angereisten Athleten sicherte sich neben Drechsler lediglich Speerwerferin Steffi Nerius das Kanada-Ticket.
Die anderen traten den Heimweg mit leeren Händen an. Angesichts der Tatsache, dass eine Woche vor der letzten Qualifikationschance bei den deutschen Meisterschaften in Stuttgart lediglich 44 Athleten die Voraussetzungen für einen WM-Start erfüllt haben, flüchtete sich Clemens Prokop in Galgenhumor.
"Die Leichtathletik lebt noch", stellte der DLV-Präsident lapidar fest. Prokop setzt auf den Faktor Zeit und weiß doch, dass genau diese fehlt. "Man sollte noch nicht den Stab über die Athleten brechen. Die Saison läuft erst seit sechs Wochen", meinte der DLV-Boss.
Auftritte wie die von Grit Breuer, Franka Dietzsch oder Lars Riedel sind da natürlich Balsam für die geschundene Seele. Die 400-Meter-Europameisterin knüpft nach ihrer Verletzung im Vorjahr an alte Tage an.
"Die Form wird immer besser, es geht ständig bergauf", freute sich die Magdeburgerin nach ihrer Saisonbestzeit von 50,49 Sekunden. Auch Diskus-Riese Lars Riedel steigerte sich in Bremen auf die Jahresbestweite von 66,63 Meter. "Es wäre noch ein Meter mehr drin gewesen. Ich hoffe, aus dem Trainingslager in Portugal mit einem Niveau von 68 Meter zurückzukommen. Damit hätte ich die Möglichkeit, um eine WM-Medaille zu kämpfen", sagte Riedel.
Einen Überraschungserfolg verbuchte Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch. Die Neubrandenburgerin hatte im vergangenen Spätherbst mit Meniskusproblemen zu kämpfen, die ihren Einsatz im WM-Jahr stark in Frage stellten.
"Die Saison war sehr problematisch. Ich habe zur Zeit weniger drauf als im Vorjahr", schätzt die 33-Jährige ihr Leistungsvermögen realistisch ein. (dpa)
Alle Ergebnisse

Weser Kurier vom 25. Juni 2001
Dem Abstieg knapp entronnen
DLV-Herren nur auf Platz sechs - Frauen feiern sechs Siege / Lob für Bremen
Von unserer Redakteurin Ruth Gerbracht
Bremen. Erleichterung war angesagt am Schlusstag des Leichtathletik-Europacups im Weserstadion. Vornehmlich beim deutschen Leichtathletikverband. Denn die deutsche Männer-Mannschaft konnte sich mit einer Schlussoffensive in der europäischen Superliga halten. Platz sechs bedeutete allerdings eine herbe Enttäuschung. Dagegen überraschte Polen mit Platz eins.
DLV-Präsident Clemens Prokop ließ sich in seinem Selbstvertrauen zwar nicht erschüttern, aber dass die deutschen Männer nur knapp dem Abstieg entronnen sind, stimmte ihn verdrießlich. “Dass es so eng wird, hätte ich nicht gedacht", gab er zu. Vor allem der erste Tag sei sehr enttäuschend verlaufen, meinte Prokop, wollte jedoch keine Namen nennen.
Die Rettung erfolgte gestern am späten Nachmittag. Michael Stolle behielt im Stabhochsprung die Nerven und gewann mit 5.75 Meter. “Der Druck war mächtig groß, da ich wusste, dass wir die Punkte unbedingt brauchten", meinte er anschließend.
Kurz zuvor hatte Weltmeister Lars Riedel demonstriert, dass wieder mit ihm zu rechnen ist. Er ließ die Diskus-Konkurrenz mit 66,63 hinter sich und stimmte sich auf die WM in Edmonton ein. “Ich denke, dass ich dort wieder 68 Meter werfen kann”, sagte er optimistisch.
Es sollten die beiden einzigen Siege im Herrenteam bleiben. “Ganz einfach enttäuschend", fand Rüdiger Nickel, DLV-Vize- Präsident und zuständig für den Leistungssport, “sobald bei uns Leistungsträger ausfallen, haben wir dahinter nichts mehr anzubieten." Ein großes Manko stellte er vor allem im Laufbereich fest. "Hier haben wir sogar den Anschluss an die europäische Spitze verloren, von der afrikanischen wollen wir gar nicht sprechen.” Umso mehr freute ihn, dass Hürdenläufer Florian Schwarthoff, der gestern Zweiter wurde, die WM-Norm geschafft hat.
Aber auch den dritten Platz der 4x400 Meter Staffel der Männer, die erfreulicherweise unter der WM-Norm blieb, wusste Nickel zu würdigen. “Der Lars gibt sich nicht geschlagen", lobte er den Bremer Lars Figura, der als Schlussläufer nach hartem Fight den dritten Platz behaupten konnte. Ob dieses Quartett nach Edmonton fahren wird, ist noch unsicher (es zählen auch  die Einzelzeiten der Läufer), aber Nickel versprach, dass "darüber noch geredet wird.”
Viel lieber redeten die DLV-Verantwortlichen natürlich über die Frauen-Mannschaft, die in Bremen sogar 15 Punkte mehr erzielte als noch im Jahr zuvor. Die Bilanz von sechs Siegen konnte sich sehen lassen. Wobei in Bremen auch nicht zu über- sehen war, dass vor allem die bewährten Kräfte wieder erfolgreich waren. Die 36-jährige Heike Drechsler holte im Weit- sprung erneut die Kastanien aus dem Feuer, die 30-jährige Franka Dietzsch zeigte, dass sie wieder zur Spitze gehört und Grit Breuer demonstrierte wohl am eindrucksvollsten, dass sie eine Medaillenkandidatin für die WM in wenigen Wochen sein wird.
Aber die vielleicht schwierige Situation in der deutschen Leichtathletik tat der Stimmung im Weserstadion keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die Bremer bewiesen unglaubliche Fairness, in dem sie nicht allein die eigenen Athleten bejubelten. DLV-Präsident Prokop war voll des Lobes: “Ein tolles Publikum. Sportler und Funktionäre haben sich in Bremen bestens aufgehoben gefühlt.”
Und auch die Zuschauerzahl am gestrigen Sonntag stimmte alle versöhnlich. Gute 15 000 Besucher feierten die Leichtathleten am Schlusstag. Das waren immerhin 3000 mehr als noch einen Tag zuvor.
Für Clemens Prokop bietet das Weserstadion optimale Bedingungen für große Leichtathletik-Veranstaltungen. “Die Stadt muss sich beim Umbau klar für die Leichtathletik aussprechen, dann sind wir auf jeden Fall wieder hier." Schon am Wochen- ende setzt der DLV die Planungen für die nächsten Jahre fest, möglicherweise mit dem Standort Bremen.

Weser Kurier vom 25. Juni 2001
Bis der Wind sich drehte
Der beeindruckende Auftritt der Weitspringerin Heike Drechsler
Von unserem Redakteur Olaf Dorow
Bremen. Warum? Warum tut sie sich das an? 36 Jahre alt, alles, wirklich alles erreicht, und trotzdem stellt sie sich Gegner- innen, die ihre Töchter sein könnten. Dann übertritt sie am Absprungbalken und im nächsten Versuch springt sie sechs Meter irgendwas und ist erstmal ziemlich weit hinten. Sie, die Olympiasiegerin, die größte Weitspringerin aller Zeiten. So muss es ja kommen, sagen die schlauen Fachleute, wenn man nicht weiß, wann man aufhören soll mit dem Sport in aller Öffentlichkeit.
Dann tritt Heike Drechsler zu ihrem letzten Versuch an, dem letzten Sprung des gesamten Wettkampfes. Die Olympiasiegerin wartet lange, ganz lange. Endlich läuft sie los, und die Kampfrichter lassen sich mit der Bekanntgabe der Weite so lange Zeit, dass am Ende das gesamte Stadion auf die Anzeigetafel schaut. 6,79 Meter! Das gibt's doch gar nicht. Sie hat, jawoll, sie hat gewonnen.
Der Jubel kennt kaum Grenzen. Bei der Vorstellung hatten die Leute noch relativ zurückhaltend applaudiert. Diskuswerfer  Lars Riedel und Dreispringer Jonathan Edwards wurden heftiger begrüßt. Aber nun hat Heike Drechsler alle übertrumpft.  Auch was die Begeisterung betrifft. Sie ist einfach die beste, hab ich doch gewusst, sagen die Fachleute. Heike Drechsler läuft eine halbe Ehrenrunde, bis sie ihren Trainer auf der Tribüne entdeckt, Dan Vladescu. Der Rumäne, bekannt geworden als Betreuer der Hochspringerin Alina Astafei, arbeitet seit Sydney in Karlsruhe mit der Weltleichtathletin zusammen, und das soll bis zur EM 2002 in München so bleiben.
Später rennen die Fachleute ihr hinterher wie Autogrammjäger. Ein Wort noch bitte, Frau Drechsler, zu dieser gelungenen Vorstellung! War ja ein perfektes Drehbuch. "Naja”, sagt die Grande Dame, “man muss warten können.” All ihre Versuche im Weserstadion hätten unter einem ziemlich fiesen Wind gelitten. Voll von vorn. Im letzten Versuch blieb sie dann so lange an  der Anlaufmarke stehen, wie es länger nicht mehr ging. Und siehe da, "der Wind drehte sich. Hab halt Glück gehabt.”
Das Glück der Tüchtigen. Wer möchte es der verdienten Leichtathletin nicht gönnen. Schon im Alter von 14 Jahren war sie als eine Art Wunderkind bei der DDR-Kinder- und Jugend-Spartakiade aufgefallen, weil sie mehr als 6,20 Meter weit und dazu auch noch 1,80 Meter hoch sprang. 22 Jahre später vollbringt sie immer noch kleine, mittlere und riesengroße Wunder. Siehe Sydney.
So würde es auch nicht weiter wundern, wenn sie auch zum Höhepunkt der Saison 2001, bei den Weltmeisterschaften in Edmonton, am Ende ganz vorn landen würde. Streng gesehen hat sie zur Zeit noch nicht einmal die WM-Norm des deutschen Verbandes erfüllt. Die liegt bei 6,75 Metern und muss zweimal gesprungen werden. Heike Drechsler, die wegen einer Zerrung erst spät in die Wettkämpfe einstieg, kann bislang einmal 6,79 (in Bremen) und einmal 6,74 (Straßburg) verbuchen, fehlt also noch ein klitzekleiner Zentimeter.
“Da hab' ich keine Bedenken", sagt sie und niemand ihrer Zuhörer bezweifelt das. Klar, die Norm hat sie locker drauf. Spätestens nächste Woche, zur Deutschen Meisterschaft in Stuttgart, wird es soweit sein. “Und außerdem", sagt Heike Drechsler, “wenn ich nicht 6,75 springe, dann brauch' ich auch nicht nach Edmonton fahren." Das leuchtet ein. 97 Prozent aller Weitspringerinnen des Planeten träumen davon, einmal in die Nähe von 6,75 zu gelangen. Sie startet in einer anderen Liga und hat andere Ansprüche. “Eine Medaille ist mein Ziel", sagt sie.
Dafür muss sie allerdings etwa sieben Meter weit fliegen. Das schien vorgestern noch ziemlich ausgeschossen, seit gestern zweifelt kaum jemand mehr daran, dass Heike Drechsler das nicht schafft. Schon im Bremer Weserstadion hätte es durchaus schon etwas mehr sein können als die für ihre Verhältnisse eher bescheidenen 6,79 Meter. Doch beim Europacup gibt es nur vier statt sechs Versuche. "Der Wettkampf ist vorbei", sagt sie, “wenn er richtig anfängt.”

Weser Kurier vom 25. Juni 2001
Die Hoffnung wurde Vierter
Wolfram Müller ein junger Baumann?
Von unserem Redakteur Olaf Dorow
Bremen. Er ist die deutsche Hoffnung: 20 Jahre jung, unverbraucht und nicht auf den Mund gefallen. Wolfram Müller, Lang- streckenläufer vom LAC Pirna, hatte gerade sein erstes wichtiges Rennen in der Männer-Klasse bewältigt. Über 3000 Meter traf er auf Europas Spitzen-Leute und beendete die Feuerprobe mit Bravour. Er wurde Vierter und es waren am Ende mehr hinter als vor ihm. Was will man mehr, hätte er seinen fulminanten Schluss-Spurt etwas eher angesetzt, hätte er sogar noch den Briten John Mayock überrannt, der sich eine Zehntel vor dem Deutschen ins Ziel rettete.
Wolfram Müller gilt vielen als ein junger Baumann. Sehr talentiert und auch so ein lockerer Typ. Im vergangenen Jahr wurde er in Chile Vize-Weltmeister der Junioren, der einzige Weiße, der mit den Schnellfüßen aus Kenia, Marokko und Äthiopien mithielt. Ein kleine Sensation. Nun hofft man in den Etagen der DLV-Zentrale, dass in diesen schweren Zeiten endlich mal wieder einer nachwächst, der das Zeug zum Siegertyp hat.
Das bleibt abzuwarten. Es steht zur Zeit sozusagen unentschieden. So ganz genau weiß der junge Sachse auch noch nicht, wo der Zug hingeht. Im Vorjahr, nach dem großen Erfolg, brach er erstmal das Abitur ab. “Meine Freundin war schwanger und  das wurde mir alles zu viel." Jetzt ist es ihm zu wenig, nur zu rennen und bisweilen Windeln zu wechseln. Er will das Abi an der Abendschule nachmachen: "Ich brauch' noch was anderes im Koppe, werd' sonst meschugge.”
Er fühlt sich als Lauf-Lehrling, die U-23-EM ist momentan wichtiger als die WM der Großen. Die haben ihn gestern im Weserstadion erstmal gemaßregelt. Nach 100 Metern blieben die Männer, die im Schnitt fast zehn Jahre älter waren als Müller, fast stehen. So wurde der Jungspund unfreiwillig in die taktisch ungünstige Position an der Spitze des Feldes gedrückt, und er wurde sie drei Runden lang nicht mehr los. "Die sind hier viel ernster", fand Wolfram Müller" als er Jugend- und Männer-Rennen miteinander vergleichen sollte.
Ansonsten ist er einer, der noch mit staunenden Augen durch die Welt läuft und an der Europacup-Atmosphäre Spaß hat: “Wenn das Stadion geschlossen ist wie hier, dann drückt die Stimmung schön auf die Bahn.” Der deutschen Leichtathletik, der die Sieger immer mehr abhanden kommen, ist es zu wünschen, dass Jungs wie Wolfram Müller da sind. Weil doch der Jugend allgemein unterstellt wird, sie habe keinen Bock auf tägliche Trainingsqual. Allerdings muss man lange suchen, bis man Jungs wie Wolfram Müller findet. Aber wenigstens gibt es sie noch, soviel Hoffnung muss sein.

Weser Kurier vom 25. Juni 2001
Scheeßeler Hilfe nutzte nichts
Zuviel Gegenwind für Kirsten Bolm
Von unserer Redakteurin Ruth Gerbracht
Bremen. Die WM-Norm von 12,95 Sekunden sollte eigentlich in Bremen geknackt werden. So zumindest hatte es sich Kirsten Bolm gedacht. Schließlich liegt ihre persönliche Bestzeit mit 12,92 sogar noch darunter. Die Hürdenspezialistin aus  dem niedersächsischen Scheeßel hatte gehofft, mit der Unterstützung von Freunden und der Familie im Weserstadion zur Höchstform auflaufen zu können.
Die große Fangemeinde aus Scheeßel und umzu war auch geschlossen angetreten ("Mein Gott, da kennen mich doch einige mehr als ich sie "), als Kirsten Bolm ihren großen Auftritt inmitten einer starken internationalen Konkurrenz hatte. Doch die widrigen Windverhältnisse am gestrigen Sonntag ließen alle Träume platzen. Wir hatten tierisch viel Gegenwind. Die Russin  war auch ziemlich sauer. “Die wollte hier ebenfalls klar unter 13 Sekunden laufen", resümierte Kirsten Bolm nach dem Rennen. Kirsten Bolm wurde Dritte mit 13,15 Sekunden, Irina Korotya siegte mit 13,06 Sekunden.
Aber noch ist nichts verloren. Eine Chance bleibt der deutschen Meisterin über 100 Meter Hürden auf jeden Fall. Nächste Woche bei den deutschen Meisterschaften in Stuttgart will sie ihren Titel erfolgreich verteidigen. Am besten natürlich in WM-Form. Doch der Druck ist groß und Kirsten Bolm skeptisch. "Wenn wir wieder solchen Gegenwind haben, dann kannst du das vergessen", glaubt sie.
Die Regeln sind streng, ein Schlupfloch gibt es nicht. Sollte sie die Zeit nicht erreichen, findet die WM im kanadischen Edmonton ohne die Athletin aus Norddeutschland statt. Aber ein Trostpflaster hat Kirsten Bolm bereits sicher: Ende August startet die 26-jährige Psychologiestudentin bei der Universiade in Peking. “Ist doch auch etwas", meint sie tapfer lächelnd.
Ihre Leistungen wären besser, glaubt Kirsten Bolm, wenn sie mal für ein Jahr das Studium hinten anstellen könnte. Aber das hat sie erst gar nicht vor. " Leichtathletik ist eine so unsichere Sache. Da kann man sich ziemlich schnell verletzen und dann ist man weg vom Fenster.” Da geht Kirsten Bolm lieber auf Nummer Sicher. Trotz Weltmeisterschaftsnorm hat sie ihr Studium so gar noch angezogen. Ein guter Universitätsabschluss ist ihr letztendlich wichtiger.

Stabhochsprung-Rekord - Zum Glück für die Kampfrichter
Von Marc Gogol (Quelle: www.fittie.de)
Die herausragendste Leistung des ersten Tages beim Europacup-Finale der Leichtathleten war zweifelsohne der Europarekord von Svetlana Feofanova aus Rußland im Stabhochsprung der Frauen. Spielerisch leicht sah es von ferne aus, wie die junge Russin 4,60 Meter im ersten Versuch überquerte, doch im Vorfeld dieses Rekordsprungs mussten noch ein paar mehr Hürden genommen werden.
Ausgeschrieben war in diesem Wettbewerb eine Anfangshöhe von 3,20 Metern mit Steigerungen von je 20 Zentimetern bis 3,80 Meter, danach ging es in Zehn-Zentimeter-Schritten bis auf eine Höhe von 4,20 Metern. Es folgte 4,28 Meter, doch erst bei 4,34 Metern stieg die bereits amtierende Europarekordlerin - sie war am 11. Juni in Athen schon 4,57 Meter gesprungen - als letzte aller Teilnehmerinnen in den Wettbewerb ein. Ihre Anfangshöhe schaffte Feofanova im zweiten Versuch, ebenso erfolgreich war Pavia Hamackova aus Tschechien. Jedoch hatte zuvor die Britin Janine Whitlock im ersten Versuch mit 4,34 Metern eine persönliche Saisonbestleistung aufgestellt. Soviel zur Ausgangslage der folgenden Verwirrungen.
Feofanova wollte auf jeden Fall die nächste Höhe von 4,40 Metern auslassen. Daran scheiterten jedoch die Britin und die Tschechin, und die Russin war plötzlich nur noch alleine im Wettbewerb, hatte ihn auf Grund des einen Fehlversuchs bei 4,34 Metern gegenüber der Britin aber noch nicht gewonnen. Da die Regeln in diesem Fall eine gleichmäßige Höhensteigerung vorsehen, wäre die Siegeshöhe für Svetlana Feofanova nun lediglich 4,46 Meter gewesen, die die Athletin aber partout nicht auflegen lassen wollte. "Also noch mal sechs Zentimeter drauf, weniger geht nicht oder eben doch 4,46", erklärten ihr die Kampfrichter, mittlerweile hatte sich zum Dolmetschen auch ein glücklicherweise Russisch sprechender Stabhochsprunghelfer eingeschaltet, die Athletin ließ sich dennoch nicht umstimmen. Es folgte ein Fehlversuch über die 4,52 Meter, und spätestens  da beschlich den Fürther Schiedsrichter Klaus Hartz und sein Team ein leicht mulmiges Gefühl, ob man der jungen Dame auch alles verständlich genug erklärt hatte.
Doch das Happy End folgte auf dem Fuß. Nach geschafften 4,52 Metern im zweiten Versuch durfte Svetlana Feofanova als Siegerin nun ihre Höhe wählen und ließ nach Blickkontakt mit ihrem Trainer die neue Europarekordmarke von 4,60 Meter auflegen. Sicherheitshalber schrieb sie es dem Kampfgericht auch noch auf. Anlauf, drüber, Jubel und zum Abschluss ein großes "Spasiba" (russ.: Danke) ans Publikum, das war’s. So einfach ist das Rekordespringen.

Europacup - Organisatoren und Helfer im Hintergrund
Von Marc Gogol (Quelle: www.fittie.de)
Das Europacup-Finale der Leichtathleten im Bremer Weserstadion war ein Treffpunkt der europäischen Top-Athleten. Doch auch die Leichtathleten aus der Region", sprich die Aktiven der LG Bremen-Nord, hatten bei dieser Großveranstaltung ihren Auftritt und zwar als Organisatoren und Helfer.
Allen voran marschierte Peter Springborn. Der "Altmeister" der Langstrecke leitete zusammen mit Klaus de Vries aus  Hepstedt die Arbeitsgruppe Logistik, die nicht nur für den Transport von Sachen und Personen von A nach B verantwortlich war, sondern überdies noch für die Unterbringung und das Wohlergehen von Athleten, Kampfrichtern und Offiziellen. "Ich habe in der Woche vor dem Europacup vielleicht zusammen zehn Stunden geschlafen", gestand Peter Springborn bei der Kampfrichterbesprechung am Sonnabend, hatte seinen Optimismus für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung bis zum Ende aber noch lange nicht verloren. Sieben Bremer Hotels standen allein auf seiner Liste der Örtlichkeiten, die Peter Springborn in der vergangenen Woche vermehrt ansteuerte, hinzu kamen der Bremer Flughafen und diverse Restaurants, in denen die Mannschaftsessen stattfanden. Dann der Empfang der Gastsportler am Sonnabendabend im Bremer Rathaus sowie die Abschlussparty - alles wollte koordiniert und organisiert sein. Das Handy war in diesen Tagen Peter Springborns wichtigstes Utensil.
Neben dem Mobiltelefon gehörte für andere Nordbremer Leichtathleten vor, während und nach dem Europacup das Auto zur Grundausstattung. Frank Themsen, Lutz Beyer, Günther Bunk, Oswald Dase, Thomas Grundei und Dieter Hartmann gehörten beispielsweise zum Fahrdienst und durften auch die mehr oder minder prominenten Aktiven "chauffieren". Teilweise sprang dabei sogar eine Einladung zum Mannschaftsessen heraus. Auf die musste oder wollte Frank Themsen am Freitagabend allerdings verzichten. Der Nordbremer Langstreckler entschied sich spontan, lieber kurz nach Verden zu fahren und seinen Mannschaftskameraden dort beim DAMM-Durchgang über 5000 Meter zu helfen. Eine wahrhaft sportliche Entscheidung.
Die übrigen 15 Nordbremer waren meist als Bahnrichter im Einsatz und hatten kaum Probleme zu bewältigen. Allerdings erst, nachdem die Kleiderprobleme im Vorfeld gelöst worden waren, denn die zugestellten Größen von Schuhen, Hosen und Shirts passten meist vorne und hinten nicht. So wurde am Sonnabendvormittag vor Ort noch fleißig getauscht. Mut bewies dann bei seinem Wettkampfeinsatz der LGN-Nachwuchsathlet Marius Schwalbe. Bei der 4x100-Meter Staffel monierte er durch das Heben seiner Flagge eine Unregelmäßigkeit und mußte nach der Veranstaltung prompt da bleiben. Vorsprechen beim Schiedsgericht hieß es für den jungen Nordbremer, um den Lauf noch einmal gemeinsam zu verfolgen. Diese "Vorladung" dürfte Marius Schwalbe auch so schnell nicht vergessen.

Weser Kurier vom 28. Juni 2001
Bestes Ergebnis seit München
28 000 Besucher sahen Europacup in Bremen: DLV zufrieden
Von Stefan Freye
Bremen. Die Spanne reicht etwa von der Minuskulisse 20 000 Zuschauer (Bild-Zeitung) bis hin zum erhofft starken Besuch mit insgesamt rund 35 000 Fans (Eurosport) - dieser Tage geisterten recht unterschiedliche Meldungen über den Zuspruch beim Leichtathletik-Europacup am Wochenende im Bremer Weserstadion durch die Medien. Ziemlich genau in der Mitte soll die Wahrheit liegen.
Einer, der für Klarheit sorgen könnte, ist Dr. Matthias Reick, als Präsident des Bremer Leichtathletik-Verbandes (BLV) mit der Organisation betraut. "Wir haben noch keine offiziellen Zahlen, gehen aber von 28 000 Zuschauern aus", schätzt Reick.
Damit hätte der BLV am Wochenende das zweitbeste Ergebnis seit 1991 erreicht, seitdem der Europacup jährlich ausge- tragen wird. Nur in München 1997 war die Resonanz mit insgesamt 40 000 Zuschauern größer. Allerdings wurden damals allein 20 000 Karten vom Hauptsponsor verteilt - diese Unterstützung blieb den Bremern verwehrt.
Die weiteren Veranstaltungen waren weit weniger erfolgreich: Nachdem St. Petersburg 1998 mit insgesamt 1500 Zuschauern gefloppt war, wollten den Nationenwettkampf vor zwei Jahren in Paris insgesamt etwa 18 000 Besucher sehen, beim letzten Mal in Gateshead kamen rund 15 000 Zuschauer. Allerdings, räumt Matthias Reick ein, sind in Bremen nicht alle 28 000 Tickets verkauft, sondern auch als Freikaxten verlost oder an die ehrenamtlichen Helfer verteilt worden. "Unser Minimalziel von insgesamt 20 000 zahlenden Zuschauern haben wir jedoch erreicht. "
Damit, so der BLV-Vorsitzende, konnte ein kleines Plus erwirtschaftet werden, das sich im unteren vierstelligen Bereich bewegen soll. Dazu kommen Einnahmen aus Sponsorengeldern, deren Höhe noch ermittelt wird. Schätzungen zufolge könnte das den Ertrag aus den Zuschauereinnahmen verfünffachen. Das Plus aus dem Europacup will der BLV der Jugendarbeit zu Verfügung stellen.
Trotz der abzusehenden zusätzlichen Gelder für den Verband ist Matthias Reick ein bisschen unzufrieden: "Wir können mit diesem Ergebnis leben, hatten uns aber mehr erhofft" - bis zu 40 000 Zuschauer an den beiden Wettkampftagen, also Münchner Verhältnisse, wollte Reick an der Weser schaffen. Ohne Sponsorkarten wie in München gelang dies nicht.
Eberhard Vollmer, Medienbetreuer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), hat für diese kleine Bremer Enttäuschung kein Verständnis: "Das war doch vollkommen in Ordnung, in den letzten 20 Jahren hat der Europacup schließlich immer ein dickes Minus gemacht. Die sollen sich lieber um eine deutsche Meisterschaft bewerben . . . " Das würde den DLV sicherlich freuen, schließlich streicht der nationale Verband 80 Prozent aller Einnahmen ein. Die oben genannten Bremer Erträge sind nur ein Fünftel des Gesamtertrags.

Nach oben
Zurück zur Startseite