Porträts und Berichte von Leichtathleten aus der Region (Seite 1)

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Torsten Naue (LG Bremen-Nord) 11.8.2001
Hikmet Ciftci (VSK/SOL Osterholz-Scharmbeck) 22.8.2001
Klaus Albers (VSK/SOL Osterholz Scharmbeck) 23.8.2001)
Ulrike Marszk (MTV Amelinghausen) 6.9.2001
Christian Bard (VSK/SOL Osterholz-Scharmbeck) 8.9.2001
Diana Garde (LG Ganderkesee) 19.9.2001
Christine Fuchs (LG Bremen-Nord) 26.9.2001)
Jörn Mangels (VSK/SOL Osterholz-Scharmbeck) 18.10.2001
Björn Umland (MTV Rottorf) 25.10.2001
Petra und Walter Liebertz (Bremen / IGAS Wendland) 29.10.2001
Jürgen Umann (LAV Zeven) 30.10.2001
Egon Barkow (TuS Alfstedt) 1.11.2001
Paul Wilhelm Glöckner (LC 93 Delmenhorst) 10.11.2001
Gerhard Werner (LG Kreis Verden) 18.11.2001
Julian Geißhirt (Bremer LT/VfB Komet) 3.12.2001
Torsten Husak (Delmenhorster TV) 5.12.2001
Werner Langer (TSV Karlshöfen) 7.12.2001
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Osterholzer Kreisblatt vom 11. August 2001
Dauerläufer und “Hausmann”
Torsten Naue steht gerne mal am Herd / Zeit für die Familie ist ihm sehr wichtig
Von unserem Mitarbeiter Matthias Thode
Kreis Osterholz.Wenn in und um Bremen über das Thema Laufen gesprochen und berichtet wird, fällt seit jetzt schon mehr als 15 Jahren immer wieder ein Name: Torsten Naue. Da stellt sich natürlich die Frage, kann so ein “Dauerläufer", der schon mal zwei, drei Läufe auf höchstem Niveau an einem Wochenende bestreitet, überhaupt ein normales Privatleben führen? Zumal neben zahlreichen Wettkampfläufen über die Sommer- wie Wintersaison hinweg auch ein ständiges Training von 70 bis 90 Kilometern erforderlich ist.
Doch da wendet Torsten Naue sofort ein: “So viel Zeit kostet das alles gar nicht. Ich brauche im Schnitt lediglich zehn Stunden in der Woche für das Training”. Und wenn das Wochenende wegen eines Wettkampfes einen Tag kürzer ist, hat seine Frau Silvia als aktive Badmintonspielerin dafür großes Verständnis. Privat sieht sich Torsten Naue eher als einen typischen Hausmann. Ich bringe die Kinder ins Bett, bügele, mache Hausarbeit und am Wochenende koche ich schon  mal, wenn Silvia sich handwerklich betätigt, schildert Torsten Naue die Rollenverteilung. Auch die Gartenarbeit ist im Hause Naue Frauensache, Torsten ist immerhin für das Rasenmähen verantwortlich.
Viel Zeit verbringt Naue mit seinen Kindern Christoph (7) und Annika (4). Die beiden Sprösslinge bilden für den Langläufer, der seit neun Jahren mit der Krankenschwester Silvia verheiratet ist, den wichtigsten Lebensinhalt. Neben verschiedenen Kartenspielen ist mit Annika und Christoph auch Bolzen im eigenen Garten angesagt. Große sportliche Ambitionen hegt er mit seinen beiden Kindern allerdings nicht. Von läuferischen und leichtathletischen Talenten kann der Familienvater bei seinen Kindern noch nichts feststellen. Lediglich das Vereinssportfest vom MTV Eiche Schönebeck und der FittieWettkampf der  LG Bremen-Nord ist für seine Kleinen Pflicht. Ansonsten sind für Christoph erst mal Kinderturnen und für die Wasserratte Annika ein Schwimmkurs angesagt.
Für weitere Hobbys neben seiner Beschäftigung mit den Kindern und dem Langstreckenlauf hat Torsten Naue keine Zeit.  Von der Jugend an hatte ich nebenbei Fußball gespielt, bis vor vier Jahren noch in der Betriebsmannschaft, schildert der Läufer noch seine einstige zweite sportliche Vorliebe. Doch sonst dreht sich alles nur um das Thema Laufen und Leicht- athletik. Als Läufer der LG Brernen-Nord und gleichzeitiger Aktivensprecher ist er die Anlaufstelle für viele Vereinskame- raden. "Bei mir steht das Telefon kaum still", freut sich Torsten Naue über den guten Zusammenhalt in der Läufergruppe.  Dazu schreibt er derzeit für zwei Läuferinnen die Trainingspläne. Doch mehr sollen es nicht sein, schließlich müssen auch die eigenen Trainingsergebnisse akribisch festgehalten werden.
Überhaupt ist der gebürtige Eutiner sehr trainingsfleißig. Großes Talent wurde ihm von seinen Eltern nämlich nicht mitgegeben. Sein Vater war landwirtschaftlicher Verwalter für Pferde in Schleswig-Holstein. Als Torsten zehn Jahre alt war, verschlug es Familie Naue vom Norden nach Eggested und Schwanewede.
Für seine erfolgreiche Sportler-Laufbahn mit 42 Bremer Einzeltiteln, einem deutscher Vizetitel und drei dritten Rängen bei den deutschen Altersklassen-Meisterschaften kam Torsten Naue auch sein Beruf sehr entgegen. Als Verwaltungsbeamter im öffentlichen Dienst bei Performa Nord ist er für Errechnung der Einnahmen der Stadt Bremen zuständig. Bei einem geregelten Arbeitsalltag von 7 bis 15 Uhr bleibt ihm so die nötige Zeit für Training und Familie. Notfalls läuft Torsten Naue auch schon mal von seiner Arbeit in der Bremer Innenstadt aus bis Schönebeck nach Hause.
Große Ziele und Wünsche hegt der 35-Jährige nicht. Für die Träume von großen Reisen ist seine Silvia zuständig. Ihm reicht sein jährlicher Winterurlaub in den Alpen zum Ski-Langlauf. Erst nach einigem Überlegen fallen Torsten Naue noch sportliche Ziele ein: "Einmal einen deutschen Meistertitel feiern, vielleicht in der Altersklasse M40 beim Crosslauf. Oder mal Zeit haben, um richtig Tennis spielen zu lernen."
Ansonsten ist Torsten Naue ein sehr zufriedener, fast wunschloser und glücklicher Familienvater. Vielleicht ist genau dies das Geheimnis seiner schnellen Läuferbeine und seiner zahlreichen Siege.
Zur Person:
Name: Torsten Naue / Alter: 35 / Beruf: Verwaltungsbeamter / Familienstand: Verheiratet mit Silvia, Sohn Christoph (7) und Tochter Annika (4) / Verein: LG Bremen-Nord / Sportliche Erfolge: 42 Bremer Einzeltitel, ein  deutscher Vizetitel, drei dritte Ränge bei deutschen Altersklassen-Meisterschaften

Osterholzer Kreisblatt vom 22. August 2001
“Athen 2004 wäre für mich ein Traum”
Das aktuelle Interesse von Hikmet Ciftci gehört eindeutig den Mittelstrecken
Von unserem Mitarbeiter Reinhard Bohling
Osterholz-Scharmbeck. Die zwei Goldmedaillen klirren leise vor der Brust von Hikmet Ciftci. Dunkel funkeln die Augen  und mit liebevoll wirkender Geste umfasst der 25-Jährige die silberne “Salatschüssel". Auf den schnellen Kunststoffbahnen gehören Erfolge und gute Zeiten zu seinem Metier. Aber der ganze Stolz des VSKers gilt dem acht Monate alten Töchterchen Nalin. “Meine Familie steht an erster Stelle", setzt der Mittelstreckler eindeutige Prioritäten. Seit August 1998 trägt seine Hazen Gold am Ringfinger.
Voller Energie und Tatendrang kann der Asket (65 Kilogramm bei 177 Zentimetern Körperlänge) auf das Verständnis seiner
Ehefrau bauen. Die Emotionen laut eigenem Bekunden meistens im Griff, sieht der Aktive "in Diensten" der Startgemeinschaft Osterholzer Leichtathleten (SOL) die Zukunft realistisch.
Am 13. April 1976 kam der Kurde im Südosten der Türkei zur Welt und besitzt seit Jahren einen deutschen Pass.
In Koblenz wurde der laufbegeisterte Junge 1987 heimisch, spielte nebenher leidenschaftlich Fußball und kickte sogar in der Landesliga. Aber das Herz des Widder-Geborenen schlägt für die Leichtathletik. Beim Wettbewerb "Jugend trainiert für Olympia" machte
Ciftci 1990 in Berlin mit Rang eins im Dreikampf (1000-m-Lauf, Weitsprung und Schlagballweitwurf/200 Gramm) auf sein Talent aufmerksam. Der Weg war vorgezeichnet.
Mit 4:05.00 Minuten lief der B-Jugendliche bei den deutschen Titelkämpfen im legendären Dortmunder Stadion “Rote Erde” auf Platz acht. Das war 1993 die Basis für eine intensive Karriere. Zwei Jahre später siedelte der ernährungsbewusste Läufer nach Osterholz-Scharmbeck um. Unter den Fittichen von Reinhard Wagner (Schnelligkeits- und Krafttraining) sowie Jan Petermann (TvdB Bremen) wird pro Woche in sieben bis zehn Einheiten geschuftet. Seit Ende 1998 - “ein Knorpelschaden im Knie hatte mich weit zurückgeworfen" - ist das Talent in Reihen der SOL zu Hause. Mit Fahrradfahren und Schwimmen hatte der Kämpfer seinen Bewegungsapparat wieder fit gemacht.
Auch die 5000 Meter (15:29.00 Minuten) sind ihm nicht mehr fremd. Der gelernte Techniker im Fernmeldewesen (Tele- Kommunikation) hat Athen 2004 im Hinterkopf. "Egal, ob als Kurde oder Deutscher - es wäre ein Traum", skizziert der zur Zeit im Einzelhandel Beschäftigte eine seiner sportlichen Triebfedern. Die Arbeitgeber Jörn und Werner Reuter tolerieren den Saisonterminplan ihres Angestellten. Mit Leistungskapazitäten Sponsoren animieren heißt die Devise des selbstbewussten Typen. Auch das vom KLV-Vorsitzenden Reinhard Wagner jährlich organisierte Trainingslager in Rimini (Adria) strapaziert trotz spartanischer Einstellung den Geldbeutel.
In der persönlichen Kladde
Ciftci`s sind 1:58,00 Minuten über 800 Meter notiert. Der Mittelstrecke gehört das aktuelle Interesse, aber das Fernziel lautet Langlauf. Der Aufbau ist bereits darauf ausgerichtet.
Die norddeutschen Meisterschaften in Lübeck wurden aus der Saisonplanung gestrichen. Dafür startete Hikmet
Ciftci am 21./22. Juli beim traditionellen europäischen Kurden-Sportfest im niederländischen Hengelo. Vor 10 000 Zuschauern (NED-TV übertrug europaweit) siegte der Kreisstädter in 2:04,00 Minuten über die Zweirundendistanz. Eine knappe halbe Stunde später "normalerweise ein Unding” war der Halbmarathon zu absolvieren. "Ich habe auf der supermodernen Anlage fast einen Drehwurm gekriegt", schüttelt der Läufer in Erinnerung an die nicht enden wollenden Stadionrunden noch immer  den Kopf. Nach 1:18 Stunden und 21 Kilometern war Ciftci als Erster im Ziel. “Dem Sport habe ich viel zu verdanken. Er beschert Freunde und Kontakte", begründet der junge Mann seine Schinderei. Aber auch die Familie ist total integriert, zumal die Offenheit für verschiedene Kulturen keinerlei Probleme bereitet. Zwei aktuelle zweite Plätze bei Abendsportfesten in Minden über 1000 (2:35,63 Minuten) und 1500 Meter (4:08,23) stehen zu Buche. Bei den Niedersachsenmeisterschaften Anfang Juli lief es nicht so gut. Aber auch mit einem neunten Platz kann man leben. “Das ist Sport”, zeigt sich der SOL- Akteur innerlich recht gefestigt. Der verstohlene Blick zur Uhr bleibt nicht verborgen. Training im Waldstadion ist angesagt. “Zumindest bis in den Oktober (u.a. Sportfest in Lage/Westfalen und Citylauf OHZ) geht es noch voll zur Sache", lacht der Osterholz-Scharmbecker und braust auf vier Rädern Richtung Klosterholz davon.
Zur Person: Name: Hikmet Ciftci / Alter: 25 / Stärken: Positive Lebenseinstellung, ausgeprägter Familiensinn / Ziele: Später mal Marathon laufen, Selbstständigkeit auf dem Tele-Kommunikationssektor / Lieblingsspeisen: Nudeln, reis, Fisch und manchmal ein guter Tropfen Rotwein / Hobbys: Literatur und Schwimmen

Nordsee Zeitung vom 23. August 2001
Die Kraft und die Schnelligkeit
Klaus Albers bringt Eishockey-Profis auf Trab
Bremerhaven. Klaus Albers macht den Kufencracks vom REV Beine. Er ist der Konditionstrainer der Mannschaft. Den Begriff quälen hört er in diesem Zusammenhang nicht gerne. Albers gibt aber zu, dass "man auch mal Wege gehen muss, die wehtun."
Albers sorgt sich schon seit über 15 Jahren um die Fitness der Eishockeyspieler. Drei Monate arbeitet er mit den Spielern vor der Saison an ihrer Kraft und Ausdauer. Anfangs bis zu sechs Stunden in der Woche  später acht Stunden.
Und jedes Jahr muss er sich bei den neuen Profis beweisen. "Die sagen erst mal, wer ist das denn?", berichtet der 61-Jährige. Aber das ändert sich. "Sebastian Furchner ist im Verlauf des Sommertrainings förmlich explodiert. Er hat an Kraft und Schnelligkeit enorm gewonnen", sagt Albers und ergänzt: "Neulich war er bei mir zu Hause und hat sich bedankt."
Das Sommertraining gehört beim REV zum Konzept. "Dadurch können die Spieler nicht nur ihre Kondition verbessern, sondern die Neuen gleich Anschluss an die Mannschaft finden." 14 Spieler haben in diesem Sommer die Übungen von Albers durchgestanden. Die Laktat-Werte dieser Kufencracks liegen schon vor. "Das sind sehr gute Werte. Besser als im vergange- nen Jahr", sagt der pensionierte Lehrer stolz.
Dass er selber noch gut in Form ist, hat Albers erst kürzlich bewiesen. Bei den Weltmeisterschaften der Senioren in Brisbane (Australien) hat er mit genau 55 m den Titel im Diskuswerfen errungen. Der Leichtathletik hat sich Albers schon seit seinem 13. Lebensjahr verschrieben. Unzählige Fünf- und Zehnkämpfe absolviert. Nationale und internationale Titel in verschiedenen Disziplinen gesammelt wie andere Bücher. Dennoch ist bei ihm nicht alles glatt verlaufen. "Ich habe nach einer Bandscheiben- Operation zwei Jahre aussetzen müssen. Das war eine harte Zeit."
Der 61-Jährige sieht zwischen der Leichtathletik und dem Eishockey Parallelen. "Von beiden Sportlern wird eine hohe Viel- seitigkeit gefordert." Albers ist aber nicht nur als aktiver Sportler ein alter Hase. Er hat die höchste Trainerlizenz des Deut- schen Leichtathletik Verbandes und an der Universität Bremen als Dozent gearbeitet. "Dieses Wissen kann ich heute beim Konditionstraining natürlich gut gebrauchen."
Die Mühe lohnt sich
Eine seine Übungen: An einem Hügel stellen sich im regelmäßigen Abstand mehrere Spieler auf. Derjenige, der am Fuße des Berges steht, sprintet zu seinem Kameraden und trabt zum Ausgangspunkt zurück. Dann sprintet er zum zweiten und trabt wieder ganz zurück. Das wiederholt sich, bis er auf der Kuppe des Hügels steht. "Das ist eine ziemlich brutale Form", gibt Albers zu. Seiner Meinung nach lohnt sich die Mühe aber: "Vor der letzten Saison habe ich die Spieler im Konditionstraining mehr als im Vorjahr gefordert. Viel mehr. Und in diesem Jahr noch mehr."

Landeszeitung für die Lüneburger Heide vom 6. September 2001
Der Sport hat sie geprägt
Ehrenamtsserie : Ulrike Marszk vom MTV Amelinghausen
Amelinghausen (pet). Ulrike Marszk geht es wohl so, wie es vielen Männern und Frauen geht, die in Vereinen und Verbän- den ehrenamtliche Arbeit leisten. "Wie das zustande gekommen ist, weiß ich heute nicht mehr so genau", schrieb die 30-Jähr- ige einmal in der Zeitschrift des Niedersächsischen Leichtathletik-Verbandes über die Anfänge ihres ehrenamtlichen Engage- ments.
Seit mittlerweile elf Jahren setzt sich Ulrike Marszk für die Leichtathletik ein. Zunächst beim MTV Amelinghausen, seit 1994 im Niedersächsischen und Deutschen Leichtathletik-Verband und in der Sportjugend Niedersachsen. 30 Wochenenden und mehr pro Jahr ist sie unterwegs.
"Der Sport und die Menschen im Sport haben mein Leben geprägt", weiß Ulrike Marszk. Mit vier Jahren kam sie beim MTV Amelinghausen in die Turnstunde von Hans-Jürgen Schütt, sechs Jahre später wechselte sie zu Trainer Werner Borms. "Da haben wir Leichtathletik im weitesten Sinne gemacht", erinnert sich Marszk. Kugelstoßen wurde ihre Paradedisziplin.
Bis auf 13,21 Meter wuchtete Ulrike Marszk das Eisen. Das war 1993 beim Ostseecup in Rostock, wo die Amelinghausen- erin in der Niedersachsen-Auswahl stand. Achte war Marszk einmal bei der Jugend-DM, ungezählte Male Zweite und Dritte bei Landestitelkämpfen. "Ich war nie bissig genug, musste nicht unbedingt die Beste sein", blickt sie zurück.
Das Engagement von Werner Borms führte Ulrike Marszk auf die Funktionärslaufbahn. Sie wurde Jugendvertreterin, Leicht- athletik-Fachwartin im MTV und Übungsleiterin.
Die Tätigkeit als Schülerwartin im Niedersächsischen Leichtathletik-Verband ist nun ihr Schwerpunkt. Öffentlichkeitsarbeit und die Ausbildung von 13- bis 16-jährigen "Vereinsassistenten" liegen ihr besonders am Herzen: "Für dieses Jahr hatten wir 50 Anmeldungen, wir konnten nur 25 annehmen."
Ärger und Freunde - für Ulrike Marszk gibt es beides im Ehrenamt. "Es gibt Leute, die erzählen viel und tun dann nichts. Das nervt mich gewaltig", sagt sie, hebt aber auch die positiven Seiten ihrer Arbeit hervor: "Es tut sich ein unschätzbares Lernfeld für die eigene Persönlichkeit und für den Beruf auf, man kommt viel in der Gegend herum und Freundschaften sind auch schon entstanden."
Am kommenden Sonnabend ist Ulrike Marszk Referentin bei einem Lehrgang der Sportjugend Niedersachsen in Clausthal- Zellerfeld, am Tag darauf geht es zu den Deutschen Jugend-Mannschaftsmeisterschaften nach Celle. Und am Abend wartet ein Ehrenamt in ganz anderer Sache: Da zählt die Verwaltungsfachangestellte bei der Samtgemeinde Amelinghausen bei der Kommunalwahl Stimmzettel aus. Ein wahrhaft ehrenamtliches Wochenende.

Osterholzer Kreisblatt vom 8. September 2001
Beine wie aus Blei und total platt
Lilienthaler Christian Bard wurde deutscher Meister der M 60 über 1500 Meter
Von unserem Mitarbeiter Reinhard Bohling
Li1ientha1. Seit 1986 führt der Verwaltungsbeamte des Bremer Bauressorts penibel Buch über seine Gesamtlaufleistung.  Mit rund 44 000 Kilometern hat der Lilienthaler Christian Bard den Globus mehr als umrundet, aber vor den Seniorentitel- kämpfen im Potsdamer Stadion am Luftschiffhafen wäre dem 59-Jährigen fast die Puste ausgegangen.
"Die Trainingsläufe über jeweils 5000 Meter als Härtetest waren zu intensiv, dabei wurden zu viele Körner verbraten. Ich hatte Beine wie aus Blei und war total platt", erzählt der gebürtige Danziger (19. September 1941) von seinen Empfindungen vor dem persönlichen Saisonhöhepunkt.
Fast ein wenig verlegen hält der bärtige Renner die Goldmedaille in den Händen; denn über die 1500-m-Distanz gelang dem Routinier entgegen allen Erwartungen der große Coup. Nach 4:55,67 Minuten überquerte der SOL-Akteur als deutscher Meister der M60 den Zielstrich.
“Das war ein Lauf, wie für mich gemacht”, strahlte der hagere Typ (182 Zentimeter Körperlänge bei 69 Kilogramm Gewicht) übers ganze Gesicht. Die dunkelbraunen Augen blitzen schelmisch, wenn Bard daran denkt, wie er den Topfavoriten ein Schnippchen schlug. Besonders im Mittelpunkt des Interesses stand Lokalmatador Willi Klaus. Aber auch der hatte als Vize- meister über 800 Meter schon ein schweres Rennen in den Beinen.
Das Feld der 18 Mittelstreckler ließ es fast gemächlich angehen und bummelte über die ersten tausend Meter (3:22 Minuten). "Ein moderates Tempo", so der gewiefte Taktiker. Als es bei 1300 Metern ernst wurde, suchte Christian Bard, bevor der Spurt angezogen wurde, sein Heil in der Flucht nach vorn und wurde belohnt. Bei einer Sekunde Vorsprung konnte der neue Champion im Ziel unbedrängt jubelnd die Arme hochreißen. Über Platz zwei und drei musste das Zielfoto bei 1/100 Sekun- den Differenz entscheiden.
Mit T-Shirt, kurzer Hose und Sandalen sitzt der sechsfache deutsche Titelträger locker und gelöst am Tisch. "So relaxt habe ich mich auch nach dem optimalen Rennen gefühlt", schwingt in der Stimme des Osterholzer Leichtathleten noch immer eine leichte Verwunderung mit.
Im 800-m-Lauf reichte es für den Oldie in 2:18,52 Minuten "nur" zum undankbaren vierten Rang. Lediglich 7/100 Sekunden fehlten an der Bronzemedaille. Ich hätte vorher den Panthersprung üben sollen", nahm der erfolgsverwöhnte Athlet die Sache mit Humor. Die tolle Atmosphäre und supermoderne Anlage trugen ebenfalls zur guten Stimmungslage bei. Vom 15. bis 25. August 2002 ist Potsdam Austragungsort der Senioren-Europameisterschaften. Für den Lilienthaler eine klare Zielsetzung: "Die Starts über 800 und 1500 Meter habe ich ins Auge gefasst. "
Ihm liegt die exakte Saisonplanung mit klaren Phasen der Regeneration. Zeit zum Lesen, für den Wanderurlaub in Südtirol  und Fahrradtouren gönnt sich der Leistungssportler. "Nichts geht über die Gesundheit und auch für andere Dinge muss Platz sein", blickt der Marathonläufer gelassen über den Tellerrand.
Neun Mal hat sich der seit 1970 in Lilienthal wohnende Crack über die 42,195 Kilometer gequält. Animiert vom treuen Weg- gefährten Winfried Preß benötigte der Langstreckler 1987 in Bremen 3:06:02 Stunden. Die persönliche Bestzeit (2:44:44 Std.) rannte der TVLer 1993 in Herzlake. Durch Läufe mit seinen Töchtern Antje und Bettina über den Worpsweder Weyerberg hatte Bard 1984 Geschmack an den langen Ausdauer-Distanzen gefunden.
"Irgendwas mache ich wahrscheinlich beim Langstreckentraining verkehrt. Deshalb sagt mir das gewohnte Metier mehr zu",  ist das Sternzeichen Jungfrau ehrlich zu sich selbst. Der Kampf auf der Bahn Mann gegen Mann liegt ihm. Von Stürzen und Verletzungen blieb der Medaillensammler bisher verschont. Auch Staffelrennen über 3 x 1000 Meter gehören zu seiner Erfolgsbilanz. 1993 bedeuteten 8:43,21 Minuten des Trios Jürgen Bernhard, Winfried Preß und Christian Bard deutschen Rekord, der 1997 vom SV Turbine Frankenberg (8:42,17 min.) "geknackt" wurde.
Die Jahre 1992 bis '94 bezeichnet Bard als seine leistungsstärkste Zeit. Der zweite Platz über 10 000 Meter (35:12,00 Minu- ten) bei der Senioren-DM (M50) in Halle gehört ebenfalls in diese Karrierephase. Ehefrau Berta zeigt stets Verständnis für die Ambitionen ihres Mannes. "Vielleicht bekomme ich mit Hubert Brünjes und Gerd Reimer für die M60 eine prächtige Staffel zusammen”, schmiedet der alte "Haudegen" schon wieder Pläne. Auch die Termine für den Winter (u.a. Laufserie im Bremer Bürgerpark) stehen fest. "Alles zu seiner Zeit, grient der Asket und rennt mit jugendlichem Elan die Stufen bis zur Haustür hinab.

Delmenhorster Kreisblatt vom 19. September 2001
Ihre ganz große Liebe ist in Rente...
Diana Garde trainiert erst seit vier Jahren Leichtathletik und sammelt schon eifrig Titel
Von Anke Bayer-Thiemig
Delmenhorst. "Imke spielt, wenn ich trainiere, in der Sprunggrube." Ein reizendes Lächeln macht sich auf dem Gesicht von Diana Garde (LG Ganderkesee) breit. "Oder sie sammelt Eicheln und Blätter." Imke ist die zweijährige Tochter der Sportlerin. Während die Mama mehrmals wöchentlich Leichtathletik-Training absolviert und jeden Tag ihrem großen Hobby, dem Reiten, nachgeht, sucht sich das kleine blonde Mädchen eben eine eigene Beschäftigung.
Manchmal geht Imke sogar mit Oma Anke ins Fitnessstudio. Natürlich macht sie dort keine Kraftübungen, sie besucht dort den Spielkreis. Doch irgendwann will Imke sicherlich auch mal aufs Laufband.
Kürzlich ist Diana Garde sechsmalige Bezirksmeisterin der Leichtathletik-Senioren über die Sprintstrecken 100 und 200 Meter, in der 4x100-Meter-Staffel, im Weit- und Hochsprung sowie im Kugelstoßen geworden. Kaum zu glauben, dass sich die 31-Jährige erst seit vier Jahren diesem Sport widmet. Grund hierfür ist ihr Mann Ulrich Garde, der mindestens fünf Mal in der Woche auf dem Trainingsplatz zu finden und mehrmaliger Deutscher Seniorenmeister im Kugelstoßen ist.
Doch die ganz große Liebe der jungen Frau gehört den Pferden. Seit ihrem sechsten Lebensjahr reitet sie, erst kam das Volti- gieren, dann das Dressurreiten. Natürlich hat sie ein eigenes Pferd. "Es ist in Rente", sagt Diana Garde liebevoll. Das Pferd, was sie heute reitet, gehört ihr nicht. So konnte sie beim Dressurreiten bleiben und wurde im Juni Kreismeisterin der Leistungsklasse 5. Schon eine sehr erfolgreiche, sportliche Frau. Eine ungemeine Zufriedenheit strahlt sie aus. Und das ist sie wohl auch.
Beruflich ist sie in der Verwaltung im Hansecolleg aktiv. "Ich habe einen tollen Arbeitsplatz." Mit Gleitzeit ist es möglich, Haushalt, Beruf und Klein-Imke, die zuweilen auch einige Zeit bei ihren Omas verbringt, unter einen Hut zu bekommen. Vielleicht lassen sich auch so die Erfolge erklären.
"Ich mag den Mehrkampf." War sie letztes Jahr Landesmeisterin im Fünfkampf, verzeichnete sie im August bei den Landesmeisterschaften in Oldenburg Siege über die 100 und 200 m und in der Staffel. Weitere sportliche Highlights wird es sicherlich in Zukunft für sie geben. Und irgendwann einmal wird Tochter Imke von sich hören lassen. Auch wenn sie nur ruft, lauf Mama, lauf...

Delmenhorster Kreisblatt vom 26. September 2001
Rotwein als Doping zum DM-Titel ?
Spätgestartete Langstrecklerin Christine Fuchs ist schon Welt- und Europameisterin
Schierbrok. "Ich laufe im Moment jede Woche durchschnittlich 100 Kilometer", kommentiert Christine Fuchs den Sieg bei der Deutschen Meisterschaft im 10-Kilometer-Straßenlauf in der Altersklasse (AK) 60 in Troisdorf. Die Uhren blieben bei 42:13 Minuten stehen, für sie Jahresbestzeit. Damit war sie noch 24 Sekunden schneller als ihre Teamkameradin Gabriele Rost, die in der AK 55 den Titel holte..
Die 61-Jährige, der ihr Alter nicht anzusehen ist, ist erst vor elf Jahren zum Laufen gekommen, heimst Jahr für Jahr Siege ein, läuft Bestzeiten, hat in ihrem Mann Alfred Fuchs ihren Top-Trainer gefunden.
Angefangen hatte die kleine, dynamische Frau im Alter von 50 Jahren eigentlich nur, um ihrem Mann, der 35 Jahre als Judoka in der zweiten Bundesliga für Bremen gekämpft hat, ein Partner beim Konditionstraining zu sein. "Ich habe gemerkt, dass sie immer schneller wurde", erinnert sich Alfred Fuchs.
1990 startete die Sportlerin, die sich bis dahin eher im Squash-Court gequält hatte, bei ihrem ersten Crosslauf, den sie - auch in der offenen Wertung - gewann. Ihren ersten Marathon, unter Trainer Berthold Buchwald vom LC Hansa-Stuhr, gewann sie in ihrer AK in 3:14 Stunden.
1991 wurde die zierliche Läuferin Weltmeisterin im 10-Kilometer-Crosslauf in ihrer AK in Finnland, noch im gleichen Jahr Europameisterin im 10-Kilometer-Straßenlauf in Italien.
Und sie steigerte sich weiter: 1992 Weltmeisterin in England über 25 Kilometer auf der Straße.
1997 feierte sie wieder den Europameistertitel über die 10-Kilometer-Strecke in den Niederlanden. In dieser Zeit glänzte sie als 13malige Deutsche Meisterin ihrer AK über die Cross-, Straßen-, Halb- und Marathonstrecke.
Was macht diese Frau zu so einer Topathletin? Natürlich ernährt sie sich bewusst, was sie vorher aber auch schon tat. Alkohol und Zigaretten sind tabu. Sie trainiert fast täglich, hat in ihrem Mann einen fachkundigen Organisator und Berater, der für sie die Trainingspläne erstellt. Selbstverständlich betreibt sie zu Hause regelmäßig Dehn- und Kraftübungen, Gymnastik und Muskelaufbau. Mit ihren rund 1,60 Metern Größe hält sie ihr Gewicht seit Jahren.
Seit 1996 gehört sie der LG Bremen Nord an, trainiert aber alleine in Schierbrok. "Ich trainiere wie die Läufer in der offenen Klasse, hart, beinahe unter Profibedingungen."
Eine ganz große Ausnahme hatte sich Christine Fuchs allerdings vor den jetzigen Deutschen Meisterschaften gegönnt. Sie  hatte am Vorabend ein Glas Rotwein getrunken, was ihr eine Mitläuferin empfohlen hatte. Lächelnd erzählt sie davon. Viel- leicht wird sie dies Ende Oktober wiederholen, wenn sie beim Frankfurt-Marathon startet?

OSTERHOLZER KREISBLATT vom 18. Oktober 2001
“City-Marathon mit Anlauf”
Jörn Mangels macht aus Vorliebe keinen Hehl / Karriere voller Kontraste
Von unserem Mitarbeiter Reinhard Bohling
Osterholz-Scharmbeck. An der Highschool in New Jersey kam der damals 17-jährige Austauschschüler Jörn Mangels erstmals mit den längeren Laufdistanzen in Berührung, aber im Land der unbegrenzten Möglichkeiten fehlte es letztlich wohl etwas an der Ernsthaftigkeit. Der Trainingsfleißigste ist der gebürtige Franke (Coburg) bis heute noch nicht. Immerhin hat es der salopp wirkende Mittdreißiger bisher auf neun Marathonläufe gebracht.
Eine sportliche Karriere voller Kontraste, geprägt von mancher Unlust und harter beruflicher Arbeit. Dabei besitzt der Osterholz-Scharmbecker Fotografenmeister doch den Durchblick. Das Leichtgewicht mit Askese? “Letzteres trifft in keinster Weise zu, denn den kulinarischen Genüssen aller Art ist schon mein persönliches Umfeld gegenüber total aufgeschlossen", macht der hagere Renner aus seiner Vorliebe keinen Hehl.
Trotz allem werden so drei bis vier Mal in der Woche die Laufschuhe geschnürt, bescheren Distanzen über 20 oder 35 Kilo- meter gedanklich einen klaren Kopf. Im Teufelsmoor und den unmittelbaren Außenbereichen der Kreisstadt ("Am Knorren hol' ich mir immer den Bergpreis”) schuftet der Langstreckler (“maximal 200 Kilometer im Monat") für seine Passion. Anfang 2001 überkam Mangels einfach der unbändige Drang nach Bewegung: "So zwischendurch mal Joggen reichte mir nicht. Ich musste wieder den richtigen Dreh bekommen". Ab Ende Februar wurde der Pulsschlag regelmäßig in die Höhe getrieben, insbesondere die Ausdauerfähigkeit verbessert sowie das Zeitgefühl verfeinert - der BerlinMarathon bewies seine Anziehungskraft.
Am 30. September war es soweit. Die Kulisse (über 1,5 Millionen Zuschauer) und der. Streckenverlauf begeisterten. 33 000 Läufer/innen, 6000 Skater und über 100 Rollstuhlsportler/ innen gingen auf die Reise. Nach 2:53.41 Stunden war das Spek- takel für ihn beendet. Platz 614 im Gesamtklassement und Rang 164 in der M35, unter anderem jede Menge Bananen als Nahrung und im Zielbereich ein Bier - Mangels war zufrieden, aber ihn "gelüstete" nach mehr. So hat er schon New York 2002 im Hinterkopf. Seinen ersten Marathon 1987 im damaligen West-Berlin wird der Genussmensch nie vergessen. "Ich  war zu schnell angelaufen, habe die letzten Meter ins Ziel nur noch wie im Trance erlebt, doch an Aufgeben in keiner Sekunde gedacht”, blickt der Reisefreudige zurück.
Der Mythos Marathon und die vielen Geschichten. In “grauer Vorzeit" betrug die Distanz nur 40 Kilometer. Aber in London sollte das Rennen unbedingt am königlichen Palast vorbeiführen. Die unfeinen Flüche der Athleten während des 2195 Meter langen Umweges waren an die britische Hoheit zu adressieren. Mangels schmunzelt: “Marathonis haben ein Lebensziel bereits erreicht”. Baden gegangen ist der Wassermann-Geborene (27. Februar 1966 - das Jahr des berühmt, berüchtigten Wembley- tores) in seinen Wettbewerben noch nicht. Ob in Bremen, Frankfurt, Rotterdam, Leipzig, Hamburg und Berlin - fast immer war die Dreistundenmarke das Ziel. Wenn es das Weihnachtsgeschäft ermöglicht, steht am 28. Oktober Venedig im Termin- kalender des Roadrunners. Allein die südländische Atmosphäre rechtfertigt schon die 120 Mark Startgebühr. Die Metropole der Träume und Sehnsüchte an der Lagune, samt den Gondeln, Millionen Tauben sowie dem weltberühmten Carnevale gilt  als City-Marathon mit Anlauf. Erst ab Kilometer 36 erreicht das Teilnehmerfeld die Altstadt. “Vielleicht kann ich für den VSK-Novemberball (3. November/Motto: Eine Nacht in Venedig) ja noch ein passendes Präsent mitbringen?" lacht der Kaufmann, packt seine Mappen und verschwindet im Dunkel des milden Oktoberabends.

LANDESZEITUNG FÜR DIE LÜNEBURGER HEIDE vom 25. Oktober 2001
Planung auch aus Moskau
Ehrenamtsserie : Björn Umland vom MTV Rottorf
Rottorf (lüb). Björn Umland ist erst 29 Jahre alt. Trotzdem kann er sich kaum noch an die Anfänge seiner ehrenamtlichen Arbeit beim MTV Rottorf erinnern: "Das muss so um 1994 gewesen sein." Seitdem ist Umland Leiter der Abteilung Leicht- athletik im MTV.
Schon in so jungen Jahren eine verantwortungsvolle Vereinsfunktion zu übernehmen - ein durchaus ungewöhnliches Engage- ment. Doch Umland hat die Aufgabe mit Bravour gemeistert. Gerade hat er mit vielen Helfern die fünfte Auflage des Rottorfer Volkslaufes durchgeführt. "Mit 323 Läufern am vergangenen Sonntag hatten wir einen neuen Teilnehmerrekord", so Umland.
Vor elf Jahren trat der gebürtige Cuxhavener dem MTV bei, als er in Winsen seine Ausbildung beim Bundesgrenzschutz absolvierte. Arbeitskollegen überredeten ihn damals, in einem Mixed-Volleyballteam in Rottorf mitzuspielen. Aus den Erfahr- ungen mit diesem Team, dem er immer noch angehört, weiß er um die Probleme der Vereine, ehrenamtliche Posten zu besetzen: "Beim Volleyball suchen wir schon seit Jahren einen Trainer - ohne Erfolg."
Mit der Auflösung des BGS-Standortes Winsen vor 2 Jahren verließen viele seiner ehemaligen Arbeitskollegen den Verein. Umland aber blieb weiter beim MTV engagiert - auch wenn er aus beruflichen Gründen zuletzt viele Monate im Ausland verbrachte. "Erst letzte Woche bin ich aus Moskau wiedergekommen", erzählt er. "Dort war ich mit Kollegen für die Sicher- heit in der deutschen Botschaft zuständig." Die selbe Aufgabe hatte er zuvor in Washington und in Nowosibirsk. Von Moskau aus erledigte Umland sogar einen Teil der Organisation für den Rottorfer Volkslauf: "Per E-Mail ist das kein Problem."
Obwohl er zum Leichathletik-Training im Ausland kaum Zeit fand, testete er dort seine sportlichen Grenzen aus. "In Moskau bin ich einen Marathon gelaufen, in Washington habe ich zwei Zehnkämpfe absolviert", so der 29-Jährige. "Aber alles nur just for fun."
Dieses Motto verfolgt er auch beim Training von Kindern und Jugendlichen in seinem Verein. "Der Spaß steht absolut im Vordergrund", sagt Umland. Den Spaß an seinem Ehrenamt hat der Allround-Sportler trotz der notwendigen bürokratischen Tätigkeiten wie dem Schriftverkehr mit Verbänden oder der Teilnahme an Sitzungen nicht verloren. "Der Schreibkram gehört nun mal dazu. Und im Zeitalter des Computers ist das alles halb so wild", ermutigt Umland andere junge Leute zur Mitarbeit in Vereinen. Und noch ein Vorurteil baut er ab: "Auch mit einem Ehrenamt bleibt noch genug Zeit für andere Dinge des Lebens."
Zu dem
Erlebnisbericht von Björns erstem Marathon

KURIER AM SONNTAG vom 28. Oktober 2001
Das faszinierende Erlebnis der Geschwindigkeit auf Rollen
Walter Liebertz will auch in Bremen das Speedskaten etablieren
Von unserer Mitarbeiterin Sabine Lange
Bremer-Nord. Wenn Walter Liebertz früh morgens mit seinen Inlinern über den Lesumdeich gleitet, hat das für ihn “medita- tiven Charakter". Dann heben sich gerade die Nebelschwaden, hört er das intensive Zwitschern der Vögel, sieht er Rehe in der weiten Landschaft weiden, und die Anwohner, die er von seinen täglichen Trainingseinheiten schon kennt, winken ver- schlafen aus den Fenstern.
So gleichermaßen gemütlich wie romantisch geht es auf der Hausstrecke des 51-Jährigen und seiner Frau Petra indessen nicht immer zu. Denn das Skaten boomt, auch sportlich gesehen. Und der Weg neben der Lesumbroker Landstraße ist in Bremen und Umgebung die anerkanntermaßen beliebteste Rennstrecke der "Rollschuh"-Fahrer.
Den Sport "Speedskaten" in organisatorische Strukturen zu führen, haben sich die Eheleute Liebertz und einige andere Mit- streiter, die den sportlichen Reiz der Inliner für sich entdeckt haben, zum Ziel gesetzt. Während es in den anderen Bundes- ländem bereits Fachverbände für diese junge Sportart gibt, ist in Bremen bisher noch nichts in dieser Richtung passiert. Das soll sich ändern. Mit Briefen haben die Skater sich an mögliche Interessenten gewandt, und bis Ende Oktober hoffen die Organisatoren auf reges Echo. Dann nämlich sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden. Angesprochen sind alle, die etwas über den Fitnessbereich hinaus mit ihren Inlinem anfangen wollen.
Weitere Infos erteilen Petra und Walter Liebertz (Telefon 04 21 / 6 25 03 90).
Walter Liebertz kam 1998 "ins Rollen": Der ehemalige Langstreckler steckte in den Vorbereitungen zum Berlin-Marathon, als er sich eine Fußverletzung zuzog. Ein normales Lauftraining war danach nicht möglich. Inspiriert durch die Kids, die beim Training auf ihren Inlinern immer an ihm vorbei geflitzt waren, holte auch er sich ein Paar "Rollschuhe”. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit erprobte er seine neue Errungenschaft auf dem damaligen Bundeswehrgelände in Grohn. Und "es ging auf An- hieb gut", sagt Naturtalent Walter Liebertz.
Wie gut, stellte sich beim Berlin-Marathon 1998 heraus. "Ich hab' noch schnell in Berlin angerufen und gefragt, ob ich ummel- den kann", sagt der Bundeswehrangehörige. Und so startete er anstatt bei den Langläufem zusammen mit 400 Skatern in der Bundeshauptstadt.
Auch Petra Liebertz, die gerade eine Fußoperation hinter sich hatte, war dabei. "Ich habe mich in Berlin so durchgemogelt”, lacht die damalige Anfängerin. Besonders faszinierend war für sie die Geschwindigkeit und Leichtigkeit, mit der sie als Skaterin die Marathonstrecke bewältigen konnte. “Ich sah die Kilometerschilder nur so an mir vorbei rauschen und dachte an meine Zeit als Langstreckenläuferin zurück. Bei Kilometer so und so, da hast du dich schon gequält ... “
Walter Liebertz, der mit dem Leistungssport längst abgeschlossen hatte, lief in Berlin auf Anhieb ein tolles Rennen.
"Drei Monate schwebte ich auf einer rosa Wolke”, sagt der Nordbremer. Plötzlich träumte er davon, in der deutschen Spitze mitmischen zu können. Und dort ist er jetzt auch: Die Erfolgsbilanz des Jahres 2001 kann sich sehen lassen: Zweiter im Marathon und Meister in deutscher Rekordzeit im Doppelmarathon (2:39:13 Stunden) bei der DM der Altersklasse M 50, Rang vier bei der Senioren-Europameisterschaft im Marathon in Hannover. Beim Berlin-Marathon - dort waren 6500 Skater am Start - brach er kürzlich den deutschen Rekord. Doch wie sich später beim Durchblättern der Ergebnislisten im Internet herausstellte, unterbot ein Teilnehmer seine Superzeit von 1:13:04 Stunden um eine Sekunde.
Das Ende der Fahnenstange ist bei dem bewegungssüchtigen Ehepaar noch nicht erreicht. Es trainiert täglich. Bei schönem Wetter auf den Inlinern, bei Regen läuft Petra Liebertz, während ihr Mann seine Ausdauer am Ergometer trimmt. Die beiden vergleichen das Wettkampf-Skaten mit Radrennen. Im Windschatten zu fahren, sich einer Gruppe anzuschließen, sind Tak- tiken, die für ein Rennen ebenso wichtig sind wie Ausdauer, Technik, Technik und nochmal Technik. Und die wird auf dem Lesumdeich trainiert, manchmal mit dem schönen Nebeneffekt durch Nebelschwaden gleiten zu können.

Presse-Information vom 30. Oktober 2001 (Von Joachim Hickisch)
30 Jahre aktiver Leichtathlet und Funktionär – Jürgen Umann (LAV Zeven)
Zeven. Kräftigen Beifall verzeichnete Jürgen Umann (47) beim traditionellen Vereinsball des TuS Zeven, als Leichtathletik- Abteilungsleiter Hans-Hermann Neblung ihm für 30 Jahre ununterbrochene aktive Leichtathletik und Vereinsarbeit ein Präsent überreichte. Seit 1971 für den TuS Zeven / die LAV Zeven startend ist Jürgen Umann, ein klassischer Sprinter, in den verschiedensten Bestenlisten zu finden. In den siebziger Jahren war die norddeutsche Vizemeisterschaft über die 100 Meter die beste Platzierung im Männerbereich, in den jeweiligen Seniorenklassen gehörte und gehört Zevens Urgestein, so Neblung, stets zur Deutschen Spitzengruppe. Dafür sprechen ein Europa- und ein Deutscher Meistertitel, diverse norddeutsche und mehr als zwanzig niedersächsische Titelgewinne.
Aber nicht nur die aktive Leistung steht für den Ausnahmemenschen Jürgen Umann. Seit mehr als 25 Jahren gehört er dem Kreisvorstand Rotenburg als Statistiker an, ebenso lange übt er auch für seinen Stammverein MTV Gyhum die Funktion eines Übungsleiters aus. Selbstredend ist Umann auch für die LAV Zeven unverzichtbar. Ob als Vereinsstatistiker, Kampfrichter, Starter, Helfer in allen Notlagen, auf Jürgen Umanns Unterstützung könne, so Neblung, der Verein stets bauen.
Seit gut zwei Jahren sind auch die
LAV Zeven und der Kreisverband Rotenburg im Internet vertreten, die Einrichtung und Betreuung übernahm selbstverständlich – Jürgen Umann.

Bremervörder Zeitung vom 1. November 2001
Lauftreff war der Einstieg in den Sport
Egon Barkow “Sportler des Jahres” in Alfstedt
Alfstedt (kw). Hätte man ihn vor 20 Jahren gefragt, wie es um seine sportlichen Ambitionen steht, er hätte sicherlich vehe- ment bestritten, ein großes Interesse am Sport zu haben. Wenige Jahre später änderte sich Egon Barkows Einstellung schlag- artig. Das Laufen wurde für ihn zu einem wichtigen Bestandteil seines Lebens. Für seine herausragenden Leistungen in diesem Bereich wurde Egon Barkow jetzt während der Blau-Roten-Nacht des TuS Alfstedt als “Sportler des Jahres” geehrt.
Seit 1984 besteht der Alfstedter Lauftreff, und im Frühjahr 1985 startete Egon Barkow mit diesem Sport, der ihm bis heute großen Spaß bereitet.
 "Vor dieser Zeit habe ich nie daran gedacht, Sport zu betreiben", erinnert sich der 67-jährige. Bis heute hat Egon Barkow 66 Läufe absolviert. Dazu gehörten 42 Volksläufe zwischen 4,6 und 25 Kilometern, acht Halbmarathonläufe über 21 Kilometer sowie 16 Marathonläufe über 42 Kilometer. Die Läufe fanden nicht nur in Deutschland statt, sondern auch in London, Paris, Wien, Stockholm und Prag.
Die außergewöhnlichen Leistungen von Egon Barkow hob auch der Vorsitzende des TuS Alfstedt, Heiko Schmidt, vor zahl- reichen Gästen im Gasthof Steffens hervor. Ebenfalls zur Wahl gestanden hatten für den Titel "Sportler/Sportlerin des Jahres" Katharina Mangels und Heike Buck.

Delmenhorster Kreisblatt vom 10. November 2001
Paul Wilhelm Glöckner zwischen Sport, Reiselust und politischer Verant-
wortung
Selbst auf den Bahnsteigen zwischen Moskau und Peking im Lauf-Fieber
Von Anke Bayer-Thiemig
Delmenhorst. "Ich bin bestimmt schon eineinhalbmal um die Welt gelaufen", ist sich Paul Wilhelm Glöckner sicher. Ob Cross- oder Marathonläufe, kurze oder lange Strecken, ja sogar Geländeläufe mit Hund, der 58-Jährige hat mit dem Laufen für sich eine neue Welt entdeckt, wie er sagt.
Dabei hatte er in seiner Schulzeit keinen Sport betrieben, mit 22 Jahren erst - als einziger Mann unter vielen Frauen - im damaligen Stadtbad das Schwimmen erlernt.
Gewandert ist er als junger Bursche in der Pfadfindergemeinschaft. "Mit Rucksack oft lange Strecken", erinnert sich Glöckner. Während seiner Bundeswehrzeit 1967/68 in Wildeshausen ist es ihm erstmals bewusst geworden: "Ich kann verdammt lange Strecken laufen." Doch es dauerte noch ein paar Jahre, bevor der Delmenhorster vom Laufvirus voll erwischt wurde.
Lehrer ist der Mann, der unglaublich schön erzählen kann. Er wirkt so vielseitig, hat alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die ihm sowohl beruflich als auch sportlich geboten wurden.
Industriekaufmann hat er gelernt, doch er machte mehr daraus: Abitur nachgeholt, an der PH studiert, Lehrer geworden. Er schloss ein weiteres Studium ab, lernte Erziehungswissenschaften. Heute ist er Diplom-Pädagoge. Bis vor zwei Jahren war er Lehrer am Schulzentrum Bremen-Huchting, ist jetzt im Vorruhestand, um sich als FDP-Fraktionsvorsitzender mehr um die Politik kümmern zu können.
Ähnlich klingt auch sein Sportlebenslauf: Gewicht drastisch reduziert, langsam gelaufen, ausdauernd gelaufen, mit Erfolg gelaufen. "Mein Ziel ist es, bis ans Lebensende immer zu laufen." Damit könnte die Geschichte eigentlich zu Ende sein, doch  es lohnt sich, mehr über Paul Glöckner zu erfahren.
Er erinnert sich an das Jahr 1976. Regelmäßig fing er an zu trainieren, an die zwei Kilometer pro Einheit sollten es sein. Es folgte im gleichen Jahr sein erster Volkslauf, für zehn Kilometer benötigte er damals 44 Minuten. Durch das Laufen lernte er Winfried Pehla und Helmut Fuchs kennen. Sie liefen für den TV Jahn, Glöckner schloss sich an. Jeden Abend wurde in der Graft trainiert. "Ich war in einer neuen Welt angekommen." Das war 1977. "Für mich gab es nur noch Schule und Laufen", erinnert sich der Sportler.
Der neue Trainingspartner hieß Heribert Kuchinke. "Die anderen wurden mir zu langsam." Er lief viele Rennen, wurde unzählige Male Kreismeister über 1500 m, fünf und zehn Kilometer, mehrfach Bezirksmeister, holte sich Vizetitel mit der Mannschaft bei den Landesmeisterschaften über 25 Kilometer und über die Marathonstrecke.
Glöckner, der ein Faible für Hüte hat, erlitt 1987 einen Bandscheibenvorfall, ließ sich Jahre später aber erst operieren. "Die Karriere war zu Ende". Er lief nur noch für sich. Treu blieb er seinem Sport als Kampfrichter oder Stadionsprecher bei Wettkämpfen, war lange Jahre beim TV Jahn Abteilungsleiter der Leichtathletik sowie stellvertretender Vorsitzender und Pressesprecher des Stadtsportbundes.
Seine Bestzeiten liegen über 5000 m bei 15:36 Minuten, über zehn und 25 Kilometer bei 33:04 Minuten und 1:25:34 Stunden und über die Marathonstrecke bei 2:35:06.
"Zeiten sind mir heute egal", lächelt Glöckner. Ob das wohl stimmt? In seinem Lesezimmer hängen vier Uhren und zeigen die Zeiten aus Melbourne, New York, Vancouver und Delmenhorst an. Alles Orte an denen er schon einmal gelaufen ist. Für ihn sind die Uhren Zeichen für Weltoffenheit. Die Zeitumstellung macht er allerdings nicht mit. Braucht er auch nicht. Er weiß genau, dass während der Sommerzeit seine Uhren nicht stimmen.
Ein freundliches Lächeln macht sich in seinem Gesicht breit. Sein Lächeln ist ansteckend, sein Humor auch. So erzählt er davon, dass ihm seine Frau Elke die ersten Sportlerhosen genäht hat - verziert mit Herzchen. Oder von seiner mehrtägigen Reise mit der transibirischen Eisenbahn von Moskau nach Peking. Was hat er wohl während der Haltezeiten gemacht? Natürlich! Auf den Bahnsteigen trainiert.

KURIER AM SONNTAG vom 18. November 2001
Im Laufschritt durch die ganze weite Welt
Der Verdener Gerhard Werner läuft auch im Alter von 69 Jahren noch Marathon - ob im Nil-
delta oder in Hongkong
Von unserem Mitarbeiter Andreas Becker
Verden. Den 69-jährigen Verdener Gerhard Werner als Globetrotter zu bezeichnen, ist keine Übertreibung. Alle fünf Konti- nente hat er bereits besucht, und auch die großen Hauptstädte der Welt hat er mit eigenen Augen gesehen. Gerade ist der Pensionär von einem vierwöchigen Aufenthalt in Südamerika zurückgekommen.
Die vielen Reiseführer auf seinem Wohnzimmertisch künden von den Stationen der Reise: Brasilien, Peru, Venezuela und Kolumbien. Doch während andere Touristen durch die Scheiben des Reisebusses Land und Leute bestaunen, hat Gerhard Werner einen anderen Anspruch. Er erläuft sich seine exotischen Ziele, und das im wahrsten Sinn des Wortes. Denn den passionierten Marathon- und Ultraläufer, der Distanzen bis zu einhundert Kilometern zurücklegt, hat es auf der Suche nach reizvollen Strecken in aller Herren Länder gezogen.
Rennen in Tropenklima
In Oakland, Neuseeland, ist er ebenso gelaufen wie in Buenos Aires, Venedig, Paris und London. Auch in Hongkong war er am Start - allerdings nicht über die klassische Distanz. Der Marathonlauf in der vietnamesischen Stadt Saigon ist ihm jeden- falls noch in guter Erinnerung. "Es hatte dort schon morgens 30 Grad, und ein Dunst aus Smog und feuchter Luft lag über der Stadt", erinnert er sich. Trotz dieser Widrigkeiten wäre er gut zurecht gekommen, wenn nicht mitten im Rennen ein massiver Fahrradverkehr losgegangen wäre. “In Vietnam fahren die meisten Leute Fahrrad und die Strecke war nicht abgesperrt. Man musste verteufelt aufpassen, um nicht überfahren zu werden “.
Angenehmer hat er den 42,9-Kilometerlauf im Niltal in Erinnerung. Dort sei das Klima trotz der hohen Temperaturen gut fürs Laufen gewesen. “Heiß und trocken, das war ganz angenehm", sagt er. Nur vor dem Marathon am Fuße des Kilimandscharo hat er einen Rückzieher gemacht und auf eine Meldung verzichtet. Wegen der Löwen, wie er sagt.
Ansonsten hat er auch in unsicheren Gegenden nie auf einen guten Lauf verzichtet. So hat er beispielsweise die Elendsviertel von Rio de Janeiro, die Favelas, in Sportzeug und Laufschuhen kennen gelernt - nur von einem einheimischen Führer begleitet.
Auch im Matto Grosso, am Strand von Rio, am Titicacasee in 4000 Metern Höhe und auf dem Gelände eines peruanischen Sonnentempels ist er gelaufen.
Wenn es auf seinen Stationen kein organisiertes Rennen gab, lief er eben auf eigene Faust. Um in Bewegung und im Training zu bleiben. Schlechte Erfahrungen hat Gerhard Werner nach eigenem Bekunden im Laufe der vielen Jahre nicht gemacht. Auch nicht, als er in Lima (Peru) mitten in eine Demonstration von Regierungsgegnern geriet. "Ich hab mich ganz freundlich  mit den Demonstranten und mit der Polizei unterhalten ", erzählt der Verdener.
Eine ängstliche Natur ist er nicht: "Was soll passieren? Sportler werden meist in Ruhe gelassen. Außerdem hat man doch ganz offensichtlich kein Geld dabei, wenn man in Sportklamotten durch die Gegend läuft". Im Zweifelsfall verlässt er sich auf seine Schnelligkeit und ergreift die Flucht. Allerdings fordert Werner das Schicksal nicht heraus. "Nachts laufe ich natürlich nicht durch gefährliche Gegenden. Das gilt für Rio genauso wie für New York.“
Lauf aufs Empire State Building
Dort, in der amerikanischen Ostküsten-Metropole, hat er nicht nur an dem legendären Marathon teilgenommen. Ihm wurde als einem der wenigen deutschen Läufer bislang die Ehre zuteil, am Rennen auf das Empire State Building teilzunehmen. Seine Eintrittskarte war der Gewinn des Dreierpokals der Ultraläufer in seiner Altersklasse. "Dazu sind jährlich nur 110 Läufer zuge- lassen ", erzählt er stolz.
Über eine Treppe aus dem Jahr 1930 sind bis ganz oben in 100 Stockwerken eintausend Stufen zu bezwingen. "Man darf die
Treppe vorher nicht sehen und muss sich erst mal überlegen, ob man pro Schritt eine oder zwei Stufen nimmt", erzählt Werner. Anstrengend ist der Lauf in jedem Fall, und "durchgeschwitzt ist man schon nach zehn Stockwerken". Am Ende belegte Werner in seiner Gruppe den vierten Platz, worüber er auch heute noch stolz ist.
Doch muss der Läufer, der erst im Alter von mehr als 50 Jahren zu den Langstrecken kam, nicht in die Ferne schweifen, um Beeindruckendes zu erleben. Begeistert erzählt Gerhard Werner vom legendären 100-Kilometer-Lauf im schweizerischen  Biel, der nachts durch die Stille der Alpen führt. "Man wird zum Naturliebhaber. Das ist unvergleichlich", schwärmt er.
Vier bis fünf Marathonläufe bestreitet der ehemalige Verdener Landgerichtsdirektor pro Jahr, dazu kommen noch Rennen über längere Distanzen. Bislang hat er an 65 Marathonen und 15 "Hundertern" teilgenommen. Und das bei einer Trainings- leistung von "nur" 150 Kilometern pro Monat. Mein Trumpf ist, dass ich nie krank bin und keine Verletzungen hatte", so der 69-jährige. Ans Aufhören denkt er jedenfalls noch lange nicht. Werner: Man kann auch mit 70 noch tolle Zeiten laufen«. Das sagt er, obwohl es ihm persönlich auf die Zeiten gar nicht ankommt  Hauptsache er bleibt innerhalb der Sollzeit.
Die beträgt für den 100-Kilometer-Lauf in Biel 20 Stunden, und das, sagt Gerhard Werner, kann man immer schaffen."  Ältere Herrschaften laufen langsam und strengen sich bei den Rennen nicht mehr so an", ist seine Devise. Mit dieser Taktik  hat er bislang auch die längsten Distanzen ohne Blessuren überstanden. Als er seinen ersten Marathon nach nur vier Wochen Trainingszeit absolvierte, war er zwar “fix und fertig” und konnte kaum noch gehen. Beim nächsten Marathon war er trotzdem wieder am Start. "Der zweite Lauf ist der wichtigste. Da entscheidet sich, ob man dabei bleibt oder nicht".
Gerhard Werner blieb dabei. Auf die Idee aufzugeben ist er nie gekommen. Auch nicht, als er in Biel nach 18 Kilometern Fußschmerzen bekam und noch 82 Kilometer vor sich hatte. Nicht beim Swiss Alpin Lauf, als die Teilnehmer 42 Kilometer durch Schneefelder und über eine Berg und Talstrecke mit "brutalen Steigungen" laufen mussten. "Nie mehr", sagt er. Dann schon lieber den Helgoland-Marathon, der als nächstes Rennen auf der Liste des Ex-Richters steht. "Das ist ein schöner Lauf, freut er sich im voraus. “Hinterher wird gesoffen, und das ist härter als die 42 Kilometer”.

WESER KURIER vom 3. Dezember 2001
Schumann ist ihm zu arrogant
Der 14-jährige Leichtathlet Julian Geißhirt kommt ohne Vorbild aus
Von unserem Mitarbeiter Stefan Freye
Bremen. Auf den Mund gefallen ist er schon mal nicht. “Sie schreiben doch auch jeden Tag einen Bericht", kontert Julian Geißhirt die Frage, ob das tägliche Training nicht irgendwann mal langweilig wird. Alles klar. Blöde Frage. Rund zwei Stunden, fünfmal in der Woche übt sich der 14-jährige in der Leichtathletik. Da kommt natürlich keine Langeweile auf. Schließlich macht Julian das Training Spaß. Und: "Er ist sehr ehrgeizig und zielstrebig", fügt sein Trainer Jens Ellrott hinzu.
Selbst beim Aufwärmen, wenn seine Gruppe nur ein bisschen Basketball spielt, könne Julian nicht verlieren. Was ihm nicht immer gut bekommt. Denn die "Gruppe" von Jens Ellrott besteht aus rund einem Dutzend Mädchen und Julian Geißhirt. Der machte angesichts dieses Missverhältnisses bereits seine eigenen Erfahrungen mit weiblicher Überlegenheit. Dabei hat sich Julian nach einigen Jahren des Fußballspielens bewusst der Leichtathletik verschrieben, "weil ich nicht so der Mannschafts- sportler bin - ich muss immer gewinnen”. Das kriegen die Mädchen seiner Gruppe aber wohl auch noch hin.
Wenn er dann den gepflegten Umgang mit der Niederlage erlernt hat, dürfte von Julian Geißhirt noch einiges zu hören sein. Am sportlichen Erfolg mangelte es in der vergangenen Sommersaison jedenfalls nicht: Die Deutsche Schülermeisterschaft im "Blockwettkampf Lauf” schloss Julian als Sechster ab und die nationale Bestenliste führt ihn auf Platz sieben - kein Bremer Athlet ist besser platziert. Außerdem gewann der junge Athlet vom BLT/VfB Komet zehn Landesmeisterschaften und brach zwei Landesrekorde.
Ein Jahr noch möchte der Trainer seinen Schützling im Mehrkampf schulen. Dann soll sich Julian spezialisieren. Als "Traum" bezeichnet das.Talent die Mittelstrecke, "aber ich bin offen für alles". Das klingt zwar ein bisschen wie ein wechselwilliger Fußballprofi, soll aber nur bedeuten, dass sich der Schüler eben noch nicht festlegen will - es kann gut sein, dass die Mittel- strecke doch nicht die ideale Disziplin für ihn ist. Am Schulzentrum Obervieland, wo Julian die siebte Sportförderklasse besucht, werden sie dies sicher heraus finden. Sein Lehrer dort ist übrigens auch sein Trainer. Und Jens Ellrott weiß, dass "Julian ein sehr harter Arbeiter ist, dem die Dinge nicht so zufallen". Aber ohne diesen Ehrgeiz, bemerkt Ellrott, komme man nicht weit.
"Weit kommen", es könnte das Stichwort sein für eine weitere vorsichtige Frage an den Bremer. Wie sieht es denn mit Vor- bildern aus, vielleicht Nils Schumann? "Nee, den finde ich ein bisschen zu arrogant. Ich bin mein eigenes Vorbild”.
Schade, das war wohl wieder nichts...

DELMENHORSTER KREISBLATT (ONLINE) vom 5. Dezember 2001
Torsten Husak mit Trainer Günther in der deutschen Spitze
Das Talent lag in der Wiege, der Rest ist hartes Training
Delmenhorst. "Riedel und Co. sind wohl außerhalb der Reichweite, aber der deutsche B-Kader sollte es schon sein." "Werferfuchs" und Trainer Dr. Albrecht Günther steckt das Ziel seines Schützlinges hoch, und Torsten Husak nickt zustimmend.
Der 15-jährige Realschüler aus Delmenhorst hat in diesem Jahr mit einer enormen Leistungssteigerung im Diskuswerfen und  im Kugelstoßen für Schlagzeilen gesorgt. Mit dem Diskus verbesserte er sich im Vergleich zur vorigen Saison von gut 37 auf 53,25 Meter und im Kugelstoßen von 12,72 auf 15,09 Meter. Damit steht Husak mit der Scheibe auf Platz zehn der deutschen Bestenliste, mit der Kugel reicht es für Rang 27.
Seit knapp einem Jahr steht der kräftige Schüler vom Delmenhorster TV unter den Fittichen von "Abo" Günther, der selbst in diesem Jahr Senioren-Landesmeister und Vierter der Deutschen Meisterschaft wurde. Seine Bestleistung im Speerwurf - mit dem alten Gerät - steht bei 69,80 Meter. Der Kinderarzt war mehrfach Niedersachsenmeister, deutscher Vizemeister und 1959 bei der Universiade in Turin Sechster. Sieger war damals Hermann Salomon, der ein Jahr später bei den Olympischen Spielen in Rom an den Start ging.
Während der Trainer von einer sportlichen Familie erzählen kann (Tochter Karen spielt in Hamburg Volleyball und Sohn Jens lief die 800 m bereits unter zwei Minuten) sind Torstens Bruder und seine Eltern eher passiv. Sie unterstützen das erfolgreiche Talent aber sehr. "Das ist auch wichtig", sagt Günther, "das Elternhaus liefert den Boden für die Erfolge." Die hat Torsten, der im Sommer die Mittlere Reife machen, dann aber vermutlich weiter zur Schule gehen will und als Berufsziel Techniker bei der EWE angibt, bereits vorzuweisen.
Seine Bestweite mit dem Diskus stellte er beim Gewinn des Landestitels auf. Im September wurde er in Hameln Norddeut- scher Vizemeister mit 51,65 Metern. Im Kugelstoßen feierte er die Vizemeisterschaft auf Landesebene und bewies Ende September noch einmal Spätform, als er die Kugel bei einem Werfertag in Huchting auf persönliche Bestweite von 15,09 Metern stieß. Damit ist er in Niedersachsen Drittbester seiner Altersklasse.
Als Belohnung für seine Leistung wurde er in den D-Kader berufen. Alle vier Wochen trainiert er unter Kader-Trainer Thomas Dresp (Aurich) im Leistungszentrum von Hannover. Im März wartet ein Trainingslager am Bodensee. Außerhalb des Kadertrainings fließt der Schweiß dreimal in der Woche. In den acht Wochen vor großen Wettkämpfen wird noch eine Trainingseinheit draufgelegt. Für die Landesmeisterschaften hat das ehrgeizige Talent sogar seine Ferien geopfert.
Günther baut seinen Schützling mit dem Wissen eines Kinderarztes behutsam auf. Krafttraining wird behutsam dosiert.   "Das Talent ist Torsten in die Wiege gelegt worden", sagt dessen Trainer. Auch die Befähigung, Muskeln schnell aufzubauen, sei angeboren. Seine Körperstatur und sehr gute Bewegungs-Koordination seien weitere Voraussetzungen, die der 15-Jährige mitbringe. "Außerdem hat Torsten ein feines Gespür für das Gerät", freut sich Dr. Günther. "Ich habe Torsten von Ute Rodiek gut vorgebildet übernommen", lobt Günther, der seit 1962 Trainer beim Delmenhorster TV ist, die Jugendarbeit im Verein.
In der kommenden Saison dürften die gemessenen Leistungen zunächst ein wenig zurückgehen. Der Diskus wiegt in der  neuen Altersklasse dann 1,5 statt ein Kilogramm und die Kugel fünf statt vier.
"Ich möchte am Ende der nächsten Saison wieder unter den ersten Zehn in Deutschland stehen", lautete das Nahziel von Torsten. Außerdem möchte er Vize-Landesmeister werden. "An Karsten Fahnster aus Georgsheil werde ich wohl nicht heran kommen." Der Ostfriese ist größer, ein Jahr älter und im Training weiter als der Delmenhorster. "Die Georgsheiler saugen ihre Jungs früh aus", lässt Günther Kritik an dortige Traingsmethoden laut werden. Er will weiter behutsame Aufbauarbeit leisten. Und vielleicht sind Athleten wie Olympiasieger Lars Riedel und Co. doch irgendwann einmal in Reichweite. Dann wird sich Torsten dem Leistungssport aber in einem großen Verein - weg vom Elternhaus - mit Haut und Haaren verschreiben müssen.
"Das würde ich in Kauf nehmen", sagt der junge Sportler. "In solchen Leistungszentren werden die Jungs durch Kamerad- schaft aufgefangen", macht ihm auch sein Trainer Mut.
Aber nicht nur die Leistung muss stimmen, das ganze kostet auch. Für einen Diskus müssen zum Beispiel rund 300 und für gute Schuhe etwa 250 Mark hingelegt werden. Ein Vater aus der Übungsgruppe von Thorsten Preckel, der die Kleinen im DTV trainiert und derzeit "die Hütte voll hat", unterstützt den Nachwuchs des DTV. Auch Torsten bekommt ein wenig davon ab...

BREMERVÖRDER ZEITUNG vom 7. Dezember 2001
Langer läuft 4219,5 Kilometer
100. Marathon-Jubiläum: Läufer des TSV Karlshöfen im In- und Ausland am Start
Karlshöfen (es). Karlshöfen - Moskau - und zurück, diese Strecke legte Werner Langer zurück. Aber nicht mit dem Auto, sondern mit den Füßen. Der Läufer des TSV Karlshöfen feierte kürzlich ein eher ungewöhnliches Jubiläum: Zum 100. Mal lief
er einen Marathon. 100 Mal über die 42,195 Kilometer, das bedeutet 100 Mal gegen die Uhr laufen und seinen "inneren Schweinehund" überwinden.
Der Lipperland Volkslauf in Humfeld (Westfalen) war der Jubiläums-Marathonlauf von Werner Langer. Der Karlshöfener Marathoni hatte sich eine gute Zeit für diesen Lauf vorgenommen, aber das hügelige Gelände verhinderte dies.
Werner Langer: "Es war ein unheimlich schwerer Streckenverlauf, so dass ich am Ende froh, war, die Ziellinie erreicht zu haben." So wurde der Lauf mit 4:03:07 Stunden nicht sein bester Marathon, aber sein Jubiläum konnte ihm niemand nehmen.
In der Jugend und im Altherren-Team des TSV Karlshöfen hat Werner Langer früher Fußball gespielt, bevor es ihm zum Laufen zog. Bewegung haben und etwas für die Gesundheit tun, dies waren die Gründe für den Karlshöfener, sich 1988 dem Lauftreff anzuschließen. Dass daraus einmal Marathonläufe werden würden, daran dachte Werner Langer zunächst nicht.
Aber schon ein Jahr später hatte Spartenleiter Hans-Georg Deharde sieben Läufer für das Ereignis "Marathonlauf” heißge- macht. Unter ihnen war Werner Langer.
Er erinnert sich noch genau: "Es war ein tolles Erlebnis. Mit sieben Leuten waren wir in Berlin und haben dort Marathon gelaufen." Neben Werner Langer und Hans-Georg Deharde vertraten dort Helmuth Böttjer, Hans-Heinrich Deppe, Klaus Eichler, Heiner Hünecke und Dr. Rüdiger Pauer die grünweißen Farben des TSV
Von nun an hatte den Karlshöfener das "Marathonfieber" gepackt  und es hat ihn bis heute nicht wieder losgelassen. Schon 1990 zog es den heute 59-Jährigen ins Ausland. In Rotterdam wagte er sich über die 42,195-km-Distanz. Stockholm, Paris und Wien waren weitere Stationen. Sogar über den großen Teich hat es Werner Langer gezogen. "Der Marathon in New York war ein besonderes Erlebnis, der mir immer in guter Erinnerung bleiben wird", schwärmt Werner Langer noch heute  von diesem Lauf.
Doch nicht nur in großen Städten durchlief er die Ziellinie. Ob Quickborn, Bertlich, Lohne, Gettorf, Steinfurt oder Kassel -
Werner Langer weiß, in welchen Orten und Städten Marathon gelaufen wird. Doch einen Lauf hat er nie ausfallen lassen, und das ist der Berlin-Marathon. 14 Mal in Folge ist er dort gestartet. "Es herrscht dort einfach eine tolle Atmosphäre", lobt er die drittgrößte Laufveranstaltung dieser Art.
Doch nicht immer reichten dem Karlshöfener die 42,195 Kilometer. So hat er zweimal einen 50-km-Lauf und zweimal einen 100-km-Lauf absolviert. Für 100 Kilometer in Neuwittenbek benötigte er 11:01:54 Stunden. Gereizt hat Werner Langer  auch der Rennsteig-Lauf. Für die strapaziöse Strecke benötigte er 8:38:55 Stunden.
Spitzenzeiten hat Werner Langer nie gelaufen und das war auch nicht sein Ziel. "Ich möchte im Ziel ankommen", so definiert  er seinen sportlichen Ehrgeiz. Um die 3:40 Stunden erreichte der TSV-Läufer meistens die Ziellinie. Seine schnellste Marathonzeit lief er direkt vor der Haustür. Beim Marathon in Bremervörde war er nach 3:19:15 Stunden im Ziel.
"Wenn ich gesund bleibe, laufe ich noch ein paar Jahre", sagt Werner Langer.

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