Porträts und Berichte über Leichtathleten aus der Region (Seite 3)

Porträts und Berichte von Leichtathleten aus der Region Seite 1 / Seite 2 / Seite 4 / Seite 5 / Seite 6 / Seite 7 /
Seite 8

Helmuth Böttjer (TSV Karlshöfen) 12.10.2002
Isolde und Dieter Mörk (VSK Osterholz-Scharmbeck) 24.10.2002
Holger Fritze (SV Lemgow/Dangenstorf (4.1.2003)
Dieter Poley MTV Wolfenbüttel (7.1.2003)
Silvia Rieger Emden/Hannover/Als Aktive zuletzt SV Union Groß-Ilsede (16.1.2003)
Frank Colsmann MTV Müden/Örtze (25.1.2003)
Thomas Schelske SV Taaken (22.2.2003)
Isabell Garling LG Wennigsen/Egestorf (22.2.2003)
Klaudia Neubauer LG Nordheide (12.3.2003)
Gerhard Weidner LG Salzgitter (15.3.2003)
Jörg Koenig TuS Grünendeich-Steinkirchen (15.3.2003)
Timm Müller LAV/TuS Zeven (22.3.2003)
Steffen Benecke TSG Bergedorf (23.4.2003)
Knut Erdtmann SV Scharnebeck (26.4.2003)
Mario Burger LG Braunschweig (17.6.2003)
Joachim Thiemann TSV Arminia Vöhrum (Zwei Berichte vom 21.6.2003)
Claudia Wehrsen LG Braunschweig (19.7.2003)
Johanna Hoppe LG Einbeck (26.7.2003)
Anne-Kathrin Eriksen LG Braunschweig (26.7.2003)
Siegbert Gnoth TuS Gildehaus (7.8.2003)
Christian Gustedt TSV Arminia Vöhrum (23.8.2003)
Karl-Heinz Marg VSK Osterholz-Scharmbeck (26.9.2003)
Ingrid Häfker LC93 Delmenhorst (16.10.2003)
Sigrun Hellmer LG Wennigsen/Egestorf (6.11.2003)
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
BREMERVÖRDER ZEITUNG vom 12. Oktober 2002
Helmuth Böttjer läuft 4219,5 Kilometer
Läufer des TSV Karlshöfen vom “Marathonfieber” gepackt - Berlin ist seine Lieblingsstrecke
Karlshöfen (es). Der TSV Karlshöfen hat mit Helmuth Böttjer einen zweiten Läufer in seinen Reihen, der zum 100. Mal ein-
en Marathonlauf absolvierte. Der TSV-Läufer feierte dieses eher ungewöhnliche Jubiläum beim Berlin-Marathon, den er als
seinen Lieblingslauf bezeichnet. 100 Mal über die 42,195 Kilometer, das bedeutet, 100 Mal gegen die Uhr zu laufen und
seinen "inneren Schweinehund” überwinden.
Helmuth Böttjer - eigentlich ein Fußballer durch und durch. Auf vielen Plätzen des Kreises hat er sich einen Namen als Spieler
gemacht. Als Trainer und Schiedsrichter hat er sich darüber hinaus für die Fußballsparte engagiert. Auch als zweiter Vorsitz-
ender setzte er sich für die Belange des Vereins ein. Die "Grün-Weißen" lagen und liegen ihn noch heute am Herzen. So kickt
der 56-Jährige noch heute aktiv in der S-40-Mannschaft, und mit dem Laufen ist eine weitere große sportliche Leidenschaft
hinzugekommen.
Und wie kommt nun ein Fußballer zum Laufen? Eine Verletzung an der Achillessehne im Jahre 1987 war es, die "Schuld" da-
ran hatte, dass Helmuth Böttjer zum Lauftreff stieß. Der TSVer wollte für die neue Saison wieder fit sein und entschloss sich,
mit dem Laufen anzufangen. Nach anfänglichen alleinigen Läufen entschloss er sich, sich dem Lauftreff anzuschließen. 1988
gelang es dem Spartenleiter Hans-Georg Deharde, sieben Läufer für das Ereignis "Marathonlauf” heiß zumachen - unter ihnen
natürlich der ehrgeizige Helmuth Böttjer.
An diesen ersten Marathon, der in Berlin stattfand, erinnert sich der Karlshöfener genau: "Wir waren mit sieben Leuten in
Berlin. Es war ein tolles Erlebnis und hat riesigen Spaß gemacht. Neben Helmuth Böttjer und Hans-Georg Deharde vertraten
dort Werner Langer, Hans-Heinrich Deppe, Klaus Eichler, Heiner Hünecke und Dr. Rüdiger Pauer die grün-weißen Farben
des TSV. Mit 3:55:55 Stunden blieb der Karlshöfener Läufer in seinem ersten Marathon unter der 4-Stunden-Marke. Von
nun an hatte den Karlshöfener das “Marathonfieber” gepackt und es hat ihn bis heute nicht wieder losgelassen.
Schon 1990 zog es Helmuth Böttjer ins Ausland. In Rotterdam wagte er sich über die 42,195-km-Distanz. Und in Stock-
holm, Paris und sogar in New York war er am Start. “Der Marathon in  New York war ein besonderes Erlebnis, das mir
immer in guter Erinnerung bleiben wird", schwärmt Helmuth Böttjer noch heute von diesem Lauf.
Die Lieblingsstrecke, die liegt allerdings in Berlin, dort, wo er seinen ersten Marathonlauf absolvierte. 13 mal war er bisher in
Berlin am Start; beim 10. Lauf hat er die persönliche Startnummer 343 reserviert bekommen. Nachdem der TSV-Läufer
1996 seinen 50. Marathon in Berlin lief, hatte er sich vorgenommen, auch seinen Jubiläumslauf in Berlin zu laufen. Nach
3:31:57 Stunden durchlief er bei seinem 100. Marathonlauf die Ziellinie am Kurfürstendamm und stellte damit eine neue per-
sönliche Jahresbestzeit auf.
Doch nicht nur in den Großstädten wie Berlin, Hamburg oder Frankfurt war Helmuth Böttjer am Start. Auch in Orten wie
Bertlich, Schöningen, Moslesfehn, Schneverdingen, Wellen und Bremervörde lief er die Marathon-Strecke. In Bremervörde
lief der TSVer im Oktober 1992 seine persönliche Bestzeit mit 3:14:18 Stunden.
In diesem Jahr hat Helmuth Böttjer bereits 14 mal die Marathon-Distanz gelaufen. Unzählige Trainingskilometer kommen hin-
zu. “Im Jahr laufe ich rund 2300 Kilometer im Training", erzählt Helmuth Böttjer, der darauf hinweist, dass alle Läufe aus
eigener Tasche bezahlt worden sind. Damit schließt er allerdings seine Vereinskameraden ein, die ebenfalls ihr Startgeld selbst
bezahlen und nicht die Vereinskasse belasten.
"Wenn ich fit bleibe, lauf ich noch ein paar Jahre", sagt Helmuth Böttjer. Wer den ehrgeizigen Karlshöfener Sportler kennt,
der weiß, dass dies keine Floskel ist, sondern bei entsprechender Gesundheit noch viele Läufe folgen werden. Für das
kommende Jahr hat er sich vorgenommen, an einem 100-km-Lauf teilzunehmen und durchs Ziel zu laufen.

OSTERHOLZER KREISBLATT vom 24. Oktober 2002
Erst spät, dann aber gemeinsam Triathlon
Für Ehepaar Mörk mittlerweile eine etablierte Sportart
Von unserem Mitarbeiter Markus Dannenbaum
Osterholz-Scharmbeck. Das Paare über den Sport zueinander finden, speziell wenn sie die gleiche Sportart ausüben, ist
nichts Ungewöhnliches. Und es gibt mehrere Beispiele dafür im Kreis. Das sie aber schon Jahre zusammen sind und erst
dann mit demselben Virus infiziert wurden, ist schon ungewöhnlich. So wie bei Isolde und Dieter Mörk, den Triathlon-Urge-
steinen" des VSK Osterholz-Scharmbeck.
Mit "Urgestein" ist natürlich nicht das Alter der beiden Mörks gemeint - auch wenn sie mit Anfang und Mitte vierzig schon zu
den älteren Teilnehmern jeder Veranstaltung zählen, was sie aber nicht von guten Platzierungen oder Siegen abhält. Vielmehr
sollte damit zum Ausdruck gebracht werden, dass sie mit die ersten waren, die Triathlon beim VSK betrieben und die Sparte
ins Leben riefen.
Angefangen hat alles mit Isolde beziehungsweise ihrem Bruder, der an einem Schnuppertriathlon teilnahm. "Zu dieser Zeit, un-
gefähr vor zwölf Jahren, spielte ich noch Fußball, merkte aber, dass die Luft raus war. Deswegen suchte ich nach einer ander-
en Sportart, und mein Bruder brachte mich auf den Triathlon, "sagt Isolde Mörk. Mehr aus Spaß nahm sie dann am damals
noch existierenden Teufelsmoor-Triathlon bei Tietjens Hütte teil und wurde auf Anhieb Zweite bei den Frauen. Es folgte ein
Sieg beim Triathlon in Bremerhaven, woraufhin der TvdB Bremen an sie herantrat und sie in den Verein aufnahm.
Ein Jahr später folgte dann Dieter seiner damaligen Freundin in den Triathlonsport nach. Das Kraulschwimmen machte ihm
damals am meisten zu schaffen. "Wenn du nicht kraulst, hast du im Grunde genommen keine Chance auf eine gute Platzierung,
und deswegen musste ich es noch lernen, was mir recht schwer fiel. Ich bewundere immer wieder junge Neueinsteiger, die so
leicht lernen und Fortschritte erzielen, " gibt Dieter Mörk zu Protokoll. Als diese Anfangsschwierigkeiten aber überwunden
waren, stellten sich auch bei ihm die Erfolge ein, auch wenn er nicht mit der Titelsammlung seiner Frau mithielt.
Sie wurde unter anderem mehrfache Landesmeisterin, zuerst in Bremen und dann in Niedersachsen. Auch belegte sie in ihrem
besten Jahr einen zehnten Platz in Deutschland. Für ihn sprang in diesem Jahr ein dritter Platz in seiner Altersklasse bei den
niedersächsischen Meisterschaften heraus. In seinem besten Jahr brachte er den Triathlon in Roth (3,8 Km Schwimmen, 180
km Rad fahren und 42,195 km Laufen) zu Ende.
Dass beide ihr Trainingspensum heutzutage herunter gefahren haben, liegt auch am Nachwuchs. Das seit acht Jahren verhei-
ratete Paar bekam vor sieben Jahren Sohn Janis und vor fünf Jahren Sohn Luca, beides jetzt schon große Triathlonfans.
"Früher haben wir 20 Stunden in der Woche trainiert, sind jedes Frühjahr nach Mallorca zum Trainieren geflogen und nach
Österreich im Sommer zum Laufen und Radfahren. Dies geht nun verständlicher Weise nicht mehr so einfach," sagten beide
unisono. Damit haben aber "die Mörks" keine Probleme, erfreuen sich vielmehr an der Begeisterung und den Fortschritten
ihres Nachwuchses: “Jetzt sind sie beide in einem Alter, in dem sie uns beim Lauftraining auf ihren Rädern begleiten können,
was ihnen sehr viel Spaß macht," sagt Mutter Isolde. "Janis hat auch schon seinen ersten Kindertriathlon in Stuhr absolviert
und Luca träumt schon vom ersten Start auf der dreigeteilten Strecke," so Vater Dieter. Lucas Freunde sind auch immer et-
was verwirrt, wenn er als sein Vorbild Lothar Leder benennt und fragen sich, bei wem der denn Fußball spielt.
Das der Triathlonsport immer mehr aus seinem Nischendasein heraus kommt, erfreut natürlich Familie Mörk sehr. Früher, als
sie mit dem Sport begannen, war es hauptsächlich etwas für ältere Sportler und galt als exotisch. Als gutes Beispiel für den
gestiegenen Bekanntheitsgrad des Triathlons dient die abschließende Anekdote von Isolde: "Früher wurden wir oft gefragt,
wenn wir erzählten, dass wir Triathlon machten, ‘Ist das der Sport mit dem Schießen?' Das passiert heute nicht mehr, da die
Medien über unsere Sportart immer besser und öfter berichten.
Zur Person
Name:          Mörk / Mörk (geb. Schulz)
Vorname:       Isolde / Dieter
Alter:         42 / 46
Sternzeichen:  Waage / Widder
Hobbys:        Gartenarbeit, lesen, Ski fahren / lesen, Ski fahren
Familienstand: liiert seit 16 Jahren, verheiratet seit acht Jahren. Zwei Kinder: Janis (7)
               und Luca (5)
Beruf:         Sonderschullehrerin / Verwaltungsleiter (Diplom-Betriebswirt)
Stärken:       Organisationstalent (beide)
Schwächen:     bis zu einem gewissen Grad zu ehrgeizig / -

ELBE-JEETZEL-ZEITUNG
“Rennt alles in Grund und Boden”
Holger Fritze sammelte im SVL-Trikot 143 Siege
Dangenstorf (koo). Nach seinem letzten Start für die SV Lemgow/Dangenstorf beim Lüchower Silvesterlauf gab es am
Dienstag für Leichtathlet Holger Fritze noch einmal Urkunden satt. Für den Gesamtsieg beim Silvesterlauf, für den Sieg in der
B-Jugend sowieso, und als besondere Ehrung fünf Urkunden für im vergangenen Jahr aufgestellte Kreisrekorde.
2002 - das war das bisher erfolgreichste Jahr des 17-jährigen Holger Fritze, der nun zur LG PSV Uelzen/MTV Barum ge-
wechselt ist. Ein Schritt, den sein Verein und der Kreis-Leichtathletik-Verband (KLV) ausdrücklich begrüßen. “Das ist eine
Entwicklung, die er nehmen muss, da er hier keine Trainingspartner hat”, betont KLV-Vorsitzender Manfred Haacke. Er
ehrte den in Fleetmark in der Altmark wohnenden Fritze daher im Rahmen des Silvesterlaufs vor einem etwas größeren Pub-
likum für seine bisherige Erfolge - das war mit dem Sieg beim Silvesterlauf für Fritze “ein schöner Abschluss” im Trikot der
SVL, freute er sich.
Seine Entwicklung vom Mit- zum Spitzenläufer auf Landesebene ist bisher ohnehin schon beachtlich. Seit Oktober 1994
nahm er für die SVL, die auch als Altmark-Radler starten, an Wettbewerben teil. Zunächst gab es nur Mittelfeldplätze, er-
innert sich sein Trainer Andreas Reimann. Doch in zwei Jahren “hat sich das entwickelt auch dank der engagierten Eltern.”
1995 gab es schon die ersten Siege, später immer mehr Wettbewerbe und Erfolge. Die Ausbeute des Holger Fritze darf sich
nach gut acht Jahren sehen lassen: 143 Gesamt- und Altersklassensiege in 269 Wettbewerben stehen für ihn zu Buche. 6447
Kilometer lief er in dieser Zeit in Training und Wettkampf, davon alleine 2065 Trainingskilometer nur in 2002, notierte Rei-
mann in seiner Statistik. Sechs Kreisrekorde hält Fritze auf Strecken zwischen 300 m und 10 Kilometer, zuletzt dominierte er
auf Kreisebene und lief auch auf Landes- und Norddeutscher Ebene ganz vorne mit und hat viele Eintragungen in Bestenlisten.
Er war zudem zwei Mal in der Landes-Auswahlmannschaft Crosslauf. Auf Kreisebene ist Fritze zuletzt mangels Konkurrenz
nur noch bei Volksläufen gestartet - zurecht meint Haacke, “er rennt hier ja alles in Grund und Boden”. Der Erfolg kam aber
nicht von alleine. “Talent und Fleiß” bringt Fritze nach Ansicht von Reimann mit. “Da passt immer die Einstellung”, betont
Haacke, “Holger ist immer vorne mitgerannt, aber immer bescheiden geblieben.” Was beide ebenfalls stark hervorheben: die
engagierten Eltern Hartmut und Astrid. Die unterstützen ihn stets, der Vater begleitete ihn beim Training sogar oft mit dem
Fahrrad.
Er selber habe zudem einfach Spaß am Rennen, meint der Schüler des Salzwedeler Jahn-Gymnasiums typisch bescheiden.
Einen besonderen Höhepunkt in seinem bisherigen sportlichen Werdegang hat er nicht in Erinnerung, “da gibt es viele schöne
Momente”. Geärgert habe er sich dagegen manchmal über Läufer, die Abkürzungen benutzt hätten oder in jüngeren Alters-
klassen gestartet seien. Doch das konterte er mit Leistung. Und die will er nun auch bei der LG Uelzen/ Barum zeigen. Dort
gibt es gleichaltrige Teamkollegen, in Bodo Pessara zudem einen kompetenten Trainer, erläutert auch Haacke - da wird es
wohl noch weitere Erfolge geben. Die SVL-Sparte sei zudem geschrumpft. “Wir haben einen Tiefpunkt, aufhören ist aber
nicht drin”, will Reimann wieder Jugendliche für Lauf-Wettbewerbe gewinnen. Und vielleicht ist dann wieder ein kleiner Fritze
dabei

GIFHORNER RUNDSCHAU vom 7. Januar 2003
Spät bis an die Spitze gelaufen
Dieter Poley begann seine Karriere im Langstreckensport erst mit 46 Jahren
Von Hartmut Mahnkopf
"Eigentlich genieße ich jeden Lauf", erzählt Dieter Poley vom MTV Wolfenbüttel. Der 62-jährige Ruheständler kann auf eine
ganze Reihe von Meisterschaftserfolgen im Seniorenbereich als Langstreckenläufer zurückblicken. In seiner Altersklasse ge-
hört er zu den Besten in Deutschland. Dabei hat er seine Karriere erst spät begonnen. Vor dem Januar 1986 trieb er über-
haupt keinen Sport. Poley hatte sich Jahre zuvor einen Schien- und Wadenbeinbruch zugezogen, seitdem ist sein rechtes Bein
2,5 Zentimeter kürzer. Im Alter von 46 Jahren meinte er nun, etwas gegen seine Gewichtsprobleme tun zu müssen und schloss
sich der Laufgruppe des MTV Wolfenbüttel an. Bald merkte er, dass er abnahm, sich dabei wohlfühlte und leistungsstärker
wurde. Dann hat ihn der Ehrgeiz gepackt.
Vier Monate zum Marathon
Bereits nach vier Monaten Lauftraining bestritt der MTVer in Hamburg seinen ersten Marathonlauf und war nach 3:12 Std.
schon im Ziel. Für einen Anfänger war das eine sehr gute Leistung. Aber danach ging es erst richtig los. Der MTVer Uwe
Grossert vermittelte Poley den Einstieg in das Leistungstraining. In den vergangenen 16 Jahren ist der laufbesessene Wolfen-
bütteler in vielen Orten Deutschlands und Europas gestartet. Er hat sogar am New York Marathon teilgenommen.
In den Altersklassen M55 und M60 feierte der fünffache Großvater seit Jahren Erfolge. Drei Bronzemedaillen gewann er bei
den Deutschen Seniorenmeisterschaften über 5000 Meter, 10 000 Meter und beim Marathonlauf. Zu zwei sechsten Plätzen
im Marathonlauf kam Poley bei den Senioren-Europameisterschaften. Zudem gewann er drei Norddeutsche- und mehrere
Landesmeistertitel.
Sechsmal die Woche
Um diesen Leistungsstand zu halten, muss der schnelle Oldie 100 bis 130 Kilometer während seiner sechs Trainingseinheiten
pro Woche absolvieren, jede Einheit in einem anderen Tempo. Es wechseln sich Dauerläufe bis zu 37 Kilometern, Tempo-
dauerläufe zwischen 15 und 21 Kilometern, Tempoläufe auf der Bahn und langsame Dauerläufe ab. Oft trainiert er alleine,
weil er sein eigenes Tempo halten muss. Es kommt aber auch vor, dass er mit seiner Vereinskameradin Monika Ohm läuft
oder sich in Salzgitter mit gleichstarken Läufern trifft.
Da der ehemalige VW-Mitarbeiter erst spät mit dem Sport anfing, verfügt er über keine hohe Grundschnelligkeit. Deshalb
stehen die Tempoeinheiten auf dem Trainingsplan, sonst hätte er bei den Meisterschaften keine Chancen auf vordere Platz-
ierungen.
Dort möchte er noch möglichst lange mitlaufen. Die Kameradschaft unter den Spitzensportlern der Altersklassen sei toll. Der
Wolfenbütteler muss sich immerhin mit früheren Olympia- und Europameisterschaftsteilnehmern im Wettkampf messen.
Im Central Park
Sein schönstes Lauferlebnis hatte der MTVer in New York. Dort beendete er den Marathon als Fünfter in seiner Altersklasse
nach 3:02 Stunden. "Man glaubt gar nicht, wie bergig der Central Park am Ende der Strecke ist." erinnert sich Poley. Den
Marathon in Kandel hat er ebenfalls in guter Erinnerung: Mit 49 Jahren lief er dort seine Bestzeit von 2:47 Stunden. Das dritte
Langstreckenrennen, von dem der Wolfenbütteler schwärmt, ist der Rennsteiglauf in Thüringen.

OSTFRIESEN ZEITUNG vom 16. Januar 2003
Mit flinken Beinen auf Rechtsaußen
Silvia Rieger bestreitet Volksläufe und spielt Fußball bei FT 03 Emden
Von Georg Lilienthal
Ostfriesland. Fast 20 Jahre lang spielte sich das Sportlerleben von Silvia Rieger zwischen Bahn eins und Bahn acht ab.
Mittlerweile ist die 32-Jährige gelegentlich mitten auf dem Sportplatz anzutreffen. Denn die Weltklasse-Läuferin über 400-m-
Hürden probiert sich hin und wieder auf Kreisliga-Niveau im Fußballsport. Bei FT 03 Emden glänzt sie als Rechtsaußen.
“Ich betreibe Sport nur noch aus Spaß an der Freud.” Und der Ball am Fuß bereitete ihr schon als Kind vergnügen. Doch die
Ausflüge auf den Fußballplatz sollen Ausnahmen bleiben. Silvia Rieger bleibt dem Laufsport treu. “Ich jogge regelmäßig.”
Vor zwei Jahren entschloss sich die Emderin die Spikes auszuziehen, die Hürden zu meiden und ihre Laufbahn zu beenden.
Sie hatte in ihrer Karriere fast alles erreicht. Sie gewann Deutsche Meistertitel in Serie, wurde Vize-Europameisterin über ihre
Spezialstrecke und gewann den EM-Titel mit der Staffel. Außerdem startete sie 1992 und 1996 bei Olympischen Spielen.
Konsequent hat sie jahrelang mit Trainer Hans-Albin Jacob für den Erfolg gerackert. Genauso konsequent hat sie nach dem
Schlussstrich das Training eingestellt. “Erst einmal habe ich fast gar nichts gemacht.” Mittlerweile kehrt Silvia Rieger, die in
Hannover eine Ausbildung zur Physiotherapeutin absolviert, Schritt für Schritt zur Leichtathletik zurück. Zunächst aber genoss
sie den Spaß am Ball. Wenn sie am Wochenende nach Emden zurückkehrte, hat sie häufiger bei FT 03 mitgekickt. In dem
Klub ist ihr Bruder bei den Herren als Co-Trainer im Amt. “Über seine Freundin bin ich zum Frauenfußball gelangt.”
Bei einer Handvoll Einsätzen bewies Silvia Rieger durchaus Talent. “Wenn der Ball schön in den freien Raum kommt, kann
ich meine Schnelligkeit ausspielen”, lacht die 32-Jährige. Mit flinken Beinen eilt sie auf Rechtsaußen den Gegnerinnen davon.
Auch der ein oder andere Treffer ist ihr geglückt. “Einmal sogar drei Tore in einem Spiel.”
Trotz solcher Erfolgserlebnisse sieht sie ihre sportliche Zukunft doch eher in Laufschuhen. Vor einem halben Jahr bestritt sie in
Wolfenbüttel gemeinsam mit ihrer Schwester erstmals einen Fünf-Kilometer-Lauf und benötigte 23 Minuten. Beim Emder
Silvesterlauf blieb die Uhr bereits bei 21:30 stehen. Das weckt den Ehrgeiz. “Mal sehen, was noch geht.”
Der Sport soll nicht nur Freizeitvergnügen bleiben. Wenn sie im September ihr Examen absolviert hat, würde sie gerne als
Trainingstherapeutin in einem Reha-Zentrum arbeiten. “Außerdem reizt mich die Trainertätigkeit in der Leichtathletik.
Vielleicht nebenberuflich.” So war sie schon bei Lehrgängen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes im Einsatz, hat im
Olympia-Stützpunkt in Hannover trainiert und in einem Projekt das Sprinttraining von Hockeyspielern geleitet. “Das alles hat
viel Spaß gemacht.”
Solche Einsätze möchte sie ausbauen, weitere Einsätze im Fußballdress nicht grundsätzlich ausschließen. “Es soll nicht zur
Regel werden. Aber meinen Spielerpass, den gibt es noch bei FT 03 Emden.”
Mehr über
Silvia Rieger (General Anzeiger/Ostfriesland vom 3. November 2000)

CELLESCHE ZEITUNG vom 25. Januar 2003
Schicksal Zeckenbiss: Sportler gibt nicht auf
Celle (cor) "Am Anfang dachte ich, die Sache sei völlig harmlos", erzählt Frank Colsmann (MTV Müden/Örtze), ehemaliger
Norddeutscher Meister im Langstreckenlauf über 5000 Meter. Beim Rasenmähen auf dem Grundstück eines Freundes hatte
er sich mit 24 Jahren einen Zeckenbiss zugezogen. Nie hätte er geglaubt, dass dies das vorläufige Ende seiner Karriere be-
deuten würde. Trotz Folgeschäden startet der jetzt 36-Jährige wieder bei Deutschen Meisterschaften in seiner Altersklasse.
Dieses Jahr in seiner Heimatstadt Celle.
Mit 24 Jahren, als Colsmann sich die Zecke einfing, stand er ganz am Anfang seiner vielversprechenden Sportlerkarriere. Mit
seinen Zeiten über 5000 und 10 000 Meter gehörte er zu den leistungsstärksten Läufern Deutschlands. Olympische Spiele,
Europa- und Weltmeisterschaften - das alles war zum Greifen nah. Dann das abrupte Ende: Ein Professor der Medizinischen
Hochschule stellte die vernichtende Diagnose: Rheuma als Folge eines Zeckenbisses.
Zeckenbiss löste Rheuma aus
Frank Colsmanns Leidensgeschichte begann: Der junge Athlet musste sich drei Knieoperationen und einer Handgelenks-OP
unterziehen. Spritzen ins Knie unterdrückten die Schmerzen. "Ich hatte die Hoffnung noch nicht aufgegeben, wieder laufen zu
können", sagt Colsmann. Mit 30 Jahren probierte er es noch einmal. Doch das Rheuma wanderte weiter. Als auch das Fuß-
gelenk betroffen war, verließ ihn der Mut. "Ich wollte das Schicksal nicht herausfordern", meint der Sportler. Um nicht durch
fortgesetzte Belastung der kaputten Gelenke irgendwann im Rollstuhl zu landen, brach er das Lauftraining vollständig ab. "Ich
musste auch an meine Familie denken", sagt der Vater einer kleinen Tochter.
Völlig unerwartet ließen die Schmerzen dann nach. "Die Lösung war so einfach", meint Colsmann. Die Beschwerden hörten
auf, als er die Schuheinlagen, die er seit Jahren gegen Haltungsschäden trug, wegließ. Zwar wurde er weiterhin mit Cortison
behandelt und muss auch jetzt noch mit Schüben rechnen. Aber das erste Mal seit Jahren war er schmerzfrei. "Da wurde ich
natürlich wieder mutig", so der Sportler. Schließlich habe er nie zeigen können, was er sportlich drauf habe.
Ganz vorsichtig begann er wieder mit dem Training. "Ein Schritt zuviel - und die Schmerzen fangen wieder an", war seine
ständige Befürchtung. Trotzdem konnte er es nicht lassen: "Der Sport verschafft mir seelisches Gleichgewicht für Beruf und
Privates", so der Postbeamte, der jeden ermutigen will, Sport auch als Mittel zur Lebensbewältigung zu sehen. "Ohne den
Sport wäre ich wahrscheinlich unausstehlich", so Colsmann schmunzelnd.
Unerwartet schnell kam er wieder an seine alten Zeiten heran. "Da habe ich gesehen, was noch möglich ist", meint Colsmann,
der verpassten Erfolgen in jungen Jahren nicht nachtrauert. Sein Trainingspartner ist 15 Jahre jünger als er, hat aber gegen das
Lauftalent keine Chance. Wahrscheinlich sei er jetzt besser denn je, meint der Sportler. Die Zeiten, die er mit 20 Jahren lief,
seien jedenfalls nicht so herausragend gewesen wie seine aktuellen Zeiten, gemessen an seinem Alter. Colsmann gehört zu der
Handvoll Deutscher, die mit über 34 Jahren auf 5000 Metern noch Zeiten um 15 Minuten laufen. Auf 10 000 Meter peilt er
eine Zeit von 31 Minuten an.
Bei den Hallenmeisterschaften im Februar tritt Colsmann auf der 3000-Meter-Strecke an - Treppchenplatz nicht ausge-
schlossen. Das größte sportliche Ereignis in diesem Jahr ist für ihn jedoch die Deutsche Meisterschaft der Jungsenioren ab
dem 15. August in seiner Heimatstadt.
"In Celle will ich alles geben"
"Hier in Celle will ich es natürlich besonders gut machen", so der 36-Jährige. Auch wenn der hannoversche Ausnahmeläufer
Markus Pingpank, sein größter Konkurrent, wahrscheinlich nicht zu schlagen sei. Einmal Deutscher Meister werden - das hat
sich Colsmann vorgenommen und eine Europameisterschaftsteilnahme gemeinsam mit Vater und Großonkel, einem in-
zwischen 83-jährigen ehemaligen Senioren-Europameister. "Drei Colsmänner bei der EM, das wär’s", träumt der 36-Jährige.
Die Folgen des Zeckenbisses werden Frank Colsmann sein Leben lang begleiten. Er muss ständig mit neuen Schüben rechnen
und wird auch die Medikamente niemals absetzen können. "Ich kann jeden nur vor der Zeckengefahr warnen", sagt Cols-
mann. Wer im Wald laufe, solle unbedingt lange Kleidung tragen. Und falls es doch passiert: "Sofort zum Arzt", lautet Cols-
manns eindringliche Botschaft.
(Corinna Herrmann, Celle,25.01.03)

ROTENBURGER KREISZEITUNG vom 22. Februar 2003
Laufen - das ist sein Ding
Taakens Thomas Schelske eilt von Erfolg zu Erfolg / Acht Eintragungen in Kreisbestenliste
Von Herward Schmidt
Bittstedt. Crossläufe sind in diesem Winter seine große Leidenschaft. Thomas Schelske, Dauerrenner des SV Taaken,
nimmt momentan scheinbar jeden Cross mit, den er nur finden kann. Doch ein Blick in die Kreisbestenliste zeigt, dass der
42-Jährige auch auf der Bahn und auf der Straße zu Hause ist. Dabei hatte der in Bittstedt wohnende Familienvater lange Zeit
mit Sport nichts am Hut. Erst Rückenschmerzen - hervorgerufen durch körperliche Belastungen im Beruf – motivierten ihn
zum Kraft- und Ausdauertraining.
Dass Schelske als Aktiver für den SV Taaken startet, kam durch das Engagement von Ulike Metzing zustande. Die Trainerin
des SV Taaken wollte ursprünglich Schelskes Tochter Jana für die Kreismeisterschaften im Crosslauf melden. Doch als sich
die damals Neunjährige nach dem Mutter-Kind-Turnen fürs Einradfahren und Schwimmen entschieden hatte, sprach die
Übungsleiterin den Vater an. Dieser startete - trotz seiner Furcht als Letzter einzutreffen - am 18. Februar 2001 bei den
Titelkämpfen in Gnarrenburg. Übrigens mit Erfolg: Denn auf der 8 400 Meter-Langstrecke erreichte Schelske in seiner
Altersklasse M 40 in 37:12 Minuten Platz sechs von insgesamt zehn Läufern.
Die sportliche Bandbreite Schelskes ist beachtlich: So ist er gleich über acht Distanzen in der Kreisbestenliste 2002 vertreten:
800 m (2:29,2 Minuten), 1 000 m (3:25,1), 1 500 m (5:18,8), 3 000 m (11:44,8), 5 000 m (21:44,4), 10 000 m (44:42,0),
10 km Straße (45:19) und Halbmarathon (1:43:30 Stunden.).
Interessant wie Schelskes sportliche Entwicklung ist auch seine berufliche Laufbahn: Schelske erlernte den Beruf des Drehers
und leistete seinen Zivildienst in der Haustechnik im damals noch bestehenden Bremer Krankenhaus Findorff ab. Von der
Lungenheilstätte Holtheim ließ er sich in das Berufs-Bildungs-Zentrum (BBZ) versetzen, wo er für die Wartung der riesigen
Kesselanlagen zuständig war. Seit 1996 ist Schelske nun als Sammlungsverwalter im Überseemuseum beschäftigt. Dort ist er
unter anderem für das Archivieren, Inventarisieren und Konservieren sowie für die Schädlingsbekämpfung zuständig. Dazu
kommt der Aufbau der drei bis vier jährlichen Sonderausstellungen. Wer von den Besuchern weiß schon, dass 90 bis 95 Pro-
zent aller Objekte nicht ausgestellt sind, sich aber in der Sammlung befinden? Trotz der vielen Schleppereien und den Rücken-
beschwerden möchte er nirgendwo anders arbeiten. Und das gilt auch bei erhöhtem Stress, wenn wieder mal ein Sammler
dem Museum tausend bis zweitausend Objekte vermacht, um die Sammlung vor der Auflösung durch die Erben zu schützen.
Gegen diesen zusätzlichen und alltäglichen Stress kämpft Thomas Schelske nun seit 1998 mit dem Laufen an, so wie er sich
auch als Betriebsratsmitglied für seine Kollegen einsetzt - mit Ausdauer.

DEISTER-LEINE-ZEITUNG vom 22. Februar 2003
Temporausch auf langen Beinen
Von Karsten Seifert
Degersen. Isabell Garling beschleunigt von 0 auf 100 in 12,72 Sekunden. Auf der Tartanbahn steigert sich die 15-Jährige in
einen Temporausch. Das Top-Talent der LG Wennigsen/Egestorf ist eine Sprinterin aus Leidenschaft; in ihrer Altersklasse
gehört sie zu den besten Deutschlands.
Diesen Nachweis erbrachte das Ausnahmetalent vom Deister erst kürzlich bei den Norddeutschen Meisterschaften in Berlin.
Als B-Jugendliche in der weiblichen Jugend A startend, sicherte sich Isabell Garling über 200 Meter in persönlicher Bestzeit
von 25,39 Sekunden überraschend den vierten Platz. Zahlreiche Läuferinnen, die bis zu drei Jahre älter sind, sahen dabei
lediglich Garlings Rückennummer. Über die 200-Meter-Strecke sprintet die Vollblutsportlerin auf langen Beinen am liebsten:
"Sie lässt sich am besten einteilen und macht einfach am meisten Spaß." Eine Marke unter 25 Sekunden ist bereits im Visier.
Für den Erfolg schuftet die LG-Athletin viermal in der Woche. Zwei Trainingseinheiten absolviert sie unter der Regie ihres
Coaches Ernest Radulian beim Heimatklub, zwei weitere stehen im Sportleistungszentrum Hannover bei Auswahltrainer
Edgar Eisenkolb und der ehemaligen Vize-Europameisterin über 400 Meter Silvia Rieger auf dem Programm. Auf dem Weg
zur deutschen Spitze begleiten den Emporkömmling detaillierte Trainingspläne. Die hält das Mädchen, das seine lange Mähne
für die Sprints zum Zopf bindet, strebsam und akribisch ein.
Im Winter tankt Isabell Garling in erster Linie Kraft und Ausdauer, im Sommer spielt die Technik eine gewichtige Rolle. Nur
mit der Ernährung nimmt sie es nicht so genau: "Ich habe eine Schwäche für Süßigkeiten. Auch sonst esse ich alles. Man sieht
es mir zum Glück nicht an. Meine absolute Lieblingsküche ist die chinesische", gesteht die Läuferin mit der idealen Sprintfigur.
Zu Hause ist Isabell Garling auf allen Hochgeschwindigkeitsstrecken. 60, 100 und 200 Meter in der Halle, 100, 200 und 400
Meter in der Freiluftsaison. Der Hochsprung dient dem Ausgleich und der Abwechslung. Den größten Respekt zollt die Nach-
wuchshoffnung, die Grit Breuer und Marion Jones als Vorbilder nennt, ausgerechnet der Disziplin, die sämtliche Trainer als
"ihre Strecke" bezeichnen. Den 400 Meter-Lauf gehe sie meist zu vorsichtig an. Aus Angst, am Ende einzubrechen. Schließ-
lich hasse sie es, die Konkurrenz wegen eines taktischen Fehlers auf den letzten Metern passieren lassen zu müssen.
Als größte Erfolge wertet das Sprint-Ass, das unzählige Kreis- und Bezirkstitel feierte, die Teilnahme an den Deutschen
Meisterschaften, bei denen sie sich als Schülerin in der älteren Jugend B-Spitzengilde etablierte ("Es war ein tolles Gefühl,
dabei zu sein"), sowie den besagten 4. Rang bei den Norddeutschen Titelkämpfen in Berlin. Im Sommer strebt sie ihren
ersten Landestitel an. Wie sie selbst einräumt, versagten ihr bei den bisherigen Landesmeisterschaften stets die Nerven.
Dass die Athletin, die sich auch für Schwimmen und Fußball interessiert, den Sport irgendwann zu ihrem Beruf machen wird,
hält sie eher für unwahrscheinlich. In Deutschland sei es schwierig, mit der Leichtathletik Geld zu verdienen. Zumal sich die
Karriere einer Sprinterin in der Regel mit 30 dem Ende zuneigt. Schon eher schwebt der Schülerin des Matthias-Claudius-
Gymnasiums Gehrden ein Beruf als Psychologin, Mode-Designerin oder Maskenbildnerin vor. Konkrete Gedanken habe sie
allerdings noch nicht.
Zielstrebiger formuliert die Zehntklässlerin ihren schulischen Abschluss: Ein Abitur unter 2 soll es auf jeden Fall sein. Zu ihren
Lieblingsfächern gehören Mathematik, Musik, natürlich Sport und Französisch. Für Frankreich entwickelte die Teenagerin,
die am 16. April ihren 16. Geburtstag feiert, auf einer Urlaubsreise eine besondere Schwäche. Einen längerfristigen, studien-
oder berufsbedingten Aufenthalt könne sie sich in Frankreich durchaus vorstellen. In Degersen möchte sie ihr Leben jedenfalls
nicht verbringen, wenngleich die gebürtige Berlinerin den Ort schätzt. Als Isabell drei Jahre alt war, "siedelte" die Familie
Garling in Ihme/Roloven an. Hier verbrachte sie ihre Kindheit, ehe der Weg von Vater Joachim, Mutter Susanne und Bruder
Paul (12), der ebenfalls für die LG Wennigsen/Egestorf startet, nach Degersen führte. In ihrer Familie findet die Schülerin,
deren Terminkalender aus den Nähten zu platzen droht, einen großen Rückhalt. Die sportlichen Events nutzen die Garlings
bisweilen als "Familienausflüge". "Meine Eltern unterstützen mich in jeder Hinsicht", freut sich die Vielbeschäftigte.
Zwischen Schule und Sport bleibt nur wenig Zeit. Die nutzt Isabell Garling für weitere Hobbys. Montags beispielsweise
klemmt sie sich nach dem Training ihr Saxophon unter den Arm, um zur Probe des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr
Ihme/Roloven zu fahren. Am trainingsfreien Mittwoch gibt sie Mathe-Nachhilfe, um sich zum Taschengeld einige Euro dazu-
zuverdienen. "Früher habe ich noch dreimal wöchentlich getanzt. Aber das wurde zu viel. Ich musste mich für die Leichtath-
letik entscheiden."
Am Wochenende pflegt sie ihre Freundschaften. Manchmal bleibt Zeit für Kino (Lieblingsfilm "Herr der Ringe") oder Bars
wie "Gelbe Seiten" und "Henry`s". Vorausgesetzt, es stehen keine Wettkämpfe an. Dem stressigen Alltagsprogramm entgeht
sie mit Lesen und Musikhören. Sie liebt die "Beatles", steht aber auch auf die härteren Töne von "Linkin Park". Dass die
kalifornischen Rocker mit ihrem Musikstil ebenfalls heftig, emotional und schnell unterwegs sind, dürfte Isabell Garling einen
zusätzlichen Motivationskick verpassen.

LANDESZEITUNG FÜR DIE LÜNEBURGER HEIDE vom 12. März 2003
Selbst Regen kann Klaudia nicht stoppen
Wenn Leichtathletik der Lebensinhalt ist
Marschacht/Winsen (lüb). Der Abendhimmel über Winsen ist schwarz, der Regen prasselt unerbittlich auf die Laufbahn.
Ungemütliches Wetter ? Mitnichten, findet
Klaudia Neubauer. "So macht das Training erst richtig Spaß", sagt die 15-Jährige
aus Niedermarschacht und geht auf ihre erste Aufwärmrunde. Gemeinsam mit rund zwei Dutzend anderen jungen Läuferinnen
und Läufern. Klaudia Neubauer ist eines der vielen Leichathletik-Talente der LG Nordheide. Kürzlich nahm sie sogar an der
Deutschen Jugendmeisterschaft teil. Das Flutlicht, unter dem die Fußballer auf dem Platz nebenan trainieren, reicht nur un-
wesentlich auf die Laufbahn. Kaum zu glauben, dass sich hier im Halbdunkel eine der größten Talentschmieden der nord-
deutschen Leichathletik-Szene verbirgt. Trainer Gerd Prüsmann führt seit vielen Jahren das Kommando. Wie viele Titel haben
seine Schützlinge schon errungen ? "Die zähle ich nicht", sagt er. "Aber hier läuft so einiges 'rum." Im wahrsten Sinne.
Besonders mit ihren Staffeln sorgt die LG immer wieder für Furore. So führt die 3 x 1000 m-Staffel der Schüler A sogar die
deutsche Bestenliste an. Zu dem Trio, das mit 8:07,2 Minuten im vergangenen Jahr die Bestzeit aufstellte, gehört auch der
Amelinghausener
Sören Ludolph.
Die Stärke von Klaudia Neubauer liegt auf den kürzeren Strecken. Die 400 m sind ihre Lieblingsdisziplin. "Die 800 m sind
mir zu lang, die 100 m gehen zu schnell vorbei", sagt sie. "Aber über die 400 m kann man sich total verausgeben. Das ist
cool." Über die Strecke ist die B-Jugendliche die schnellste Läuferin ihrer Altersklasse in Niedersachsen, wurde Anfang des
Jahres souverän Hallen-Landesmeisterin. Bei der A-Jugend kam sie bei der LM auf Rang zwei in persönlicher Bestzeit von
57,75 Sekunden - gegen bis zu drei Jahre ältere Konkurrentinnen.
Gegen die trat sie auch bei der Deutschen Hallen-Meisterschaft der A-Jugend in Leverkusen an. Doch nach ihrem ersten
Auftritt unter den Besten der Republik überwog die Enttäuschung: Mit 59,07 Sekunden verpasste sie die Endläufe. Zu schnell
war sie die ersten 200 m angegangen und brach dann ein. "Solche Erfahrungen muss sie machen", sagt Mutter Elke tröstend,
die extra nach Leverkusen reiste, um ihrer Tochter die Daumen zu drücken.
Kein Wunder, dass Elke Neubauer mit Leib und Seele dabei ist, denn auch sie war früher mehrfache Landesmeisterin über
400 m. "Meine Bestzeit hat Klaudia noch nicht ganz", verrät sie augenzwinkernd. Allzu lange aber wird das wohl nicht mehr
dauern. Vier- bis fünfmal pro Woche trainiert die Gymnasiastin. "Manchmal verzichtet sie sogar auf Partys für ihren Sport",
erzählt die Mutter. Das könnte am kommenden Wochenende wieder der Fall sein. Dann ist sie auf einem Lehrgang des
Deutschen Leichtathletik-Verbandes in Hannover, zu dem die 25 größten Sprinttalente Deutschlands eingeladen sind.
"Ich bewundere Klaudias Ehrgeiz", sagt Elke Neubauer. "Manchmal muss ich sie sogar bremsen, weil sie die Laufbahn gar
nicht mehr verlassen will." Nicht mal, wenn es in Strömen regnet.

SALZGITTER ZEITUNG vom 15. März 2003
Der Spätstarter ist ein Frühaufsteher
Geher Gerhard Weidner feiert heute 70. Geburtstag
Von Christian Meyer
Salder. Was für ein Händedruck! Dieser Mann hat alles fest im Griff. "Mein runder Geburtstag? Ach erinnern sie mich nicht
daran", sagt Gerhard Weidner fast ein wenig wehmütig. Mit Familie und Freunden feiert der Geher aus Salder, der bei drei
Olympischen Spielen die bundesdeutschen Farben vertrat, seinen 70. Geburtstag.
Es duftet nach Fichtennadeln und Moosfarn. Es ist die Luft und die Ruhe, die Gerhard Weidner fast täglich in die Wälder der
Lichtenberge treibt. "Dann versinke ich ganz in Gedanken", schwärmt er "und manchmal kreuzt meinen Weg sogar ein Reh."
Nicht nur die Tiere haben sich an den Anblick des Olympiateilnehmers aus Salder gewöhnt. Rund 210 000 Kilometer, schätzt
Weidner, ist er in seinem Leben bereits gegangen. "Ohne Motorwechsel", merkt er an. Er läuft und läuft und läuft. Pardon, er
geht und geht und geht, müsste es wohl heißen.
Inzwischen kehrt Weidner von seinen Einheiten meist nach 90 Minuten zurück. Früher schritt er fünf Stunden am Stück vor-
wärts. Wenn es doch einmal langweilig wurde, zählte er mit seinen Trainingskollegen Autokennzeichen. Einer die geraden, die
anderen die ungeraden. In der Tasche der Turnhose hatte er immer ein paar Mark, um zwischen der Neißestraße in Leben-
stedt, Engelstedt und Vallstedt im Kreis Peine mal für ein Alsterwasser einzukehren. Bier sei schließlich nicht nur ein guter
Durstlöscher, sondern regeneriere auch den Wasserhaushalt. "Aber bitte in Maßen." Ein Bauch zumindest ist bei dem draht-
igen 70-Jährigen nicht zu erkennen. Im Gegenteil: Die Muskeln zeichnen sich durch seinen Pullover ab. Streng auf seine Er-
nährung achtet Gerhard Weidner nicht. "Ich habe auch mal ein Eisbein gegessen", erzählt er.
Morgens um Sieben stiefelt er los. Er ist ein Frühaufsteher. Aber auch ein Spätstarter. Erst 1962 avancierte Weidner vom
Spaziergänger zum Geher. Handballer Weidner füllte die Lücke, die in der Gehermannschaft des TSV Salzgitter entstanden
war. "Dabei haben wir uns kurz zuvor noch köstlich über die Geher amüsiert. Das sieht ja schon ein wenig ulkig aus, wie die
sich bewegen", erinnert sich Ehefrau Helgard. Beim ersten Wettbewerb gelang ihm gleich eine ansprechende Zeit. Sechs Jahre
später reiste er zu den Olympischen Spielen nach Mexiko City. 35 Jahre war Weidner damals schon alt. Der Startschuss fiel
um 14 Uhr. "Es war unglaublich heiß, und wir hatten eine Luftfeuchtigkeit von 97 Prozent", blickt er zurück. Dennoch trugen
ihn die himmelblauen Brütting-Geherschuhe als Vierzehnten über die Ziellinie. Vier Jahre später, in München, landete er sogar
auf Platz sechs. "Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet." Und wenn die westlichen Staaten nicht die Olympiade 1980 in
Moskau boykotiert hätten, "ich wäre wohl auch mit 47 Jahren noch für Deutschland am Start gewesen", sagt Weidner.
120 Paar Turnschuhe hat der inzwischen einfache Opa in seinem Sportlerleben verbraucht. Von den Richtern disqualifiziert
wurde er erst einmal. "Und das erst bei den Senioren", verrät er. An internationalen Vergleichen nimmt Weidner, der gerne in
seinem Garten arbeitet, immer noch teil. Aber: "Der Reiz und dementsprechend auch die Motivation sind nicht mehr ganz so
groß", sagt er. Die Konkurrenz in der Altersklasse M70 sei zudem an einer Hand abzuzählen.
Auch deshalb kann sich der einstige Hausmeister der Salzgitter AG nicht entscheiden, ob er an den kommenden Weltmeister-
schaften der Senioren in Puerto Rico teilnehmen möchte. "Es ist aber auch eine Kostenfrage und ob es einen Irak-Krieg gibt",
sagt Weidner. Spätestens in fünf Tagen muss er sich entschieden haben, dann läuft die Meldefrist ab. Doch vorher wird erst
einmal ordentlich gefeiert.

HAMBURGER ABENDBLATT vom 15. März 2003
Vom Raucher zum Extremläufer
Stade. Wenn man Jörg Koenig, dem Ultralangläufer vom TuS Grünendeich-Steinkirchen längere Zeit zuhört, passiert etwas
Seltsames mit einem. Wenn er einen Satz für Satz hineinlockt in seine Welt der 100 Kilometer langen Wettläufe oder der
Tag- und Nacht-Rennen, beginnt man sich irgendwann tatsächlich zu fragen: Stimmt etwas nicht mit dir, weil du so gar keine
Sehnsucht verspürst, beispielsweise in sechs Tagen 420 Kilometer weit zu laufen? Der 53-jährige Jörg Koenig hat das ge
macht. Von der Mündung der Spree in Berlin-Spandau ist er mit 50 anderen "Lauf-Verrückten" in sechs Etappen bis hoch
zur Quelle in Eibau-Walddorf gerannt. Genau 54 Stunden und 30 Minuten hat er dafür gebraucht.
Und er kann so wunderbar davon schwärmen. "Wenn man über so viele Stunden und Tage mit sich und seinem Körper
alleine ist, das ist wie Meditation. Da findet man zu sich selbst. Zu seiner eigenen Kraft und Stärke. Zu den Ursprüngen. Man
muss hart zu sich sein. Da musst du Entbehrungen und Strapazen überwinden, all die Dinge, vor denen wir uns sonst in
unserer Überdrussgesellschaft fernhalten und vor denen wir uns drücken. Du bist aber auch in der Natur, erlebst Sonne und
Regen, die Dunkelheit und Stille in der Nacht und das Leben um dich herum am Tage. Einen Ultralanglauf durchzustehen, das
ist ein faszinierendes Abenteuer, das dir alles abverlangt."
Dabei war Jörg Koenig, Speditionskaufmann aus Stade, einmal ein ganz "normaler" Mensch wie du und ich. Als Junge hat er
Tischtennis, Fußball und auch Handball gespielt. Einmal war er sogar Kreismeister im Schlagballwerfen. Er hat geheiratet.
Ehefrau Heide betreut und versorgt ihn übrigens heute bei seinen Extremläufen. Der Sohn, heute 21 Jahre alt, wurde geboren,
ein Jahr danach die Tochter. Der Familienvater war starker Raucher, und er spürte, wie der berufliche Stress allmählich seine
Nerven ruinierte. "Dann habe ich angegangen zu laufen", erzählt der zähe Kämpfer vom Wendepunkt in seinem Leben. Nach
einem Jahr Training hat er den ersten Marathon überstanden. Mehr als 40 brachte er inzwischen hinter sich. Deshalb hat der
Ehrgeizige nach neuen Herausforderungen Ausschau gehalten. Da war der 100 Kilometer-Lauf in Quickborn, später auch der
24-Stunden-Lauf in Neugraben. Das war doch was. Neue Prüfungen, die das Selbstbewusstsein stärken, wenn man sie er-
folgreich besteht.
"Der schlimmste Moment bei einem 24-Stunden-Lauf ist", erzählt Jörg Koenig, "wenn am Abend die Sonne untergeht und
man an die lange, einsame Nacht denkt, die vor einem liegt. Aber wenn es dann morgens hell wird, spürt man neues Leben
und frische Kräfte in seinem ausgezehrten und schmerzenden Körper. Das ist jedesmal wunderbar." Bei diesem ersten 24-
Stunden-Lauf hatte er übrigens nur eine einzige Pause gemacht und dabei fünf Minuten auf dem Klo vertrödelt. Gezählt
werden am Ende die Kilometer, die die Teilnehmer in 24 Stunden hinter sich bringen. Beim Lauf der LG HHF in Neugraben
hatte Jörg Koenig am Ende 174 Kilometer geschafft.
Viermal an den Wochentage trainiert der zähe Dauerläufer anderthalb Stunden, an den Wochenenden läuft er zwei und auch
drei Stunden lang. Inzwischen gehört der Star der rund 200 Mitglieder zählenden Laufgemeinschaft des TuS Grünendeich-
Steinkirchen zur deutschen Ultralanglauf-Elite.
An dem 420 Kilometer langen Spreelauf beispielsweise hatten 50 Ausdauerfreaks aus ganz Europa teilgenommen. "Viel mehr
Läufer gibt es auch nicht, die sich das zutrauen können", sagt Jörg Koenig. "Die längste Etappe führte immerhin über 84 Kilo-
meter. Dafür habe ich zehn Stunden und 46 Minuten gebraucht." Bei der fünften Etappe über 78 Kilometer war der Familien-
vater aus Stade sogar elf Stunden und 26 Minuten unterwegs. Wegen einer Sehnenscheidenentzündung quälten ihn starke
Schmerzen. Deshalb konnte er die letzten 25 Kilometer nur noch marschieren. Am nächsten Tag ist er trotz der Qualen
wieder losgerannt. Und wenn er resignieren wollte, tauchte Ehefrau Heide auf und hat ihn weiter getrieben: "Das schaffst du
noch!" Es waren doch "nur noch" 51 Kilometer bis zum Zieldurchlauf.
Das sportlich wichtigste Ziel für Jörg Koenig in dieser Saison ist die deutsche Meisterschaft im 24-Stunden-Lauf, die im Juli in
Scharnebeck ausgetragen wir. Die wichtigste Kraft, die der Dauerläufer aus Stade aus seinen extremen Herausforderungen
zieht: "Mein Selbstbewusstsein ist so stark, dass ich mich mit 53 Jahren noch den meisten 20-Jährigen überlegen fühle."
(aku)

ZEVENER ZEITUNG vom 22. März 2003
''Beim Pizza-Flitza zu jobben, ist einfach nicht drin''
Zevener 200-Meter-Sprinter Timm Müller hat große sportlich Ziele – Systematischer Aufbau
Zeven. Da scheint mit Timm Müller wieder einmal ein Stern in der Leichtathletikabteilung des TuS Zeven aufzugehen. Und
die Kenner der Szene sind ganz sicher, das wird einmal einer, der in der Deutschen Spitze mitmischen kann. So ließ der 18-
jährige Schüler vom St.-Viti-Gymnasium zuletzt Taten folgen und holte sich bei den Norddeutschen Hallenmeisterschaften in
Berlin Silber, wurde Vizemeister über 200 Meter mit seiner persönlicher Bestzeit von 22,1 Sekunden.
Der Trainingsaufwand, den Timm Müller wöchentlich betreibt, scheint für die meisten Amateure doch eher ungewöhnlich. Im
Durchschnitt trainiert er sechs bis sieben Mal für jeweils zwei Stunden auf der Sportanlage oder im Kraftraum an der Kanal-
straße. “Will man in die Deutsche Spitze, so lassen sich die Strapazen nicht vermeiden, doch ich trainiere gerne und meine
Erfolge geben mir Recht”, so Müller, der etliche Übungseinheiten mit seinem Trainer Hans-Hermann Neblung absolviert. Und
der erfahrene Coach möchte seinen Schützling systematisch aufbauen, denn die Leistung soll langfristig stimmen. “Timm ge-
hört bereits jetzt zu den Top Ten in der Deutschen Leichtathletik und im nächsten Jahr wird er auch seinen Weg bei den
Herren machen. Auf Landesebene wird er vorne mitmischen”, prophezeit Neblung. Neben Training und Schule bleibt somit
für Timm unter der Woche nicht mehr viel Freizeit übrig. Neblung weiter: “Andere Jugendliche arbeiten beim Pizza-Flitza und
fahren Pasta-Produkte auseinander, das ist bei seinen hohen sportlichen Zielen einfach nicht drin.”
“Angefangen hat das mit der Leichtathletik 1990, davor war ich bei den Turnern und habe Badminton gespielt. Dafür ist heute
keine Zeit mehr. Meine Trainingsarbeit zielt auf die 200 und 400 Meter und das nach Trainingsprogrammen des DLV, die
durch meinen Trainer individuell für mich umgestellt werden”, weiß Timm Müller zu berichten. Bei den Deutschen Meister-
schaften in Braunschweig wurde er zuletzt Sechster, heimste seit dem Jahr 2000 gleich drei Norddeutsche Vize-Titel über
100, 200 und 400 Meter ein. Bei den Niedersachsenmeisterschaften fehlt noch ein Titel, dann hat er das halbe Dutzend voll.
Das war auch den Verantwortlichen des TuS Zeven nicht entgangen, die ihr großes Talent im Jahre 2001 zum “Sportler des
Jahres” kürten.
Dem Rock-Fan, der sich keine Sprint-Vorbilder ins Zimmer gehängt hat, gefällt es zum jetzigen Zeitpunkt in der LAV Zeven
sehr gut. Sollte es jedoch in naher Zukunft einmal einen Verein geben, der seine Leistungen optimal fördern möchte, ist ein
Wechsel nicht ausgeschlossen. “Natürlich muss ich dann darüber nachdenken, ob ich das auf mich nehme. Es sollte schon
eine finanzielle Aufwendung dabei herumkommen.” Doch im Moment ist das keine Thema für Timm Müller, der sich intensiv
auf das Zevener Pfingstsportfest vorbereitet und bei den Deutschen Jugendmeisterschaften Anfang Juli in Fulde toppfit sein
möchte. “Da sehe ich für die sportliche Zukunft keine Probleme, bei seinem Trainingsfleiß und dem Ehrgeiz. Wichtig ist nur,
dass er von Verletzungen verschont bleibt”, so Hans-Herrmann Neblung, der eher die 400 Meter Strecke optimal auf Timm
Müller zugeschnitten sieht.


HAMBURGER ABENDBLATT vom 23. April 2003
Noch einmal den Rekord knacken
Marathon-Mann Steffen Benecke macht am Sonntag seinen letzten Wettkampf
Von Achim Leoni
Hamburg. Es läuft überhaupt nicht, und Steffen Benecke ist ganz froh darum. In fünf von sieben Trainingseinheiten schleppt
er sich mit schweren Beinen über die Strecke. "Es fühlt sich schlecht an, das ist ein gutes Zeichen", weiß der Langstrecken-
läufer von der TSG Bergedorf. Bloß nicht sich zu sicher fühlen, bevor es am Sonntag ernst wird.
Seit zwei Jahren hat er sich gedanklich auf diesen Tag vorbereitet: Der 18. Olympus-Marathon Hamburg wird der letzte
Wettkampf sein, den Steffen Benecke bestreitet. Ein letztes Mal noch sich über die 42,195 Kilometer quälen, wie er es schon
19-mal getan hat, seit er 1992 in Berlin zum ersten Mal den langen Kampf gegen sich selbst aufgenommen hat. Zu gern würde
er seinen vor fünf Jahren aufgestellten Hamburger Rekord von 2:17:43 Stunden noch einmal unterbieten. "Die Chancen stehen
nur bei zehn Prozent", sagt Benecke einschränkend. Dem Zufall will er dennoch nichts überlassen: Bis Kilometer 15 soll ihm
Steffen Uliczka das Tempo vorgeben, das ihn 1998 zu seiner persönlichen Bestzeit trug.
Danach wird der Leistungssport im Leben des 35-Jährigen nur noch in schönen Erinnerungen fortleben. Zum Beispiel daran,
wie er vor 10 Jahren norddeutscher Meister über 10 000 Meter wurde. Oder an 1998, als er den Halbmarathon von Osaka
gewann. Vor allem aber wird der Versicherungsmakler etwas gewinnen, wonach er bisher vergeblich trachtete: Zeit. "Ich
freue mich schon darauf, einmal spontan eine Fahrradtour zu machen", erzählt er. Training, Arbeit, Training, Schlafen - dieser
Rhythmus hat bisher 50 von 52 Wochen im Jahr sein Leben bestimmt. Künftig will er "nur" noch sechsmal die Woche die
Laufschuhe schnüren. "Ich muss keine 30 Kilometer abspulen, um ausgeglichen zu sein." Zumal Söhnchen Levi (17 Monate)
auch noch zu seinem Recht kommen will. Im Oktober erwartet Frau Ann-Kathrin weiteren Nachwuchs.
Steffen Benecke wird sich neue Ziele setzen, eben das hat er bei seinem Sport gelernt. "Es ist eine Schule fürs Leben", weiß
er. Nachdem er mit zwölf Jahren beide Eltern verloren hatte, half ihm die Leichtathletik, die Krise zu meistern. "Das Laufen",
sagt Benecke, "hat mir eine Richtung gegeben."
Für die kommende Kalenderwoche hat er sich nur ein Wort in seinen Trainingsplan geschrieben: "Rente".

LANDESZEITUNG FÜR DIE LÜNEBURGER HEIDE vom 26. April 2003
Kein Mann für ferner liefen
2:40:31 Stunden - Knut Erdtmann will in Hamburg seine Bestzeit knacken
Bullendorf (lüb). 566 Trainingskilometer in den vergangenen vier Wochen, mehr als 150 km allein in der letzten Woche vor
dem großen Wettkampf - Knut Erdtmann bewegt seine Füße mehr als manch einer sein Auto. Denn er hat ein Ziel: noch ein-
mal seine Bestzeit knacken. Die liegt bei 2:40:31 Stunden, aufgestellt beim Marathon in Hamburg im vergangenen Jahr. Am
Sonntag trägt der 40-Jährige aus Bullendorf bei Hohnstorf die Startnummer 15 494 - im Gesamtklassement will er wesentlich
weiter vorn liegen.
Hinter Ingo Schröter vom Post SV Buxtehude lief Erdtmann 2002 die beste Zeit aller Marathonläufer aus dem Bezirk Lüne-
burg. In Hamburg kam er auf den 118. Platz in der Gesamtwertung, auf den 11. in seiner Altersklasse. "Bis 45 Jahre kann
man noch Bestzeit laufen", sagt Erdtmann. "Ich habe diesmal so viel trainiert wie nie."
Dabei schlummerte sein Talent lange im Verborgenen. Erst 1984 trat es zu Tage, als er zur Bundeswehr kam: "Wir mussten
uns zwischen Fußball und Waldlauf entscheiden." Bis dahin hatte er in seinem Leben nie Sport betrieben, sagt er. So ent-
schied er sich für das vermeintlich kleinere Übel: das Laufen. Und rannte zur eigenen Überraschung vornweg.
1986 absolvierte er erstmals die 42,195 km, beim allerersten Hamburg-Marathon. 1987 kam er schon nach 2:43:28 Stunden
ins Ziel. "Danach bin ich zwölf Jahre lang keine vernünftige Zeit mehr gelaufen", so Erdtmann, der für die SV Scharnebeck
läuft. Wobei "vernünftig" für ihn unter 2:50 Stunden heißt. Seit 1999 läuft's wieder richtig rund. "Jeder Wettkampf ist eine auf-
regende Sache", sagt Erdtmann, der noch nie geraucht hat, nur selten Alkohol trinkt und seit 16 Jahren Vegetarier ist. Beson-
ders schön findet er, "dass man als Marathonläufer im Verein Anerkennung für seine Leistungen bekommt".
Dass er seine Zeit noch wesentlich verbessern kann, glaubt der Marathon-Mann aber nicht: "Wenn man sich nur um zwei
Minuten verbessern will, sind das vom Trainingsaufwand her schon Welten." Und der ist jetzt schon enorm hoch. Kaum ein
Tag vergeht, an dem Erdtmann nicht nach der Arbeit in seinem Gartenfachgeschäft die Laufschuhe schnürt. Alle Wege
zwischen Elbe und Elbeseitenkanal kennt er auswendig. Penibel hält er seit Jahren jedes Trainingspensum und jede Wett-
kampf zeit in einem Taschenkalender fest. Sollte er am Sonntag eine Zeit unter 2:40:31 Stunden laufen, dürfte die Zahl eine
rote Umrandung erhalten. So oder so - in Hamburg wird Erdtmann wieder mehr als nur ein Mitläufer sein.

BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG vom 14. Juni 2003
In Norddeutschland fürchtet er nur wenige Konkurrenten
Athlet von der LG Braunschweig: Mario Burger
Von Bettina Jaeschke
Gärtner ist sein Beruf, laufen seine Leidenschaft. Seit 26 Jahren sind die Mittelstrecken über 3000, 5000 und 10 000 Meter
sowie der Halbmarathon die Lieblingsdisziplinen von Mario Burger. Der Goslarer, der für die LG Braunschweig startet, geht
auch nächsten Freitag beim Braunschweiger Nachtlauf auf die Strecke. "Über die zwölf Kilometer rechne ich mir gute Sieg-
chancen aus", sagt der 36-Jährige. "In Norddeutschland gibt es nur zwei Läufer, vor denen ich etwas bange." Dies seien sein
ehemaliger Vereinskamerad, Jürgen Austin, und sein derzeitiger, Oliver Dietz. Ansonsten sei er in der Amateurbranche weit-
gehend konkurrenzlos. Am Nachtlauf nahm er bisher sechsmal teil, dreimal gewann er den Hauptlauf. "Die Atmosphäre in
Braunschweig ist immer toll. Da sind so viele Zuschauer, das pusht gewaltig."
Etwa 30 Minuten braucht Burger für die 10 Kilometer. "Seit 1988 laufe ich die gleichen Zeiten. Ich will versuchen, sie bis zum
45. Lebensjahr auch noch zu halten", sagt er. Dies werde jedoch mit zunehmendem Alter mehr Training erfordern. Derzeit
schnürt Burger acht- oder neunmal die Woche die Sportschuhe und läuft durch Goslar und durch die Umgebung der Kaiser-
stadt. Zwischen 120 und 160 Kilometer legt er pro Woche zurück. Für einen Verein in seiner Heimat zu starten, kam für den
Gärtner nicht infrage. "Vom Leistungsniveau her würde mir das nichts bringen." In Braunschweig fühle er sich wohl, dort trai-
niere er mit Vizeeuropameistern in einem Klub.
Mehrere Landestitel errang Burger in seiner Karriere. Sein größter Erfolg war jedoch der Titel des deutschen Meisters mit
der Mannschaft im Halbmarathon. Diesen errang er im Frühjahr in der Nähe von Würzburg. Seriensieger ist er inzwischen
beim Goslarer Altstadtlauf, den er jedoch nur als "Tempo-Trainingslauf" ansieht. "Pro Jahr bestreite ich zwischen zehn und 15
wichtige Wettkämpfe", berichtet er. Jedes Wochenende unterwegs zu sein, lasse sein Beruf nicht zu. Denn: "Die Lauferei be-
treibe ich ja nur nebenbei." Obwohl er seinen Sport schon 26 Jahre ausübt, wird er nicht müde, dies auch weiterhin zu tun.
"Es ist die Erfolgssucht, die mich antreibt." Ein positiver Nebeneffekt sei zudem, etwas für die Gesundheit zu tun. Mit seiner
Begeisterung für das Laufen hat Burger inzwischen auch seine Freundin angesteckt. Zwar starte sie nicht bei Wettkämpfen,
trainiere jedoch regelmäßig.
Für Hobbys bleibt dem 36-Jährigen nicht mehr viel Zeit. "Bei schönem Wetter sitze ich gerne in der Eisdiele oder treffe mich
mit Freunden." Ansonsten liebt er die Musik. Mit Vorliebe hört er Jazz und Blues.

GIFHORNER RUNDSCHAU vom 21. Juni 2003
Heute macht es Spaß"
Joachim Thiemann, Marathon-Weltmeister der Senioren, wird 70 Jahre alt
Von Peter Gamauf
Joachim Thiemann blickt aus dem Fenster: "Regen, etwas kühl, kein Wind", stellt er fest, "ideales Laufwetter." Trotzdem:
Heute ist der Vöhrumer erst um sechs Uhr aufgestanden, hat beim Frühstück in Ruhe Zeitung gelesen. Heute wird er nicht
laufen, Thiemann tritt kürzer. Das war nicht immer so, besonders nicht in jener Zeit, in der der Marathon-Weltmeister der
Senioren von 1983 seine großen Erfolge feierte. Grund zum Feiern hat Thiemann auch zwei Jahrzehnte später: Am nächsten
Dienstag wird er 70 Jahre alt.
"Heute kämpfe ich nicht mehr bis zum Umfallen", verdeutlicht Thiemann, auf welche Weise er 1984, wenige Tage vor seinem
51. Geburtstag, seine persönliche Marathon-Bestzeit auf 2:28:22 Stunden gedrückt hatte, "Laufen muss Spaß machen, und
heute macht es Spaß". Nein, quälen möchte sich Joachim Thiemann nicht mehr. Der Halbmarathon ist deshalb das höchste
der Gefühle, Niedersachsen und die Region sein Revier. Doch auch hier geht er immer noch erfolgreich auf die Jagd: "Gerade
bin ich in Gifhorn mit 45:26 eine Super-Zeit über 10 000 Meter gelaufen", freut er sich. Ja, er ist fit wie ein Turnschuh, der
Schuhmachermeister, und lässt keinen Zweifel daran, dass Erfolge für ihn das Salz in der Suppe sind. "Ich bin nun einmal
ehrgeizig", gibt er freimütig zu, "es ist schön, wenn man bekannt ist. Ich habe den Respekt der Gegner gespürt und ich habe
ihn genossen."
Um ganz vorne dabei zu sein, genügen dem 50 Kilo leichten Athleten jetzt 60 bis 80 lockere Trainingskilometer pro Woche.
Im Winter geht er dreimal in sieben Tagen ins Fitness-Studio, tut etwas gegen den altersbedingten Muskelabbau. Was heute
vergleichsweise gemächlich vonstatten geht, war vor 20 Jahren harte Knochenarbeit: Zwölf Einheiten mit 180 bis 230 Kilo-
metern pro Woche bildeten die Basis für Thiemanns Karriere als Seniorenläufer, die er mit dem Gewinn der Weltmeister-
schaft auf Puerto Rico krönte.
Drei Kilometer lang war der Weg, den der geborene Schlesier bis zur Schule zurücklegen musste. Hin und zurück ging's im
Dauertrab: "Gelaufen bin ich immer gerne". Nach dem Krieg verschlug es die Familie nach Vöhrum, Thiemann fing an, Kreis-
meistertitel zu sammeln – für sich und die Arminia, und der vielseitige Leichtathlet glänzte dank seines Lauftalents auch auf
dem großen Handballfeld. Zeit für gezieltes Training blieb nicht, trotzdem reichte es für Zeiten wie 15:34 über 5000 Meter.
"Als Flüchtlinge mussten wir erst einmal etwas aufbauen. Bevor ich mich selbstständig machte, habe ich in der Schuhfabrik
Akkord gearbeitet", erinnert er sich, und verhehlt nicht, dass er des öfteren daran gedacht hat, was er in einer anderen,
späteren und besseren Zeit hätte sportlich erreichen können. "Heute würde ich knüppeln", versichert Thiemann. Aber ohne
Erfolge, nein, ohne die würde nichts gehen.
Erst im Alter von 46 Jahren begann Joachim Thiemann, intensiv zu trainieren: "Meine vier Söhne hatten Talent, aber nicht den
nötigen Ehrgeiz. Ich wollte es ihnen zeigen", sagt er. Weil er um acht Uhr im Laden stehen musste, stand Thiemann (ohne
Wecker) um 4 Uhr auf, 30 Minuten später schenkte er sein Vertrauen den Laufschuhen aus dem eigenen Geschäft. "Aber
entscheidend ist nicht das Schuhwerk, sondern der Kerl, der in ihm steckt", sagt er lächelnd. Den ersten von 50 Marathon-
läufen absolvierte Thiemann 1977 in 3:39 Stunden, trainierte dann nach Plänen von Langstrecken-Ass Manfred Steffny. Zwei
Jahre später wurde Thiemann in Hannover WM-Zweiter. Seine Zeit: 2:33:27. Dann lockten Treppchenplätze bei Welt- und
Europameisterschaften im In- und Ausland, aber auch der New York Marathon. "Ein Highlight", sagt Thiemann – er war
zweitbester Deutscher und 11. seiner Altersklasse. In der Folgezeit sah ihn seine Familie weniger: "Die hatte öfter unter
meinen sportlichen Ambitionen zu leiden, ich hatte kaum Freizeit und wir haben damals nie Urlaub gemacht."
Die ersten gemeinsamen Ferien mit seiner Frau Gertrud waren erst nach der Pensionierung möglich. Aber auch in der Türkei
trainierte der damals 65-Jährige eifrig. "Ohne das Verständnis meiner Frau hätte ich das alles nicht erreichen können", be-
dankt sich Joachim Thiemann bei seiner besseren Hälfte, und er merkt an: "Es gibt viele Hochleistungssportler, denen die
Frauen weggelaufen sind. Meine Frau hat es schon 40 Jahre mit mir ausgehalten."
Große gesundheitliche Probleme hat Thiemann nicht gehabt. Eine Meniskus-Operation – das wars. "Ich höre auf meinen
Körper", meint Thiemann, "wenn er mir sagt, dass ich mein Programm reduzieren soll, werde ich es tun, Aber nicht mehr zu
laufen, kann ich mir im Moment nicht vorstellen." Die akribischen Diäten, denen sich Thiemann früher vor wichtigen Wett-
kämpfen unterworfen hat, gehören der Vergangenheit an. Es wird gegessen, was aus dem eigenen großen Garten auf den
Tisch kommt. Denn die 1600 Quadratmeter hinter dem Haus sind Joachim Thiemanns zweite große Leidenschaft. Heute
werden Stachelbeeren gepflückt. "Die müssen eingeweckt werden, ehe sie reif sind", sagt der Fachmann. Und das, obwohl es
regnet, und das Wetter ideal ist zum Laufen.
PEINER ALLGEMEINE ZEITUNG vom 21. Juni 2003
Spätstarter machte der Konkurrenz Beine

Die Wände im Gartenhaus von Joachim Thiemann sind mit Medaillen und Urkunden reichlich behängt. Die wertvollen Pokale
hat der Vöhrumer in einer Vitrine in seiner Wohung aufbewahrt – als Blickfang für seine Familie und Gäste. “Fast 200 Siege
habe ich in meiner Laufbahn erreicht” sagt Thiemann, der am kommenden Dienstag seinen 70. Geburtstag feiert. Die Erfolgs-
bilanz ist erstaunlich, denn erst mit 44 Jahren hat er mit dem gezielten Lauftraining begonnen und sich in kürzester Zeit einen
Namen in der Langstreckenszene gemacht. “Sportlich war ich von frühester Kindheit an”, sagt der in Schlesien geborene
Langstreckenläufer. Der Weg zur Schule betrug drei Kilometer. Thiemann bewältigte die Strecke hin und zurück des Öfteren
im Laufschritt.
Nach dem Krieg fand der damals 13-Jährige in Vöhrum ein neues Zuhause, wo er den Beruf des Schuhmachers erlernte.
Sportlich betätigte er sich im Handball. “Damals wurde noch Feldhandball auf dem Großfeld gespielt”, berichtet Thiemann.
Das habe viel Ausdauer verlangt, was ihm sehr entgegengekommen sei. Nebenbei bestritt er auf Kreisebene auch Leicht-
athletik-Wettbewerbe. Ohne spezielles Training schob er sich bei den unterschiedlich langen Laufstrecken, dem Speerwurf
und Weitsprung sowie im Fünfkampf auf vordere Plätze. Als er sich mit 28 Jahren selbstständig machte, blieb für den Sport
nicht mehr viel Zeit übrig. “Obwohl ich nie ganz ohne Bewegung gelebt habe”, sagt Thiemann, der sich selbst als unruhigen
Geist bezeichnet. Erst mit 44 Jahren packte ihn das Lauffieber, weil er es seinen vier Söhnen zeigen wollte, die ihr Potenzial
aus Sicht des Vaters nicht nutzten.
Er kaufte sich ein Marathon-Buch von Manfred Steffny und setzte die Trainingsvorschläge akribisch um. Zwölf Trainings-
einheiten absolvierte er wöchentlich. Die erste stand morgens um 4.30 Uhr auf dem Plan, die zweite nach Feierabend ab 18
Uhr. Je nach Trainingsphase absolvierte er zwischen 180 bis 230 Kilometern in der Woche. Die Erfolge stellten sich für Thie-
mann schnell ein. Bei seinem Einsteigermarathon lief er 1972 in Groß Lafferde 3:39 Stunden. Innerhalb kürzester Zeit ver-
besserte er seine Bestzeiten. 1984 markierte er in Daverden seine persönliche Rekordzeit von 2:28:22 Stunden. Seinen
größten Erfolg erzielte er 1983, als er in San Juan (Puerto Rico) Marathon-Weltmeister in der AK 50 wurde.
Seit fünf Jahren hat der Vöhrumer sein Trainingsprogramm deutlich zurückgeschraubt. 50 bis 80 Kilometer stehen aber noch
immer auf dem Programm, und als Kampfrichter steht er seinem Verein Arminia Vöhrum regelmäßig zur Verfügung. In den
Wintermonaten geht Thiemann regelmäßig drei Mal wöchentlich ins Fitness-Studio. Mit Ehefrau Gertrud hat er sich zusätzlich
dem Tanzsport verschrieben. Bei allen Verpflichtungen bleibt ihm noch genügend Zeit für seinen 1600 Quadratmeter großen
Garten, den er überwiegend als Nutzgarten bewirtschaftet.
( Hartmut Butt, Kreis Peine)

BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG vom 19. Juli 2003
Grausame Aufregung vor Sturmlauf zu Bronze
Hürdenläuferin Claudia Wehrsen auf Rekordjagd
Von Stefan Boysen
Bevor Claudia Wehrsen ihre verblüffende Erfolgsgeschichte fortsetzen möchte, entspannt sie sich in den Sommerferien an den
endlosen Stränden der Costa Brava. Sie wird auf ihr Board springen und im Mittelmeer gegen den spanischen Wind surfen.
Denken Sie jetzt nicht, dass die 18-Jährige eine Freundin des Müßiggangs ist. Denn ihr wahrer Sport, die Leichtathletik,
macht Claudia Wehrsen erst richtig Spaß, wenn es weh tut. "Ich kann mich gut schinden", sagt sie lachend.
Wie vor zwei Wochen im Endlauf über 400 Meter Hürden bei den deutschen Jugendmeisterschaften. Die Leichtathletin von
der LG Braunschweig rannte als Vierte der Zielgeraden entgegen. Nun muss man wissen: Dieser Rang zählt im Sport nicht
viel. Also feuerte Claudia Wehrsen sich an: "Gib Kette, die kriegst du noch!" Mit allerletzter Kraft sprintete sie über die Ziel-
linie – als Dritte. Dass die junge Frau mit Bronze in der Sporttasche aus Fulda zurückkehrte, erstaunt. Das Finale über 400
Meter Hürden war erst ihr fünfter Wettkampf in dieser Disziplin. In den Jahren zuvor war sie die 400 Meter immer flach ge-
laufen.
Überraschend ist auch Claudia Wehrsens Hürden-Bestzeit, die sie bei der deutschen Meisterschaft im Vorlauf erzielte: 61,72
Sekunden. Da kommt keine Jugendliche im Land mit. In der niedersächsischen Bestenliste tauchen hinter der Rang-Ersten so
viele ernsthafte Konkurrentinnen auf wie Bleienten in der Oker. Das sehr gute Ergebnis hat sie selbst aus den Turnschuhen
gekippt. "Mit dieser Zeit aus dem Wettkampf rauszugehen – das ist der Hammer", meint die Gymnasiastin. Dabei sei ihr Lauf
noch nicht einmal perfekt gewesen. Mit ihrem derzeitigen Leistungsvermögen könne sie "eine halbe Sekunde schneller laufen".
Gelegenheit dazu ist Mitte August. Dann startet die Athletin bei den deutschen Meisterschaften der Juniorinnen. Nervös wird
sie sein wie eh und je. Ihre Aufregung vor den Wettkämpfen empfindet Claudia Wehrsen als "grausam".
Die 400 Meter Hürden haben Tradition im Hause Wehrsen. Vater Hajo und Mutter Regina hielten beide einst den Landes-
rekord. Regina Wehrsen brachte es gar zur deutschen Vizemeisterin.
Claudia Wehrsens sportliche Ziele sind höher als die Hürden, über die sie springt: "Mein Traum sind die Olympischen Spiele",
sagt sie. Ein anderer Plan ist vielleicht ein wenig einfacher umzusetzen. Die 18-Jährige will die Bestzeit ihrer Mutter knacken,
die bei 58,17 Sekunden steht. "Wenn ich die laufe, stehe ich in Deutschland gut da."
Erst einmal gilt aber Wind und Wellen die volle Konzentration. Wenn auch nur für kurze Zeit. Nach dem Urlaub in Spanien
"wird es mich extrem reizen, endlich wieder auf die Bahn gehen zu dürfen".

EINBECKER MORGENPOST vom 26. Juli 2003
3. Platz für Johanna Hoppe bei Jugend-WM
Große Freude bei der 17-jährigen Hammerwerferin aus Einbeck in Kanada
Einbeck (oh). Wie bereits kurz berichtet wurde, konnte Johanna Hoppe (17 Jahre) von der LG Einbeck bei den Jugend-
Weltmeisterschaften U18 in Kanada mit dem Gewinn der Bronzemedaille im Hammerwerfen einen sensationellen Erfolg er-
zielen. Sie belegte den dritten Platz mit einer Weite von 56,46 Metern hinter Valentina Srsa aus Kroatien (61,18 Meter) und
Maria Bespalova aus Russland (57,81 Meter). An dieser WM im kanadischen Sherbrooke nahmen rund 1.400 Aktive aus
106 Ländern aller Kontinente teil. Die deutsche Mannschaft war mit 35 Aktiven vertreten.
Johanna konnte damit zum guten vierten Platz in der Nationenwertung beitragen, bei der die deutschen Jugendlichen zweimal
Gold (Stabhoch weiblich, Hoch männlich), zweimal Silber (Siebenkampf, Hoch, weiblich) sowie viermal Bronze (Speer,
Diskus, weiblich, 110 Meter Hürden, männlich, und Hammer, weiblich) gewannen. Es siegte die Mannschaft der USA mit
sechs Gold-, vier Silber- und vier Bronzemedaillen vor Russland (4/5/3) und Kenia (3/4/2).
Alle deutschen Aktiven trafen sich am 30. Juni zu einer letzten Vorbereitung in Kienbaum, in der Nähe von Berlin, und flogen
am 3. Juli nach Kanada. Untergebracht waren sie im Studentenwohnheim der Universität, etwa 20 Kilometer von den Sport-
stätten entfernt. Nach nervösem Beginn mit zwei 46-Meter-Würfen stand Johanna kurz vor dem Ausscheiden. Im dritten Ver-
such konnte sie dann zu ihrer gewohnten Form zurückfinden und kam mit 55,17 Metern auf den fünften Rang und damit in
den Endkampf, der auf acht Wettkämpfer beschränkt war. Mit ihrem fünften Versuch konnte sie 56,46 Meter erzielen und
hat sich damit die Bronzemedaille sichern können. Der Jubel bei der Einbeckerin war verständlicherweise riesig und Grund für
einige Freudentränen. Mit ihr freuen sich besonders ihr Trainer Wolfgang Scholz und die Einbecker Leichtathleten.
Der Wettkampf verlief für Johanna optimal. Sie reiste mit der achtbesten Leistung an und konnte daher das für sie best-
mögliche Ergebnis erzielen. Ein echter Trost, denn während ihrer Abwesenheit fanden die Deutschen Meisterschaften statt,
die sie mit großem Vorsprung gewonnen hätte.
Die Weltmeisterschaften klangen mit einer Abschlussfeier, Vorführungen und einem Konzert aus. Die Führung des Deutschen
Leichtathletik-Verbandes war mit dem Abschneiden der Jugendnationalmannschaft sehr zufrieden. An dieser Stelle möchte
sich die LG Einbeck noch einmal bei der Stadt Einbeck und der Firma Adam und Grötzner bedanken, die mit der Erstellung
der Hammerwurfanlage im Einbecker Stadion die jetzt guten Trainingsbedingungen geschaffen haben.
Für die Einbeckerin Johanna Hoppe stehen nun die Norddeutschen Meisterschaften am 9. und 10. August in Wilhelmshaven
und die Deutschen Junioren-Meisterschaften am 16. und 17. August in Krefeld auf dem Programm. Im nächsten Jahr rückt
sie dann in die nächst höhere Altersklasse der weiblichen Jugend A (18/19 Jahre) auf und hat sich zum Ziel gesetzt, in der
Deutschen Nationalmannschaft bei der U20-Weltmeisterschaft für Deutschland zum Einsatz zu kommen.

BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG vom 27. Juli 2003
Mit puertoricanischer Polizeieskorte ins Stadion
Leichtathletin auf Lebenszeit: Anne-Kathrin Eriksen
Von Stefan Boysen
Weil Anne-Kathrin Eriksen auf Leichtathletik steht, steht auf ihrer Terrasse eine Nachbildung jener berühmten Skulptur, die
der Bildhauer Myron einst schuf: der klassische griechische Diskuswerfer. Eriksen hat der ein Meter großen Kopie dieses
2500 Jahre alten Meisterwerks gar einen Namen gegeben: Neoptolemos. Die Griechen führten den Wurf der flachen Scheibe
vor ewigen Zeiten in ihr olympisches Programm ein. Knapp drei Jahrtausende später warf Eriksen den Diskus bei den Seni-
oren-Weltmeisterschaften in einem Leichtathletik-Stadion in Puerto Rico und wurde Fünfte. Noch viel besser lief es für sie in
der Staffel. Mit ihren Kameradinnen rannte Eriksen in ihrer Altersklasse über 4x100 Meter zu Gold.
Für die 59-Jährige, die für die LG/Eintracht startet, war die WM in Mittelamerika ein großes Erlebnis. "Wir Senioren waren
die wichtigsten Menschen auf der Insel", erzählt sie. Mit Blaulicht bahnten Polizeiautos den Bussen mit den Sportlern den
Weg durch die Straßen und leiteten sie zum Stadion. "Wir bretterten durch die Stadt, das war toll!"
Eriksen, die an der Gauß-Schule Chemie und Mathematik unterrichtet, hat ihr Leben lang nicht losgelassen von ihrem Sport.
Drei Etappen: Sie, die in Helmstedt geboren wurde, bettelte als kleines Kind so lange ihre Eltern an, bis sie endlich beim orts-
ansässigen TSV anfangen durfte. 1964 wurde sie als Juniorin mit Eintracht deutscher Fünfkampf-Mannschafts-Meister.
Puerto Rico war ihre zehnte Senioren-WM. Die Wettkampfklassen dort waren offen. Jeder, der sich fit fühlte, durfte an der
Meisterschaft teilnehmen.
Mit 59 Jahren spornt sie weiterhin der Leistungsgedanke an: die eigenen Zeiten und Weiten in Frage zu stellen, ob es vielleicht
nicht doch ein bisschen besser geht, um beim nächsten Wettkampf eine Schippe draufzulegen. Die Krux dabei: "Wenn man
älter wird, geht es mit den Leistungen nicht mehr voran – nur noch abwärts."
Eriksen gefällt es nicht, dass ihr Körper abbaut. Aber sie hat sich damit "arrangiert", wie sie meint. Früher hat sie sich gesagt:
"Wenn ich keine fünf Meter mehr springen kann, höre ich auf." Obwohl die Vorsitzende des Leichtathletik-Kreises Braun-
schweig an diese Weite nicht mehr herankommt, springt sie immer noch in die Grube. Bei den deutschen Meisterschaften in
der nächsten Woche in Schweinfurt kann sie mit ihren 4,50 Meter "Zweite oder Dritte werden. Warum soll ich da aufhören?"
In Puerto Rico trauten sich gar Sportler in einem Alter jenseits der 90 Jahre auf die Bahn. Auch Eriksen kann sich vorstellen,
noch sehr lange Wettkämpfe zu bestreiten. "Wenn ich Spaß habe und die Reisestrapazen aushalte – warum denn nicht?" Nur
eines fehlt ihr: Ein Trainingsteam mit Sportlerinnen ihres Alters. "So eine Gruppe wäre nicht schlecht."
Wenn sie doch irgendwann aufhören sollte, wird wohl das Enkelkind für die Oma in die Bresche springen. Karen ist gerade
drei Monate alt, aber die Großmutter hat ihr sportliches Talent schon erkannt. "Karen hat lange Beine und wird hoffentlich
eine gute Leichtathletin."

GRAFSCHAFTER NACHRICHTEN vom 7. August 2003
Für Siegbert Gnoth hängt keine Messlatte zu hoch
Viele sportliche und menschliche Erfolge
Von Hartmut Abel
Gildehaus. "Nur ein ruhender Stein setzt Moos an", dieses Bild möchte man wählen, wenn man den Lebensweg und den
sportlichen Werdegang von Siegbert Gnoth (TuS Gildehaus) betrachtet. Der Zweite Weltkrieg brachte früh leidvolle Be-
wegung in sein Leben. Am 20. Januar 1945 musste die Mutter mit ihren vier Jungen aus Oppeln kurz vor Sprengung der
Oderbrücke vor der herannahenden Roten Armee flüchten. Eine Odyssee begann, die die fünfköpfige Familie, nach Budweis
führte. In Scheunen und Schulen zwischenzeitlich notdürftig untergebracht, erreichten die Gnoths über Wien und die Steier-
mark im Herbst 1946 das westfälische Horstmar. Hier fand die Familie nach fast zwei Jahren Flucht in der Nähe eines Sport-
platzes eine Bleibe. Vielleicht entdeckte Siegbert Gnoth dadurch seine Begeisterung für den Sport.
Nach einer Schlosserlehre entschied sich Gnoth für eine Ausbildung als Sportlehrer an der Landesturnschule in Melle und
über die Eignungsprüfung führte ihn der zweite Bildungsweg zur Pädagogik. Auf allen seinen Stationen war der Sport sein
Begleiter. Zunächst spielte er Fußball, dann Handball und schließlich entdeckte er die Liebe zur Leichtathletik. Bereits in der
Jugend kam er zu Kreismeisterehren.
Von 1959 bis 1978 wurde er mehrfacher Münsterlandmeister, 14-mal Bezirksmeister im Speerwerfen, Dreisprung, Fünf- und
Zehnkampf. Dazu verbuchte er vordere Platzierungen bei Landes- und Norddeutschen Meisterschaften, als er für den Osna-
brücker TB startete und ab 1972 in Gildehaus an der Grund- und Hauptschule unterrichtete.
1979 wurde beim TuS Gildehaus die Leichtathletik ins das sportliche Angebot aufgenommen. Siegbert Gnoth trainierte ab
dieser Zeit zunächst Schüler und Jugendliche und begleitete diese zusammen mit seiner Ehefrau Annelise zu Wettkämpfen. Er
leistet die Trainingsarbeit gerne, auch wenn er manchmal bei Eltern und Vorstandsmitgliedern Rückschläge erlebte. Zu der
umfangreichen Trainings- und Betreuungsarbeit gesellte sich eine weitere soziale Komponente. Der 12-stündige Hungerlauf
1986 zugunsten notleidender Menschen in Brasilien, der Solidaritätslauf für die Betroffenen der Katastrophe von Enschede im
Mai 2000 und für die Flutopfer von Weesenstein im August 2002 trugen seine Handschrift deutlich mit. Fragt man Siegbert
Gnoth nach seinen Vorbildern, so nennt er Martin Luther-King und Albert Schweitzer. Er nennt sie stellvertretend für die
vielen Menschen, die selbstlos Hilfe für andere leisten.
Auf über 45 Jahre Leistungssport kann er zurückblicken. Die Reihe seiner acht errungenen nationalen Senioren-Titel eröffnete
er 1995 in Minden mit dem Gewinn der Dreisprungkonkurrenz in der Klasse M 55. Zwei Jahre später wurde er erstmals
Seniorenmeister im Hochsprung. Im Jahr 2000 wurde er an drei Tagen hintereinander dreifacher Titelträger der Klasse M 60
im Hoch-, Stabhoch- und im Dreisprung, wobei er im Hochsprung sogar einen deutschen Seniorenrekord mit 1,65 m auf-
stellte. Die renommierte Fachzeitschrift "Leichtathletik" nannte seine Leistung "meisterlich".
Für seine jahrelange Kontinuität erhielt er den Friedel-Dahms-Pokal, die höchste Auszeichnung, die die Leichtathletik auf
Bezirksebene zu vergeben hat. Der Kreissportbund Grafschaft Bentheim zeichnete ihn mit dem Sportehrenpreis aus und der
TuS Gildehaus verlieh ihm den Ehrenring. Zwei weitere Titel (Hoch- und Dreisprung) fügte er im darauf folgenden Jahr seiner
Trophäensammlung hinzu. Eine weitere Krönung seiner sportlichen Laufbahn war der Gewinn der Silbermedaille im Hoch-
und der Bronzemedaille im Dreisprung bei den europäischen Titelkämpfen 2002.
Voller Zuversicht fuhr er am vergangenem Wochenende nach Schweinfurt zu den Meisterschaften. Als erste Disziplin stand
der Hochsprung auf dem Programm. In den letzten Tagen hatte er in der Mittagshitze im Gildehauser Mühlenbergstadion
trainiert, um sich an die hohen Temperaturen zu gewöhnen. Aus einem hochkarätigen Wettkampf ging er als Sieger mit 1,62
Metern hervor. "Ich war in Form und war im Vorfeld von Meisterschaften noch nie so gut", so sein Kommentar. Deshalb ließ
er als letzter Springer, des Meistertitels bereits sicher, die Latte auf die neue Rekordhöhe von 1,66 Meter legen. Beim Ab-
sprung knickte er um, vermutlich bedingt durch den infolge der Wärmeentwicklung aufgeweichten Kunststoffes. Die Titel-
kämpfe waren damit für ihn beendet. "Es ist traurig gewesen, voller Wehmut habe ich die Rückfahrt angetreten". Der sicher
geglaubte Sieg im Stabhochsprung war wie eine Seifenblase zerplatzt.
Trotz seines Missgeschicks steht am kommenden Wochenende ein Trainingslager für das Mehrkampfteam und die weibliche
Jugend im Leistungszentrum in Rhede auf dem Programm. Denn er weiß: nur ein ruhender Stein setzt Moos an.

www.newsclick.de (Peine) vom 23. August 2003
Tolles Fluggefühl – auch mit Tonnen von Sand im Schuh
Der Vöhrumer Leichtathlet Christian Gustedt liebt die Abwechslung
"Es ist ein tolles Gefühl, so weit zu fliegen wie wenige andere": Christian Gustedt bringt die Vorzüge seiner Lieblingsdisziplin
auf einen kurzen Nenner – der Leichtathlet des TSV Arminia Vöhrum hat sein Herz an den Weitsprung verloren. "In der
Jugend habe ich viel probiert", erinnert sich Gustedt, doch am Ende entschied sich der 22-jährige Sportstudent für die Leicht-
athletik – der Abwechslungsreichtum gab den Ausschlag. Inzwischen hat sich Gustedt mit mehreren Deutschen und Landes-
meistertiteln selbst belohnt. Der Zehnkampf kommt Gustedts Wunsch nach Vielfalt am ehesten entgegen. Denn nicht nur der
Weitsprung bringt’s: Im vergangenen Jahr überwand der Armine im Hochsprung 1,90 Meter. Sein weitester Sprung gelang
ihm 2002 in Garbsen mit 7,29 Metern.
Zur Leichtathletik fand Gustedt im Sommer des Jahres 1987. "Am schönsten war der erste Landesmeistertitel über die 400
Meter Hürden mit gerade mal 18 Jahren", erzählt er. Zehn Jahre später fuhr er zum ersten Mal zu Deutschen Meisterschaften:
"Es war ein tolles Erlebnis, sich mit den Besten Deutschlands messen zu dürfen." Auch der Ehrgeiz, besser zu sein als die
älteren Trainingspartner, war für ihn ein entscheidender Faktor: "Oft gingen sie in der gleichen Disziplin an den Start, und dann
konnte ich meine Leistung immer gut vergleichen." Gustedts großes Ziel bleiben die Deutschen Meisterschaften 2004 in
Braunschweig: "Ich hoffe, dass ich gesund bleibe und mich weiter steigern kann."
Mit seinen 22 Jahren ist Christian Gustedt in Vöhrum inzwischen schon selbst zum Vorbild geworden. Der B-Lizenz-Inhaber
trainiert bereits seit sieben Jahren junge Athleten, betreut Schüler auf Wettkämpfen. "Es macht mir viel Spaß, mein Wissen
und meine Erfahrungen zu vermitteln", unterstreicht er – auch ein Grund, warum sich Gustedt für ein Sportmanagement-
Studium an der Universität Göttingen entschieden hat. "Mein späterer Beruf sollte etwas mit Sport zu tun haben", hat er be-
reits feste Vorstellungen.
In seiner knapp bemessenen Freizeit spielt Christian Gustedt Volleyball und Golf. An diesem Wochenende (22.-24.8.2003)
wird er dazu keine Gelegenheit haben – er mischt bei den Deutschen Zehnkampf-Meisterschaften der Männer in Wesel mit.
Dafür wird der Armine dort wieder ein für ihn charakteristisches kleines Ritual praktizieren: "Ich ziehe bei Weitsprungwett-
kämpfen nie meine Spikes aus. Wenn die Schuhe einmal richtig sitzen, verändere ich nichts mehr. Auch dann nicht, wenn sie
mit Tonnen von Sand gefüllt sind." (kb)

OSTERHOLZER KREISBLATT vom 27. September 2003
Ziel sind acht weitere Zentimeter
VSK Osterholz-Scharmbeck ehrt mit Karl-Heinz Marg seinen erfolgreichsten Sportler
Von unserem Redakteur Carsten Spöring
Osterholz-Scharmbeck. So richtig gratuliert hatte der VSK Osterholz-Scharmbeck seinem Weltmeister noch nicht. Das
holte der größte Sportverein in Kreis Osterholz jetzt nach. In kleiner Runde überreichte VSK-Vorsitzender Helmut Ibsch
seinem Mitglied Karl-Heinz Marg einen guten Schluck Rotwein", wie Ibsch es ausdrückte, und würdigte noch einmal die
Leistungen des Senioren-Leichtathleten.
Marg war Anfang Juli wieder Weltmeister im Kugelstoßen geworden, dieses Mal allerdings in seiner neuen Altersklasse
M 65. Doch nicht nur diese Leistung in Puerto Rico beeindruckte Ibsch, der VSK-Versitzende zeigte sich auch von der
Beständigkeit Margs angetan: " Kaum einer hat so viele Erfolge gesammelt in unserem Verein". Zwei Mal sei er nun schon
Weltmeister geworden, zwei Mal Europameister, und 2003 habe Marg alle Titel durchgängig gewonnen", hatte lbsch fest-
gestellt. Bezirksmeister - Landesmeister - Norddeutscher Meister - Deutscher Meister - Weltmeister, "das ist schon eine
sehr eindrucksvolle Serie". Ibsch bezeichnete Marg als "Ausnahmeerscheinung in unserem Verein", der zudem als "Gönner
und Freund” des VSK auftrete.
Marg selbst fand es bei der ganzen Aufzählung nur "schade, dass meine Frau nicht dabei ist”, all dieses Positve zu hören,
wurde aber auch schnell wieder ernst: "Es macht Spaß, wenn harte Arbeit anerkannt wird". Für Erfolge wie die seinen müsse
man zwar viel trainieren, aber "ich habe mich nie überfordert". Das gelte selbst für die zurückliegende Vorbereitung auf die
WM-Saison ("Ich habe über 20 000 Zentner Eisen bewegt"). Denn Kraft sei nicht Ausschlag gebend beim Kugelstoßen,
sondern Schnellkraft. Über 20 000 Hocksprünge absolvierte Marg. Denn "Kugelstoßen beginnt in den Beinen und hört in
den Armen auf ".
Nach diesem Kurzeinblick in sein diesjähriges Trainingspensum ließ der 65-Jährige aber auch wissen: "Ich habe mich riesig
gefreut, dass diese Kette von Erfolgen da war". Und vielleicht sporne sein Beispiel ja auch den einen oder anderen Senior an,
nicht nur vor dem Fernseher zu sitzen, sondern künftig auch aktiv Sport zu treiben. Dem VSK machte Marg ein Kompliment,
gebe es hier doch eine ganze Reihe guter Angebote für ältere Sportler.
Und wie geht es nun weiter bei Karl-Heinz Marg? Aufzuhören gedenkt er so schnell noch nicht. Da sind zum einen die
ersten Hallen-Weltmeisterschaften im März 2004 in Sindelfingen. Und da ist zudem der Weltrekord in der Altersklasse
M 65, dem Marg schon in diesem Jahr so nahe gekommen ist (nachfolgender Bericht). Mit einem mehr zielgerichteten
Training in den nächsten Monaten als der spontanen Vorbereitung auf die Weltmeisterschaftssaison glaubt Marg die noch
fehlenden acht Zentimeter zu "packen".
Marg hat sich 2003 stetig gesteigert
Osterholz-Scharmbeck (spö). Mit 14,40m war Karl-Heinz Marg in die Saison eingestiegen. Den Europarekord der M-65-
Kugelstoßer verbesserte er dann in Bremen-Huchting um 24 cm auf 14,67 m. Diese Bestmarke steigerte Marg bei den
Landesmeisterschaften in Salzgitter noch auf 14,76 m. Die Weltmeisterschaften in Puerto Rico brachten dann noch einmal
eine Steigerung: Bei 14,79 m landete die 5-kg-Kugel in der Qualifikation. Zum Titel reichte später eine Weite von 14,37 m.
Und noch einmal steigerte sich Marg, stieß die Kugel bei den deutschen Meisterschaften auf 15,05 m. Damit ist er dem
Weltrekord (15,1m) ganz nahe gekommen.

DELMENHORSTER KREISBLATT vom 16. Oktober 2003
Ingrid Häfker: Leichtathletin hängt die Schuhe an den Nagel
Ihre Kilometer auf Bahn und Straße hat sie nie gezählt – aber jetzt ist Schluss
Von Anke Bayer-Thiemig
Delmenhorst. Äußerst agil wirkt Ingrid Häfker, sie spricht von fast 25 Jahren Leistungssport und von kleinen gesundheit-
lichen Wehwehchen. Eine Sportlerin teilt ihren Rücktritt vom Leistungssport mit. Doch die Frau, die ungezählt viele Kilometer
gelaufen und gegangen ist, ist immerhin schon 65 Jahre alt, hat vor kurzem ihre letzte Deutsche Meisterschaft über Fünf-Kilo-
meter-Gehen bestritten und will nun endgültig Schluss machen. “Ich hätte so gerne noch einmal auf dem Treppchen ge-
standen.” Doch ihre Zeit von 35:50 Minuten reichte nicht. Mit Platz vier war sie nicht ganz so zufrieden. Sechs Mal hatte
Ingrid Häfker an den Deutschen Seniorenmeisterschaften im Gehen teilgenommen, zwei Mal über die 10- und vier Mal über
die 5-Kilometer-Distanz. Im Jahre 2000 feierte sie dort mit Platz eins in 33:36 Minuten ihren größten Erfolg.
Angefangen hatte Ingrid Häfker 1979 mit dem Laufen, erst für den DTV, dann für den LC Hansa Stuhr und jetzt für den LC
93. Sie war die erste Frau in Delmenhorst, so erzählt sie, die 100 Kilometer bei einem Meeting lief. Ihre Zeit 11:59:09 Std.
“Ich wäre noch schneller gewesen, musste aber unterwegs drei Massagen in Anspruch nehmen, sonst hätte ich nicht durch-
gehalten.” Das war 1984. Kaum einen Wettkampf hat sie ausgelassen: Marathons, Stundenläufe, 10 000-Meter-Strecken
oder verschiedenste Straßenläufe. Anfang 2000 hat sie zum Gehen gewechselt. Ingrid Häfker suchte immer wieder die Her-
ausforderung. Pokale satt gab es für eine außergewöhnliche Sportlerlaufbahn. Viele Trophäen hat sie verschenkt: Für die
Kinder in den Vereinen.
Nun soll es ruhiger werden. “Ich will mehr Zeit mit meinem Mann verbringen, viel Rad fahren.” Außerdem begleitet sie die
Walking-Gruppe beim hiesigen Laufclub. Zu ihren Hobbys gehört das Malen. Nie wieder Laufen oder Gehen? Vielleicht mal
einen kleinen Volkslauf ? - So ganz kann sie dann doch nicht aus ihrer Haut.

SCHAUMBURGER ZEITUNG vom 6. November 2003
Eine Verletzung stoppt Sigrun Hellmer
20 Siege bei 28 Starts / Platz eins im Bezirk
Leichtathletik (seb). Obwohl die 35-jährige Sigrun Hellmer die vergangene Saison verletzungsbedingt vorzeitig beenden
musste, kann die Lindhorsterin auf ihre erfolgreichste Saison in ihrer langjährigen sportlichen Karriere zurückblicken. So
wagte die Sprinterin erstmals einen Start auf nationaler Ebene und konnte sich bei ihrem Debüt – den Deutschen Hallen-
meisterschaften in Halle/Saale – gleich in das Finale der acht schnellsten Frauen der Klasse W 35 kämpfen.
Ein weiteres Highlight gelang der Ausnahmeathletin mit dem Gewinn des Deutschland-Cups im Sprintdreikampf (60m/100m/
200m) in Frankfurt. Als Gesamtsiegerin und Erstplatzierte auf allen drei Strecken konnte sie ihre ersten Erfolge auf Bundes-
ebene feiern. Eine äußerst erfolgreiche Hallensaison krönte die Seniorensprinterin mit dem Landesmeistertitel auf der 60-
Meter-Strecke, sowie einem dritten Platz über die 200 Meter.
An diese hervorragenden Leistungen konnte die für die LG Wennigsen/Egestorf startende Sigrun Hellmer gleich zu Beginn
der Freiluftsaison nahtlos anknüpfen. Die Sprinterin steigerte sich von Rennen zu Rennen und konnte dabei zahlreiche
Meisterschaften einfahren. Die Liste der Titel reicht von der 3-fachen Kreismeisterin, 3-fachen Vizekreismeisterin bis hin zur
Bezirksmeisterin auf Hellmers Lieblingsstrecke, den 100 Metern. Bei den niedersächsischen Landesmeisterschaften holte die
erfahrene Seniorensportlerin den Titel auf der 200-Meter-Strecke und wurde im 100-Meter-Sprint noch Vizemeisterin.
Nach einem weiteren guten vierten Platz bei den Norddeutschen Meisterschaften über die 100 Meter musste Hellmer der
langwierigen Verletzung dann doch Tribut zahlen und konnte nicht mehr an den Deutschen Freiluft-Meisterschaften teil-
nehmen.
Die Seniorensportlerin steht sowohl über 100 Meter als auch 200 Meter in der Kreis- und Bezirksbestenliste an erster Stelle,
und demonstriert auch mit ihren zweiten Plätzen in der Landesbestenliste, ebenfalls auf beiden Sprintstrecken, ihre Aus-
nahmestellung in Niedersachsen. Zwanzig Siege bei 28 Starts lautet die äußerst positive Bilanz der ehrgeizigen Sprinterin, die
mit ihrer Saisonbestzeit von 13,30 Sekunden auf der 100-Meter-Strecke so schnell war wie seit Jahren nicht mehr.

Nach oben
Porträts und Berichte von Leichtathleten aus der Region
Seite 1 / Seite 2 / Seite 4 / Seite 5 / Seite 6 / Seite 7 /
Seite 8
Zurück zur Startseite