Porträts und Berichte über Leichtathleten aus der Region (Seite 5)

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Luminita Zaituc LG Braunschweig (6.8.2004)
Thiemo Klein LG Kreis Verden (10.8.2004)
Andrea Holzschuh LG Weserbergland (12.8.2004)
Katrin Meiboom LC Hansa Stuhr (14.8.2004)
Carola Petersen LG Lüneburg (25.8.2004)
Kirstin Gnoth TuS Gildehaus (26.8.2004)
Gerd Prinzler TSV Wiepenkathen (27.8.2004)
Manfred Tjaben LTB Bemen (31.8.2004)
Jürgen Hold LG Kreis Verden (2.9.2004)
Dennis Lauterschlag TV Neuhaus (8.9.2004)
Torsten Dill TSV Lelm (9.9.2004)
Susanne Sloot LC Nordhorn (16.9.2004)
Ralf Salih TV Langen (17.9.2004)
Kurt Riep TV Hude (23.9.2004)
Nele Dehnenkamp LAV Bokel / LG Wesermünde (14.10.2004)
Natascha Schröder TV Sottrum (18.10.2004)
Paul Dittmer MTV Hanstedt (21.10.2004)
Sarah Nöh Bremer LT/BTS Neustadt (18.11.2004)
Heinz Colsmann TuS Celle (27.11.2004)
Silke Rauchberger VfL Hameln / LG Weserbergland (1.12.2004)
Volker Peitzmeier VfL Hameln / LG Weserbergland (1.12.2004)
Jeannette Horn LG Wilhelmshaven (14.12.2004)
Ingo Schröter Post SV Buxtehude (16.12.2004)
Annette Funck geb. Thimm LG Weserbergland (24.12.2004)
Hikmet Ciftci SG Osterholzer Leichtathleten (28.12.2004)
Julien Karn MTV Schöningen (28.12.2004)
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BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG vom 6. August 2004
Luminita Zaituc ist fit und startklar
Braunschweigs Top-Läuferin ist aus dem Höhentrainingslager zurück -- Nun kann der Marathon kommen
Von Stefani Franzke
Braunschweig. "Ich bin bereit." Luminita Zaituc ist guter Dinge, freut sich riesig auf ihre ersten Olympischen Spiele. Die 35-
Jährige versprüht gute Laune und Vorfreude. Am 22. August wird es ernst für die Athletin der LG Braunschweig. Dann wird
der olympische Marathon gestartet. Im Höhentrainingslager in St. Moritz hat sich Luminita Zaituc in den vergangenen
Wochen vorbereitet, jetzt ist sie wieder zu Hause in Hamm. Sie ist fit, und die Spannung wächst. "Wenn ich drauf ange
sprochen werde, ist es schon recht kribbelig", berichtet die gebürtige Rumänin lachend.
Am 19. August wird Luminita Zaituc in Düsseldorf in den Flieger in Richtung Athen steigen. Die Eröffnungsfeier wird die
Berufssoldatin also vor dem Fernseher verfolgen. "Es wäre einfach zu früh, dann schon in Griechenland zu sein", erzählt das
1,65 Meter große und 47 Kilogramm schwere Persönchen. Zurzeit trainiert Luminita Zaituc vorsichtig, "wenn man direkt aus
dem Höhentraining kommt, muss man eine Woche etwas aufpassen", erklärt sie. So um die 30 Kilometer beträgt ihr derzeit-
iges tägliches Laufpensum. Kurz vor dem Wettbewerb auf der klassischen Strecke von Marathon nach Athen, die übrigens
gerade erst fertig gestellt wurde, wird sie das Programm reduzieren: "Dann geht es nur darum, zu regenerieren. Dann will ich
einfach nur noch ins Laufen kommen."
Auf die Strecke freut sich die EM-Zweite von 2002, hat aber auch Respekt: "Erstmal muss ich sehen wie es ist, abends zu
laufen. Und dann hat die Strecke 250 Meter Höhenunterschied." Keine großen Sorgen bereitet dem Steffi-Graf-Fan das
Wetter: "Kälte liegt mir gar nicht. Wärme ist in Ordnung. Und am Abend ist es ja auch schon etwas kühler." Und auf die
Wetterbedingungen in Griechenland kann sie sich gerade prima auch zu Hause einstimmen. Trinken wird während des Laufs
ein großes Thema sein. "Ich habe aber keine feste Menge. Ich gucke, was mein Körper sagt", erklärt sie. Und fügt lachend
hinzu: "Zu viel ist auch nicht gut. Dann wackelt das Wasser so im Bauch. Und das über die Strecke mitzuschleppen ist auch
nicht so gut."
Luminita Zaituc wird die Atmosphäre an der Strecke genießen, wird ihr Rennen laufen. Egal, wie schnell oder wie langsam
ihre Konkurrenz angeht. Eine Zeit hat Zaituc in diesem Jahr noch nicht stehen. Beim Hamburg-Marathon musste die LG-
Athletin verletzt aufgeben. Zu kalt war es da. Probleme mit dem Rücken zwangen sie, abzubrechen. "Ich werde in Athen
mein Rennen laufen und sehen, wozu es am Ende reicht", nennt sie klipp und klar ihr Ziel. Und noch eines hat sie sich ganz
fest vorgenommen: Bei der Abschlussfeier am 29. August dabei zu sein. "Nach dem Wettkampf wird es viel entspannter.
Dann werde ich mir andere Wettbewerbe ansehen. Und wenn ich schon die Eröffnungsfeier nicht erlebe, dann aber die Ab-
schlussfeier im Olympiastadion." Die Vorfreude ist nicht zu überhören. Und zu Hause in Hamm sind die Olympischen Spiele
bei Luminita Zaituc bereits ein kleines Stück eingezogen: Die offizielle Kleidung liegt bereit. Ulrike Maisch, die mit Zaituc im
olympischen Marathon starten wird, hat sie vorbeigebracht. Luminita Zaituc ist startklar. Na dann - viel Glück!
ZUR PERSON: Luminita Zaituc
Alter       : 35 Jahre
Sportart    : Leichtathletik/Marathon
Wohnort     : Hamm
OS-Teilnahme: Premiere in Athen
Erfolge     : unter anderem Vize-Europameisterin 2002, Vize-Weltmeisterin Militär-Crosslauf
              2004
Verein      : LG Braunschweig

ACHIMER KURIER / VERDENER NACHRICHTEN vom 10. August 2004
Dieter Baumann ist sein Vorbild
Leichtgewicht Thiemo Klein auf der Mittelstrecke schwer im Kommen
Von unserem Redakteur Michael Schön
Achim. Michael Spöttel, Jürgen Schulze, Uwe Cordes . . . Die Reihe der im Dress der LG Kreis Verden erfolgreichen
Langstreckler ließe sich noch ohne weiteres fortsetzen. Doch in den vergangenen Jahren fehlte es an Talenten, die in der
Lage gewesen wären, an diese Tradition anzuknüpfen. Das scheint sich allmählich zu ändern. "Im Mittelstreckenbereich tut
sich “was", freut sich Helmut Behrmann, Sportwart der LG Kreis Verden. Unter der Regie des selbst auch noch immer
aktiven Crossspezialisten Uwe Cordes sind einige junge Nachwuchsrenner inzwischen zu erfolgreichen Wettkämpfern heran-
gereift. Allen voran Geronimo von Wartburg, Thiemo Klein und die
Niederkrome-Zwillinge.
Thiemo Klein (17) hat dabei vielleicht das größte Potenzial. Zwar hat der Achimer auf den längeren Mittelstrecken keine
Chance gegen seinen Vereinskameraden und Rivalen Geronimo von Wartburg ("Über 1500 m nimmt der mir gut zehn Se-
kunden ab"), doch über 800 und 1000 Meter hat der bei 1,76 Körpergröße nur 60 Kilo schwere Gymnasiast aus Achim
inzwischen die besseren Resultate vorzuweisen.
Dabei steht Thiemo Klein im Gegensatz zu dem bereits im Grundschulalter aktiven Göttinger erst ganz am Anfang seiner
Mittelstrecken-Laufbahn. Erst vor fünf Jahren erwarb er, ermuntert von sportbegeisterten Nachbarn, die Vereinsmitglied-
schaft beim TSV Achim. "Aber da habe ich vorläufig nur ‘Just for Fun”’ trainiert, keine Wettkämpfe bestritten", berichtet
Thiemo Klein. "Ernst" wurde es erst nach der Auflösung der Achimer Wettkampfgruppe, die ihn zum Wechsel nach Oyten
veranlasste, wo der bewährte Bernd Kunze die Trainingsleitung hatte.
Thiemo Klein trainiert inzwischen fünf Mal in der Woche. "Einmal in Oyten, einmal in Verden bei Uwe Cordes und dreimal
alleine oder mit Jens und Sven Niederkrome." Der Fleiß trägt mittlerweile reiche Früchte. Auf allen vier Mittelstrecken-
distanzen hat sich der junge Mann aus der "Vogelsiedlung" zum Überflieger gemausert. In diesem Jahr steigerte er seine per-
sönliche Bestzeit über 800 m um sieben Sekunden (2:02 in Delmenhorst), über 1000 m um fast vier Sekunden (2:41 in
Minden) und über 1500 m um zehn Sekunden (4:20 in Suderburg). Über 3000 m gelang ihm in Wunstorf ein Leistungs-
sprung auf 9:22. Auch seinen größten Erfolg überhaupt landete Thiemo in diesem Jahr. Bei den Landesmeisterschaften in
Verden belegte der B-Jugendliche den fünften Platz über 3000 m.
Großen Anteil an seinen Erfolgen schreibt der Achimer seinem Trainer Uwe Cordes zu. "Der läuft ja selber noch die Zeiten,
die er mit uns erreichen will, und der gibt einem wieder einen Schub, wenn es mal nicht so gut geklappt oder wenn man mal
keine Lust zum Training hat." Thiemo Klein, der im übernächsten Jahr sein Abitur machen wird (Leistungskurse Biologie und
Chemie), hat auch schon einen Ausflug zum Triathlon unternommen. Vor zwei Jahren startete er beim Ausdauer-Dreikampf
am Dümmersee. Doch das Schwimmen ist nicht "sein Ding. Da kommst du nicht gerade in einen Geschwindigkeitsrausch!"
Ohnehin ist sein Terminkalender gut gefüllt. Zur Leichtathletik und der Schule kommen auch noch die Fahrten mit den Pfad-
findern. Gerade erst ist der Gruppenleiter der "Wikinger" von einem dreiwöchigen Irland-Zeltlager zurückgekehrt.
Da im Moment wenig Wettkämpfe sind, hat der Schüler Zeit, die Olympischen Spiele zu genießen. Der Fernseher wird na-
türlich vor allem zu den Leichtathletik-Wettbewerben eingeschaltet. "Wie die Schwarz- und Nordafrikaner abgehen, das ist
schon heftig." Sein Vorbild ist allerdings ein Deutscher: 5000-Meter-Olympiasieger Dieter Baumann.

Presseinformation vom 12. August 2004 (Von Manfred Scholz)
Andrea Holzschuh startet eine zweite Karriere...
...und wird Europa- und Vizeweltmeisterin
Hameln. Einem kleinen Irrtum verdankt die frisch gebackene Europameisterin Andrea Holzschuh von der LG Weserberg-
land den Gewinn einer Gold- und einer Silbermedaille und damit den Start einer zweiten Karriere. Diese tollen Erfolge er-
reichte die 41-jährige Bannensiekerin bei den Europäischen Leichtathletik-Meisterschaften der Senioren im dänischen Aar-
hus. Schon am Anfang des Jahres hatte sie bei den Hallen-Weltmeisterschaften in Sindelfingen mit dem Gewinn einer Silber-
medaille über die 800 Meter in der Halle für Aufsehen gesorgt.
Wie hat eigentlich ihre sportliche Karriere begonnen?
“Zur Leichtathletik kam ich mit 11 Jahren. Nachdem ich in der Staffel unserer Schule mitlief, nahm mich eine Freundin mit
zum Training ins damalige Trainings-Zentrum. Hier trainierten Kinder im Alter von 9 bis 12 Jahren vier Mal in der Woche
jeweils zwei Stunden, um mit Beginn der siebten Klasse die Aufnahme an die Kinder- und Jugend-Sportschule zu erreichen.
Dieses Ziel blieb mir verwehrt, da ich im Rücken eine Wachstumsverzögerung hatte. So absolvierte ich eine Übungsleiter-
ausbildung und half im Trainingsbetrieb mit. Nebenbei trainierte ich und absolvierte Wettkämpfe bis zur nationalen Ebene”.
Als mit 18 Jahren die Wachstumsverzögerung ausgewachsen war, erhielt Andrea Holzschuh die Möglichkeit, auf dem so
genannten “2. Weg” zum damaligen SC Motor Jena delegiert zu werden. Zu DDR-Zeiten wurde man delegiert und konnte
nicht einfach hingehen und sich anmelden.
Nun war alles eitel Sonnenschein?
“Leider hielt mein Glück nicht lange an. Die Umstellung  auf zweimal Training am Tag und das an allen Tagen in der Woche
gelang nicht. Ich war schon nach drei Monaten für längere Zeit außer Gefecht gesetzt. Es folgten ständige Verletzungen und
Schwächungen des Immunsystems”.
War das nun das Ende der sportlichen Karriere?
“Das befürchtete ich auch, denn das System in der DDR lautete: Keine Leistung - ab nach Hause! Aber irgendwer im Ver-
ein schien an mich zu glauben. Ich bekam die Chance zur Bewährung für ein weiteres Jahr unter der Bedingung, die Strecke
zu wechseln. Die nächsten Jahre verliefen immer damit, das ich mir mit dem letzten Wettkampf der Saison meine Daseins-
berechtigung für die nächste Saison erkämpfte - bis ich 1988 beim Marathon landete.
Von da an ging’s bergauf?
“Ja, auf einmal stellten sich Erfolge ein: Ich wurde DDR-Meister im Cross und im Marathon, war Teilnehmerin an der
Cross-WM sowie beim ersten und letzten Länderkampf DDR - BRD und das tollste war, ich bekam nach sieben Jahren
Wartezeit 1988 eine Wohnung zugewiesen. Das klingt witzig, aber so war das eben”.
Die Wende hatte für Andrea Holzschuh positive und negative Folgen. Keine Firma konnte es sich leisten, Leistungssportler
zu beschäftigen, die nur ein Mal in der Woche arbeiteten. Sie stand vor der Wahl: Entweder den ganzen Tag am Schreib-
tisch sitzen oder ganz auf den Leistungssport setzen und davon leben. Sie entschied sich für den Leistungssport und erhielt
auch berufliche ein echte Chance, da der Thüringer Leichtathletik-Verband eine Sachbearbeiterin suchte.
Wie ging es dann weiter?
“Ich griff zu und lebte zwei Jahre lang ohne jegliches Privatleben - morgens um 6 Uhr verliess ich das Haus und kam gegen
22.00 Uhr zurück - dazwischen lagen viele Arbeitsstunden und zwei fixe Trainingseinheiten. Die positiven Aspekte der
Wende waren für mich existenziell. Ich erhielt Start- und Preisgelder, wovon ich mir endlich auch Möbel für meine Wohnung
kaufen konnte. Außerdem durfte ich etwas von der Welt sehen. Ich vertrat den DLV einige Male bei der Straßenlauf-
Weltmeisterschaft sowie bei Marathonstaffeln in Japan, China und Korea.
1993 bekam ich ein Angebot aus Michelstadt, noch einmal mit Profisport zu beginnen. Unter einem neuem Trainer trainierte
ich mich innerhalb kürzester Zeit kaputt, wurde immer schlechter und musste wieder anfangen zu arbeiten, weil meine Er-
sparnisse zur Neige gingen. Dabei lernte ich meinen Mann , Gerd Holzschuh, kennen und lieben. Er betrieb ein Fitness-
Studio und trainierte für den Triathlon. Als sich bald darauf Nachwuchs ankündigte, konnte sich mein Körper vom ständigen
Übertraining erholen.
Hatten Sie nun genug vom Leistungssport?
“Nicht wirklich, denn nach der Geburt unserer Marie fing ich ohne Ambitionen wieder mit dem Training an und nach
schnellen Fortschritten erhielt ich die Möglichkeit, bei dem sehr kompetenten Ausdauertrainer, Jürgen Wolf (Trainer im
Deutschen Skiverband) unterzukommen. Mit seiner Trainingsplanung erreichte ich meine besten Leistungen, 32:45 Minuten
über 10 Kilometer, 51:50 Minuten über 15 Kilometer und 71:44 Minuten im Halbmarathon. Nach der Geburt unserer
zweiten Tochter Maxi versuchte ich noch einmal an die nationale Spitze heranzukommen, aber nach einem Jahr kam die
Erkenntnis, dass es nicht möglich ist, mit zwei Kindern zwei Mal am Tag zu trainieren”.
Und nun ruhte der Sport?
“Nein, nachdem uns der berufliche Weg meines Mannes nach Hameln führte, las ich in der DEWEZET einen Bericht über
den Stadtlauf, meldete mich an und verbesserte die Bestzeit auf der 5000 Meter-Strecke um zwei Minuten auf 18:29 Minut-
en und im letzten Jahr noch einmal auf 18:20 Minuten. Als mich kurz danach Manfred Scholz, der Trainer unserer sportlich
hoffnungsvollen Tochter Marie bat, bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften für die LG Weserbergland über 3000
Meter zu starten, sagte ich nach reiflicher Überlegung zu und bereitete mich intensiv darauf vor. Kurz vor dem Wettkampf
zeigte sich der Irrtum und aus dem 3000 Meter- wurde ein 800 Meterlauf. Aus dem Langstreckentraining heraus gewann
ich das Rennen auf meiner Lieblingsstrecke in 2:23,56 Minuten und trug damit zum Mannschaftssieg bei. Dieser Lauf be-
reitete mir so viel Spaß, dass ich beschloss, eine zweite Karriere zu starten, die in Aarhus ihren Höhepunkt erreichte.
Was planen sie in nächster Zeit
“Ich befinde mich in der Regenerationsphase. Da ich durch die intensiven Vorbereitungen auf die EM vier Kilogramm Ge-
wicht verloren habe, soll sich mein Körper erstmal erholen. Das nächste Ziel ist ein 800 Meter-Rennen bei der DMM im
September und vorher werde ich meine Visitenkarte noch beim 17. Hamelner ssk-Stadtlauf im 5.000 Meter-Rennen am
27. August abgeben. Außerdem begleite und unterstütze ich meine Töchter Marie und Maxi beim Training und Wettkampf,
denn besonders Marie zeigt hoffnungsvolle Ansätze in der Leichtathletik und da kann ich viel weitergeben.

REGIONALE RUNDSCHAU / SYKER KURIER vom 14. August 2004
"Möchte unter den besten 20 sein"
14-jährige Katrin Maiboom (LC Hansa Stuhr) erstmals bei deutscher Meisterschaft
Von unserem Mitarbeiter Stefan Möller
Stuhr. Es ist 18.43 Uhr am Montagabend. Die Sonne steht nicht mehr so hoch am Himmel, dennoch zeigt das Thermometer
immer noch knapp 25 Grad an. Die meisten Varreler erholen sich von der Arbeit, weilen im Schwimmbad oder liegen ein-
fach auf der faulen Haut und genießen den schönen Tag. Nicht so Katrin Meiboom. Die 14-jährige Schülerin schwitzt auf
der Laufbahn, denn sie hat ein großes Ziel vor Augen: Teilnahme an einer deutsche Meisterschaft. Von so einem Highlight
hatte Katrin Maiboom schon immer geträumt, und an diesem Wochenende geht ihr Traum in Erfüllung. Seit neun Jahren ist
die junge Leichtathletin Feuer und Flamme für ihren Sport und sorgte während dieser Zeit schon für viele Schlagzeilen. Als
"großes Talent" und "ungeschliffenes Juwel" wird sie bezeichnet. Allein in diesem Jahr gewann sie die Kreis-, Bezirks- und
Landesmeisterschaft und schaffte zudem die Qualifikation für die deutschen Meisterschaften in Rhede. In der Disziplin Block
Wurf (Weitsprung, 80m Hürden, 100m Sprint, Kugelstoßen und Diskuswerfen) der Altersklasse W 14 will Katrin auch hier
das Maximum erreichen. Dafür trainiert sie dreimal die Woche mit ihrem Trainer Berthold Buchwald.
Auf ihre Ziele bei den nationalen Titelkämpfen angesprochen, bleibt Katrin ganz sachlich. "Realistisch kann ich es unter die
besten 20 schaffen, unter die ersten 15 zu kommen, wäre klasse." Bis vor einem Jahr sah es allerdings noch nicht nach einer
Teilnahme bei den "Deutschen" aus. Bei ihrem früheren Verein TuS Varrel brach die Mannschaft auseinander, und in ihrer
Altersklasse blieben lediglich zwei Leichtathleten übrig. "Ich musste mich damals entscheiden, was ich von mir selbst er-
wartete. Und mit der Entscheidung, mich dem LC Hansa Stuhr anzuschließen, habe ich die richtige Wahl getroffen." So
sehen es mittlerweile auch die zunächst skeptischen Eltern, die eigentlich den Ausschlag pro Leichtathletik bei Katrin ge-
geben haben. "Ich hatte immer Interesse an Fußball und wäre gerne einem Verein beigetreten, aber da ich schon immer sehr
schnell war, rieten mir meine Eltern, doch mal zur Leichtathletik zu gehen."
Ganz offenbar die richtige Entscheidung, denn Katrin Maiboom bringt viele Voraussetzungen mit, die eine gute Athletin be-
nötigt: Talent, Fleiß, Ehrgeiz und auch viel Selbstvertrauen. So um die 15 Wettkämpfe hat sie in diesem Jahr bereits be-
stritten, und die zahlreichen Medaillen sowie Pokalen in ihrem Zimmer dokumentieren ihre beachtliche Erfolgsbilanz. Dass
bei den vielen Wettkämpfen die Schule nicht zu kurz kommt, dafür sorgt Katrin selbst. Ein Klassenlehrer aus vergangenen
Tagen zeigte schon damals großes Verständnis für Katrins Leidenschaft, mahnte sie aber, doch tunlichst die Schule dabei
nicht zu vernachlässigen. "Das hat mich schon etwas geprägt. Ich bin mir dadurch der Bedeutung der Schule bewusst, und
darum steht sie auch an erster Stelle", stellte die 14-Jährige klar. Dennoch kann sie nicht leugnen, auch Vorteile durch ihren
Sport zu haben. "Natürlich werde ich im Sportunterricht häufig zum Vormachen aufgefordert, aber das macht einen ja auch
stolz", schmunzelt sie.
Der Erfolg und die Leistung rufen aber auch Neider auf den Plan, doch davon lässt sie sich nicht beeindrucken. "Leider wird
auch auf Wettkämpfen getratscht und es werden Gerüchte verbreitet. Wenn ich so was höre, stört es mich schon, aber ich
weiß ja, dass es nicht so ist. Darum lässt es mich auch kalt. Ich suche meine Konkurrenz nicht auf privater, sondern auf
sportlicher Ebene." Nicht ganz so kalt lässt sie das Wetter, denn Temperaturen um 30 Grad machen auch der sportlichen
Schülerin zu schaffen. "Das ist schon sehr anstrengend und kraftraubend, aber ich finde meine Motivation in dem Erfolg. Und
irgendwann merkt man die Hitze auch nicht mehr…" Auf die Frage angesprochen, ob sie nicht auch gerne ins Freibad gehen,
am Strand liegen oder mit ihren Freunden ein Eis essen würde, meinte sie, dass das schon verlockend sei. "Aber die meisten
meiner Freunde habe ich im Verein, ich bin dreimal die Woche mit ihnen zusammen. Und beim Training haben wir auch ´ne
Menge Spaß." An diesem Wochenende sollen sich die vielen Trainingsstunden so richtig auszahlen.

LANDESZEITUNG FÜR DIE LÜNEBURGER HEIDE vom 25. August 2004
Petersens neues Kämpferherz
Ein Comeback der besonderen Art
Lüneburg (so). Dass Sportlerinnen und Sportler gelegentlich Selbstzweifel haben, ist normal und unterliegt den Form-
schwankungen, die jeder aus dem Alltag kennt. Wenn aber Carola Petersen, Lüneburgs Sportlerin des Jahres, sagt: "Ich
wusste nicht, ob das noch so einfach geht" - dann ist das eine besondere Geschichte.
Der Reihe nach: Die 46-jährige Athletin der LG Lüneburg wurde jüngst in Dörpen Landesmeisterin im Kugelstoßen in der
Altersklasse W 45 mit 10,26 m, kam zudem mit dem Diskus auf Rang zwei (28,20 m). Schon für sich große Erfolge. Doch
im Grunde ist es der Beginn eines neuen (Sportler)-Lebens. Denn erst vor sechs Wochen wurde Carola Petersen ein Herz-
schrittmacher eingesetzt. "Ich hatte ständig Atemnot und Schwindelgefühle. Aber keiner hat was gefunden. Und irgendwann
hat es mir keiner mehr geglaubt. Ich wurde teilweise schon als die komische, verrückte Sportlerin angesehen", berichtet
Carola Petersen in ihrer humorvollen Art.
Schließlich wurde die entsprechende Diagnose gestellt: Die Ärzte stellten Herzstillstände von bis zu zwölf Sekunden fest. Es
musste schnell gehandelt werden. Natürlich war Carola Petersen erstmal "ziemlich geschockt". Doch ihr Kämpferherz verlor
sie nie. Sie besprach mit den Ärzten schnell, dass sie unbedingt weiter Sport treiben wollte. "Die haben mir den Schritt-
macher so eingesetzt, dass ich weitermachen kann. Es ist zwar eine leichte Behinderung, aber es geht." Sechs Wochen ohne
Sport waren nach der Operation angesagt. "Das war ungefähr die Zeitspanne bis zu den Landesmeisterschaften. Das hatte
ich gleich geplant." Schon einige Tage vorher war sie bei einem Sportfest in Fleestedt angetreten, hatte 10,60 m gestoßen.
Die bei der Fachhochschule beschäftigte Carola Petersen ist glücklich. Glücklich darüber, "dass es solche Behandlungs-
methoden gibt und dass ich weiter Sport treiben kann. Denn ich bin Sportlerin." Eine, die mit Argwohn auf das schaut, was
sich auch in ihrer Sportart bei Olympia abgespielt hat. Die russische Kugelstoß-Siegerin Irina Korschanenko war gedopt.
"Das macht einen schon wütend", sagt Carola Petersen, "hoffentlich wird weiter scharf kontrolliert."

GRAFSCHAFTER NACHRICHTEN vom 26. August 2004
Sport bringt mehr als Titel und Bestweiten
Seriensiegerin Kirstin Gnoth dominiert seit Jahren den Speerwurf auf Landes- und Bezirksebene
Gildehaus. "Endlich getroffen und den Speer nicht so hoch angestellt." So lautet der Kommentar von Kirstin Gnoth, als sie
bei der Landesmeisterschaft der Seniorinnen und Senioren in Dörpen im fünften Versuch 42,28 Meter erzielt hat. Und um
ihre Leistung zu bekräftigen, reckt sie demonstrativ den Wurfarm in die Höhe. Mit sechs Metern Vorsprung wurde sie am
Sonnabend erneut Landesmeisterin in ihrer Spezialdisziplin.
"Ich bin auf dem Sportplatz aufgewachsen", lacht die beständigste Speerwerferin der letzten zwölf Jahre im Bezirk und im
Land. "Schon als Drei- und Vierjährige bin ich mit dem Dreirad auf der Illoshöhe in Osnabrück herumgeradelt und habe
Sportlern Urkunden und Getränke gebracht." Mit der Neugründung der Leichtathletik-Abteilung im TuS Gildehaus im
November 1979 zählte die 1973 geborene Kirstin zu den jüngsten Schülerinnen. Vielseitigkeit war damals angesagt. Volks-
läufe standen ebenso auf dem Programm wie Dreikämpfe, bei denen früh ihre Wurfleistung auffiel. 1985 trat sie als Zwölf-
jährige zum ersten Mal bei der Kreismeisterschaft der C-Schülerinnen im Speerwurf an und wurde Zweite mit 13 Metern.
Ein Jahr später standen 17,10 Meter zu Buche. Ein kontinuierlicher Aufstieg begann: 1987 warf sie als A-Schülerin das
600 g schwere Gerät bereits 27,60 m und wurde Vize-Bezirksmeisterin. Und 1989 gelang ihr mit 37,20 Metern zum Sai-
sonabschluss der große Durchbruch. Als A-Jugendliche sicherte sie sich 1992 mit 39,26 m den Bezirkstitel und war zwei
Wochen später auch bei den Frauen siegreich. Damit eröffnete sie eine Serie, die bis heute von Erfolg gekrönt ist. Zwölfmal
wurde sie Meisterin des Bezirks Osnabrück; 2003 holte sie sich zum ersten Mal den Titel des Großbezirks Weser-Ems.
Reich an Erfolgen aber auch an Rückschlägen ist die Zeit ab 1992. Niederländische Studentenmeisterin wurde sie 1997, im
gleichen Jahr stand sie an der Spitze der Landesbestenliste. Im darauf folgenden Jahr wurde sie in Hameln Landesmeisterin
mit 45,14 Metern und steigerte den Bezirksrekord auf 45,93 m. Dieser Rekord wird in den Listen von Dauer sein, denn seit
Januar 1999 sind bei Wettkämpfen nur noch flugtechnisch veränderte Speere erlaubt, die eine zehn Prozent geringere Weite
zur Folge haben. Trotzdem warf sie mit dem neuen Speer 45,66 m und wurde auch mit diesem Gerät Bezirksrekordhalterin.
Im gleichen Jahr gewann sie bei den "Kleinen Deutschen Meisterschaften" Bronze mit 45,33 Metern. 2000 wiederholte sie
ihren Erfolg bei den Titelkämpfen der niederländischen Studenten. In diesem Jahr dekorierte sie sich mit Bronze bei der
deutschen Seniorenmeisterschaft (W 30).
Die Erfolgsserien wurden aber immer wieder durch Verletzungen unterbrochen. 1997 war es ein Achillessehnenanriss. Mehr-
mals bereitete ihr der Wurfarm Schwierigkeiten, so auch zu Beginn dieser Saison. Im Vorjahr fuhr sie mit großen Erwart-
ungen zur Seniorenmeisterschaft nach Celle. Ein einstündiger Stau zerrte an den Nerven und führte zu Verspätung. So
landete der beste Versuch bei für sie indiskutablen 40 Metern - Rang vier. Die Hoffnung auf eine Medaille war zerplatzt.
In den 90-er Jahren hat Kirstin Gnoth bis zu sechsmal in der Woche trainiert. Durch ihre Verletzungen hat sie gelernt, in sich
hinein zu horchen und ihren Trainingsumfang ihrem körperlichen Befinden anzupassen. So kommt sie auch heute noch auf
vier Einheiten in der Woche. Nach dem Abitur in Ochtrup 1993 studierte sie zunächst Fotografie an der Kunstakademie in
Enschede. Auch hier stand der Sport Pate bei ihrer Examensausstellung 1997 unter dem Motto: "Verhüllt - nicht enthüllt".
Die Ästhetik des menschlichen Körpers brachte sie an Modellen von Sportlern in Schwarz-Weiß-Aufnahmen zum Aus-
druck. Die Ausstellung fand bei einem breit gefächerten Publikum große Beachtung. Zwei Jahre später legte sie zusätzlich ihr
Examen in Malerei ab. Zum gleichen Zeitpunkt bot die Stadt Enschede selbstständigen Künstlern einen einjährigen Kursus
an, der mit einem Stipendium verbunden war und Einblicke in die Wirtschaft vermitteln sollte. Darüber hat sie den Weg zur
Steuerfachfrau in Osnabrück gefunden.
Speerwurf - das ist bei den Gnoths ein Familienunternehmen. Bruder Mark, mehrmaliger Landesvizemeister im Zehnkampf,
war früher ihr Trainingspartner. "Der ältere Bruder konnte alles besser", sagt sie im Rückblick. "Er forderte mich heraus, nur
so konnte ich meine Leistung steigern". Schmunzelnd fügt sie hinzu: "Den Wimpel, den Landesmeister bei der Siegerehrung
erhalten, habe ich aber bekommen." Seit zwei Jahren ist ihr Freund Matthias Strauß (OTB Osnabrück), der ebenfalls in
Dörpen Landesmeister im Speerwurf in der Klasse M 30 wurde, an die Stelle ihres Bruders Mark getreten.
Ihr Vater
Siegbert ist Vorbild und Trainer. "Ich hatte in ihm einen gnädigen Trainer", der viel Verständnis aufbrachte. Sie
weiß auch zu differenzieren. "Auf dem Sportplatz war und ist er Trainer, bei der Heimfahrt nimmt er die Vaterrolle wieder
ein". Ihre Mutter Annelise ist bei Wettkämpfen der ruhende Pol und Coach im mentalen Bereich.
Der Sport hat Kirstin Gnoth über zwei Jahrzehnte Erfolgserlebnisse vermittelt und zur Selbstbestätigung beigetragen. "Wäre
das nicht der Fall, würde ich nicht mit 31 Jahren an der Landesmeisterschaft teilnehmen", sagt sie. "Man lernt Biss und
Durchhaltevermögen." Eigenschaften, die sie beispielhaft auf ihren Beruf übertragen hat. Ihr Wunsch ist es, verletzungsfrei zu
bleiben und sich auch im kommenden Jahr der Konkurrenz zu stellen.

HAMBURGER ABENDBLATT vom 27. August 2004
Gerd Prinzler, der Erfolgstrainer vom Dorf
Wiepenkathen: Auf spielerische Weise wird der Nachwuchs an die Leichtathletik herangeführt und sorgt bundes-
weit für Aufsehen
Von Peter Hansaul
Stade. Die Leichtathletik, die Königin aller olympischen Sportarten, hat in Deutschland Exil auf dem Dorf gefunden. Und
eines dieser versprenkelten Nester, in denen seit Jahren besondere Talente heranreifen, ist Wiepenkathen. Offiziell gehört
die 2500-Seelen-Gemeinde zwar seit den 70er-Jahren zu Stade. Im Herzen aber sind die Menschen Wiepenkathener ge-
blieben. Einer von ihnen, der 50 Jahre alte Gerd Prinzler, ist der Garant für ein besonderes Lob. "Aus Wiepenkathen", so
heißt es bei den Leichtathleten Niedersachsens, "kommen die besten Werfer."
Wie
Sascha Cordes, das 17-jährige Speerwurftalent. Der Junge hat den Speer bereits 68,68 Meter weit geschleudert, er-
reicht mit dem Männerspeer Weiten um die 63 Meter und hat den Sprung in den C-Kader geschafft. Darauf ist Gerd
Prinzler natürlich stolz. Um Kinder für die Leichtathletik zu begeistern, opfert der Mess- und Regeltechniker, der im Kern-
kraftwerk Stade arbeitet, seit Jahren den größten Teil seiner freien Zeit. Prinzler ist zuerst einmal Trainer und Abteilungsleiter
der rund 200 Aktiven des TSV Wiepenkathen. Er ist darüberhinaus Jugendwart im Bezirk Lüneburg und in Niedersachsen
dazu Kadertrainer für die 14 und 15 Jahre alten Mehrkämpfer. Und in diesem Bereich hat er sich zwei seiner Musterschüler
gleich selbst herangezogen. Da ist zum einen der 14 Jahre alte Mirko Bohmann, der neue deutsche Meister im Achtkampf.
Und da ist zum anderen der ein Jahr ältere Henning Mohr, Landesmeister im Mehrkampf-Block "Wurf". Hinter diesem et-
was umständlichen Titel steckt eine Wettkampfregelung für junge Mehrkämpfer. Sie müssen alle 100 Meter sprinten, die 80
Meter Hürden laufen, weit springen und dann im Blockwettkampf Wurf noch die Kugel stoßen und den Diskus werfen.
Der Beginn seiner Trainerarbeit ist für Gerd Prinzler sozusagen exemplarisch. In Himmelpforten herangewachsen fand er zur
Leichtathletik und zum Mehrkampf, ehe er Fußballer wurde. Der Sport wurde für den Start ins Berufs- und Familienleben
zur Seite gelegt. Erst als Sohn André und Tochter Annette alt genug für den Sportplatz waren, fand auch der Vater zurück
zu seiner alten Leidenschaft.
"Ich achte darauf, dass unsere Kinder spielerisch an die Leichtathletik herangeführt werden", betonte Gerd Prinzler die
Grundeinstellung seiner Arbeit, "dabei muss aber gewissenhaft die Grundlage gelegt, also die Technik trainiert werden. Des-
halb sind meine Schüler seit Jahren in technischen, also in den Wurfdisziplinen, besonders erfolgreich." Den Erfolg seiner
Arbeit misst Gerd Prinzler allerdings nicht nur an Meistertiteln und nationalen Erfolgen. "Wenn bei mir ein Junge ist, der die
800 Meter in 2:50 Minuten läuft", so sagte er, "und der verbessert sich auf 2:35, dann freue ich mich darüber. Dann weiß
ich, der Junge hat an sich gearbeitet, der hat ein besseres Selbstwertgefühl bekommen. Und das halte ich für das Wichtigste."
Und warum wachsen Leichtathletik-Talente überwiegend in kleinen Gemeinden heran? "Weil dort das Freizeitangebot und
die Verführungen noch nicht ganz so groß wie in den Städten sind", sagte der Erfolgstrainer. "Es ist ja ohnehin schwer genug,
junge Menschen davon zu überzeugen, dass man sich auch schinden muss, wenn man etwas erreichen will. Und das geht in
der engeren dörflichen Gemeinschaft besser."
Andererseits weiß Gerd Prinzler, dass er in Wiepenkathen und Stade nur Zulieferdienste für die großen der Leichtathletik
wie Bayer Leverkusen, LG Göttingen oder LG Hannover leisten kann. Annika Meyer, die Prinzler beim VfL Stade fünf
Jahre lang ausgebildet hat, startet jetzt als Hürdenspezialistin für die LG Hannover. Tochter Annette, Landesvize-Meisterin
im Mehrkampf der Junioren, ist gerade dabei, den Spaß an der Leichtathletik in den Beruf mit hinüber zu nehmen. Sie stu-
diert Pädagogik in Oldenburg mit Leichtathletik als Schwerpunkt. Wenn die 22-Jährige aber zu Hause ist, unterstützt sie den
Vater als Co-Trainerin. Ob ihn das besonders stolz macht? "Ja, schon", sagte Gerd Prinzler und muss lachen. "Aber meine
Tochter ist inzwischen auch meine konsequenteste Kritikerin. Leicht habe ich es nicht bei ihr."

WESER KURIER vom 31. August 2004
Er läuft und läuft und läuft
Der spätberufene Marathon-Mann: Mit 75 Jahren ist Manfred Tjaben Europameister
Von unserem Mitarbeiter Stefan Freye
Bremen. Wenn einer 75 Jahre alt ist und es immer noch nicht lassen kann, wenn er auch in diesem Alter noch regelmäßig
auf die Marathonstrecke geht, dann scheint die Sache klar: Er ist seit frühester Jugend gelaufen und kann nicht anders. Oder
es geht ihm wie Manfred Tjaben. Der begann erst im Alter von 50 Jahren mit dem Laufen und fing spät Feuer für diesen
Sport.
Zuvor war der Bremer zwar nicht untätig. Beim Judo und als Turner war Tjaben aktiv. Aber so richtig los ging es erst, als er
die Laufschuhe anzog. Schuld waren seine Söhne, begeisterte Ruderer. Sie nahmen den Herrn Papa mit zum Ausgleichs-
training - und schon war die Leidenschaft geboren. Denn im Gegensatz zu anderen Sportarten entfachte das Laufen bei
Manfred Tjaben einen Ehrgeiz, den er bis heute nicht verloren hat. "Ich wollte beweisen, dass man auch im Alter noch etwas
bewegen kann." Als er im Alter von 52 Jahren sein Marathon-Debüt gab und gleich mit einer Zeit um die vier Stunden ins
Ziel kam, deutete sich bereits an, dass da noch mehr drin ist. Heute, 23 Jahre später, ist der Läufer des Trimmclubs Bremen
Marathon-Europa- meister der Altersklasse M 75: Anfang des Monats ließ er in 4:06 Stunden rund ein Dutzend Konkurr-
enten im dänischen Aarhus hinter sich. "Manchmal ist es eine Quälerei, aber mit dem Erfolg ist das vergessen", sagt Tjaben.
Vor Wettkämpfen wie der EM legt er jeden Tag im Training zwischen elf und 35 Kilometer zurück. Stets unterstützt von
Altmeister Heinz Spies, seinem Trainer - der bringt die theoretische Seite des Sports in die Vorbereitung ein. "Es bringt ja
nichts, immer nur Kilometer zu bolzen. Nach neuesten Erkenntnissen ist ein Mix unter anderem aus Gymnastik und kurzen
schnellen Läufen sinnvoller", erklärt Tjaben.
Warum er trotz seines hohen Alters noch zu Höchstleistungen in der Lage ist, weiß er auch nur zu gut: "Dass ich erst mit 50
angefangen habe, ist meine Chance. Viele habe sich vorher schon kaputt gelaufen." Manfred Tjaben dagegen läuft und läuft.
In Peking, New York und auf Hawaii war er dabei. Normalerweise mutet er sich einen Marathon im Jahr zu - in diesem Jahr
wird der Europameister im Dezember allerdings nochmals auf Hawaii antreten. Im kommenden Jahr wartet dann eine Ver-
anstaltung in San Sebastian auf ihn: In Spanien findet die Senioren-WM statt.

ACHIMER KURIER / VERDENER NACHRICHTEN vom 2. September 2004
Die dritte Karriere des Jürgen Hold
Ehemaliger Geher und Triathlet läuft so schnell wie nie
Von unserem Mitarbeiter Andreas Becker
Verden. Nein, mit dem Gesamtsieg des 6. Verdener Aller-Stadt-Lauf am morgigen Freitagabend wird er nichts zu tun
haben, da macht sich Jürgen Hold keine Illusionen. Das wäre ja auch noch schöner, mit 51 Jahren. Aber in seiner Alters-
klasse, da will er durchaus mal wieder vorneweg laufen. Seine Zeit über die zwölf Kilometer im Hauptlauf wird sich sehen
lassen können, da ist sich der LGKV-Läufer sicher. "Unter 46 Minuten will ich schon bleiben", hat sich Jürgen Hold vorge-
nommen. Und warum sollte das nicht klappen? Von Verletzungen ist Hold in diesem Jahr verschont geblieben, und dass er fit
ist, hat er nicht zu Letzt im Frühjahr bewiesen, als er beim Hannover-Marathon nach 2:46:51 Stunden über die Ziellinie lief.
"In diesem Jahr bin ich gut im Training", stellt Hold selbstbewusst fest. Auch an Erfolgen hat es bei ihm bislang nicht ge-
mangelt. So gewann er in seiner Altersklasse M 50 die Seniorenmeisterschaften in Bremerhaven über die Halbmarathon-
distanz in 1:18:19 Stunden. Obwohl er bereits alle Strecken von den 3000 Metern bis zum Marathon absolviert hat, sind ihm
die Rennen über zehn oder zwölf Kilometer am liebsten. Und Stadtläufe zieht er wegen der "unvergleichlichen Atmosphäre
und der Begeisterungsfähigkeit der Zuschauer" vor. Gute Voraussetzungen also, beim Aller-Stadt-Lauf einen angenehmen
Abend zu verbringen. Hier ist Jürgen Hold nicht nur Lokalmatador, sondern auch ein Läufer der ersten Stunde. Seit dem
ersten Lauf ist er in jedem Jahr dabei, und langweilig ist es ihm nie geworden. "Wenn man immer die gleiche Strecke läuft,
kann man seine Zeiten besser vergleichen", sagt er. "Mich interessiert schon, ob ich in meinem Alter die Leistung noch
bringen kann."
Erfolge hat Jürgen Hold in den 31 Jahren, die er Leistungssport betreibt, bereits viele gehabt. Genau genommen, ist der
Langstreckenlauf bereits seine zweite oder sogar dritte Karriere, denn in den 70-er Jahren hatte er seine beste Zeit als Geher
mit dem Gewinn der Norddeutschen Meisterschaften über 20 Kilometer. Im selben Jahr wurde er Achter bei den Deutschen
Meisterschaften über diese Distanz. 1983 begann er mit dem Laufen und mit Triathlon. "Ich hatte gesehen, dass ich im
Gehen erreicht habe, was ich erreichen konnte", sagt er in der Rückschau. "Außerdem habe ich gemerkt, dass es mit dem
Laufen auch gut geht."
Dass er einmal als Ausdauersportler Karriere machen würde, hätte Jürgen Hold als Jugendlicher nicht gedacht, denn im
Schulsport beeindruckte er eher mit schlechten Leistungen. "Ich hatte sogar mal eine Fünf im Zeugnis", erzählt er. Als er mit
dem Gehen anfing, waren solche "Niederlagen" vergessen, und als Langstreckenläufer ist er für die LG Kreis Verden längst
eine sichere Bank. "Nachdem einige jüngere Läufer abgesagt haben, gehe ich davon aus, dass Jürgen Hold am Freitag unser
schnellster Läufer sein wird", lobt Organisator Helmut Behrmann seinen Vereinskollegen.
Ob Jürgen Hold in Zukunft nochmal über die Marathondistanz an den Start gehen wird, steht in den Sternen. Insgesamt zehn
Läufe über die klassische Distanz hat er mittlerweile auf seinem Konto, doch der Zeitaufwand macht dem 51-Jährigen zu
schaffen. "Das stört die anderen Planungen, und man muss sich völlig darauf konzentrieren", sagt er. Auch das Gehen hat er
aufgegeben, doch manchmal kommt ein "Rückfall", wie Hold zugibt: "Aber nur für einen Kilometer oder ein bisschen länger."

LANDESZEITUNG FÜR DIE LÜNEBURGER HEIDE vom 8. September 2004
Schnelle Zeiten ohne Gemüse
Langstrecken-Talent Dennis Lauterschlag lebt für's Laufen --Traumziel: 10 Kilometer unter 30 Minuten
Lüneburg (jab). Den 22. August 2004 wird Dennis Lauterschlag so schnell nicht vergessen. An diesem Tag lief der 18-
Jährige bei den Norddeutschen Meisterschaften im 10-km-Straßenlauf in Wismar so schnell wie noch nie zuvor in seiner
Laufbahn, landete auf einem starken dritten Platz bei der Jugend A. "Geliebäugelt hatte ich mit einem Platz unter den besten
acht", sagt er. Und dennoch: "Nach dem Rennen war ich nicht zu genießen." Was war passiert ? Das Führungsfahrzeug der
Polizei hatte eine Runde ausgelassen, schon nach neun Kilometern war das Ziel erreicht. So ging Dennis' schnellster Lauf
nicht in die offiziellen Statistiken ein. Aber eine Woche später wurde er in Winsen immerhin Bezirksmeister über 5000 Meter.
"Wenn ich gewusst hätte, dass die Strecke in Wismar so kurz ist, hätte ich den Zweiten noch gepackt", ist sich der Leicht-
athlet vom TV Neuhaus sicher, "ich habe auf die Uhr geschaut und dachte, ich hätte noch eineinhalb Kilometer." 29:17
Minuten benötigte er für die knapp neun Kilometer. Hochgerechnet auf die volle Distanz hätte er seine Bestzeit von 34:20
wohl um eine gute Minute unterboten. Eines seiner mittelfristigen Ziele hätte er damit noch nicht erreicht: "Ich möchte mal
schneller laufen als die schnellste deutsche Frau." Dazu fehlen ihm noch gut zwei Minuten, den deutschen Rekord auf der
Straße stellte Irina Mikitenko (Frankfurt) mit 31:28 vor einem Jahr auf.
Aber Dennis ist ja noch jung. Vor fünf Jahren hat der Wirtschaftsgymnasiast aus Stapel im Amt Neuhaus "richtig angefangen"
zu laufen. Schon als Fünfjähriger nahm er an Volksläufen teil, die sein Vater Uwe, der ihn heute noch bei Wettkämpfen be-
treut, organisierte. Mit 13 dann bereitete er sich zum ersten Mal richtig auf Kreismeisterschaften vor. "Kurz vor dem Wett-
kampf bin ich aber krank geworden", erinnert er sich. Als er wieder gesund war, fuhr sein Vater mit ihm zum Harzlauf nach
Wernigerode, "damit ging es eigentlich richtig los". Seitdem ist er auf allen Strecken zwischen 1500 und 10 000 Metern zu
Hause. "Auf den kürzeren Strecken komme ich nicht aus dem Arsch", sagt er grinsend.
Mittlerweile lebt Dennis für das Laufen: "Ich rauche und trinke nicht, gehe nicht auf Partys oder in Discos. Dafür trainiere ich
fast jeden Tag", sagt er. Etwa 75 Kilometer läuft er in der Woche. Regelmäßig trainiert er auch auf der Bahn des MTV Treu-
bund Lüneburg. "Ich bin mit den Lüneburger Läufern gut befreundet", sagt er. Besonders mit Heinz-Dieter Cordes. Das
Lüneburger Lauf-Ass erstellt dem Nachwuchs-Mann hin und wieder Trainingspläne, gibt wertvolle Tipps - und ist neben
Haile Gebrselassie und Dieter Baumann sein großes Vorbild.
Dennis glaubt, dass er sogar noch 15 Prozent seines Könnens nicht ausnutzt. "Denn die Ernährung ist das einzige, was bei
mir nicht so gut ist", erklärt er, "ich mag halt wenig Obst und Gemüse." Sein Talent ist dennoch früh erkannt worden. Schon
vor fünf Jahren wollten ihn verschiedene Vereine abwerben. "Damals hatte ich aber noch Angst, wegzugehen", gesteht er.
Jetzt bereut er es manchmal, "ich bin für eine Förderung schon etwas zu alt. Deshalb werde ich wohl nie in der deutschen
Spitze auftrumpfen können." Einer seiner Konkurrenten hat den Schritt auf eine Sportschule damals gewagt: Tom Scharff
(Schwerin) ist mittlerweile Deutscher Meister in seiner Altersklasse. "Vor vier Jahren war ich noch schneller als er", sagt
Dennis.
Das nächste Ziel sind jetzt die Deutschen Cross-Meisterschaften Ende November in Bremen. "Ich rechne mir keinen Platz
aus, will Erfahrungen sammeln", sagt er. Das gilt auch für das nächste Jahr. Dann wechselt er in den Männer-Bereich, will
eine Ausbildung zum Bankkaufmann anfangen. "Deshalb sind meine Ziele nicht so hoch. Ich will meine Bestzeiten steigern."
Um irgendwann sein Traumziel zu erreichen: "Die 10 km unter 30 Minuten laufen."

BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG (Helmstedt) vom 9. September 2004
Drei Titel auf den kürzeren Strecken
Dill feierte Erfolge über 1500 und 5000 Meter
Dass kürzer besser sein kann, stellte Torsten Dill fest. Der Mittel- und Langstreckenläufer des TSV Lelm konzentrierte sich
seit dem Sommer des vergangenen Jahres auf die vergleichsweise kürzeren Strecken bis 5000 Meter. Dabei ist auf der Bahn
eine Menge Tempohärte nötig. Und Dill bewies, dass er in seiner Altersklasse zu den schnellsten im Norden gehört. Er
feierte seit August des vergangenen Jahres drei Meistertitel auf Norddeutscher und Landesebene. In der M 30 gewann er
die Norddeutschen Seniorenmeisterschaften über 1500 Meter und über 5000 Meter. Die längere Strecke bewältigte er in
der beeindruckenden Zeit von 15:49 Minuten. Seit diesem Jahr startet er in der M 35. Bei den älteren Senioren setzte er
seine Erfolgsserie gleich fort und lief auf der 5000 Meter-Strecke zur Landesmeisterschaft. "Alle drei Titel waren jeweils die
ersten für mich", freute er sich über die Erfolgsserie auf höchstem norddeutschen Niveau.
Der 35-jährige, der auch als Übungsleiter im Breitensport engagiert ist, feierte weitere Erfolge auf Kreis-und Bezirksebene.
Ein Triumph blieb ihm dieses Jahr allerdings verwehrt: Seinen Titel beim Helmstedter Stadtlauf “Rund um die Wälle” konnte
er nicht verteidigen. "Es war für mich ein wenig zu lang", gestand er nach dem Rennen über 10,4 Kilometer. Dill hatte sich
eben erfolgreich auf die kürzeren Strecken spezialisiert. (kr)

GRAFSCHAFTER NACHRICHTEN vom 16. September 2004
Der Ehrgeiz treibt Susanne Sloot voran
Leichtathletik: Nordhornerin wird innerhalb weniger Jahre eine feste Größe der regionalen Laufszene
Von Hartmut Abel
Nordhorn. Bereits zwei Minuten nach ihrem 10-km-Lauf bei der Nordhorner Meile, der von einem fulminanten Endspurt
gekrönt war, zeigte sich Susanne Sloot gut erholt und stellte mit einem gewinnenden Lächeln fest: "Insgesamt finde ich per-
sönlich die Strecke nicht leicht, aber sonst war es ein hervorragender Lauf, überall hörte ich meinen Namen, das motiviert
enorm." Ihr Lächeln vertiefte sich, als sie ihre Zeit von 43:37 Minuten registriert hatte. Damit war das vor dem Start der
Nordhorner Meile erklärte Ziel, als Läuferin des gastgebenden Vereins vorne einigermaßen "mitzutrumpfen", erreicht.
In der regionalen Straßenlaufszene ist Susanne Sloot zu einer festen Größe geworden. Viele Glückwünsche für ihre gute
Leistung und ihren vierten Platz in der leistungsmäßig stark besetzten Frauenklasse W 35 konnte die sympathische Athletin
des LCN im Zielauslauf entgegen nehmen.
Den Weg zum Langstreckenlauf hat sie vor sechs Jahren gefunden. Beim Mühlenlauf in Laar war sie ohne große Vorbereit-
ung an den Start gegangen. Ihr lockerer Laufstil fiel Klaus Eckstein auf, der erste Ratschläge gab und sie ermunterte, im folg-
enden Jahr bei der Nordhorner Meile mitzulaufen. Die Generalprobe war 1999 beim Meppener City-Lauf geplant. "Klaus
hat mich förmlich mitgeschliffen. Ich war super nervös, obwohl ich Prüfungen und Stress vom Beruf her kannte", erinnert sich
Sloot. In 53 Minuten bewältigte sie die Strecke - ein erstes Erfolgserlebnis. "Ich war stolz, stolz auch darauf, mit dem er-
fahrenen Klaus Eckstein einmal in der Woche trainieren zu dürfen."
Zu ihrer sportlichen Vorgeschichte gehört auch, dass Susanne Sloot als Kind eine vielseitige Leichtathletin war, dann über 20
Jahre im Reitsport aktiv war und als 14- und 15-Jährige ihre ersten sportlichen Lorbeeren im Dressurreiten erringen konnte
und sogar an Vielseitigkeitsprüfungen, unter anderem in Luhmühlen, dem Mekka des Reitsports, teilnahm. Ihr Beruf als
Einzelhandelskauffrau und Schauwerbegestalterin setzte ihr jedoch zeitliche Grenzen. "Ich musste ein anderes sportliches
Feld suchen, in dem ich flexibel bin. Außerdem sollte man mit 30 Jahren sportlich etwas Neues in Angriff nehmen", so ihr
Credo. Der Weg zum Langstreckenlauf war damit geebnet.
Nach ihrem Einstand bei der Nordhorner Meile 1999 zeichnet sich eine stetige Aufwärtsentwicklung ab. Ende August 2002
war sie in Rheine Schlussläuferin der 5 x 10-km-Staffel ihres Vereins. Ihre Zeit: 46:38 Minuten. Gemeinsam konnte sich das
Nordhorner Quintett über eine Zeit von 3:50:28 Stunden freuen - Kreisrekord. Am Jahresende wies sie die Statistik des
NLV auf der Spitzenposition in Niedersachsen aus, ein Erfolg, der auch in diesem Jahr in Oldenburg wiederholt wurde, wo-
bei Susanne Sloot ihre Teilstrecke in 43:34 absolvierte. Dieses Jahr eröffnete sie die Saison im März auf der anspruchsvollen
Strecke des Bentheimer Waldlaufs als Gesamtdritte der Frauen über die 10 Kilometer in 45:07 Minuten, wobei sie die
Klasse W 35 mit zwei Minuten Vorsprung für sich entschied. Ihre diesjährige Bestzeit erreichte sie mit 43:10 beim Pfingst-
lauf in Emlichheim.
Dreimaliges Lauftraining in Nordhorns Umgebung mit einem Umfang von 40 Kilometern bestimmt ihren wöchentlichen Plan,
dazu kommen noch zwei Schwimmtage, die der Regeneration dienen. Vorrangig ist sie Autodidaktin, die in der Anfangs-
phase die Ratschläge Klaus Ecksteins gern angenommen hat und einmal in der Woche mit ihm trainierte. "Das hat mir viel
gebracht", sagt sie. Das Buch des 16-fachen deutschen Meisters Herbert Steffny ("Fit for Fun") hat ihr weitere Anregungen
gegeben. Sein Vortrag Ende März im Bad Bentheimer Kurhaus hat bleibende Eindrücke hinterlassen, insbesondere im Er-
nährungsbereich. "Ich bin ein Genussmensch und möchte auch ohne Skrupel an den schönen Dingen teilhaben", verrät
Susanne Sloot. "Jetzt weiß ich, dass mein Körper durch das Training viel verbrennt, folglich brauche ich mich beim Essen
nicht ständig zurückzuhalten."
10 000-Meter-Läufe auf der Kunststoffbahn lehnt Susanne Sloot ab. Es ist für sie langweilig, 25-mal um die Bahn zu
kreisen. Da würde auch ihr ständiger vierbeiniger Trainingspartner, Schnauzer "Larix", nicht mitmachen. Ebenso sind Mara-
thonläufe für sie kein Thema, da der Trainingsaufwand zu groß und mit der beruflichen Position nicht zu vereinbaren ist, zu-
mal sie ab 2002 mit ihrem Bruder Uwe die Leitung des elterlichen Geschäfts übernommen hat. Ihre Urlaubsgestaltung ist
sportbetont. Skifahren in den österreichischen Alpen und Segeln auf der Ostsee. Susanne Sloot bekennt freimütig: "Ich bin
ehrgeizig".
Im Endspurt ist Susanne Sloot gefürchtet. Auf den letzten 100 Metern hat sie schon etliche Läufe für sich entschieden. Beim
Zieleinlauf vor dem Bentheimer Kurhaus meinte ein Jugendlicher bewundernd: "Donnerwetter, was hat die noch drauf!" Der
Sport hat ihr Gesundheit, Zufriedenheit und Ausgeglichenheit beschwert. Der Applaus, der sie auf den letzten Metern der
Nordhorner Meile begleitete, bestätigte: Susanne Sloot ist eine Sympathieträgerin des Langstreckenlaufs.

NIEDERELBE ZEITUNG vom 17. September 2004
“Nur nicht aufgeben” ist Ralf Salihs Devise
Ralf Salih und sein Vater Farook trainieren gemeinsam für Küstenmarathon
Von Lars Koch
Von allen Seiten bläst ihm der Wind ins Gesicht. Nur mühsam kann Ralf Salih (23) seinen Laufrhythmus beibehalten - dieses
Problem hatten jedoch alle Teilnehmer des Küstenmarathons im vergangenen Jahr. Dass die Seeluft in Hadeln stürmisch sein
kann,
weiß der Otterndorfer nur zu gut. Trotzdem hofft der Athlet für den Küstenmarathon am Sonntag auf besseres Wetter.
Den Beginn seiner sportlichen Karriere prägte jedoch nicht das Laufen. Anfangs spielte Ralf Salih noch Fußball, bis er im
Alter von 15 Jahren zum Triathlon wechselte. Die Spezialisierung auf das Laufen schien nur noch eine Frage der Zeit:
"Laufen war immer meine Paradedisziplin beim Triathlon."
Mit dem Beginn seines Studiums in Wirtschaftswissenschaften und Sport auf Lehramt nahm der Wechsel zum Laufsport
konkrete Formen an. Damals sei es schwierig geworden, für den Triathlon, speziell für das Radfahren und das Schwimmen,
zu trainieren. Laufschuhe hingegen könne man immer mitnehmen und "zwischendurch laufen". Seit 2003 startet Salih sogar
für den TV Langen in der Leichtathletik-Bundesliga. Er bestreitet die Wettkämpfe über 800 Meter, 1500 Meter und 5000
Meter. Längere Distanzen als 10 000 Meter läuft Salih in Wettkämpfen nicht. Er sei momentan im besten Alter für die
Mittelstrecke. "Aber ich möchte auch irgendwann einmal Marathon laufen", sagt der 23-Jährige.
Fahrradsturz und Wespenstich...
"Das Wichtigste ist, irgendwie anzukommen", sagt Salih, der noch nie einen Wettkampf aufgegeben hat, obwohl er während
eines Triathlons bereits nach einem Fahrradsturz "starke Schmerzen" hatte. Selbst der Wespenstich, den Salih kürzlich beim
Stader Altstadtlauf in die Lippe bekommen hatte, hinderte ihn nicht an seinem Sieg. Fragt man ihn nach seinen schönsten Er-
lebnissen im Sport, fällt Salih spontan sein Start bei den EWE-Athletics in Cuxhaven im vergangenen Juni ein. "Da waren
wirklich viele Spitzenläufer dabei", sagt Salih, für den die Teilnahme eine "Ehre" gewesen sei.
Während eines Triathlons hat sich Salih sogar schon einmal verfahren. Mit 16 nahm er an einem Wettkampf in Bad Beder-
kesa teil. Nach dem Schwimmen führte er das Feld an und habe eine Abzweigung "verfehlt". Ein freundlicher Autofahrer
machte ihn auf seinen Fehler aufmerksam. "Das war schon witzig", erinnert sich Salih. Am kommenden Sonntag tritt Ralf
Salih natürlich wieder beim Otterndorfer Küstenmarathon an und möchte seine Titel in der Cuxland-Wertung verteidigen.
Aber der Athlet gibt sich bescheiden: "Ich bin zufrieden, wenn ich eine bessere Zeit als im vergangenen Jahr laufen kann."
In der Salih-Familie ist der Sohn der Trainer
Ralf Salih ist aber nicht das einzige Familienmitglied, das am Küstenmarathon teilnimmt. Sein Vater Farook Salih, der ur-
sprünglich mit dem Laufen begann, um ein paar Pfunde zu verlieren, läuft bereits das vierte Mal über die Zehn-Kilometer mit.
In den vergangenen Jahren gewann er die Cuxland-Wertung in seiner Altersklasse. Natürlich verfolgt er in diesem Jahr das
selbe Ziel. Für Vater und Sohn ist der Küstenmarathon "das Highlight des Jahres", für das beide hart trainieren. Die beiden
laufen oft zusammen, wenn Ralf Salih während der Semesterferien zu Hause ist. Da komme es schon einmal vor, dass der
Vater den Sohn fragt: "Trainer, was soll ich machen?
Ein weiterer Bericht über Ralf Salih (vom 26.6.2004)

DELMENHORSTER KREISBLATT vom 23. September 2004
Warum ein Lehrer aus Hude in Chile Diskus-Vizemeister wird
Leichtathletik: Kurt Riep gewinnt aber noch viele andere internationale Titel
Von Anke Bayer-Thiemig
Hude. “Mein erster großer Erfolg war die chilenische Vizemeisterschaft 1975.” Der heute 66-jährige Kurt Riep wirft mit
Leidenschaft den Diskus. “Obwohl ich eigentlich mit meinem Körpergewicht immer viel zu leicht für diesen Sport war.” Oft
sind Diskuswerfer auch Kraftprotze. Beispielsweise Lars Riedel oder Jürgen Schult.
Aber eben seine Größe und sein Gewicht und “meine schlappe Haltung” haben Schulärzte bewogen, ihm zu raten, unbedingt
Sport zu treiben. Damals war Riep gerade 14 Jahre alt. “Das erste Gerät, was ich in die Hand bekam, war der Diskus.” Der
Diskus, dessen Vorgänger übrigens flache Kiesel waren, ist das älteste Sportgerät. Ursprünglich wurde Steindiskus ge-
worfen. Der pensonierte Haupt- und Realschullehrer mit den Fächern Sport, Biologie, Mathematik und Deutsch hat damit
schlechthin seine Leidenschaft gefunden. Ohne den Diskus ging eigentlich gar nichts mehr. Doch so richtig glanzvoll fing seine
sportliche Karriere erst an, als er und seine Familie für fünf Jahre an eine deutsche Schule nach Chile wechselten. Hier frönte
er seinem Hobby, nahm regelmäßig an Meisterschaften teil.
“Meine Frau hatte immer Verständnis für meinen Sport.” Grund für Riep nach erneutem Anfang in Hude, auch auf die
Wünsche seiner Frau, “etwas Gemeinsames zu machen”, einzugehen. Zwölf Jahre tanzten Gisela und Kurt Riep bis zur
Senioren-Spitzenklasse. Ein Unfall war Schuld, dass Riep sich erneut intensiv der Leichtathletik widmete. Riep gehörte
immer dem TV Hude an, hat viele Jahre die Volleyballer mit neun Mannschaften betreut und war dort auch Abteilungsleiter.
“Insgesamt war ich 40 Jahre Übungsleiter.” Zwei Mal wurde er in Hude zum Sportler des Jahres vorgeschlagen. Ein Leben
ohne Sport, für Riep unvorstellbar. Als Sportlehrer wurde er von seinen Schülern schnell akzeptiert. “Ich konnte ihnen ja
etwas vormachen.” Als Übungsleiter im Verein war er unverzichtbar. “Mit 60 Jahren war Schluss, ich habe alle Ämter
 niedergelegt.”
Erneut stark spielte wieder der Diskus eine Hauptrolle in seinem Leben. Der Diskus wog für seine Altersklasse nicht mehr
wie üblich zwei Kilo, sondern nur noch ein Kilo. “Und endlich kam meine Technik zur Geltung.” Drei Mal wurde Riep
Landesmeister, letztes Jahr belegte er bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften Rang vier. Gleicher Platz gelang ihm in
diesem Jahr bei den Europameisterschaften in Aarhus/Dänemark. “Da treffen sich an die 4000 Athleten, das macht unheim-
lich Spaß, da werden Kontakte geknüpft”, Riep ist so begeistert, dass es fast ansteckend ist.
War es früher der VW-Bus, der herhalten musste, um sich Südamerika anzugucken, steht heute ein Wohnmobil vor der Tür.
Die zwei Kinder der Rieps sind längst groß. Enkelkind Tim ist einmal die Woche bei seinen Großeltern. Wenn sie denn da
sind! Denn die beiden Reisehungrigen erleben die Welt. Nächstes großes Ziel ist San Sebastian in Nordspanien. Hier sind
die Senioren-Weltmeisterschaften im nächsten Jahr. “Das ist mein Ziel, wenn ich gesund bleibe.”

NORDSEE ZEITUNG vom 14. Oktober 2004
Konkurrenz läuft hinterher
Nele Dehnenkamp beherrscht auf Bezirksebene die Mittel- und Langstrecken nach Belieben
Beverstedt (kel). Der Wind weht kalt über die neue Tartanbahn der SG Beverstedt. Doch das stört Nele Dehnenkamp
nicht. In T-Shirt und knielanger Leggins spult sie auch bei 12 Grad ihr Trainingsprogramm herunter.
Nele, die heute (14. Oktober) ihren 15. Geburtstag feiert, ist eine begeisterte Leichtathletin. Besonders angetan hat es ihr das
Laufen. Begonnen hat sie mit dem Sport im Alter von neun Jahren. "Der LAV Bokel hat damals einen Cross-Lauf veran-
staltet, an dem ich einfach nur aus Spaß teilgenommen habe", erinnert sich die Schülerin. Weil sie ein ganz gutes Ergebnis er-
zielte, wurde sie von Verantwortlichen des Vereins angesprochen, ob sie nicht Lust hätte, zum Training zu kommen. "Seitdem
bin ich dabei."
Inzwischen hat die 15-Jährige schon beachtliche Erfolge erzielt. Fünf erste Plätze bei den Bezirksmeisterschaften, zwei zweite
und einen dritten Platz hat sie auf Bezirks- und Landesebene in diesem Jahr geholt. In der Bestenliste Niedersachsens findet
man sie in ihrer Altersklasse W 15  über 2000 m, 3000 m und 5000 m jeweils auf Platz zwei, in der höheren Altersklasse
weibliche Jugend belegt sie über 5000 m Platz eins. Konkurrenz hat sie in ihrer Altersklasse auf Bezirksebene keine mehr,
deshalb ist sie bereits in diesem Jahr in der Jugendklasse gestartet.
Der Reiz des Laufens liegt für sie in dem Gefühl, das sie hat, wenn sie im Ziel angekommen ist. "Es ist toll, wenn man den
inneren Schweinehund überwunden hat", sagt Nele. Und obwohl das tägliche Training für sie zur Selbstverständlichkeit ge-
worden ist, hat auch sie Tage, an denen sie keine Lust zum Laufen hat. "Dann versuche ich, mich zusammenzureißen und
trotzdem zu trainieren", sagt sie. Außerdem, fügt sie hinzu, stehe täglich ihr Trainer vor der Tür, um sie abzuholen. Ausreden
gibt es dann keine.
Tägliches Training
Trotz der täglichen ein bis zwei Stunden Sport bleibt der 15-Jährigen Zeit genug für die Schule und für Freunde. "Ich kann
mir die Zeit ganz gut einteilen, weil wir auf dem Sportplatz und beim Crosslaufen ja nicht an feste Zeiten gebunden sind", sagt
sie. Unterstützung bekommt Nele von ihren Eltern. "Die lassen mir völlig freie Hand, wie viel Zeit ich dem Sport widme", so
die Gymnasiastin, die die neunte Klasse der Waldschule Hagen besucht.
Während die 15-Jährige in dieser Saison auch Technik-Disziplinen wie Werfen und Weitsprung trainiert hat, will sie sich im
kommenden Jahr auf das Laufen spezialisieren. "Das macht viel mehr Spaß", sagt Nele, die in dieser Woche an einem
Jugend-Kadertraining auf Usedom teilnimmt. Dass sie mal nicht mehr Laufen geht, kann sie sich zurzeit nicht vorstellen.
"Zwei Jahre will ich auf jeden Fall noch weitermachen", sagt sie. "Wenn es dann mit der Schule noch gut läuft, natürlich auch
länger." Ihre Spezialitäten sind die Mittel- und Langstrecken. Für die kurzen Strecken bin ich einfach nicht schnell genug",
sagt sie selbstkritisch, auch wenn sie gern nur die 100 m laufen würde. "Wer auf kurzen Strecken schnell sein will, muss die
Begabung mitbringen, denn das Sprinten kann man sich nur eingeschränkt antrainieren”, sagt ihr Betreuer Jörn Beger.
Während Nele zur Entspannung an Volks- und Straßenläufen in der Umgebung teilnimmt, gibt sie der Tartanbahn den Vor-
rang, wenn es um schnelle Zeiten geht. "Hier habe ich meine Konkurrenz immer im Blick und weiß, wer noch vor mir liegt",
sagt sie - obwohl sie meistens vorneweg läuft.
==> Weitere Berichte über Nele Dehnenkamp vom 17. April 2004 / 26. Januar 2006 

ROTENBURGER RUNDSCHAU vom 18. Oktober 2004
"Zurzeit kann keiner im Kreis mit ihr mithalten"
Läuferin Natascha Schröder (10) brach 800-Meter-Rekord
Sottrum (az). Natascha Schröder ist das schnellste zehnjährige Mädchen im Landkreis Rotenburg. Das bewies die junge
Hassendorferin bei der Sommerlaufserie des TV Sottrum: Nach 17 Jahren gelang es ihr, den 1987 aufgestellten Kreisrekord
zu brechen. Sie lief die Strecke in 2:39,6 Minuten - der vorige Rekord lag bei 2:40,5 Minuten. Mit dieser Leistung wurde sie
gleichzeitig Bezirksmeisterin. Damit nicht genug: In diesem Jahr gewann Natascha in ihrer Altersklasse jeden Lauf, an dem sie
teilnahm. Sie konnte sich auf verschiedenen Strecken über erste Plätze beim Sottrumer Abendlauf, beim Rotenburger Auto-
meilenlauf sowie beim Citylauf in Osterholz-Scharmbeck freuen. Außerdem gewann sie den Kreismeistertitel in ihrer Alters-
klasse.
“Zurzeit kann keiner im Kreis mit Natascha mithalten”, ist ihr Trainer Rainer Loss überzeugt, der sich in der Kinderleichtath-
letikabteilung des TV Sottrum seit Anfang des Jahres ums Lauftraining kümmert. Unterstützung bekommt er von seiner Ehe-
frau Marlies Loss. Sie betreut seit vier Jahren die jüngsten Leichtathleten der Wiestegemeinde und vermittelt die drei Grund-
disziplinen Laufen, Werfen und Springen spielerisch. Seit zwei Jahren ist Natascha Mitglied im Turnverein. Warum sie sich
gerade für Leichtathletik entschieden hat? “Besonders das Laufen hat mir schon immer Spaß gemacht”, erzählt sie. Als sie
bei den Bundesjugendspielen gut abschnitt, entschieden sich die Eltern Holger und Birgit Schröder, ihre Tochter zum regel-
mäßigen Training anzumelden. “Auch, damit sie sich mal austoben kann”, erklärt die Mutter.
Dass der Realschülerin besonders das Laufen liegt, stellte sich erst Anfang des Jahres heraus. Da nahm sie, ohne vorher dafür
trainiert zu haben, an einer Crosslaufserie teil - und gewann diese prompt. “Sie hat wirklich viel Talent und ist mit Ehrgeiz bei
der Sache”, berichtet Trainer Rainer Loss. Der erste Erfolg motivierte das Mädchen - klar, dass sie auch die nächsten
Rennen gewinnen wollte. Kein Training, das sie sich freiwillig entgehen lassen würde. Sowohl an Sprint und Schnelligkeit als
auch an der Ausdauer wird in der Sommersaison zweimal pro Woche auf der C-Anlage gefeilt. “Die Kinder sollen lernen,
ihre Kräfte einzuteilen”, so Loss.
Mittlerweile haben es selbst Nataschas Trainer und Eltern bei einem gemeinsamen Lauf schwer, mit ihr mitzuhalten. Damit im
kommenden Jahr ähnlich gute Leistungen gezeigt werden können, wird auch im Winter einmal pro Woche trainiert. Denn:
Das erklärte Ziel für 2005 ist die Verteidigung der gewonnenen Titel in der neuen Altersklasse.

HAMBURGER ABENDBLATT vom 21. Oktober 2004
Paul Dittmer - mit Spaß zu sportlichen Höchstleistungen
Der 17 Jahre alte Schüler vom MTV Hanstedt gehört zu den größten deutschen Talenten im Hürdenlauf
Von Markus Steinbrück
Hanstedt. Kaum etwas deutet darauf hin, daß der junge Mann mit der blonden Wuschelfrisur und dem sympathischen
Grinsen einer der hoffnungsvollsten deutschen Hürdenläufer ist. Nur die Armbanduhr verrät seine wahre Leidenschaft. Der
Schriftzug "DLV-Hürdenteam" und ein Hürdenläufer zieren das Zifferblatt. "Die hat mir eine Frau nach meinem Sieg bei den
Landesmeisterschaften in Verden in die Hand gedrückt", sagte Paul Dittmer, unwissend, mit wem er es zu tun hatte. Die Uhr
scheint dem 17 Jahre alten Leichtathleten des MTV Hanstedt seitdem eine Menge Glück zu bringen. Drei Wochen nach dem
Geschenk wurde er in Jena deutscher B-Jugend-Meister über 110 Meter Hürden, startete erstmals beim Nachwuchs-
Länderkampf (U18) im polnischen Bydgoszcz im Nationaltrikot (zweiter Platz) und holte sich in Bremen den Nordtitel über
die höheren A-Jugend-Hürden.
Eine Erfolgsgeschichte, die fast aus der Not heraus geboren ist. Vor einem Jahr sah es gar nicht gut aus um die sportliche
Karriere des Paul Dittmer. Patellasehnenspitzensyndrom, lautete die ärztliche Diagnose. Es folgten Operationen an beiden
Knien. Nach vier Wochen sollte alles wieder in Ordnung sein. Tatsächlich konnte der Hanstedter erst zwei Monate später als
gedacht mit lockerem Laufen beginnen. "Die Operation hat nicht wirklich was geändert", sagte Paul Dittmer, er konnte nur
noch unter Schmerzen im Hoch- und Dreisprung starten. "Das federnde Element ist völlig verlorengegangen", sagte Trainer
Wolfgang Striezel. Heute hat sich Paul Dittmer auf Kurzsprint und Weitsprung spezialisiert. Die Leistungssteigerungen beim in
Kuala Lumpur geborenen Dittmer blieben nicht aus. In Fernost war und ist Vater Claus-Peter als Spediteur auf dem Schiffs-
sektor tätig. Die junge Familie mit Mutter Bettina, heute Lehrerin an der Haupt- und Realschule Hanstedt und Kollegin von
Trainer Wolfgang Striezel, und Tochter Joana (20) wohnten bis zu Pauls drittem Lebensjahr in Malaysia. Dann ging es ohne
Vater zurück nach Hanstedt. Mit drei Jahren begann Paul mit der Leichtathletik, machte seine ersten Gehversuche bei
Christa Striezel, der Olympiateilnehmerin von 1976 in Montreal. In den 70er Jahren war Christa Striezel zweifache deutsche
Weitsprungmeisterin.
Mit 13 Jahren wechselte Paul Dittmer in die Trainingsgruppe von Wolfgang Striezel (56). In Hanstedt trainiert der deutsche
Hürdenmeister, der sich als eher faul beschreibt und beruflich "irgendwie was Praktisches wie Physiotherapeut oder Stunt-
man" anstrebt, dreimal pro Woche in einer Gruppe von bis zu 25 Leichtathleten. Einen Umzug ins Sportinternat kann er sich
nicht vorstellen. "Für mich ist das Quatsch, das ist viel zu zeitintensiv. Ich habe zu wenig Vertrauen in die Trainer und wohl
auch zu wenig Ehrgeiz für so was. Ich will möglichst heil bleiben und weiter Spaß haben", sagte er. Das ist auch der Grund,
warum Wolfgang Striezel seinen Schützling behutsam an höhere Aufgaben heranführt. "Hochleistungssport ist harte Arbeit
und hat nichts mehr mit Spaß zu tun", sagte er.
Paul Dittmer ist in den Nachwuchskader (C-Kader) des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) im Hürdensprint ein-
gestuft worden. Daneben nimmt der Hanstedter auf Landesebene an Maßnahmen des Weitsprungkaders teil. Ein Angebot
der niedersächsischen Kurzsprinter, einmal pro Woche Technik und Kraft in Hannover zu schulen, hat das Erfolgsduo aus
Hanstedt abgelehnt. "Dieser Aufwand ist für mich als Berufstätiger nicht zu leisten", erklärte Wolfgang Striezel und fügte mit
einem Augenzwinkern an: "Außerdem sind dicke Beine beim Hürdenlauf nur hinderlich." Er möchte seinen Schützling Paul in
der kommenden Saison so wenig wie möglich über die höheren Männerhürden laufen lassen. "Die Umstellung von der B-
Jugend- zur Männerhürde ist gravierender als manche denken", sagte er.
Will Paul Dittmer, der in seiner Freizeit als Schlagzeuger der Rock-, Metal- und Crunchband "Xaporho" (Ohropax rück-
wärts) den Rhythmus vorgibt, im Jahr 2005 allerdings international mitmischen, und das möchte der Gymnasiast aus Winsen
unbedingt, dann sind Zeiten nahe der 14-Sekunden-Marke über die Männerhürden unerläßlich. Bei internationalen Meister-
schaften, wie der Junioren-Europameisterschaft (U20) in Kaunas in Litauen im Juli, wird nämlich über die 1,067 Meter hohe
Hürde gesprintet und nicht, wie in Deutschland üblich, über das 0,991 Meter hohe Hindernis. Ob die Zeit für Paul Dittmer
2005 schon reif ist, wird vom Saisonverlauf und seinem Gesundheitszustand abhängen.
Auf jeden Fall ticken die Uhren, und ganz besonders die des DLV-Hürdenteams, für ihn, ist der sympathische Wuschelkopf
doch auch 2006 noch in der A-Jugend und damit für die Altersklasse U20 startberechtigt. Das Ziel von Paul Dittmer ist die
Teilnahme an internationalen Wettbewerben. Das DLV-Trikot vom ersten U18-Länderkampf in Polen durfte er behalten,
weil der Leichtathletik-Verband zum 1. Januar 2005 den Ausrüster wechselt. Die Firma Nike löst "adidas" ab. Und das neue
Trikot hätte Paul Dittmer auch gern als Erinnerung im Schrank.

Immer schön locker bleiben
Die 14-jährige Speerwerferin Sarah Nöh lässt sich trotz früher Erfolge nicht drängen
Von unserem Mitarbeiter Stefan Freye
Bremen. Wenn Sarah Nöh über den größten Erfolg der gerade abgelaufenen Saison spricht, ist sie noch immer ganz schön
aufgeregt: "Eigentlich wollte ich nur möglichst viele Punkte für die Mannschaft holen - und dann so ein Wurf." Es war beim
Finale der deutschen Schülermannschaftsmeisterschaften in Hannover, als die 14-Jährige den Speer auf satte 44,44 Meter
schleuderte. Eine Weite, die ihr den zweiten Platz in der deutschen Bestenliste ihrer Altersklasse W15 einbringen dürfte.
Das ist stark, nationale Spitze eben. Und es fordert nicht wenige Menschen geradezu heraus nach der großen Frage an die
kleine Werferin: "Und später fährst du bestimmt mal zu Olympia?" Wenn sie so was hört, rollt Sarah mit den Augen. Die un-
befangene, fröhliche Schülerin wird dann für einen kurzen Moment ernst: "Alle reden schon von Olympia, ich sage dann
immer: Bleibt mal locker, nachher schaff ich das gar nicht." Sarah Nöh ist ein aufgeweckter Teenager, sie weiß etwas anzu-
fangen mit realistischen Zielen. "Erst einmal", sagt sie deshalb, "möchte ich im nächsten Jahr an den deutschen Jugend-
meisterschaften teilnehmen." Die Chancen stehen nicht schlecht. "Sie hat eben Talent, gerade für den Wurfbereich", findet
ihr Trainer Eckhard Schweiger von der BTS Neustadt.
Über den Vereinskollegen Hubert Kerdellant bekam er vor rund anderthalb Jahren einen Tipp: In dessen Syker Schulklasse
warf ein Mädchen den Schlagball rund 60 Meter weit. Eine ziemlich starke Leistung, aufgestellt - wir ahnen es - von der da-
mals erst 13-jährigen Sarah Nöh. Das Talent schloss sich der BTS Neustadt an und konnte doch nicht regelmäßig trainieren,
weil die ständigen Knieschmerzen störten. Erst als bei einer Operation etwas Knorpel entfernt wurde, ging es bergauf. Aller-
dings zwang die OP zu einer langwierigen Rehabilitation, so richtig intensiv trainiert Sarah den Speerwurf erst seit Ende des
letzten Jahres.
Dass sie sich innerhalb von so kurzer Zeit auf eine Weite jenseits der 40 Meter verbesserte, ist die eigentliche Überraschung.
Sie lässt vermuten, dass Sarah Nöh sich noch ein gutes Stück steigern kann. "Ich kriege etappenweise das Gefühl für den
Speer", sagt sie, "perfekt bin ich noch nicht." Dafür aber schon recht erfolgreich: Bei den norddeutschen Meisterschaften auf
Platz 11 gewann Sarah die Vizemeisterschaft im Speerwurf und im Kugelstoßen, zudem holte sie die Bremer Meisterschaften
in diesen Disziplinen und verbesserte mehrfach die Landesrekorde.
In Halle nimmt die Realschülerin aus Heiligenfelde an einem D/C-Lehrgang des DLV teil. "Ich hoffe, dass es so weiter geht",
meint ihr Trainer. Dabei weiß Eckhard Schweiger nur zu gut, dass er "vorsichtig sein muss mit Prognosen." Überschwängliche
Erwartungen würden die Entwicklung seines talentierten Schützlings gewiss nicht positiv beeinflussen, sondern nur unnötigen
Druck erzeugen. Genau das kann Sarah nicht gebrauchen: "Ich setze mich nicht unter Druck, dann klappt es sowieso nicht."
Immer schön locker bleiben - das gilt für ihre Entwicklung, und für Olympia sowieso.
Ein weiterer Bericht über Sarah Nöh (vom 31.7.2004)

CELLESCHE ZEITUNG vom 27. November 2004
Heinz Colsmann wird am Sonntag 85 Jahre alt
Teilnahme an zwei internationalen Meisterschaften im kommenden Jahr geplant
Ein Marathon in Portugal, ein Wettkampf auf Hawaii, ein Kräftemessen in Japan oder einfach nur Training im Celler Wald -
Heinz Colsmann erläuft sich die Welt. Er führt die Bestenlisten der Senioren im Laufen an und es gibt kaum jemanden auf der
Welt, der ihm in seiner Alterklasse das Wasser reichen kann. Am morgigen Sonntag feiert Colsmann - man mag es kaum
glauben - seinen 85. Geburtstag.
Erst mit 50 Jahren kam der Jubilar, der zuvor Handball spielte und Mitglied bei Eintracht Celle war, zur Leichtathletik und
zum TuS Celle. Als Colsmann das Sportabzeichen machte und den anderen Läufern vom TuS auf den 3000 Metern in Best-
zeit davonlief, entdeckte er sein Lauftalent. Seitdem hat Celles Laufwunder immer wieder wichtige Wettkämpfe gewonnen
und an den großen Läufen überall auf der Welt erfolgreich teilgenommen. Zur Zeit führt er die deutsche Senioren-Bestenliste
der Altersklasse M 80 über 3000 Meter mit 17:38,9 Minuten und über 5000 Meter mit 31:13,7 Minuten an. Dabei sind
seine Konkurrenten noch fünf Jahre jünger, da es in vielen Wettkämpfen die Alterklasse M 85 gar nicht gibt.
Die Bestenlisten des Niedersächsischen Leichtathletikverbandes (NLV) 2003 führt er seit 1989 in der Alterklasse M 70
über die 4x-100-Meter-Staffel in 62:20,0 Minuten mit seiner Mannschaft an. Neben 15 Norddeutschen und Landes-
Senioren-Titeln wurde Colsmann 1984 Europäischer Seniorenmeister in der Altersklasse M 60 über 25 Kilometer im Berner
Oberland und lief die Strecke in sensationellen 1:52:03 Stunden. Außerdem war er in der Deutschen Mannschaft, die in
Rumänien über zehn Kilometer Straße Europäischer Seniorenmeister wurde. Doch es zieht ihn nicht nur in die weite Welt.
“Jeden zweiten Tag laufe ich zehn Kilometer durch die Altenceller Wälder”, so der morgen 85-jährige Spitzenläufer, der
seinen Sport trotz aller Leistungen und Auszeichnungen als Freizeitsport betreibt. Dabei entspannt er und bekommt so den
Kopf frei. Ein Geheimrezept für seine herausragenden Leistungen bis ins hohe Alter hat der Heimatsportler des Jahres 1980
nicht. “Ich esse alles, was mir schmeckt.” Er weiß aber, dass Trainieren das Wichtigste ist.
Alles, was er vom Laufen wissen musste, hat sich Colsmann selbst beigebracht. “Das schöne daran ist, dass man wegen der
vielen internationalen Wettkämpfe viel unterwegs ist”, findet er, “ich bin eben ein Reiseonkel und habe das nie bereut.” Seine
aufregendsten Läufe hatte das Celler Laufwunder auf Hawaii und in Honolulu. Wie es ist, immer der Beste zu sein weiß er, ist
aber trotz allem bescheiden geblieben: “Das spornt mich nur noch mehr an, gute Leistungen zu bringen.” 42-mal hat das
Geburtstagskind nun bereits sein Sportabzeichen in Gold geschafft, das ihn damals zum Laufen gebracht hat. Und noch heute
läuft er von 100 über 10 000 Metern bis zum Marathon sämtliche Strecken in Spitzenzeiten.
Für das kommende Jahr plant Colsmann, an zwei internationalen Meisterschaften in Portugal und Spanien teilzunehmen. “Ich
hoffe, dass ich weiterhin körperlich und geistig fit bin”, sagt er, “damit ich diesen Herausforderungen gewachsen bin.”
Seinen Ehrentag feiert er mit seiner Lebensgefährtin sowie Freunden und Bekannten.
(Stephanie Pröve)
Ein weiterer Bericht über die Läuferfamilie Colsmann (vom 12.11.2003)

DEWEZET (Hameln) vom 1. Dezember 2004
Silke Rauchberger: Nach tollem Jahr große Ziele
VfL-Leichtathletin holt Landesmeistertitel im Weitsprung und mit der Staffel /
Bei DM Platz vier und Bestleistung
Eine stark nach oben ausgerichtete Leistungsentwicklung - dieses Fazit kann Hamelns VfL-Leichtathletin Silke Rauchberger,
die für die LG Weserbergland startet, aus der abgelaufenen Saison 2004 ziehen. Bereits mit vier Jahren begann sie mit dem
Kunstturnen und machte 1996 erste "Gehversuche" in der Leichtathletik bei Uwe Petersen. 1998 wechselte Rauchberger zu
Trainer Anton Ruscheinsky, mit dem sie auch heute noch ein starkes Team bildet. Nachdem die letzten beiden Jahre von
Verletzungspech gekennzeichnet waren, begann 2004 nach intensivem Aufbautraining schon die Hallensaison positiv.
Der Start in die Freiluft-Saison im Mai glückte (trotz Abi-Stress) optimal - mit zwei neuen Bestleistungen über 100 und 200
Meter. Bei den Landesmeisterschaften in Wilhelmshaven freute sie sich die Leichtathletin über Titelgewinne im Weitsprung
und in der 4 x 100 Meter-Staffel, mit der sie deutsche Jahresbestzeit lief. Es folgten der Staffeltitel bei den norddeutschen
Titelkämpfen und der 9. Platz mit der Staffel bei den deutschen Meisterschaften. Den Höhepunkt der Saison bildeten ohne
Zweifel die deutschen Junioren-Meisterschaften: Mit einer weiteren Steigerung auf 5,99 Meter landete sie im Weitsprung auf
dem viel umjubelten vierten Platz. Mit Staffel-Silber endete ihre bisher beste Saison.
Auf ihren Studienwunsch Medizin bereitet sich die 20 Jahre alte Abiturientin zur Zeit mit Praktika im Hamelner Krankenhaus
an der Weser vor, und nach harten Trainingseinheiten entspannt sich Silke Rauchberger beim Geigespielen, Lesen oder Kino-
besuchen. "Ich hoffe auf eine verletzungsfreie Saison 2005 und den ersten Sprung über sechs Meter", sieht die sympathische
Sportlerin optimistisch in die Zukunft.
(olz)

DEWEZET (Hameln) vom 1. Dezember 2004
Peitzmeier: Auch mit 60 noch große Klasse
2004 war sein Jahr: Drei Titel bei WM und EM
Wenn er mal nicht seine Spikes anzieht, um zu trainieren, dann fährt er mit seiner BMW-Boxer durchs Weserbergland und
träumt davon, diese Geschwindigkeiten auf die Tartanbahn zu übertragen. Gemeint ist Volker Peitzmeier, der für den VfL
Hameln und die LG Weserbergland von Sieg zu Sieg läuft. Dass er bereits 60 Jahre alt ist, sieht man ihm bei seinem exzell-
enten Laufstil eh nicht an.
Bei der deutschen Senioren-Meisterschaft dominierte er in seiner Altersklasse alle Sprintdistanzen und holte drei Titel. Seine
Karriere begann er als Schüler beim Turnen. Aber nur, weil am Ende immer ein Wettlauf stattfand. Obwohl er in kurzer Zeit
seine 100-m-Zeit von 12,5 auf 10,9 Sekunden verbesserte, sagte er aus Studien- und Berufsgründen dem Leistungssport
ade. Erst 26 Jahre später (1992) stieg er wieder ins Wettkampf-Geschehen ein. 2004 wurde sein bisher bestes Jahr. Nach
Gold bei der Hallen-WM sorgte er bei der EM mit Siegen über 100 und 400 m für Furore. Hätte er dort schon gewusst,
dass seine ständigen Oberschenkelprobleme an den alten Laufschuhen lagen, hätte er bestimmt noch zwei Staffel-Medaillen
gewonnen. Vor der DM kamen dann neue Schuhe, Erfolge und die Erkenntnis: “Viele Verletzungen wären mir erspart ge-
blieben, wenn ich besseres Schuhwerk gehabt hätte...”
(olz)
Ein weiterer Bericht über Volker Peitzmeier (vom 8.8.2002)

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 17. November 2004
Verspätet eingestellter Bericht - Das zuerst übersandte Fax war bezüglich der Texterkennung nach dem einscannen nicht brauchbar.
Lauf-Fan erlebte in Berlin den Fall der Mauer mit
Jeannette Horn lebte vor 15 Jahren im Ostteil der Stadt - Vor sechs Wochen lief sie ihren ersten Marathon
Mit ihren Kindern startet Horn für die LG Wilhelmshaven - Benjamin, Chris-Manuel und Samantha feierten
schon einige Siege
Von Lars Pingel
Wilhelmshaven. Nein, ein besonderer Tag war es gestern nicht für Jeannette Horn. "Es ist nicht so, dass ich jedes Jahr nur
darauf warte, bis endlich wieder der 9. November kommt, sagt die 34-jährige, die wie ihre Kinder Benjamin (10), Chris-
Manuel (8) und Samantha (7) seit dem vergangenen Jahr für die LG Wilhelmshaven bei Laufwettbewerben startet. Den 9.
November vor 15 Jahren erlebte sie im Ostteil der Stadt Berlin.
Die Erinnerung an den Tag - ein Donnerstag - ist natürlich noch lebendig. “Wenn ich die Bilder im Fernsehen sehe, sage ich
immer zu meinem Mann: Guck mal, da war ich auch", erzählt sie. "Ich denke immer noch gern zurück. Damals war ich 19
und wohnte in Berlin." Sie engagierte sich in dieser Zeit für die Aktion "Kirche von unten", die Proteste organisierte, und
nahm an Demonstrationen teil. "Erst jetzt weiß ich, wie gefährlich das eigentlich war. Uns ist nur aufgefallen, dass gegenüber
die Stasi stand. Wir haben uns aber nicht bedroht gefühlt." Und wie erlebte sie die Öffnung der Grenze? Das war wie ein
Film." Im Fernsehen verfolgte sie, wie Günther Schabowski, Mitglied des Politbüros, verkündete, dass Auslandsreisen ab
sofort möglich seien. Anders als viele andere blieb Jeannette Horn zu Hause. "Ich bin ins Bett gegangen. Erst am nächsten
Morgen fragte ich mich: Was war das denn?" Dennoch ging sie - sie war Archivarin bei einer Zeitung - zur Arbeit. "Dort
fehlte etwa die Hälfte der Kollegen. Erst am Sonnabend bin ich über den Checkpoint Charlie, wo wir vier Stunden warten
mussten, nach West-Berlin gereist, um dort Freunde zu besuchen, die im September noch ausreisen mussten. Später
arbeitete sie bei der Gauck-Behörde, wo sie ihren zweiten Mann, den Wilhelmshavener Thomas Horn, kennen lernte. Der
Marinesoldat war nach Berlin versetzt worden, um bei der Sichtung von Stasi-Akten zu helfen. Gemeinsam ging es für vier
Jahre nach England, ehe die beiden nach Wilhelmshaven zogen. Jeanette Horn, die ein Fernstudium zur Archivarin abge-
schlossen hat, arbeitet inzwischen als Bibliothekarin halbtags beim Senckenberg-Institut.
Vor etwa sechs Wochen hat sich Jeannette Horn einen Traum erfüllt. Beim Berlin-Marathon lief sie zum ersten Mal über
42,195 Kilometer. "Daran wollte ich schon immer einmal teilnehmen", sagt sie. Dies schaffte sie in einer sehr guten Zeit:
4:15:18 Stunden. Als Kind hat sie sogar Leistungssport betrieben. Als Neunjährige fiel sie ("Ich konnte nie lange stillsitzen")
in ihrer Schule einem Leichtathletik-Trainer von Lok Neustrelitz auf. Und sie hatte großen Spaß am Laufen, war talentiert.
1982 wechselte sie in die Sportschule des SC Neubrandenburg, trainierte dort viel und hart für die 400 sowie 800 Meter.
Zu ihren Mitschülerinnen gehörten zwei Athletinnen, die es später einmal bis in die Weltspitze bringen sollten. Die Sprinterin
Katrin Krabbe, 1991 Weltmeisterin über 100 und 200 Meter, war sogar in ihrer Klasse, ein Jahrgang darunter war Grit
Breuer, die unter anderem Olympia-Bronze in der 4x 400-Meter-Staffel gewann. Der Leistungssport und der damit ver-
bundene Druck, immer gute Ergebnisse erzielen zu müssen, gefielen Jeannette Horn allerdings nicht. Es war heftig, Schule
und Sport unter einen Hut zu bekommen", sagt sie. 1985 verließ sie mit Unterstützung ihrer Eltern die Sportschule und kehrte
nach Neustrelitz zurück. 1986 begann sie dann in Berlin eine Ausbildung zur Archivassistentin und hörte auf, Sport zu
treiben.
Zugeschlagen war das Buch aber nicht. "Mir war immer klar, dass ich irgendwann wieder anfange", sagt sie. Doch zunächst
ging der Beruf, dann die Familie vor. Einig war sie sich mit Ihrem Mann, dass ihre Kinder Sport treiben können, wenn sie
denn wollen. Die beiden Söhne versuchten es zunächst zwei Jahre lang mit Jiu-Jutsu, hatten daran allerdings keinen Spaß. Sie
brauchen noch mehr Bewegung, um sich auszupowern", erzählt Horn.
Der Jever-Fun-Lauf im vergangenen Jahr brachte dann alle auf die richtige Spur. "Wir haben die Kinder einfach zum Spaß
mitlaufen lassen. Das hat ihnen gefallen, und sie waren schnell." Also wurde ein Verein gesucht, in dem Lauftraining ange-
boten wird. Dieser war schnell gefunden, die LG Wilhelmshaven und ihr Trainer Hein Arians. "Das ist jemand, der Ahnung
hat. Bei Hein sind die Kinder super aufgehoben", sagt Jeannette Horn, die die Gelegenheit nutzte und während der Trainings-
einheiten ihrer drei Kinder selbst wieder mit dem Laufen anfing. Und so reist die ganze Familie - Thomas Horn war von An-
fang an als "Betreuer" dabei - seit einem Jahr zu vielen Wettbewerben. Benjamin, der in Esens einen Zehn-Kilometer-Lauf in
49:20 Minuten absolvierte, Chris-Manuel und Samantha sind dabei in ihrer Altersklasse oft siegreich. Ihre Mutter platziert
sich ebenfalls zumeist auf vorderen Rängen. Am meisten freuen sich die vier Lauf-Fans in der Familie aber darüber, dass
auch Thomas Horn Gefallen daran gefunden hat, ab und an die Jogging-Schuhe zu schnüren und mitzulaufen.

HAMBURGER ABENDBLATT vom 16. Dezember 2004
Ingo läuft immer vorne weg
Buxtehude: Beim 29. Crosslauf kam Ingo Schröter vom gastgebenden Post SV fast sieben Minuten vor dem
Zweitplazierten über die Ziellinie
Von Matthias Lorenz
Buxtehude. Einen Start-Ziel-Sieg legte Ingo Schröter vom gastgebenden Post SV Buxtehude beim 29. Crosslauf des Ver-
eins hin. Für die 9,2 Kilometer lange Strecke benötige er 33:40 Minuten. "Beim Start lief Ingo noch neben mir und kurz da-
rauf habe ich ihn gar nicht mehr gesehen", sagte Klubkollege Jörg Siedbrands, der mit 6:30 Minuten Rückstand Zweiter
wurde.
Während der vorher vereinslose Siedbrands erst vor einem Monat in den Post SV eintrat, ist Schröder bereits ein "Urge-
stein" des Vereins, so Abteilungsleiter Dieter Frischmuth. Bereits vor 20 Jahren wechselte Schröter vom TSV Buxtehude-
Altkloster zum PSV, war dort zunächst als Triathlet aktiv. Der längste von ihm absolvierte Triathlon, bestand aus 1500 Meter
Schwimmen, 60 Kilometer Radfahren und 15 Kilometer Laufen. "Laufen liegt mir am meisten, Schwimmen geht noch, aber
beim Radfahren bin ich eine ziemliche Niete", sagte Schröter, der außerdem den hohen Aufwand für das dreimal so zeit-
intensive Radtraining scheute.
Dabei bezeichnet er sein heutiges Lauftraining auch nicht mehr als aufwendig, obwohl er pro Woche 70 bis 80 Kilometer in
acht bis zehn Stunden absolviert. Vor etwa acht Jahren wechselte er von den Mittelstrecken (800 und 1500 Meter) zu den
Langstrecken. "Im Alter wird einem das schnellkraftintensive Mittelstreckentraining zu anstrengend", so Schröter lachend.
Schließlich sieht er mit seinen 37 Jahren noch keine Leistungsnachteile gegenüber der teilweise erheblich jüngeren Konkurr-
enz. In die Senioren-Wettbewerbe will er frühestens mit 40 Jahren einsteigen. Den Einstieg in seinen derzeitigen Beruf als
Sportschuhverkäufer bei Karstadt in der Hamburger Mönckebergstraße fand er ebenfalls durchs Laufen. Durch den Sport
lernte Schröter auch seine Ehefrau Ellen kennen, die außer Laufen Aerobic betreibt und Hunden das Apportieren beibringt.
Neben zwei Hunden, einem Golden Retriever und einem Flat Coated Retriever, haben die Schröters auch zwei sportliche
Kinder: Sohn Max (11) spielt Fußball im SV Ottensen, Tochter Svenja (13) voltigiert im Reit- und Fahrverein Buxtehude.
Für weitere Hobbys wie Gartenarbeit bleibt Ingo Schröter neben Familie, Beruf und Sport wenig Zeit. Sportlich geht es
schon am Sonntag beim Crosslauf in Winsen wieder rund. "Die Crossläufe sind eine gute Vorbereitung für die Straßensaison"
sagte Schröter, der Ende März bei den niedersächsischen Landesmeisterschaften im 10-Kilometer-Straßenlauf in Otterndorf
unter die Top Ten kommen möchte. Fest steht auch bereits der Termin für die 30. Auflage des PSV-Crosslauf, der am
11. Dezember 2005 gestartet werden soll. Dann hofft Spartenleiter Frischmuth auf mehr als die diesmal nur etwa 130 Aktive.
Außerdem soll beim nächstenmal die EDV besser funktionieren. Diesmal "purzelten" auf Grund technischer Probleme die
Teilnehmer in den Siegerlisten etwas durcheinander, so daß einige Urkunden fehlerhaft waren.

WALSRODER ZEITUNG vom 24. Dezember 2004
Mit dem Maxi-Cosi auf der Tartan-Bahn: Größtes Glück
Walsrode. Bislang kannten die Sportinteressierten der Region Annette Thimm nur, wie sie mit Spikes an den Laufschuhen
über die Hürden flitzt. Flitzen muss die 27-Jährige, die seit ihrer Heirat Funck heißt, immer noch. Denn seit dem 10. Oktober
ist sie Mutter eines quietsch-fidelen Zwillingspärchens. Die erstgeborene Ronja und Brüderchen Mika halten Annette und
André Funck ganz schön auf Trab.
Zwei Wochen vor der Geburt zogen die inzwischen zur “kleinen Groß-Familie” avanc-
ierten Funcks von Hannover nach Walsrode und feiern nun heute zu viert das Weihnachtsfest. ”Wir sind sooooo glücklich!
Das ist wirklich doppelte Freude”, strahlt Annette Thimm herzerfrischend, während ihre beiden Kleinen im Nebenzimmer
sanft schlummern, “angesichts dessen treten alle sportlichen Erfolge in den Hintergrund.”
Mit keinem Wort erwähnt die 100-Meter-Hürden-Spezialistin ihre durch die Schwangerschaft verpasste Olympia-Chance,
zumal eine Achillessehnen-Operation den Traum von Athen sowieso hätte platzen lassen. “Das hat also alles ganz gut so ge-
passt”, schmunzelt die gebürtige Benzerin, “zumal ich nun durch die Pause wieder vollkommen beschwerdefrei bin. Ich
möchte schon gerne wieder anfangen mit dem Leistungssport.”
Ihr Mann André, der inzwischen an der Walsroder Realschule (fünf Minuten zu Fuß) unterrichtet, unterstützt sie. Der Landes-
trainer der Zehnkämpfer fährt zwei-, dreimal in der Woche nach Hannover, um seine Schützlinge dort zu betreuen. “Ich war
auch schon wieder dabei und habe meine alte Trainingsgruppe besucht”, freut sich die junge Mutter, “da standen dann die
beiden Maxi-Cosis auf der Tartan-Bahn, alle wollten die Babys sehen - und die Kleinen haben sich gefreut.”
Zurzeit stehen ganz klar Ronja und Mika im Mittelpunkt des Lebens bei den Funcks, aber Annette will auf alle Fälle wieder
angreifen. “Ich werde es versuchen, wieder dort hin zu kommen, wo ich sportlich war. Wenn es dann nicht klappt, ist es
auch nicht schlimm. Denn die größere Herausforderung sind unsere beiden Kinder...”

OSTERHOLZER KREISBLATT vom 28. Dezember 2004
Hikmet Ciftci startet in der Bundesliga
SOL-Langstreckler läuft für den TV Langen
Von unserem Mitarbeiter Reinhard Bohling
Osterholz-Scharmbeck. Das Lächeln von Hikmet Ciftci wirkte gequält; denn die verletzungsbedingte Zwangspause be-
deutet für den passionierten Langstreckler eine Höchststrafe. Der 27-jährige zweifache Sieger des Osterholz-Scharmbecker
City-Laufs leidet an Druckschmerzen im Kniebereich, wird ärztlich betreut und kommt nunmehr über Aqua-Jogging nicht
hinaus.
In der Laufszene ist Hikmet Ciftci längst bekannt. Der Anruf des Leichtathletik-Bundesligisten TV Langen überraschte den
Bewegungsenthusiasten aber dennoch. "Bei denen soll ich nächstes Jahr die 5000 Meter laufen", freute sich der Osterholz-
Scharmbecker auf das Abenteuer. In dieser Saison erreichte der TV Langen den fünften Rang und peilt für 2005 sogar Platz
drei an. Trotz des Abstechers in die Bremerhavener Region bleibt Ciftci der SOL aber treu.
Positive Jahresbilanz
Zum Jahresausklang muss es der Läufer ruhig angehen lassen. Es bleibt die Zeit der Besinnung und Vorausschau. Nach einem
starken Saisonauftakt mit Siegen bei diversen Crossläufen blickt das Mitglied der Startgemeinschaft Osterholzer Leichtath-
leten (SOL) auf ein gutes Jahr 2004 zurück. Die 15:32 Minuten bei den Nordtitelkämpfen in Halberstadt über 5000 Meter
passten richtig ins positive Bild, obwohl der Kreisstädter trainingsmäßig den Schwerpunkt auf die Geländeläufe legte. Für
Mitte November hatte sich Hikmet Ciftci den Halbmarathon in Istanbul ganz dick im Terminkalender angekreuzt, aber aus
organisatorischen Gründen musste das Highlight in der Türkei ausfallen. So konzentrierte sich der Deutsche kurdischer Ab-
stammung auf die Cross-Nordtitelkämpfe in Heringsdorf (Usedom) und deutschen Meisterschaften in Bremen-Vahr. Auf der
Ostseeinsel bewältigte der Niedersachse die Mittel- und Langstrecke. Nach 3140 Metern rannte Ciftci in guten 9:59 Minuten
als Vierter ins Ziel. Dem SOL-Dauerleister steckten die Höhenunterschiede der Strecke noch arg in den Knochen, aber zwei
Stunden später lief er über die 7640 m lange Distanz auf Rang fünf. Trotz regennassem und harten Untergrund zeigten die
Uhren für ihn beachtliche 26:21 Minuten. Gut gewappnet für die DM auf der Bremer Galopprennbahn erwischten Hikmet
Ciftci aber Knieprobleme.
Nach der langen Vorbereitung wollte der vielseitige Läufer auf den Start über die Mittelstrecke (3900 Meter) nicht verzichten
und ließ sich ärztlich beraten und ausnahmsweise fitspritzen."Der Kopf war zwar nicht frei, aber Platz 44 nach 13:59 Minuten
sportlich ansprechend und das Erlebnis jedoch viel höher einzustufen", bereut der Cross- und Straßenläufer nichts.
Zusammen mit Ronald Kwapinski absolvierte er kürzlich die Trainer-C-Lizenz und betreut hier engagiert eine Gruppe junger
Leichtathleten. Beruflich hofft Hikmet Ciftci auf die Verlängerung seines idealen Zeitvertrages bei Atlas-Elektronik. "Arbeit
und Training müssen ja zusammen passen", kennt der Roadrunner die Problematik zwischen dem Tagesablauf Job, Kilo-
meterfressen und Tempoeinheiten. Zwar ist er der Leistungssportler noch jung an Jahren, aber Marathon scheint für ihn be-
reits mehr als nur ein Wort. "Lediglich hineinschnuppern", möchte der zähe Athlet ins Metier der 42195 Meter voller Leiden,
doch sein Blick spricht Bände...
Weitere Berichte über Hikmet Ciftci vom
22.8.2001 und 12.1.2004

BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG (Helmstedt) vom 28. Dezember 2004
Überstunden für ein Augenzwinkern
Julien Karn vom MTV Schöningen ist mit dem Landeskader auf der Jagd nach Bruchteilen von Sekunden
Von Kai-Uwe Ruf
Julien Karn schiebt Sonderschichten. Das ehrgeizige Leichtathletik-Talent des MTV Schöningen trainiert in Hannover mit
einem Kader des niedersächsischen Landesverbands, um seinen Zielen für das kommende Jahr näher zu kommen. Der 18-
Jährige hat sich dem weiblichen Sprintkader angeschlossen. "Ich hätte auch im männlichen Kader mittrainieren können", ver-
sichert Karn. Schnell genug dafür ist er. Schließlich raste er bei den Norddeutschen Meisterschaften im August in 11,17 Se-
kunden über die 100 Meter-Strecke. Wäre er die Zeit früher im Jahr gelaufen, hätte er sogar an den deutschen Meister-
schaften teilnehmen können.
Als Qualifikation für den Landeskader würde das allemal reichen. Wer die Norm für die Deutschen Meisterschaften erfüllt,
der ist dabei, weiß Karn. Die Norm liegt bei 11,20 Sekunden. Private und sportliche Gründe trieben Karn jedoch in die
Frauen-Trainingsgruppe. Hahn im Korb sei er dabei allerdings nicht, betont der Schüler des Schöninger Anna-Sophianeums.
"Da trainieren ein paar Jungs mit." Einen Star gibt es in der Sportgruppe auch. Cathleen Tschirch von der LG Weserbergland
gehört dazu. Die 25-Jährige war bei den olympischen Spielen in Athen Mitglied der deutschen 4x100-Meter-Staffel.
In der Leichtathletik-Halle des niedersächsischen Olympia-Stützpunkts in Hannover arbeitet Karn an Details. In seinem Sport
geht es um Bruchteile von Sekunden. Die Methoden, mit denen die Sprinter an ihren Bestzeiten feilen, sind allerdings manch-
mal etwas grob. "Wir wollen die Kraft-Übertragung verbessern", sagt Karn. Trainer Werner Scharf hat ihm dafür schweiß-
treibende Aufgaben gestellt. "Es gibt viele schöne Übungen", sagt Karn und gibt ein Beispiel. Um noch schneller zu werden,
soll er beim Sprinten den Oberkörper etwas weiter nach vorne beugen. Damit der Körper sich an die richtige Position ge-
wöhnt, schleppt Karn Gewichte hinter sich her, während er in der Halle läuft. Mit einem Band befestigt er eine 15 Kilogramm
schwere Metallscheibe aus dem Kraftraum an seiner Hüfte. Die Scheibe wird auf einer Teppichfliese gelegt. Dann spurtet
Karn über die Tartanbahn. 30 Meter volle Kraft. Fünf bis zehn Wiederholungen sind üblich. Das reicht nicht nur, um den
Oberkörper ein wenig mehr in Schräglage zu bringen. Danach sind auch die Beine des Schöningers schwer geworden.
Trotzdem genügt das allein noch nicht. Die Trainingseinheiten am Olympia-Stützpunkt dauern bis zu drei Stunden. Zu den
Standard-Übungen für Karn gehören auch Serien mit Läufen über 120 bis 250 Meter. Bummeln gilt nicht, gnadenlos zu rasen
bringt allerdings auch nichts. Der Trainer gibt exakte Zeiten vor. "Man braucht Übung, um das richtige Tempo zu treffen", hat
Karn festgestellt. Wer zu langsam läuft, macht keine Fortschritte, wer zu schnell ist, der leidet am Ende mächtig.
Um seine Ziele zu erreichen, will der Schöninger diesen Winter regelmäßig an seine Grenzen gehen. Ein bis zweimal pro
Woche steht das Training in Hannover auf seinem Plan. Schließlich hat er im Sommer eine Menge vor. Bei den Deutschen
Jugendmeisterschaften in Braunschweig vom 29. bis 31. Juli will er eine gute Platzierung ersprinten. "Die Qualifikation schaffe
ich sowieso", sagt Karn selbstsicher. Diesen Sommer war ihm die DM- Teilnahme allerdings noch verwehrt geblieben. Er
hatte die Norm um eine Hundertstel-Sekunde verpasst. Das ist nicht mehr als ein Augenzwinkern. Hinter dem stecken aller-
dings viele Stunden Arbeit.
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Ein weiterer Bericht über Julien Karn vom 25. Januar 2006  

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