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Extraseite

Dopingverdacht gegen Birte Bultmann (LG Braunschweig)

Neuste Info vom
9. Juli 2005

BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG vom 2. August 2004
Dopingverdacht gegen Bultmann
Zu hoher Nandrolonwert -- Läuferin ratlos
Von Stefani Franzke
Braunschweig. Es traf Birte Bultmann aus heiterem Himmel. Schriftlich teilte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV)
der Läuferin am 5. Juli mit, dass eine Urinprobe der 29-Jährigen bei der deutschen 10 000-Meter-Meisterschaft im Mai
in Borna positiv auf Nandrolon getestet worden sei. Die Konsequenz für die Athletin der LG Braunschweig: Sofortige
Suspendierung.
Von einem Tag auf den anderen brach für die Frau aus Zeven eine Welt zusammen. Als erstes platzte der Traum vom
Titel über 3000 Meter Hindernis, den sie bei der deutschen Meisterschaft in Braunschweig am 10./11. Juli gewinnen
wollte. Seit diesem 5. Juli nun wirbeln Bultmann und auch die LG Braunschweig, um die Sache zu klären. Doch seit dem
Wochenende ist zumindest die Konsequenz der positiven Dopingprobe - die Öffnung der B-Probe auf Wunsch der
Athletin hat das Ergebnis inzwischen bestätigt - offiziell: Birte Bultmann ist wegen des positiven Tests für zwei Jahre ge-
sperrt. Allerdings bleiben der Mittelstrecklerin nun zwei Wochen, um zu den Anschuldigungen Stellung zu beziehen. Daran
arbeitet die deutsche Vizemeisterin über 5000 Meter im vergangenen Jahr gerade mit Hochdruck.
"Ich wusste bis zu diesem Tag gar nicht, was Nandrolon eigentlich ist. Da musste ich mich erstmal im Internet schlau
machen", sagt die Industriekauffrau. Und: "Ich weiß noch immer nicht, wie es zu diesem Wert kam. Wir tappen völlig im
Dunkeln." 4,5 Nanogramm Nandrolon je Milligramm hatte der Verband in der Urinprobe von Birte Bultmann festgestellt.
Mehr als doppelt so viel, wie der Grenzwert (2,0) erlaubt. Die LG und Bultmann forschten nach, erinnerten sich, dass die
Athletin bei der deutschen Hallen-Meisterschaft Anfang Februar 2003 schon einmal zur Dopingprobe musste. "Jetzt haben
wir erfahren, dass der Wert damals mit 1,3 schon recht hoch war. Mitgeteilt wurde uns aber nichts", sagt Bernd Bröger
von der LG.
"Vielleicht ist es aber so, dass ich im Vergleich zu anderen Menschen einfach einen erhöhten Wert habe. Und am Tag vor
dem Rennen in Borna hatte ich einen heftigen Allergieschock. Vielleicht ist der Wert deswegen gestiegen", schildert Bult-
mann. Diese Möglichkeit wird sie unter anderem der Anwältin des DLV in den nächsten Tagen ausführlich schildern. "Ich
werde alles versuchen, die Sache zu klären. Ich weiß, dass ich nichts genommen habe. Dass ich jetzt so abgeurteilt werde,
ist schlimm." Daran, was passiert, wenn die Sperre endgültig verhängt wird, mag sie gar nicht denken. "Der Sport nimmt
in meinem Leben einen großen Raum ein. Jetzt von einem Tag auf den anderen das Licht ausgepustet zu bekommen…",
sagt sie - und ringt mit den Tränen.

BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG vom 3. August 2004
Bultmann kämpft gegen Doping-Sperre
Braunschweiger Läuferin beteuert Unschuld und sucht nach Erklärungen für zu hohen Nandrolon-Wert
Von Stefani Franzke
Braunschweig. Gestern veröffentlichte der Deutsche Leichtathletik-Verband den Dopingverstoß von Birte Bultmann. Bei
der Läuferin der LG Braunschweig war in der bei der deutschen 10 000-Meter-Meisterschaft entnommenen Urinprobe
Nandrolon festgestellt worden
(wir berichteten gestern). Nandrolon gehört zur Familie der anabolen Steroidhormone. Der
29-jährigen Läuferin droht nun eine zweijährige Wettkampfsperre. Um dies zu verhindern, hat sie knapp zwei Wochen
Zeit, den Sachverhalt aufzuklären. "Wir halten uns strikt an die gesetzlichen Vorgaben", sagte DLV-Mediendirektor Peter
Schmitt gestern.
Bultmann unterdessen beteuert ihre Unschuld und sucht nach Gründen für den erhöhten Nandrolon-Wert, erwägt sogar
die Überprüfung eines Mineralpräparats: "Es handelt sich um ein zugelassenes Mittel, das ich gekauft habe, weil ich im
Winter immer viel mit Erkältungen zu tun habe." Eine Analyse des Präparats allerdings müsste die deutsche Vize-Meisterin
über 5000 Meter des vergangenen Jahres selbst zahlen. Und: "Die Packung, die ich zu Hause habe, brauche ich gar nicht
einzureichen, weil nur ungeöffnete Behälter akzeptiert werden. Selbst wenn meine also verunreinigt wäre, würde mir das
nicht helfen."
Rückendeckung bekommt Bultmann nun auch von ihrem Verein. "Birte wird sich nun äußern. Ich kann es mir nicht anders
vorstellen, als dass dabei Tatsachen gefunden werden, die auch aus Sicht der zuständigen Fachleute den Vorwurf ab-
sichtlichen Dopings ausräumen. Wenn ich lese, dass nach intensiven Ausdauerbelastungen der Nandrolonwert im Urin
erheblich steigt, dann frage ich mich, ob nicht Zweifel an der Zuverlässigkeit der Methoden und Grenzwerte in Bezug auf
Langstreckler angebracht sind. Wie kann es sein, dass ein Ausdauersportler nach intensiver Belastung plötzlich vierfache
Werte aufweist und sich damit bei entsprechenden körperlichen Anlagen schon im Grenzbereich bewegt", fragt Bernd
Bröger von der LG. Doch die Aussichten auf Erfolg sind wohl trotzdem schlecht. Am Ende werden einzig die Ergebnisse
der A- und B-Probe zählen. Und die waren positiv.

Info von Bernhard Bröger / LG Braunschweig vom 1. August 2004 (hier eingestellt am 3.8.)
Liebe Freunde, Sponsoren, Mäzene und Helfer, liebe Athletinnen und Athleten
Neben der großen Freude über das hervorragende und erfolgreiche Auftreten unserer Athletinnen und Athleten beschäftigt
uns seit kurzem auch ein sehr unangenehmes Thema. Auf unglaubliche Weise hat das Thema Doping unsere LG erreicht.
Birte Bultmann wurde bei den DLV-Meisterschaften im 10.000-m-Lauf in Borna positiv auf Nandrolon getestet. Die
B-Probe bestätigte den Wert. Birte ist seit dem 9. Juli durch den DLV vom Wettkampfbetrieb suspendiert.
Sie selbst ist seitdem fassungslos, beteuert, dass sie Nandrolon weder kennt noch weiß, wie sie zu den Werten kommt.
Sie ist bereit, vor jedem Gericht zu beschwören, dass sie nie wissentlich verbotene leistungssteigernde Substanzen einge-
nommen hat. Wer Birte kennt, der weiß, dass sie keine “Erfolg um jeden Preis-Läuferin” ist. Und sie läuft auch nicht in
der Liga, in der lockender Reichtum labile Gestalten zur Manipulation verführt. Dennoch hatte sie einen Wert von 4,5
ng/ml. Als Grenzwert sind für Frauen und Männer 2,0 ng/ml festgesetzt. Ironie des Schicksals.: Bis vor kurzem galt für
Frauen der Wert von 5,0. Birte hat die Möglichkeit, innerhalb der nächsten zwei Wochen beim Disziplinarausschuss des
DLV die Aufhebung der Suspendierung zu beantragen. Sie wird dies tun. Sie muss dabei aber Fakten benennen, die ihre
hohen Nandrolonwerte erklären können.
Birte, ihr Freund Carsten Schütz und auch ich haben über Nandrolon recherchiert. Nandrolon wird körpereigen (endogen)
hergestellt. In Zusammenhang mit Krafttraining fördert es den Muskelaufbau. Außerdem dient es einer Verkürzung der
Regeneration. Als Obergrenze von normalen Werten gelten je nach Untersuchung 0,3 bis 0,6 ng/ml. Es heißt allerdings
auch, dass sich die Konzentration von Nandrolon im Urin nach längerer, intensiver Belastung vervierfachen kann! Birte
macht geltend, dass sie am Vorabend der DM in Borna einen allergischen Schub bekommen hat. Auf die Einnahme von
Medikamenten (das von ihr benutzte Medikament "Lora Puren” hat sie vom DLV vor längerer Zeit genehmigen lassen)
hat sie bewusst verzichtet, da es Nebenwirkungen haben kann (Müdigkeit). Jetzt muss von Experten die Frage geklärt
werden, ob sich ein allergischer Schub auf die Nandrolon-Produktion im Körper auswirkt.
Es ist davon auszugehen, dass Birte bereits einen höheren Grundwert hat als die meisten Menschen. Wie sie jetzt heraus-
bekommcn hat, wurden in Leipzig 2003 (Hallen-DM) bei ihr bereits 1,3 ng/ml festgestellt. Leider hat man ihr nicht mit-
geteilt, dass die Werte ungewöhnlich hoch sind. Weiterhin ist davon auszugehen, dass das außergewöhnlich harte 10 000-
Meter-Rennen in Borna (sie ist durch den Allergieschub am Vorabend bereits geschwächt in den Wettkampf gegangen)
ihren Grundwert vervielfacht hat.
Ich persönlich habe nach meinem jetzigen Kenntnisstand auch Zweifel an der Methodik des Nandrolon-Doping-Nach-
weises bei Ausdauersportlern. Wenn bei einem Sprinter nach leichtem Training nur ein leicht erhöhter Grundwert (von z.B.
1,1 ng/ml gemessen wird, dann ist das okay. Wenn bei einem Langstreckler nach intensiver Wettkampfbelastung der
Grundwert von 1,1 ng/ml auf 4,5 ng/ml steigt (ein biochemischer Prozess, gegen den er sich nicht wehren kann), dann gilt
er als gedopt.
Was Birte betrifft, so geht es ihr sehr schlecht. Man ist dabei, ihr für 2 Jahre den Wettkampfsport zu nehmen, der ihr so
viel bedeutet und in dem sie so aufgeht. Und außerdem ist sie mit der Suspendierung stigmatisiert.
Ich denke, dass sie unsere Unterstützung braucht.
Viele Grüße
Euer/Ihr
Bernhard Bröger

Info Webmaster vom 4. August 2004:  
Inzwischen ist auch im Internet die Info über die Nandrolon-Grenzwerte verfügbar. Der Bremer Journalist Herward
Schmidt erhielt auf die Fragen zum Dopingvorwurf gegen Birte Bultmann
- Ist der bei Birte Bultmann getestete und angeblich vom DLV genannte Wert von 4,5 ng/ml richtig oder welcher andere
  wurde festgestellt ?
- Liegt der (aktuelle) Grenzwert bei Frauen bei 5,0 ng/ml oder wie bei Männern bei 2,0 ng/ml ?
vom Leiter des Institut für Biochemie der Deutschen Sporthochschule Köln, Prof. Dr. Wilhelm Schänzer, am 3.8. folgende
Mail:
Sehr geehrter Herr Schmidt,
grundsätzlich ist nach dem World-Anti-Doping-Code der WADA, ein IOC/WADA akkreditiertes Labor nicht berechtigt,
zu Analysenergebnissen Auskunft zu erteilen. Allgemein zum Grenzwert für Norandrosteron: Es gibt einen Grenzwert für
Frauen, der bei 5ng/ml
lag. Dieser wurde von der WADA im Laufe des Jahres auf 2,0 ng/ml geändert. Leider ist diese
Information auf unserer
Webseite noch nicht korrigiert worden.
Mit freundlichen Grüßen
Wilhelm Schänzer
Anmerkung Webmaster: Inzwischen ist die Korrektur auf der Website des Institus erfolgt, mehr dazu hier

Eine Mail von Arno Büchel vom 4. August 2004: (Auszug)
Moin Klaus,
ich glaube, wir Alle, die Birte seit vielen Jahren kennen, wissen, daß sie ein grundehrlicher Mensch und zu einem solchen
Betrug nicht fähig ist. Deshalb braucht sie jetzt unsere Unterstützung.
Ich schlage deshalb vor, daß Du ein Forum einrichtest, wo wir aus Sicht der Aktiven, Freunde und Bekannten das Thema
angehen können.
Gruß
Arno
Kommentar Webmaster:
Auf meiner Home-Page gibt es bereits ein Forum, aufzurufen oben auf der Startseite. Nachdem jetzt aber auch diese Extra-
seite eingerichtet wurde, werde ich Mails zum Thema auch hier veröffentlichen.
(Es werden aber keine anonymen Mails veröffentlicht !!)

Zwei Forumeinträge zum Thema vom 8. August 2004

Ein
Forumeintrag zum Thema vom 9. August 2004    

LEICHTATHLETIK-news Nr. 34 vom 10. August 2004
Der Doping-Fall Birte Bultmann
"Warum gerade ich?"
Es traf sie wie aus heiterem Himmel. Nach den Deutschen Meisterschaften über 10.000 m am 20. Mai in Borna und einem
am Abend zuvor erlittenen allergischen Schock musste Birte Bultmann, die Deutsche Vizemeisterin über 5000 m aus dem
Jahr 2003, zur Dopingkontrolle. Die Probe stellte sich als positiv heraus. Der den Grenzwert (2,0 ng/ml) überschreitende
Wert betrug 4,5 ng/ml Urin. Hierzu lässt sich anmerken, dass der Grenzwert erst Ende letzten Jahres von 5,0 ng/ml bei
Frauen auf 2,0 ng/ml dem der Männer angeglichen, also herabgesetzt wurde. Nun ist die Braunschweigerin vom DLV
wegen des Verdachts auf Nandrolon-Doping suspendiert worden. Ganz nach dem Motto: Wer zu spät kommt, den be-
straft das Leben, denn letztes Jahr wäre noch nichts weiter passiert.
Die Änderung von 5 auf 2 ng/ml durch die Welt-Anti-Doping Agentur (WADA ) erfolgte aufgrund einer Studie einer vom
UK(Sport (GB) koordinierten Arbeitsgruppe, die zu dem Ergebnis kam, dass bisher keine Daten bekannt sind, wonach es
bei Frauen zu einer verstärkten endogenen (körpereigenen) Produktion des Norandrosteronmetaboliten oberhalb von
2 ng/ml kommen kann. Laut Aussage Bernhard Brögers, Organisationschef der LG Braunschweig, ist bei Birte Bultmann
bereits bei einer vorangegangenen Dopingprobe ein Wert im Grenzbereich festgestellt worden. Zudem gibt es Informatio-
nen von Medizinern, dass bei Allergikern in der akuten Phase sowie bei Ausdauerbelastungen durchaus bis zu vierfach er-
höhte Werte gemessen werden können. Dies liege medizinischen Erkundigungen Brögers zufolge an einer erhöhten Corti-
sonausschüttung in Stresssituationen wie Belastungen und Allergien (Cortison wirkt immunsupressiv). Und der Cortison-
metabolismus könne den endogenen Nandrolonstoffwechsel beeinflussen. Dadurch könne der Norandrosteronmetabolit im
Urin erhöht werden. Wenn man nun den erhöhten Grundwert von damals 1,3 bei Birte Bultmann (Normalpopulation 0,01-
0,3 ng/ml, mit Oberwerten von 0,6) zugrundelegt, ist man mit der Vervierfachung nach der Ausdauerbelastung bei den
Deutschen Meisterschaften und der allergischen Reaktion schnell sogar über 4,5 ng/ml. Zur Einschätzung der Erhöhungen
ist anzumerken, dass durch die Einnahme von 100 mg Nandrolon (eine Tablette) oder einer verwandten Verbindung, der
Nachweis des Norandrosteronmetaboliten im Urin bis weit über 10.000 ng/ml hochschnellen kann. Allerdings ist die Ab-
baurate auch relativ zügig: Bereits nach fünf bis zehn Tagen des Absetzens können Werte von 2-5 ng/ml erreicht werden",
so Prof. Schänzer vom Doping-Kontrolllabor der DSHS Köln.
Die Verunreinigungen bei Nahrungsergänzungen im Zusammenhang mit Nandrolon sind zwar bekannt, aber dennoch sollten
die Aussagen der Athletin, die in dieser Woche die Einspruchsfrist beim DLV wahrnimmt, ernst genommen werden. Denn
nur weil das Regelwerk Interpretationen der Überschreitung im Microbereich nicht vorsieht, sollte in Einzel- und Grenz-
fällen nicht darauf verzichtet werden. Birte Bultmann und ihr Umfeld werden jedenfalls nichts unversucht lassen, ihre Un-
schuld zu beweisen. Und sei es durch die Finanzierung oder Förderung einer Studie im Bereich der angesprochenen Pro-
blemfelder. (Jens Bodemer)

Zwei Forumeinträge zum Thema vom 12. August 2004

Vier
Forumeinträge zum Thema vom 13. August 2004

Ein
Forumeintrag zum Thema vom 14. August 2004

BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG vom 26. August 2004
DLV prüft Doping-Fall Birte Bultmann
Verfahren gegen LG-Läuferin nicht entschieden
Von Stefani Franzke
Braunschweig. Noch nichts ist im Fall Birte Bultmann entschieden. Die Läuferin der LG Braunschweig, die wegen
Dopingverdachts seit dem 26. Juli suspendiert ist, kämpft darum, ihre Unschuld zu beweisen. Zum Hintergrund: Die 29-
Jährige war bei der deutschen 10 000-Meter-Meisterschaft im Mai in Borna positiv getestet worden. In der Urinprobe war
ein erhöhter Nandrolon-Wert festgestellt worden. Bultmann hatte stets beteuert, nie verbotene Mittel eingenommen zu
haben. Die Athletin hat die Einspruchsfrist genutzt, wird inzwischen von einem Anwalt vertreten.
"Das Schiedsgericht des DLV wird in diesem Fall endgültig entscheiden. Zurzeit gehen unsere Fachleute den Fragen nach,
die zu diesem Fall im Raume stehen. Das zieht sich etwas in die Länge, weil einige Fachleute bei den Olympischen Spielen
sind", erklärte Tanja Haug, Justitiarin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) auf Nachfrage. Das sei aber durch-
aus im Sinne der Athletin. Immerhin sei es in ihrem Interesse, dass alle Angaben, die sie gemacht habe, genau geprüft
würden. So lange dies der Fall sei, bleibe Birte Bultmann suspendiert.
"Wir befinden uns aktuell in der Phase vor der Klageeinreichung. Ziel ist es, den Anschein, Birte Bultmann habe schuldhaft
gegen das Dopingverbot verstoßen, bereits im jetzigen, noch frühen Verfahrensstadium zu erschüttern. Hierzu bedarf es der
Darlegung eines alternativen und ernsthaft möglichen Geschehensablaufs, was zwischenzeitlich - auch unter Hinzuziehung
medizinischer Experten - erfolgt ist", teilte Dr. Rainer Cherkeh, Anwalt von Birte Bultmann, mit.
Schon gleich nach dem Bekanntwerden des Vorwurfes hatte die LG-Athletin berichtet, am Abend vor dem Rennen einen
allergischen Schock erlitten zu haben. Ob dort der Grund für den erhöhten Wert zu finden ist, lassen Athletin und Anwalt
derzeit prüfen.

Ein Forumeintrag zum Thema vom 26. August 2004

BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG vom 8. Oktober 2004
DLV testet die Nandrolon-Herkunft
Das Dopingverfahren gegen Birte Bultmann ist noch immer nicht entschieden
Von Stefani Franzke
Braunschweig. So einen Fall hat es noch nicht gegeben. "Das ist der Kampf David gegen Goliath. Und das Ergebnis
könnte richtungweisend sein", sagt Rechtsanwalt Dr. Rainer Cherkeh. Der Hannoveraner vertritt die Leichtathletin Birte
Bultmann von der LG Braunschweig, die nach einem positiven Test im Mai des Dopings mit Nandrolon beschuldigt wird.
Noch ermittelt der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV), noch ist die Mittelstrecklerin "vorläufig suspendiert". "Zurzeit
wird getestet, ob das in der Dopingprobe gefundene Nandrolon körpereigenes ist. Wenn das so ist, ist der Dopingvorwurf
gegen Birte Bultmann nicht mehr aufrecht zu erhalten", erklärt Cherkeh. Für die derzeitige Untersuchung wird Resturin ver-
wendet. "Wir warten gespannt auf das Ergebnis", sagt der Anwalt.
Neben dieser Probe setzt sich der DLV derzeit mit medizinischen Gutachten auseinander, die Bultmanns Anwalt eingereicht
hat. "Gewichtige Stimmen in der Dopingforschung haben darauf hingewiesen, dass gerade die körpereigene Produktion von
Nandrolon ein unerforschter Bereich ist. Selbst wenn das Ergebnis der Untersuchungen von Birte Bultmanns Proben zu
keinem Ergebnis kommen, ist die Frage, ob die Doping-Vorwürfe noch zu halten sind", schildert Cherkeh. Es fehle dann
der Beweis, dass das gefundene Nandrolon körperfremd - also von außen zugeführt sei. Und der Ausgang dieses Ver-
fahrens könnte dann in der Tat, so der Fachmann, international endlich die Diskussion um die Grenzwerte und Nachweis-
möglichkeiten des Steroids weiterbringen.
Bekannt ist, dass Nandrolon, das im Körper über die Galle ausgeschieden wird, nach langer intensiver Belastung vermehrt
im Urin nachgewiesen werden kann. Der Wert kann um den Faktor zwei bis vier steigen. Systematische wissenschaftliche
Untersuchungen über die Nandrolon-Problematik - insbesondere bei Frauen - gibt es bisher allerdings nicht.
Bultmann war am 20. Mai in Borna bei der deutschen 10 000-Meter-Meisterschaft positiv getestet worden. Seit Anfang
Juli ist die Athletin der LG Braunschweig vorläufig suspendiert.

DLV-Pressemitteilung vom 26. November 2004
Birte Bultmann darf bei Cross-DM starten
Das Landgericht Darmstadt hat im einstweiligen Verfügungsverfahren die vom DLV-Disziplinarausschuss ausgesprochene
Suspendierung von Birte Bultmann für die Deutsche Crossmeisterschaften am 27.11.2004 in Bremen aufgehoben. Dieser
Beschluss des Landgerichts vom 22.11.2004 wurde dem DLV am 26.11.2004 zugestellt.
Aufgrund dieses Beschlusses wurde Birte Bultmann das Startrecht für die Deutsche Crossmeisterschaft am 27.11.2004
unter Vorbehalt erteilt. Die anderen Athleten, die bei der DM Cross starten werden, werden darüber informiert.
Der DLV weist ausdrücklich daraufhin, dass die Suspendierung von Frau Bultmann nur für diesen einen Wettkampf
vom Landgericht aufgehoben wurde, obwohl die Athletin in ihrem Hauptantrag die vollständige Aufhebung ihrer Suspen-
dierung beantragt hatte. Nach den Deutschen Crossmeisterschaften wird die Suspendierung von Birte Bultmann daher fort-
bestehen.
Der DLV weist ferner ausdrücklich darauf hin, dass der Beschluss des Landgerichts allein aufgrund einseitigen Tatsachen-
vortrags durch die Athletin erfolgte und der Rechtsauffassung des DLV-Disziplinarausschusses widerspricht. Aus diesem
Grunde wird der DLV noch am heutigen Tage Widerspruch gegen den Beschluss des Landgerichts einreichen.
Die Terminierung einer mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht - diese ist zwingend erforderlich - für den heutigen
Tag  war aufgrund der von der Athletin angeordneten späten Zustellung des Beschlusses an den DLV um die Mittagszeit
nicht mehr möglich.
>Ende DLV-Pressemitteilung<
Weitere Infos:
Das Landgericht Darmstadt widersprach in seiner Begründung der Annahme des DLV, die verbotene Substanz Nandrolon
sei der Athletin von außen zugeführt worden. Alle zwischenzeitlich durchgeführten wissenschaftlichen Untersuchungen
würden für einen endogenen (körpereigenen) Ursprung der bei Bultmann festgestellten Werte sprechen.
Dieser Ansicht schloß sich auch Prof. Dr. Wilhelm Schänzer an, Leiter des Instituts für Biochemie in Köln, der in seinem
Report vom 13. Oktober nach der Analyse des Resturins aus Bultmanns Dopingprobe vom 20. Mai zu dem Ergebnis ge-
kommen war, dass die ermittelten Werte auf einen möglichen endogenen Ursprung der Substanz hinweisen.
“Ich bin überglücklich über das Zwischenergebnis”, teilte Birte Bultmann mit: “Ich wußte, daß ich keine verbotenen
Substanzen zu mir genommen habe, sah mich aber offensichtlich anderen Erkenntnissen meines Verbandes ausgesetzt.”
Welche körperlichen Reaktionen letztendlich ursächlich waren, sei abschließend noch nicht geklärt. Von außen zugeführte
Substanzen “sind hierfür jedenfalls nicht verantwortlich”, so Bultmann.
Parallelen gibt es zum Fall des 5000-m-Olympiasiegers von 1992, Dieter Baumann. Er hatte im Februar 2001 ebenfalls
sein Startrecht vor dem Oberlandesgericht in Darmstadt durchgesetzt. Damals durfte der wegen Dopings gesperrte
Schwabe an den deutschen Hallen-Meisterschaften in Dortmund nach einem Eilantrag seines Anwalts teilnehmen. Der
Weltverband IAAF sperrte daraufhin alle Teilnehmer des 3000-m-Endlaufs und verlängerte zunächst seinen Bann. In
Bremen müssen die Konkurrentinnen von Bultmann keine Sperre fürchten. "Dies ist eine andere Situation, da die Suspen-
dierung aufgehoben ist. Dies werden wir den Athleten auch mitteilen", so DLV-Justiziarin Tanja Haug.
Für den Bultmann-Anwalt
Rainer Cherkeh hat der Gerichtsentscheid für den weiteren Verlauf des Doping-Sanktionsver-
verfahrens richtungsweisenden Charakter. "Darüber hinaus hat der hiesige Doping-Verdachtsfall auch auf internationaler
Ebene eine in ihrem Ausmaß noch nicht absehbare Sprengkraft", sagte Cherkeh. Erst in diesem Jahr sei der Nandrolon-
Grenzwert für Frauen von 5,0 Nanogram/Milliliter (ng/ml) auf 2,0 herabgesetzt worden. Die A-Probe Bultmanns habe
einen Wert von 4,5 und die B-Analyse einen von 5,3 ng/ml aufgewiesen.
"Entgegen der Annahme des DLV, die Substanz sei exogen zugeführt worden, sprechen zwischenzeitlich jedoch alle
wissenschaftliche Untersuchungen für einen endogenen Ursprung der bei unser Mandantin festgestellten Werte", erklärte
Cherkeh. Damit sei nicht nur der für eine Sanktionierung erforderliche schuldhafte Dopingverstoß von Bultmann nicht ge-
geben, "sondern darüber hinaus wird generell die Haltbarkeit des international vorgegebenen Grenzwertes für Nandrolon in
Frage gestellt".
Der DLV sieht dies anders: "Wir bleiben bei unserer Rechtsauffassung und warten das weitere Verfahren ab", sagte Haug.
Birte Bultmann selbst hofft nur, "dass dieser Alptraum nun endlich bald ein Ende hat".

Mehr zu Birte Bultmann finden Sie auch im Forum von
www.leichtathletik.de

BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG vom 29. November 2004
Bultmanns Alptraum geht weiter
Suspendierung für einen Wettkampf aufgehoben - Team-Gold in Bremen - Warten auf DLV-Reaktion
Von Stefani Franzke
Braunschweig. Es war ein emotionaler Tag für Birte Bultmann. Doch am Ende war sie froh, durchgehalten zu haben. Seit
fast einem halben Jahr läuft das Verfahren wegen des Verdachts des Dopings mit Nandrolon gegen die Läuferin der LG
Braunschweig. Per Gerichtsbeschluss hatte der Anwalt der 30-Jährigen am Freitag bewirkt, dass sie bei den deutschen
Cross-Meisterschaften in Bremen laufen durfte.
Mit Erfolg: "Ich habe für den Lauf den Kopf frei bekommen. Und vielleicht war auch ein bisschen Wut mit auf der Strecke"
sagte Birte Bultmann gestern. Mit der Mannschaft holte sie den Titel, in der Einzelwertung belegte sie den fünften Platz. "Ich
habe gut trainiert. Auch wenn mir an manchen Tagen die Motivation fehlte", erzählte die Läuferin. Von Lauffreunden und
Trainern sei sie in Bremen herzlich begrüßt worden. "Das tat gut."
Doch der "Alptraum", so die 30-Jährige, ist noch immer nicht vorbei. Das Landgericht Darmstadt hatte die Suspendierung
nur für diesen einen Wettkampf aufgehoben. Noch immer wartet die Athletin auf eine Entscheidung des Deutschen Leicht-
athletik-Verbandes (DLV). "Der DLV hat schon länger eine Reaktion angekündigt. Auf die warten wir jetzt", erklärte
Bultmanns Anwalt, Dr. Rainer Cherkeh, gestern das weitere Vorgehen. Bisher hätten die Gutachten keinen Hinweis auf
körperfremdes Nandrolon in der Dopingprobe seiner Mandantin erbracht. "Der DLV hatte uns den Vorschlag gemacht,
das Labor von Professor Wilhelm Schänzer die Proben untersuchen zu lassen", sagte Cherkeh. Der Leiter des
Kölner
Instituts für Biochemie
hatte keine Hinweise auf körperfremde Substanzen entdecken können.
"Was jetzt noch läuft, sind Untersuchungen, wo der körpereigene Ursprung für die Werte in der Urinprobe liegen könnte.
Das allerdings sind Grundlagenforschungen, die nichts mehr mit seiner Mandantin zu tun hätten. In der Probe von den
deutschen Straßenlauf-Meisterschaften im Mai waren Bultmann die zu hohen Werte des anabolen Steroids Nandrolon
nachgewiesen worden.
Gegen die Entscheidung des Landgerichts Darmstadt hat der DLV nach Angaben seiner Justitiarin Tanja Haug Einspruch
eingelegt. Neben diesem Verfahren läuft zudem das verbandsrechtliche Verfahren gegen Bultmann. Doch bisher hat sich
der DLV nicht entschlossen, den Fall seinem Schiedsgericht zu übergeben und die zweijährige Sperre zu beantragen. Der
DLV warte noch immer auf den abschließenden Bericht eines Labors, hatte Tanja Haug am Freitag erklärt.

Aufhebung der Suspendierung für drei weitere Wettkämpfe Quelle: www.nlv-la.de (Auszug)
Der Fall Bultmann, die Suspendierung durch den deutschen Leichtathletik-Verband und die einstweilige Verfügung, die zur
Aufhebung der Suspendierung für die deutschen Crossmeisterschaften durch den DLV führte, haben innerhalb der Leicht-
athleten für einiges Aufsehen gesorgt und zu Verwirrung geführt. Der Rechtsstreit ist noch nicht beendet, er tritt jetzt in eine
neue Phase.
Presseerklärung vom 17. Dezember 2004:
Landgericht Darmstadt erlässt im Dopingverdachtsfall Birte Bultmann erneut einstweilige Verfügung gegen
den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) - Aufhebung der Suspendierung für drei weitere Wettkämpfe
Unsere Mandantin Birte Bultmann hat vor dem Landgericht Darmstadt am heutigen Tag abermals eine einstweilige Verfüg-
ung gegen den DLV erwirkt, mit der sie ihr Startrecht auch für die nächsten drei Wettkämpfe (u. a. bereits am kommenden
Sonntag, 19.12.2004, in Syke) durchgesetzt hat.
Zur aktuellen Entwicklung des Verfahrens teilen wir folgendes mit:
Bereits am 22.11.2004 hatte die 19. Zivilkammer des LG Darmstadt dem ersten Antrag unserer Mandantin auf Erlass einer
einstweiligen Verfügung gegen den DLV stattgegeben und die Suspendierung für die Deutschen Cross-Meisterschaften am
27.11.2004 in Bremen aufgehoben. Aufgrund dieser Entscheidung, dessen Vollzug der DLV im Wege des Widerspruchs
noch zu verhindern versucht hatte, hatte Frau Bultmann an diesem ersten Wettkampf nach ihrer vorläufigen Sperre (erfolg-
reich) teilnehmen können.
Trotz der nachhaltigen Erschütterung des Anscheinsbeweises und der gegen ihn verhängten einstweiligen Verfügung hat der
DLV die vorläufige Wettkampfsperre gegen Frau Bultmann auch weiterhin nicht aufgehoben. In seinem Widerspruch stellte
sich der DLV - trotz dem Analysenreport des Prof. Dr. Schänzer v. 13.10.2004 - auf den Standpunkt, dass nach bisherig-
em Erkenntnisstand "nach wie vor nichts dafür spricht, dass der Dopingbefund körpereigenen Ursprung hatte".
Im Vorfeld wichtiger Meetings und Meisterschaften ist Frau Bultmann auf die anstehenden Aufbau- und Leistungs-
nachweiswettkämpfe angewiesen, um ihre notwendige Wettkampfhärte zu erhöhen und ihre realistischen Nominierungs-
chancen für internationale Einsätze in 2005 zu wahren.
Eine vom DLV im Vorfeld des heutigen Beschlusses beim LG Darmstadt vorsorglich eingereichte Schutzschrift, die u. a.
auf neuen Sachvortrag gestützt worden ist, wurde vom Landgericht bei seiner Entscheidungsfindung einbezogen. Mit dem
am heutigen Tag ergangenen Beschluss des LG Darmstadt ist die dortige Argumentation des DLV als nicht relevant be-
wertet worden. Die Suspendierung ist für die von Frau Bultmann vorgesehenen weiteren drei Wettkämpfe - abermals -
aufgehoben worden. Allein der generellen, zeitlich unbefristeten Aufhebung der vorläufigen Suspendierung vermochte das
Landgericht wegen der Vorgreiflichkeit für die Hauptsache (noch) nicht stattzugeben.
Bei den Terminen aus der Wettkampfplanung der Frau Bultmann handelt es sich um
- "25. Country-Lauf Syke-Weyhe-Syke am 19.12.2004 in Syke (Crosslauf)",
- "24. Bietigheimer Silvesterlauf am 31.12.2004 in Bietigheim",
- "Crosslauf Hamburg-Bergedorf am 9.1.2005 in Hamburg-Bergedorf".
Frau Bultmann ist aufgrund dieses weiteren gerichtlichen Beschlusses bei den vorgenannten Wettkämpfen startberechtigt.
Dr. Rainer Cherkeh,
Rechtsanwalt, Hannover.

DLV-Pressemitteilung vom 17. Dezember 2004
Birte Bultmann - Neuer Beschluss vom Landgericht
Das Landgericht Darmstadt hat im einstweiligen Verfügungsverfahren die vom DLV-Disziplinarausschuss ausgesprochene
Suspendierung der Läuferin Birte Bultmann (LG Braunschweig) für weitere Veranstaltungen aufgehoben. Dieser Beschluss
des Landgerichts wurde dem DLV am heutigen Freitag, 17. Dezember, zugestellt.
Dabei handelt es sich um den Cross-Country-Lauf in Syke (19. Dezember), den Silvesterlauf in Bietigheim (31.12.) sowie
den Crosslauf in Bergedorf (09.01.2005). Der DLV weist darauf hin, dass die Suspendierung von Birte Bultmann nur für
diese Wettkämpfe vom Landgericht aufgehoben wurde.
Der DLV hatte bereits im November, als das Startrecht von Birte Bultmann für die Deutschen Cross-Meisterschaften in
Bremen unter ähnlichen Vorzeichen erteilt wurde, darauf aufmerksam gemacht, dass der Beschluss des Landgerichts der
Rechtsauffassung des DLV-Disziplinarausschusses widerspricht.
Im weiteren Verfahren des Falls der Braunschweigerin deutet momentan alles auf ein Schiedsgerichtsverfahren hin. Ein
Termin dafür steht noch nicht fest.

BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG vom 18. Dezember 2004
Bultmann darf trotz Suspendierung laufen
Landgericht Darmstadt erlässt erneut einstweilige Verfügung gegen den DLV
Braunschweig. Noch immer hat der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) keine Entscheidung in Sachen Birte Bult-
mann getroffen. Dafür hat Dr. Rainer Cherkeh, Anwalt der Braunschweiger Läuferin, die wegen Dopingverdachts suspend-
iert ist, erneut eine einstweilige Verfügung beantragt - und vom Landgericht Darmstadt erneut Recht bekommen.
Danach darf die 30-Jährige, in deren Dopingprobe im Mai in Borna ein erhöhter Nandrolon-Wert festgestellt worden war,
morgen trotz der Suspendierung und des schwebenden Verfahrens beim
Country-Lauf in Syke starten. Auch für den
Silvesterlauf in Bietigheim am 31. Dezember und den Crosslauf in Hamburg-Bergedorf am 9. Januar hob das Gericht die
Suspendierung auf.
"Das ändert am Hauptverfahren nichts. Es gibt zwar noch keinen Termin, aber es wird zu einem Schiedsgerichts-Verfahren
kommen", erklärte DLV-Mediendirektor Peter Schmitt gestern auf Anfrage. Die Ergebnisse der restlichen Analysen der
Dopingproben seien inzwischen eingegangen, erklärte Schmitt weiter. Nach neuesten Erkenntnissen sehe es nicht so aus, als
ob das nachgewiesene Nandrolon ausschließlich aus körpereigener Produktion sei. Das deutet darauf hin, dass der DLV
zwei Jahre Dopingsperre beantragen wird.
"Die Blockadehaltung des DLV ist nicht zu verstehen. Das Verhalten ist bedenklich", sagte Cherkeh. Bereits im Vorfeld
der ersten einstweiligen Verfügung kurz vor der deutschen Cross-Meisterschaft in Bremen vor einigen Wochen hatte der
Anwalt auf eine DLV-Entscheidung gehofft. Vergeblich. "Wir mussten jetzt handeln", betonte Cherkeh. (sf)

Presseinformation vom 10. Januar 2005 (Von Rechtsanwalt Dr. Rainer Cherkeh)
LG Darmstadt hebt im Dopingverdachtsfall Birte Bultmann erlassene einstweilige Verfügung gegen Deutschen
Leichtathletik-Verband (DLV) auf - Rechtliche Auseinandersetzung geht weiter
Die Auseinandersetzungen zwischen unserer Mandantin Birte Bultmann und dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV)
gehen in eine weitere juristische Runde. Das Landgericht Darmstadt hat in zwei Urteilen vom heutigen Vormittag die am
17.12.2004 von ihm erlassene einstweilige Verfügung, mit der Frau Bultmann das Startrecht für drei Wettkämpfe (am
19.12.2004 in Syke, am 31.12.2004 in Bietigheim und am 09.01.2005 in Hamburg-Bergedorf) durchgesetzt hatte, wieder
aufgehoben und den Erlass der von unserer Mandantin begehrten weiteren einstweiligen Verfügung, mit der die Teilnahme
an weiteren Wettkämpfen hatte durchgesetzt werden sollen, abgelehnt.
In der Begründung seiner Entscheidungen führt das LG Darmstadt aus, die ursprüngliche Erschütterung des Anscheinsbe-
weises, die die Eilentscheidungen für unsere Mandantin ermöglicht hatten, könne in der bisher angenommenen Form nicht
mehr zwingend aufrechterhalten werden. Diese Neubewertung und die hierzu herangezogene Begründung durch das LG
Darmstadt überzeugen jedoch nicht. Die Urteile sind nicht rechtskräftig. Frau Bultmann wird diese durch das Rechtsmittel
der Berufung angreifen. Der juristische Weg der Klärung wird unsere Mandantin nun zum Oberlandesgericht Frankfurt/M.
führen.

BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG vom 2. Februar 2005
DLV beantragt zwei Jahre Sperre für Birte Bultmann
Von Stefani Franzke
Braunschweig. Seit acht Monaten ist Mittelstrecklerin Birte Bultmann nun schon suspendiert. Und ein Ende dieses Zu-
standes ist nicht in Sicht. Inzwischen hat der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) aber offiziell das Schiedsgerichts-
Verfahren gegen die Läuferin der LG Braunschweig eröffnet. Zwei Jahre Sperre wegen Dopings beantragt die verbands-
interne Instanz. Bis es jedoch ein Urteil gibt, kann es nochmals Monate dauern.
"Wir haben jetzt zwei Wochen zur Stellungnahme Zeit", erklärte Bultmanns Anwalt Dr. Rainer Cherkeh gestern auf Nach-
frage. Zurzeit werde das Schiedsgericht besetzt. Die Athletin und der Verband dürfen jeweils einen Vertreter entsenden.
Auf das dritte Mitglied dieses Gremiums einigen sich Sport- und Verbandsvertreter dann. Der von Bultmann benannte
Vertreter ist Michael Lehner. Der Heidelberger Rechtsanwalt hatte einst Läufer-As Dieter Baumann verteidigt.
Im Juni des vergangenen Jahres hatte der DLV Bultmann auf Grund erhöhter Nandrolon-Werte in einer Doping-Probe
vorläufig suspendiert. Die Urin-Probe hatte die 30-Jährige bei der deutschen 10 000-Meter-Meisterschaft zuvor in Borna
abgegeben. Die Zeit der Suspendierung wird nach einem endgültigen Urteil des Schiedsgerichts auf eine mögliche Sperre
angerechnet. Im Fall Baumann hatte sich das Verfahren so lange hingezogen, dass es nach zwei Jahren - so lang wäre auch
eine Doping-Sperre nach einem Urteil gewesen - der Suspendierung noch immer nicht beendet war.
Neben diesem verbandsrechtlichen Verfahren läuft in Sachen Bultmann auch das zivilrechtliche. Zuletzt hatte das Landge-
richt Darmstadt eine einstweilige Verfügung gegen den DLV aufgehoben, die es Birte Bultmann gestattete, trotz der Sus-
pendierung Wettkämpfe zu bestreiten. Der Anwalt der Läuferin hatte angekündigt, dagegen vorzugehen. Mit einer Ent-
scheidung der nächsten Instanz, des Oberlandesgerichts Frankfurt, rechnet Cherkeh noch vor der deutschen Hallen-
meisterschaft am 19./20. Februar in Sindelfingen.

Presseinformation vom 16. Februar 2005 (Von Rechtsanwalt Dr. Rainer Cherkeh)
Birte Bultmann beantragt im Schiedsgerichtsverfahren Klagabweisung
Neue Laboranalyse und medizinische Gutachten
Die Auseinandersetzung zwischen unserer Mandantin Birte Bultmann und dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV)
nimmt ihren Fortgang. Im nun anhängigen Schiedsgerichtsverfahren hat der DLV Klage gegen Frau Bultmann eingereicht,
verbunden mit dem Antrag, eine Wettkampfsperre von 2 Jahren zu verhängen.
Auf diese Klage hat unsere Mandantin nun erwidert und Klagabweisung beantragt. Mit der Klageerwiderung wurden auch
eine aktuelle Laboranalyse sowie zwei neue medizinische Gutachten vorgelegt, die u. a. den Zusammenhang zwischen der
heftigen allergischen Reaktion bei Frau Bultmann am Vorabend des Wettkampfes und einer vermehrten körpereigenen
Bildung von 19-Nortestosteron (Nandrolon) am Wettkampftag dokumentieren.
Zuletzt hatte unsere Mandantin in einem einstweiligen Verfügungsverfahren vor den staatlichen Gerichten beantragt, die
Suspendierung auch für weitere Wettkämpfe im Januar und Februar 2005, insbesondere für die am kommenden Wochen-
ende anstehenden Deutschen-Hallenmeisterschaften aufzuheben. Da bereits 3 der beantragten 4 Wettkämpfe zwischenzeit-
lich durch Zeitablauf erledigt sind und eine Teilnahme an den Hallen-DM in Sindelfingen auch verletzungsbedingt aus-
scheiden wird, hat unsere Mandantin heute eine entsprechende prozeßbeendende Erklärung abgegeben. Frau Bultmann
wird sich nun primär auf Ihre Verteidigung im jetzt endlich anhängigen Schiedsgerichtsverfahren konzentrieren.

DLV-Pressemitteilung vom 16. Juni 2005
Suspendierung von Birte Bultmann aufgehoben
In dem Schiedsverfahren zwischen dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) und der Athletin Birte Bultmann (LG
Braunschweig) hat der DLV aufgrund eines Gutachtens von Professor Dr. Wilhelm Schänzer, das auf einer neuartigen
Meßmethode beruht, seinen Antrag auf Verhängung einer Wettkampfsperre zurückgenommen. Dies wurde in einem
Schreiben dem Vorsitzenden des Schiedsgerichtes, Professor Dr. Jens Adolphsen, mitgeteilt.
Bei einer Wettkampfkontrolle am 20. Mai 2004 bei den 10 000 Meter Meisterschaften in Borna war bei Bultmann ein er-
höhter Nandrolon-Wert festgestellt worden. Nachdem auch die B-Probe (21.7.2004) das Ergebnis bestätigt hatte, wurde
Birte Bultmann am 26.7.2004 suspendiert. In der Folgezeit konnte sie zunächst per Einstweiliger Verfügung unter anderem
ein Startrecht für die Cross-DM am 27. November 2004 in Bremen erwirken. Mit Urteil vom 10.1.2005 wurde vom
Land gericht Darmstadt festgestellt, dass die Suspendierung der Athletin durch den DLV zu Recht erfolgt ist und die noch
anhängigen Anträge der Athletin auf Einstweilige Verfügung wurden zurückgewiesen. Daraufhin beantragte der DLV mit
Schreiben vom 10.1.2005 bei dem zwischen Athletin und DLV vereinbarten Schiedsgericht die Verhängung der im Regel-
werk vorgesehenen Wettkampfsperre.
Die Athletin hat stets die Einnahme verbotener Substanzen bestritten. Nach dem Regelwerk muss sie jedoch bei einem po-
sitiven Analysebefund den hierdurch gesetzten Anschein eines Dopingverstoßes zumindest erschüttern. Die Besonderheit
dieses Verfahrens bestand darin, dass der Laborbefund nach den bis Anfang 2004 geltenden Vorschriften noch nicht als
positiv gewertet worden wäre. Erst Anfang 2004 wurde durch die WADA der Labor-Grenzwert für Nandrolon bei Frauen
von 5ng/ml auf 2ng/ml herabgesetzt. Die Absenkung des Grenzwertes ist in der Wissenschaft umstritten.
Der DLV hat aufgrund dessen eine Reihe von Untersuchungen im Einvernehmen mit der Athletin veranlasst, um aufzuklären,
ob der verbotene Wirkstoff exogen zugeführt oder endogen produziert wurde. Die Untersuchungen ergaben jedoch keinen
hinreichenden Nachweis für eine endogene Produktion. Weiterhin ergaben veranlasste Tests auch keinen Anhaltspunkt da-
für, dass die in letzter Zeit in der Öffentlichkeit diskutierte mögliche Instabilität der Urinprobe als Ursache für einen positiven
Befund in Betracht kam. Der DLV ging deshalb von einem begründeten Verdacht auf einen Dopingverstoß aus.
Als der DLV im Mai von einer neuartigen IRMS-Methode informiert wurde, wurde diese Untersuchung am Institut von
Professor Dr. Wilhelm Schänzer in Köln in Auftrag gegeben. Zwar lässt auch das Ergebnis dieser Untersuchung keinen
eindeutigen Schluss über eine exogene oder endogene Ursache für den positiven Befund zu. Aber nach Urteil von Professor
Dr. Wilhelm Schänzer liegt aufgrund dieser Untersuchung die Wahrscheinlichkeit einer exogenen Zufuhr oder endogenen
Produktion von Nandrolon bei jeweils 50 Prozent.
"Bei dieser Sachlage wäre es gegenüber der Athletin nicht angemessen, weiter auf Sanktionen zu bestehen. Der Vorsitzende
des Disziplinarausschusses, Dr. Mario Krogmann, hat deshalb zu Recht entschieden, die Suspendierung sowie das ange-
ordnete Ruhen der Startberechtigung aufzuheben", sagte DLV-Präsident Dr. Clemens Prokop. "Wir als Sportverbände
sind von der Kompetenz und den Gutachten der Sachverständigen abhängig. Wir wollen aber wissenschaftliche Dispute
nicht auf dem Rücken der Athleten austragen."

Presseinformation vom 16. Juni 2005 (Von Rechtsanwalt Dr. Rainer Cherkeh)
DLV nimmt Antrag auf Verhängung einer Wettkampfsperre gegen Birte Bultmann zurück und
hebt Suspendierung auf
In der Auseinandersetzung zwischen unserer Mandantin Birte Bultmann (LG Braunschweig) und dem Deutschen Leicht-
athletik-Verband (DLV) hat der DLV heute gegenüber dem Schiedsgericht seinen Antrag auf Verhängung einer 2-jährigen
Wettkampfsperre gegen Frau Bultmann zurückgenommen. Zugleich hat der DLV die vorangegangene Suspendierung auf-
gehoben.
Zu den aktuellen Geschehnissen im Vorfeld:
Am 25.4.2005 wurde der Fall vor dem unabhängigen Schiedsgericht unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Adolphsen (weitere
Richter: RA Dr. Michael Lehner, Heidelberg; RA Dr. Dirk-Reiner Martens, München) in Frankfurt verhandelt und Beweis
durch Vernehmung der Sachverständigen und Chemiker Prof. Dr. Schänzer, Dr. Detlef Thieme u. Joachim Große erhoben.
Nach erfolgter Beweisaufnahme riet das Schiedsgericht dem DLV noch am Verhandlungstag dringend an, seine Klage
gegen Frau Bultmann mangels Erfolgsaussicht zurückzunehmen. Die Beweisaufnahme hatte ergeben, dass im hiesigen
Nandrolonwertbereich bereits die Anwendbarkeit des Anscheinsbeweis, auf den sich der DLV wie auch in vorangegange-
nen Dopingfällen, berufen hatte, äußerst fraglich sei. Hinzu kam u. a. die bekannte Analyse des Herrn Prof. Schänzer, der
bereits im Oktober 2004 einen möglichen endogenen Ursprung der aufgefundenen Substanz nachgewiesen hatte.
Im Mai wurde der DLV dann von Prof. Dr. Schänzer darüber informiert, dass eine neuartige Verfeinerung der Analyse-
methode es nun möglicherweise auch zulasse, geringste Mengen des noch aufgefundenen Resturins zu untersuchen, so dass
eine erneute Wiederholung der bereits im Oktober erfolgten Messungen versucht werden könne.
Diese Wiederholungsanalyse wurde dem DLV seitens des Schiedsgerichts noch zugestanden. Seit dieser Woche liegt dem
DLV der Befund von Prof. Dr. Schänzer vor. Zwar verweigert der Vorsitzende des Disziplinarausschusses, Dr. Mario
Krogmann, unserer Mandantin bislang die Herausgabe des neuen Analysereports. Seine beim Schiedsgericht eingereichten
Anträge, Frau Bultmann wegen eines Dopingverstoßes schuldig zu sprechen und eine Wettkampfsperre von zwei Jahren zu
verhängen, hat er indes am heutigen Tag zurückgenommen.
Spätestens nach Vorlage des Befundes von Prof. Dr. Schänzer im Oktober 2004 hätte der DLV sein gegen Frau Bultmann
eingeleitetes Verfahren einstellen können und auch müssen. Denn spätestens zu diesem Zeitpunkt stand es fest, dass Frau
Bultmann nicht gedopt hatte, also unschuldig ist und eine spätere Verurteilung faktisch ausgeschlossen war. Dass der Diszi-
plinarausschuß des DLV dennoch das Verfahren gegen unsere Mandantin mit u.E. grob falsch eingeschätzter Sach- und
Rechtslage bis heute fortgeführt hat, dürfte der gebotenen effektiven Dopingbekämpfung nicht gedient haben - im Gegenteil.
Die seit Juli 2004 andauernde Suspendierung stellte für unsere Mandantin wie auch für ihr persönliches Umfeld eine enorme
Belastung dar. Heute aber zählt: Frau Bultmann ist überglücklich. Am 2. Juli 2005 wird sie bei den Deutschen Meister-
schaften in Wattenscheid über 5000m auf die Bahn zurückkehren - vollständig rehabilitiert.

BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG vom 17. Juni 2005
Birte Bultmann ist voll rehabilitiert
DLV zieht seinen Antrag auf eine zweijährige Sperre wegen Dopings gegen Braunschweigerin zurück
Von Stefani Franzke
Braunschweig. Nach knapp einem Jahr hat der Alptraum für Birte Bultmann zumindest juristisch ein Ende: Gestern hob
der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) die Suspendierung der 30-jährigen Mittelstrecklerin der LG Braunschweig
auf. Am 5. Juli des vergangenen Jahres hatte der DLV die Läuferin wegen Dopingverdachts suspendiert.
"Im Mai hat Professor Wilhelm Schänzer mit Resten der Urinprobe nochmals ein Gutachten erstellt. Und auch danach hat
sich keine Eindeutigkeit ergeben, ob das Nandrolon körpereigener oder körperfremder Herkunft ist. Nach Aussage des
Gutachters liegen die Chancen bei 50 zu 50", sagte DLV-Mediendirektor Peter Schmitt gestern. Daher sei eine klare Be-
weisführung nicht möglich gewesen. Das Schiedsgericht hatte dem Verband geraten, die Klage zurückzuziehen. Birte Bult-
mann war nach der deutschen Meisterschaft über 10 000 Meter in Borna im Mai 2004 ein erhöhter Wert des anabolen
Steroids nachgewiesen worden. 4,5 Nanogramm hatte die Probe ergeben - erlaubt waren nur 2.
"Ich bin überglücklich, dass das jetzt ein Ende hat. Für mich und meine Familie war es ein ganz schweres Jahr. Bis aller-
dings ein normales Leben einkehrt, wird es noch eine Weile dauern", sagte Birte Bultmann gestern. Von sofort an darf die
Mittelstrecklerin wieder starten, ihre Meldung für die deutschen Meisterschaften am 2. und 3. Juli in Wattenscheid ist abge-
geben. Dort will die 30-Jährige über die 5000 Meter an den Start gehen. "Das wird nicht leicht, weil mir die Wettkampf-
härte fehlt, aber ich werde es versuchen."
"Diese Entscheidung ist ein Präzedenzfall. Das erste Mal zieht ein Verband die Klage zurück", sagte Birte Bultmanns An-
walt Dr. Rainer Cherkeh. "Bisher war nur bekannt, dass bei schwangeren Frauen erhöhte Nandrolon-Werte möglich sind.
Offensichtlich spielen aber auch allergische Reaktionen eine Rolle." Birte Bultmann hatte in Borna einen Allergieschock er-
litten.

BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG vom 21. Juni 2005
"Ein schwarzer Fleck wird bleiben"
Läuferin Birte Bultmann spricht nach knapp einjähriger Suspendierung über ihre Erlebnisse und die Zukunft
Braunschweig. Birte Bultmann hat jede Menge Wut im Bauch. Wut auf den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV).
Knapp ein Jahr war die 30-jährige Läuferin der LG Braunschweig wegen Dopingverdachts mit Nandrolon suspendiert.
Vor vier Tagen zog der DLV seine Klage zurück. Sportredakteurin Stefani Franzke sprach mit Birte Bultmann über ihre
Wut, die vergangenen zwölf Monate und ihre Zukunft.
Was ärgert Sie am Verhalten des DLV?
Ich fühle mich in meiner Ehre verletzt, weil der DLV in seinen Mitteilungen nicht klipp und klar zugegeben hat, dass es nach
der erneuten Untersuchung der Rest-Urinmenge keinen Hinweis auf einen körperfremden Ursprung des Nandrolons gibt.
Das Ergebnis dieses Gutachtens wird mir sogar vorenthalten. Jetzt habe ich beim Schiedsgericht Klage auf Herausgabe ein-
gereicht.
Sind sie trotzdem erleichtert, rehabilitiert zu sein?
Ja, denn die vergangenen Monate waren eine riesige Belastung für mich und meine Familie. Insbesondere meinem Vater
ging es sehr schlecht. Ich war im täglichen Leben teilweise schlecht drauf, mich zum Training aufzuraffen, fiel mir schwer.
Ein bitterer Beigeschmack ist jetzt, dass immer etwas von den Vorwürfen hängen bleiben wird - es wird immer ein
schwarzer Fleck in meinem Leben bleiben.
Hätten Sie sich vor einem Jahr, als die Nachricht vom positiven Dopingbefund kam, vorstellen können, dass
Sie tatsächlich so lange suspendiert sein würden?
Nein. Ich wusste ja, dass ich nichts genommen hatte. Für mich war klar: Das wird sich ganz schnell klären.
Hatte das ganze Prozedere auch finanzielle Auswirkungen?
Sicher. Dank der Sponsoren- und Preisgelder konnte ich meinen Bürojob auf 30 Stunden reduzieren. So blieb mehr Zeit
zum Training. Den Job konnte ich kurzfristig nicht wieder aufstocken, Preisgeld und Sponsorenzahlungen blieben aus. Und
Gerichtsverfahren und Gutachten kosten ja auch Geld.
Am 2. Juli werden Sie bei der deutschen Meisterschaft in Wattenscheid über 5000 Meter starten. Haben Sie
Angst vor der Dopingkontrolle?

Nein. Aber eines habe ich aus dieser ganzen Sache bestimmt gelernt: Nach einem allergischen Schock, wie ich ihn vor dem
Wettkampf mit der positiven Kontrolle hatte, würde ich nicht mehr antreten. Viel eher habe ich ein Problem damit, dass ich
nicht so fit bin wie sonst. Mir fehlt einfach die Wettkampfhärte.
Wollen Sie wieder voll ins Wettkampfgeschehen einsteigen?
Klar. Ich will nicht, dass jemand sagt, jetzt kriegt sie nichts mehr auf die Reihe. Und ich will es selber auch. Aufhören war
für mich während der vergangenen zwölf Monate kein Thema. Auch wenn mir das Training oft sehr schwer fiel und ich jetzt
nicht weiß, wo ich sportlich stehe.

ZEVENER ZEITUNG vom 9. Juli 2005
Nun verklagt Bultmann den Verband
Zevenerin erinnert DLV an dessen Fürsorgepflicht
Zeven (mk). "Der Horror ist endlich vorbei", so lautete die erste Reaktion von Birte Bultmann in ihrer Presseerklärung
Mitte Juni nach der Aufhebung der Suspendierung durch den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Zum aktuellen Ge-
schehen stand die 30-Jährige Zevenerin, die für die LG Braunschweig läuft, jetzt der Sportredaktion der Zevener Zeitung
(ZZ) Rede und Antwort.
ZZ: Was waren ihre ersten Gedanken, als Sie die Nachricht des DLV über den Dopingvorwurf erhielten?
Birte Bultmann: Den Brief habe ich bestimmt ein dutzend Mal gelesen, um den Inhalt zu verstehen. Ich konnte es einfach
nicht glauben, dass man mir den Vorwurf macht.
ZZ: Was hat Sie veranlasst, weiterhin intensiv zu trainieren?
Bultmann: Zunächst fiel ich in ein tiefes Loch und hatte keine Motivation mehr zu trainieren. Da ich nichts Verbotenes ein-
genommen hatte und aus meiner Sicht unschuldig war, würde sich die Sache aufklären. Nach gut vier Wochen habe ich
wieder sporadisch trainiert.
ZZ: Was war aus Ihrer Sicht das entscheidende Mosaiksteinchen, das zur Aufhebung der Suspendierung führte?
Bultmann: Durch das Gutachten von Professor Schänzer aus Köln wurde bereits im Oktober letzten Jahres der Nachweis
eines endogenen (körpereigenen) Ursprungs erbracht.
ZZ: Haben Sie das Gefühl, dass der DLV in der Beweisführung absichtlich auf Verzögerung und Zeitgewinn gesetzt hat?
Bultmann: Auf jeden Fall. Alles wurde in die Länge gezogen. Es war offensichtlich, dass der DLV gegen mich arbeitete
und sich nicht scheute, lügnerische Behauptungen vor dem Landgericht Darmstadt aufzustellen. Dort hatte mein Anwalt ja
die Starts gerichtlich erzwungen. Eine Fürsorgepflicht hätte ich eigentlich vom Verband erwartet.
ZZ: Wer kommt nach der Aufhebung der Suspendierung für die Anwalts- und Verfahrenskosten auf?
Bultmann: Das ist noch ungewiss. Auf alle Fälle wird der DLV von meiner Seite auf Kostenerstattung und Schadensersatz
verklagt. Die Suspendierung war rechtswidrig, spätestens jedoch seit Oktober 2004, denn zu dem Zeitpunkt lag das
Schänzer-Gutachten bereits vor.
ZZ: Haben Sie in der Zeit der Suspendierung negative oder positive Reaktionen erfahren?
Bultmann: Ich habe sehr viel Zuspruch von meiner Familie, meinen Freunden, jedoch auch von Bekannten und Unbe-
kannten erhalten. Im Verein stand man zu mir, da man von meiner Unschuld überzeugt war. Negative Reaktionen fand ich
nur im Internet.
ZZ: Waren die Deutschen Meisterschaften in Wattenscheid eine ideale Bühne für Ihr Comeback?
Bultmann: Es fehlte mir die Form- und Wettkampfhärte, daher war es sicherlich nicht ideal.
ZZ: Wie haben die anderen Athleten auf Ihre Rückkehr reagiert?
Bultmann: Einfach super. Die haben sich gefreut, dass ich wieder dabei bin.
ZZ: Wie geht es sportlich mit Ihnen weiter und wie sehen die nächsten großen Ziele aus?
Bultmann: Auf alle Fälle wird das Training intensiviert. Zunächst stehen die Deutschen Meisterschaften über zehn Kilo-
meter in Otterndorf auf dem Plan. Anschließend beginnt die Crosslaufsaison. Eine Pause brauche ich in diesem Jahr nicht.

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