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Olympische Spiele in Athen -- Leichtathletik vom 18. - 29. August
(Presse)-Berichte über die Teilnehmer-/innen aus Niedersachsen
Start dieser Extraseite: 17. August 2004

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OSTFRIESEN ZEITUNG vom 17. August 2004
Andrea Bunjes fliegt heute nach Athen
Olympia: Ab Dienstag tägliche Kolumne der Hammerwerferin vom SV Holtland

Ostfriesland (gl). Andrea Bunjes fliegt heute nach Athen. Die Hammerwerferin vom SV Holtland wird am kommenden Montag ins
olympische Geschehen eingreifen.
Auf den Wettkampf hat sie sich gemeinsam mit ihren Nationalmannschaftskolleginnen Betty Heidler und Susanne Keil zwei
Wochen lang im Leistungszentrum in Kienbaum bei Berlin gezielt vorbereitet. “Ich fühle mich gut und bin froh, dass es endlich
losgeht”, sagte die amtierende Deutsche Meisterin aus Detern-Neuburg. Der olympische Vorkampf im Hammerwerfen wird am
23. August ausgetragen. Die Ostfriesin hofft, dass ihr dort der große Wurf gelingt und sie die Qualifikation für den Endkampf am
25. August schafft.
Ursprünglich war geplant, dass die Hammerwerferinnen ein paar Tage später nach Athen aufbrechen. “Fast alle Leichtathleten
reisen erst drei Tage vor ihrem Wettkampf an”, sagt Bunjes. Weil sich Hammerwurf-Bundestrainer Michael Deyhle aber auch um
die Männer kümmert und der Vorkampf in diesem Wettbewerb bereits am Freitag auf dem Programm steht, ziehen auch die drei
Hammerwurf-Frauen vorzeitig ins olympische Dorf ein. “Vielleicht ist das sogar ein Vorteil”, meint Andrea Bunjes. “Dann haben wir
ein bisschen mehr Zeit, uns auf das Wetter einzustellen.”

BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG vom 18. August 2004
Kugelstoßen an historischer Stätte
Olympia kehrt an seinen Ursprung zurück – Und der Wolfsburger Detlef Bock ist vor 15 000 Zuschauern dabei
Von Stefani Franzke
Athen/Braunschweig. Die Spiele kehren heute an ihren antiken Ursprungsort zurück. Nach über 1600 Jahren werden in Olympia
wieder Olympiasieger geehrt. In dem kleinen Ort auf dem Peloponnes, rund 300 Kilometer westlich von Athen, wo im Jahr 393
n. Chr. zum letzten Mal antike Sporthelden um Ruhm und Ehre wetteiferten, dürfen nun - im Jahr 2004 n. Chr. - die Kugelstoßer
der 28. Olympiade ihre Besten ermitteln.
Ein phantastischer Ort für die ersten Leichtathletik-Wettbewerbe. Beeindruckend wird
die Kulisse sein, wenn 15 000 Zuschauer heute auf den Hängen des Stadions die Kugelstoßer ansehen. Extra für diesen Wett-
bewerb wurde das antike Stadion hergerichtet, Denkmalschutz und sportliche Voraussetzungen unter einen Hut gebracht. "Die
Anlage ist super. Ein tolles Gefühl, hier antreten zu dürfen", sagte Detlef Bock, Kugelstoßer des VfL Wolfsburg, gestern im Tele-
foninterview. Bock ist einer von insgesamt sechs deutschen Kugelstoßern, für die es heute um Edelmetall geht. Am Start sind
zudem: Ralf Bartels und Peter Sack sowie die Frauen Astrid Kumbernuss, Nadine Kleinert und Nadine Beckel.
Seit Sonntag ist Bock in Griechenland. Seinen 30. Geburtstag verbrachte er im Flugzeug und im Bus. "Gefeiert wird später",
setzt Bock eindeutige Prioritäten. In Athen angekommen, machten die Kugelstoßer einen kurzen Zwischenstopp im Olympisch-
en Dorf, packten Klamotten und flogen gleich weiter in Richtung des antiken Olympia. "Hier sind wir am Sonntag gegen 21.30
Uhr eingetroffen", erzählte Bock, der inzwischen drei Trainingseinheiten im etwa 25 Meter breiten und 100 Meter langen Stadion
absolviert hat.
"Jetzt kann es losgehen", freut er sich auf den Wettbewerb. 15 000 Zuschauer werden es heute sein. Und alle blicken nur auf die
Kugelstoßer. Andere Wettbewerbe werden nicht stattfinden. Eine grandiose Situation für eine Sportart, die sonst meist recht
unauffällig in einer Stadionecke stattfindet. Für den coolen Bock sicher kein Problem. Und: "In Deutschland haben wir seit einiger
Zeit Kugelstoß-Meetings, bei denen auch ausschließlich wir im Mittelpunkt stehen", erzählt der Berliner, der seit zwei Jahren für
Wolfsburg startet.
Gespannt wird die Sport-Welt heute auf das antike Olympia schauen. Wie fällt der Start der deutschen Leichtathleten aus? Die
Sportler haben ziemlich konkrete Vorstellungen, wie der heutige Vormittag enden soll: "Zwei Mädels und ein Junge sollen min-
destens die Qualifikation überstehen", berichtet Bock, der sich selbst richtig fit fühlt. "Ich kann die 20 Meter stoßen. Ob es
klappt, ist eine andere Frage. Um ins Finale zu kommen, muss man bestimmt 20,30 Meter stoßen. Mal sehen, wie die anderen
drauf sind." Los geht es heute um 7.30 Uhr mit der Qualifikation der Frauen, die Männer sind um 9 Uhr dran, die Finals beginnen
um 15 Uhr (Frauen, Männer um 16.30 Uhr).

Bericht aus Athen (1) in der OSTFRIESEN ZEITUNG vom 18. August 2004
(Aufgezeichnet - Die Aktiven dürfen selber nicht “redaktionell” für die Presse tätig werden !!!!!)
Die Mensa ist der Hammer
Wahnsinn! Ich habe mir das olympische Dorf ja schon groß vorgestellt. Aber diese Ausmaße sind einfach unglaublich. Wir drei
deutschen Hammerwerferinnen sind am Dienstagmittag angekommen und waren von dem Komplex überwältigt. Vom Flughafen
aus sind wir eine halbe Stunde mit dem Bus ins olympische Dorf gefahren. Der Sicherheitscheck war hier nicht anders als auf
dem Flughafen. Das Gepäck wurde durchleuchtet, und wenn es beim Gang durch die Sperre gepiept hat, wurde der Inhalt der
Taschen überprüft.
Unsere Schlafzimmer sind zwar spartanisch eingerichtet, aber ganz in Ordnung. Bloß mit dem Strom gibt es Probleme. Irgend
wie haben wir den richtigen Schalter wohl noch nicht gefunden. Aber das kriegen wir schon noch in den Griff. Insgesamt sind in
unserer Wohnung vier Zimmer, zwei Bäder und ein Aufenthaltsraum. Acht deutsche Athletinnen ziehen hier ein. Momentan
wohnen Betty Heidler, Susanne Keil und ich noch alleine. In den nächsten Tagen werden die Kugelstoßerin Astrid Kumbernuss,
die Stabhochspringerinnen Flo Kühnert und Silke Spiegelburg, die 5000-Meter-Läuferin Sabrina Mockenhaupt und die Geherin
Sabine Zimmer zu uns stoßen. Ich teile mir das Zimmer mit Betty Heidler. Astrid Kumbernuss hat ihre Wettkämpfe im Antik-
Stadion, das ein paar hundert Kilometer entfernt ist. Sie zieht erst nach ihrem Wettkampf bei uns ein. Das Olympiastadion von
Athen ist zum Glück nicht weit entfernt. Krafträume und einen Wurfplatz gibt es direkt hier im Dorf. Es fehlt wirklich an nichts.
Der absolute Hammer ist aber die Mensa. Die Vielfalt ist nicht zu überbieten: Von chinesisch bis italienisch gibt es alles. Ich
habe Nudeln und einen Salat gegessen - und mir zum Nachtisch einen Tiramisu-Pudding gegönnt. Nun aber steht gleich das
erste leichte Training an.
(Aufgezeichnet - Die Aktiven dürfen selber nicht “redaktionell” für die Presse tätig werden !!!!!)

Bericht aus Athen (2) in der OSTFRIESEN ZEITUNG vom 19. August 2004
(Aufgezeichnet - Die Aktiven dürfen selber nicht “redaktionell” für die Presse tätig werden !!!!!)
Im Bus mit Ian Thorpe
Ehrlich gesagt: An das fremde Bett muss ich mich erst noch gewöhnen. Ich habe in der ersten Nacht im olympischen Dorf noch
nicht so toll geschlafen. Aber das geht uns allen so. Zu heiß war es auf keinen Fall. Ich habe sogar ein bisschen gefroren, denn
man liegt hier nur unter einem dünnen Laken.
Am Morgen waren wir alle beim Wurftraining noch ein bisschen schlapp. 67 Meter war meine beste Weite. Da muss ich mich bis
zum Wettkampf am Montag noch steigern. Betty Heidler hat 69 Meter geschafft, Susi Keil gut 66 Meter. Der Wurfplatz und die
Trainingsstätten für sämtliche anderen Sportarten liegen übrigens direkt neben dem olympischen Dorf auf einem ehemaligen
Militärgelände. Das ist Luftlinie ein paar hundert Meter von unserer Wohnung entfernt.
Wir legen fast alle Strecken mit den Bussen zurück, die permanent durchs Dorf kreisen. So sind wir heute auch zum Mittag-
essen in die Mensa gefahren. In dem riesigen Verpflegungszelt haben wir auch die deutschen Handballer getroffen. Und auf der
Rücktour im Bus saß der australische Schwimmstar Ian Thorpe hinter uns. Es ist schon ein tolles Gefühl, mitten unter Welt-
klasse-Sportlern zu sein, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Ich hätte Ian Thorpe so ohne Badekappe übrigens gar
nicht erkannt. Aber Betty und Susi, die kennen sich da bestens aus. Gut, dass ich die beiden Mädels fast überall dabei habe.
Zwischendurch zappen wir uns in unserem Aufenthaltsraum durchs Fernsehprogramm. Es gibt 50 Kanäle, auf 25 davon wird live
von verschiedenen Sportstätten gesendet. Ganz ohne Kommentator, wir hören nur den Original-Ton vom Wettkampfort. Jetzt läuft
bei uns das Kugelstoßen der Frauen. Mensch, Nadine Kleinert hat gerade einen Super-Stoß hingelegt! Eine Medaille gleich zum
Auftakt fürs Leichtathletik-Team - das ist doch was.
Wir selber treffen uns um 18 Uhr mit Bundestrainer Michael Deyhle auf dem Wurfplatz. Er ist, wie alle Trainer, außerhalb des
olympischen Dorfes untergebracht - in einer überaus einfachen Unterkunft. Dagegen ist unsere Wohnung richtig Luxus. Wir haben
es schon ganz schön gut hier.
(Aufgezeichnet - Die Aktiven dürfen selber nicht “redaktionell” für die Presse tätig werden !!!!!)

Bericht aus Athen (3) in der OSTFRIESEN ZEITUNG vom 20. August 2004
(Aufgezeichnet - Die Aktiven dürfen selber nicht “redaktionell” für die Presse tätig werden !!!!!)
Tassen, Teller, Teddys
Ich glaube immer noch, dass es ganz gut war, ein paar Tage vor dem Wettkampf nach Athen gekommen zu sein. Vorgestern,
beim Training, habe ich mich noch ein bisschen schlapp gefühlt. Aber langsam gewöhne ich mich an die Bedingungen. Und ans
Wetter. Gestern war´s wieder warm. Sehr, sehr warm. Kein einziges Wölkchen am griechischen Himmel.
Zum Glück hatten wir
am Nachmittag frei. Ich war in der so genannten Internationalen Zone. Das ist ein Bereich für Sportler und Trainer, in dem es alles
Mögliche gibt - sogar einen speziellen Souvenir-Laden für Olympia-Teilnehmer. Gekauft habe ich nichts - ich steh´ nicht so auf
Andenken. Aber es ist schon unglaublich, was andere Sportler da so rausschleppen: Tassen, Teller, Teddy-Bären. Wie ganz
normale Touristen.
Gestern Morgen war Training. Ein paar Sprints, ein paar Sprünge - nichts Aufregendes. Allerdings mussten wir wieder um 6.45
Uhr aufstehen. Zugegeben, das ist ziemlich früh. Aber unsere ersten Wettkämpfe werden schon um kurz nach 9 Uhr beginnen.
Und der Trainer sagt, der Körper muss dran gewöhnt sein, früh aus der Falle zu kommen. Dabei würde ich gerne ein bisschen
mehr schlafen. Ich würde sogar früher ins Bett gehen - nur geht das kaum. Vorgestern etwa waren wir gegen 20 Uhr vom Training
wieder da. Dann haben wir gegessen und anschließend noch ein bisschen in unserer Wohnung vorm Fernseher gehangen. Man
braucht schließlich Abwechslung. Gegen 22.30 Uhr haben wir uns hingelegt. Eigentlich zu spät für mich. Dafür habe ich gut ge-
schlafen. Das liegt unter anderem daran, dass ich den Wettkampf bislang einigermaßen verdrängen konnte. Die Leute meinen
zwar immer, ich sei ganz ruhig - aber innerlich kann ich ziemlich aufgewühlt sein. Wenn ich mir zu viele Gedanken mache, kriege
ich Magenschmerzen. Und dann ist an Schlaf nicht mehr zu denken.
Wenigstens ist dafür gesorgt, dass meine Familie im Stadion sein wird. Das war ein ganz schöner Akt - aber gestern habe ich
endlich die Karten gekauft.
(Aufgezeichnet - Die Aktiven dürfen selber nicht “redaktionell” für die Presse tätig werden !!!!!)

BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG vom 21. August 2004
In Athen ist eindeutig Zaituc-Wetter
Braunschweigs Top-Läuferin startet am Sonntag im olympischen Marathon
Von Stefani Franzke
Athen/Braunschweig. Es ist Zaituc-Wetter in Athen. Die Marathon-Läuferin der LG Braunschweig mag Wärme. Kälte ist ihre
Sache nicht. Da bekommt sie schnell Probleme. Der olympische Auftritt von Luminita Zaituc steht also - zumindest was das
Wetter angeht - unter einem guten Stern. Gestartet wird der Marathon am Sonntag um 17 Uhr - also 18 Uhr Ortszeit in Athen.
In den Bestenlisten dieses Jahres steht für die 35-jährige Berufssoldatin noch keine Marathon-Zeit. Im Frühjahr hatte Zaituc beim
Hamburg-Marathon verletzt aufgeben müssen. Bei kühler Witterung hatte sie Rückenprobleme bekommen. Die Olympia-Norm
hatte Zaituc bereits im vergangenen Jahr erfüllt. Vor Athen musste sie lediglich noch einen Leistungsnachweis erbringen. Das hat
sie als deutsche Meisterin im Halbmarathon zu Beginn des Jahres eindrucksvoll getan. Und nach dem Aus beim Hamburg-
Marathon hat sich die zierliche Frau auf Athen vorbereitet. "Ich bin fit und gesund. Es kann losgehen", hatte Luminita Zaituc zu
Beginn der Woche gesagt. Das lange Trainingslager in der Höhenluft von St. Moritz hat sich gelohnt.
Der olympische Marathon von Athen führt über die klassische Strecke von Marathon nach Athen. Ziel wird für die Frauen wie für
die Männer eine Woche später im Panathinaikos-Stadion sein - dem Olympia-Stadion aus dem Jahr 1896. Eine Besonderheit,
auf die sich auch die LG-Athletin freut. "Es wird ein ganz besonderes Erlebnis. Ansonsten wird Zaituc ihr Rennen laufen. "Ich
werde in meinen Körper horchen und sehen, was geht. Egal, welches Tempo die anderen gehen", schildert sie ihre Vorgabe. Am
Ende möchte sie möglichst Reserven für eine Schlussoffensive haben. Angesichts der Hitze, die in Athen am frühen Abend noch
herrschen wird, spielt das Trinken auch beim Marathon eine große Rolle. Auch hier hat Luminita Zaituc keine festen Vorgaben.
"Ich trinke nach Bedarf. Auf keinen Fall aber zu viel. Sonst blubbert es die ganze Zeit im Bauch", warnt sie lachend vor einem
ernsten Problem. Am Ende wird sich zeigen, zu welchem Platz ihre Taktik reicht. Fest steht, dass es gegen Weltrekordlerin
Paula Radcliffe vermutlich selbst für die starken Afrikanerinnen und Japanerinnen kein Mittel geben wird. Die Engländerin ist aller-
dings in diesem Jahr noch keinen Marathon gelaufen.

Bericht aus Athen (4) in der OSTFRIESEN ZEITUNG vom 21. August 2004
Erstes Zittern im Stadion
Das war eine echte Zitterpartie! Wir sind zum ersten Mal ins Olympiastadion gefahren - und schon wurden unsere Nerven strapa-
ziert. Denn unser Hammerwurf-Kollege Karsten Kobs hat sich noch gerade so mit 76,69 Metern den zwölften und letzten Platz
im Finale gesichert. Ach, wären wir Frauen doch auch schon so weit! Denn so ein Vorkampf ist echt hart. Wie sagte denn
Karsten Kobs zu uns: “Das ist wie ein fauler Zahn, der schmerzt, aber doch gezogen werden muss.”
Für unseren Markus Esser war es ja weniger schlimm. Obwohl er total nervös war, hat er mit 77,49 Metern eine tolle Weite ge-
schafft und ist sicher ins Finale eingezogen. Er war in der ersten Qualifikationsgruppe am Start. Die haben wir nicht live im
Stadion gesehen. Denn wir durften ausnahmsweise einmal ausschlafen. Diese Möglichkeit ließen wir uns nicht entgehen und
sind erst um halb neun aufgestanden.
Dann sind wir mit dem Shuttle-Bus in gerade einmal 15 Minuten zum Stadion gefahren. Es war fast nichts los auf Griechenlands
Straßen. Dafür herrschte im gut gefüllten Stadion schon richtig tolle Stimmung. Schön, dass endlich die Leichtathletik-Wett-
kämpfe begonnen haben. Nun sind auch bei uns in der Wohnung fast alle eingezogen. Die Stabhochspringerinnen Flo Kühnert
und Silke Spiegelburg, die Geherin Sabine Zimmer und Kugelstoßerin Astrid Kumbernuss sind da. Astrid ist ein bisschen ent-
täuscht, weil es für sie durch die Verletzung nicht so gelaufen ist wie erhofft. Alle anderen haben ihre Wettkämpfe noch vor sich.
Deshalb macht bei uns in der Wohnung auch jeder seine eigene Sache. Nach den Wettbewerben kommt hier sicher mehr
Stimmung auf. Wir Hammerwerferinnen haben aber erst einmal den Montag im Kopf. Dann wird es ernst - in der Qualifikation.
(Aufgezeichnet von Georg Lilienthal - Die Aktiven dürfen selber nicht “redaktionell” für die Presse tätig werden !!!!!)

OSTFRIESEN ZEITUNG vom 23. August 2004
Mutter Bunjes sitzt im Stadion
Olympia Hammerwurf-Qualifikation mit Andrea Bunjes beginnt heute um 8.05 Uhr
Von Georg Lilienthal
Athen. Wenn Andrea Bunjes heute ab 8.05 Uhr ins olympische Geschehen eingreift, dann zittert ein Großteil der Familie vor Ort
im Stadion mit. Bruder Reinhard, ein Schwager und zwei Freunde sind schon seit ein paar Tagen in Athen. Gestern reisten auch
Mutter Anke, Onkel, Tante, und eine Cousine an. Sie alle werden bei der heutigen Qualifikation kräftig die Daumen drücken, dass
Andrea Bunjes aus Neuburg (Samtgemeinde Jümme) den Sprung ins Finale schafft. Dafür muss die Normweite von 68,50 Meter
her oder aber mindestens Rang zwölf in der Qualifikation. “Ich gehe davon aus, dass unsere drei deutschen Werferinnen die
68,50 Meter überbieten”, zeigte sich Bundestrainer Michael Deyhle gegenüber der Ostfriesen-Zeitung optimistisch. “Beim Ab-
schlusstraining waren sie sehr gut in Form.” Während Bunjes in der ersten Qualifikationsgruppe ab 8.05 Uhr wirft, treten Betty
Heidler und Susanne Keil (beide Frankfurt) in der zweiten Gruppe um 9.50 Uhr an.
Die Ostfriesin ist von der Stärke des deutschen Trios überzeugt und hält gar eine deutsche Medaille nicht für utopisch. “Für mich
ist die Kubanerin Yipsi Moreno die große Gold-Favoritin”, sagt sie. “Im Kampf um die weiteren Plätze ist alles offen.” Mehrere
Athletinnen haben allerdings eine Bestmarke von rund 72 Metern vorzuweisen und rangieren um zwei Meter vor den Deutschen.
Das beunruhigt Bunjes nicht. “Diese Weiten haben sie oft im hintersten Winkel ihres Landes aufgestellt und bei großen Wett-
kämpfen nie bestätigt.”
Die Leistung hängt ohnehin stark von den Bedingungen vor Ort ab. So gilt der Wurfring in Athen als ungeheuer glatt. “Das ist für
mich nur von Vorteil”, sagt Bunjes. “Da brauche ich bei den Drehungen mit den Beinen nicht so sehr zu arbeiten.” Als entscheid-
enden Faktor stuft die 28-Jährige aber die mentale Stärke ein. “Gerade bei der Ausscheidung liegen die Nerven blank. Da stürzen
häufig Favoritinnen.” Die Ostfriesin bringt viel Erfahrung mit und hofft zudem, dass die Anwesenheit der Familie Glück bringt. Nur
ihr Vater wollte sich aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht der Hitze aussetzen und fiebert zu Hause vor dem Fernseher mit.
Alle anderen haben schon Tickets für das Finale am Mittwoch. “Da wollen sie mich unten im Wurfring sehen”, lacht Andrea
Bunjes. “Und nicht oben als Zuschauerin auf der Tribüne.”

Bericht aus Athen (5) in der OSTFRIESEN ZEITUNG vom 23. August 2004
Keine Zicken im Team
Die Sonne brennt vom Himmel, kein Wölkchen ist in Sicht - es wird täglich heißer in Athen. Wir schwitzen mächtig. Ohne Klima-
anlage kommen wir jetzt nicht mehr aus. Trotz der Hitze fühle ich mich immer besser.
Sonntag war nur noch Entspannung angesagt. Morgens habe ich mich mit meinem Bruder Reinhard am Stadion getroffen und
ihm die Eintrittskarten übergeben. Denn fast meine ganze Familie ist in Athen. Und die Tickets fürs Olympia-Stadion musste ich
besorgen. Ein Mittagsschlaf und ein geruhsamer Nachmittag vor dem Fernseher gehörten für Betty Heidler, Susi Keil und mich
zum weiteren Tagesprogramm. Ich verstehe mich sehr gut mit Betty und Susi. Natürlich haben nicht immer alle drei dieselbe
Meinung, und wir machen auch nicht alles zusammen. So ist Susi Sonnabend zwischen den Trainingseinheiten auch nicht mit
uns und dem Bundestrainer zum Kaffeetrinken gegangen. Aber es ist völlig normal, dass jeder mal seine eigenen Wege geht. Ich
kann jedenfalls versichern, dass es bei uns keinen Zickenstreit geben wird. Wir hoffen vielmehr, dass alle gemeinsam nach der
Qualifikation den Einzug ins Finale feiern.
Ich habe mir für den olympischen Wettkampf extra neue Schuhe gekauft. Da sind die Sohlen schön glatt. Das ist gut für die
Drehungen. Dreimal habe ich das neue Paar im Training getestet. Die Schuhe sind also gut eingedreht. Daran kann es nicht
scheitern. An der Form auch nicht. Aber letztlich ist alles auch eine Sache der Nerven. Ich bin auf jeden Fall optimistisch, dass
es mit dem Einzug ins Finale klappen wird.
(Aufgezeichnet von Georg Lilienthal - Die Aktiven dürfen selber nicht “redaktionell” für die Presse tätig werden!)

OSTFRIESEN ZEITUNG vom 24. August 2004
Mit dem Wurf des Lebens ins Finale
Hammerwerfen: Andrea Bunjes gehört bei den Olympischen Spielen zu den besten Zwölf
Von Jochen Brandt
Holtland/Athen. Einen bangen Augenblick lang musste Andrea Bunjes vom SV Holtland gestern in Athen durchstehen. Dann
erschien das offizielle Ergebnis auf der Anzeigetafel, und die Hammerwerferin riss die Arme hoch: Gleich mit ihrem ersten Ver-
such hatte sie den Einzug ins Finale bei den Olympischen Spielen geschafft - und nebenbei ihre persönliche Bestleistung auf
70,73 Meter hochgeschraubt. In der ersten Qualifikationsgruppe landete Bunjes damit auf dem dritten Platz. Ihre Mannschafts-
kollegin Betty Heidler hat mit 69,81 Metern ebenfalls das Finale der besten Zwölf erreicht. Susanne Keil schied mit 66,35 Metern
aus dem Wettkampf aus.
Als Bunjes gestern zum ersten - und einzigen - Mal den Wurfkäfig betrat, saß Klaus Beyer in einem Klassenzimmer in Hesel vor
dem Fernseher. Bunjes´ Heimtrainer vom SV Holtland ist Lehrer und hatte gerade eine Freistunde, als der Wettkampf übertragen
wurde. “Ich habe gleich gesehen, dass es ein super Wurf wird”, sagte er. “Und Andrea hat jetzt endlich das Unglück von Paris
abgeschüttelt.” Bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr war sie mit drei Fehlversuchen ausgeschieden. “Das saß
immer noch sehr tief”, sagte die 28-Jährige gestern. “Aber jetzt ist es vorbei.” Glücklich klang sie, aber auch ein wenig müde und
erschöpft.
Heimtrainer Beyer hat noch gestern einen Flug nach Athen gebucht. “Andrea soll sich jetzt erst mal ausruhen”, sagte er gestern
am frühen Nachmittag. “Aber nachher rufe ich sie an.” Beyer hat noch keine Ahnung, wo er in Athen unterkommen wird. “Das ist
mir auch vollkommen egal, ich fahre auf jeden Fall hin.” Wenigstens die Ausrüstung stimmt: Seine Kollegen haben ihm gestern
noch eine Ostfriesland-Fahne in die Hand gedrückt. Schon gestern hatten Bunjes-Fans Grund, ihre Fahnen zu schwenken. Beim
Einwerfen war sie bereits nah an die Qualifikationsweite von 68,50 Metern herangekommen. “Danach habe ich auf einen Wurf um
die 69 Meter gehofft.” Eigentlich wollte Bunjes nur gut durchkommen.
Doch gleich zu Beginn ihres Versuchs habe sie gemerkt, wie gut es lief. “Die Drehungen haben einfach gepasst”, sagte sie.
“Leider konnte ich die gelbe Linie für die Qualifikationsweite kaum sehen.” Augenblicke der Ungewissheit. Ein Kampfrichter rief
ihr zu, sie habe es geschafft. Bunjes blickte auf - immer noch unsicher. “Dann wurde die Weite angezeigt, und ich habe mich nur
noch gefreut.”

OSTFRIESEN ZEITUNG vom 24. August 2004
Aufgespießt: Andrea Bunjes - Hauptsache dabei
Von Jochen Brandt
Dabei sein ist alles? Von wegen. Wer die Olympischen Spiele verfolgt, kann ihn hören, den Chor der Klagenden. Von geplatzten
Träumen singt er und von enttäuschten Hoffnungen. Hin und wieder stimmen die Sportler die traurigen Lieder selber an. Häufiger
aber sind es jene, die eigentlich nur berichten sollen. Als hätten Reporter ein Anrecht darauf, dass die deutschen Athleten
Medaillen holen. Hammerwerferin Andrea Bunjes ist noch dabei. Im Finale - mit einer persönlichen Bestleistung. Das ist viel.
Mehr als man erwarten darf. Ob am Ende nun mit oder ohne Edelmetall.

Bericht aus Athen (6) in der OSTFRIESEN ZEITUNG vom 24. August 2004
Pariser Gedanken bei Nacht
Jetzt kann ich nichts mehr verlieren. Mein großes Ziel, das Finale, habe ich erreicht. Und ich habe allen gezeigt, dass mit mir zu
rechnen ist. Trotz des Pechs im vergangenen Jahr, als ich bei den Weltmeisterschaften in Paris nach drei Fehlversuchen aus-
schied.
Um 4.45 Uhr bin ich zum ersten Mal wach geworden. Um 5.20 Uhr zum zweiten Mal. Eine halbe Stunde lang habe ich es noch
im Bett ausgehalten - dann bin ich aufgestanden und habe mich für den Wettkampf fertig gemacht. Dabei hatte mir der Mann-
schaftsarzt am Sonntag extra noch eine Tablette gegeben - zum Einschlafen. Die Aufregung hat gesiegt.
Nach der Qualifikation stand ich noch kurz zu einem Interview bei Gerhard Delling, dem Sport-Reporter von der ARD. In Paris
haben die Gespräche mit den Journalisten überhaupt keinen Spaß gemacht - weil ich mich rechtfertigen musste. Diesmal war´s
anders. Ich glaube, ich habe nur gestrahlt. Später bin ich dann zu meiner Familie auf die Tribüne gegangen. Als wir ins Stadion
gekommen sind, konnte ich meinen Leuten ja nur kurz zuwinken. Und hinterher war ich vollkommen fertig. Wenig Schlaf, die
 Aufregung - am Nachmittag wollte ich nur noch duschen und dann ins Bett. Eine, vielleicht zwei Stunden Schlaf.
Es ist so schade, dass Susanne Keil ausgeschieden ist. Die tickt ähnlich wie ich - nach der Pleite wollte sie alleine sein. Ich
habe keine Ahnung, ob sie in unserer Wohngemeinschaft bleibt. Klar, ihr Zimmer kann sie behalten. Die Frage ist nur, wie ge-
frustet sie ist. Wir werden es sehen. Aber ich hoffe, sie bleibt.
Ach ja, ich habe gestern viele Nachrichten auf mein Handy bekommen. Das war super. Es ist schön zu wissen, dass man zu
Hause an mich denkt. Es hilft. Ungemein.
(Aufgezeichnet von Jochen Brandt -
Die Aktiven dürfen selber nicht “redaktionell” für die Presse tätig werden!)

OSTFRIESEN ZEITUNG vom 25. August 2004
Mit der Gänsehaut einer Langschläferin
Hammerwerfen: Andrea Bunjes tritt heute ab 21.10 Uhr im Finale bei den Olympischen Spielen an
Von Jochen Brandt
Holtland/Athen. Wahrscheinlich wird Andrea Bunjes heute Abend tatsächlich eine Gänsehaut bekommen. Jedenfalls rechnet
sie fest damit. “Das wird schon eine gewaltige Kulisse”, sagt die 28-Jährige, die heute ab 21.10 Uhr im Hammerwurf-Finale bei
den Olympischen Spielen antritt. Ihr großes Ziel hat sie damit eigentlich schon erreicht. “Jetzt möchte ich noch unter die besten Acht kommen”, sagt sie. “Am liebsten mit einer neuen persönlichen Bestleistung.”
Dabei hat sie die doch gerade erst erbracht. Mit 70,73 Metern war Bunjes am Montag ins Finale der besten Zwölf eingezogen.
So weit hatte die Neuburgerin den Hammer noch nie geschleudert. Und bei der Qualifikation gelang ihr das sogar im ersten Ver-
such. Als sechstbeste Werferin des Wettkampfes tritt sie nun in der Endrunde an. Keine schlechte Ausgangsposition, wie
Bunjes´ Heimtrainer Klaus Beyer vom SV Holtland meint.
Der hatte die Qualifikation im Fernsehen verfolgt und war gestern Hals über Kopf nach Athen gereist. “Es ist gut, dass Andrea
nicht noch weiter vorne gelandet ist”, sagt er. “Denn dann hätte man sie in die Rolle einer Favoritin gedrängt. ”Unnötiger Druck,
wie Beyer meint. “Andrea kann locker antreten, weil sie niemandem etwas beweisen muss.” Das meint die Athletin selber auch.
“Mich hatte niemand auf der Rechnung - jetzt stehe ich im Finale”, sagt sie. Ob es heute für eine Medaille reichen könnte, will sie
nicht beurteilen. “Eigentlich ist alles möglich”, sagt sie. “Klare Favoriten gibt es in meinen Augen nicht.” Doch für eine Medaille
müssen mindestens 72 Meter her, schätzt Bunjes. “Um unter die besten Acht zu kommen, sollte ein Wurf um die 70 Meter
reichen”, sagt sie - und klingt dabei vollkommen unbeschwert.
Bundestrainer Michael Deyhle traut Bunjes und ihrer Mannschaftskollegin Betty Heidler, die ebenfalls im Finale steht, einiges zu:
“Die sind super in Form.” Auch wenn Bunjes sich nicht sicher ist, ob sie nach 22 Uhr Ortszeit noch ihre volle Leistung abrufen
kann. “Eigentlich kommt mir der späte Start entgegen”, sagt sie. “Schließlich bin ich Langschläferin.” Die Atmosphäre im Stadion
wird das Übrige tun: Für Adrenalin ist gesorgt - und für eine Gänsehaut.

Bericht aus Athen (7) in der OSTFRIESEN ZEITUNG vom 25. August 2004
Gammeln vor dem Fernseher
Wer hätte das gedacht: Das Leben im Olympischen Dorf ist alles andere als aufregend. Mal abgesehen von den Wettkämpfen,
bei denen man hin und wieder antreten muss. Ansonsten gammeln wir ziemlich viel rum.
Am Sonntag etwa war ich zwei, drei Stunden mit meiner Familie in Athen unterwegs. Das hat zwar Spaß gemacht - aber es war
auch richtig anstrengend. Rumlatschen in der prallen Sonne geht eben an die Substanz. Und momentan brauche ich jedes
Quäntchen Kraft, das in mir steckt. Schließlich steht das Finale für mich an.
Meine Mitbewohnerin und Mannschaftskollegin Betty Heidler und ich haben in den vergangenen Tagen jedenfalls ziemlich viel vor
der Glotze gehangen. Und dabei haben wir entdeckt, dass es neben der Leichtathletik noch andere Sportarten gibt, die gar nicht
mal so unattraktiv sind. Zum Beispiel Gewichtheben. Mittlerweile habe ich nämlich herausgefunden, wie der nette junge Mann
heißt, mit dem ich mich auf dem Flug nach Athen so gut unterhalten habe: Andre Rohden, Gewichtheber, Klasse bis 105 Kilo-
gramm. Natürlich haben wir gestern seinen Wettkampf verfolgt.
Ein bisschen trainiert haben wir übrigens auch. Gestern Morgen etwas Krafttraining, am Abend noch der ein oder andere Wurf.
Zwischendurch war ich bei der Physiotherapie und habe mich ordentlich durchkneten lassen. Ich fühle mich fit, das Finale kann
kommen. Ich möchte es heute Abend unter die besten Acht schaffen. Das wäre ein Hammer. Vor allem, wenn es mir gelingt,
meine Bestleistung noch einmal zu steigern. Und danach? Danach fängt endlich der Urlaub in Griechenland an. Dann ist Schluss
mit Rumgammeln.
(Aufgezeichnet von Jochen Brandt - Die Aktiven dürfen selber nicht “redaktionell” für die Presse tätig werden!)

Bericht aus Athen (8) in der OSTFRIESEN ZEITUNG vom 26. August 2004
Vor dem Finale habe ich keinen Hammer mehr in die Hand genommen. Erst haben wir bis 9 Uhr geschlafen. Und nach dem Früh-
stück folgte nur ein leichtes Training.
Wir sind abends immer erst um halb zwölf ins Bett gegangen. Der Körper sollte sich daran gewöhnen, dass er erst spät am Tag
gefordert ist. Vorher allerdings ist viel Ruhe angesagt. Nach dem leichten Training gab es Mittagessen. Mehr als ein paar Nudeln
habe ich aber nicht runtergekriegt. Ach, diese Nervosität! Anschließend war Mittagsschlaf angesagt. Und nach dem Duschen
gab es noch ein Müsli und einen Kaffee. Mehr ging nicht. Die Gedanken waren ohnehin schon beim großen Finale.
Ich freue mich ungeheuer, dass mein Heimtrainer Klaus Beyer auch im Stadion sitzt. Mensch, war das eine Überraschung, dass
er frei bekommen hat und noch nach Athen geflogen ist. Vor dem Wettkampf sehe ich ihn nicht, aber hinterher ganz bestimmt.
Auch meine Mutter, meinen Bruder und alle anderen aus Ostfriesland werde ich erst später auf der Tribüne treffen. Aber ich finde
es toll, dass sie hier sind und alle mit mir fiebern. Zu Hause in Neuburg hat meine Patentante übrigens einen griechischen Abend
organisiert, wie ich gehört habe. Mein Vater und andere Freunde und Verwandte treffen sich zu Oliven, Tsatsiki und Salat. Be-
stimmt gibt es auch Ouzo. Ich hoffe, sie haben einen Grund, auf mich anzustoßen.
Das Wichtigste ist aber, dass ich im Finale überhaupt dabei bin. Super wäre es natürlich, wenn ich unter die ersten Acht komme.
Die anderen sind jedoch stark. Aber Betty und ich auch. Davon bin ich überzeugt.
(Aufgezeichnet von Georg Lilienthal - Die Aktiven dürfen selber nicht “redaktionell” für die Presse tätig werden!)

Andrea Bunjes wurde Elfte - Bericht vom Hammerwurf-Finale   

Presseinformation vom 26. August 2004
(Von Manfred Scholz)
Cathleen Tschirch nur Ersatz in der 4x100Meter-Staffel
Athen. Am Dienstag war die Welt für die LG Weserbergland-Sprinterin Cathleen Tschirch, die mit der deutschen 4x100 Meter
Staffel in Athen weilt, noch in Ordnung. Die Nachrichten, die aus Athen kamen, verhießen Gutes, da hoffte die symphatische Ath-
letin noch auf ihre Chance auf einen Staffelplatz. “Im Training wird momentan fleißig experimentiert, ich hoffe auf Position drei
oder vier”, war ihre Einschätzung. Ihr Trainer Werner Scharf: “Den 120-Meter-Testlauf lief sie in 13,9 Sekunden, den 110 Meter-
Lauf in 12,8 Sekunden. Das sind hervorragende Zeiten. Mit diesen Leistungen will sie sich für das endgültige Quartett, das noch
nicht feststeht, empfehlen”.
Doch am Mittwoch kam die schlechte Nachricht durch den Bundestrainer, die deutsche Staffel läuft in der Besetzung Schielke,
B. Rockmeier, Wagner, Wakan und Cathleen Tschirch ist nur Ersatzläuferin mit der Begründung, sie wäre wegen der Verletz-
ungsgefahr ein Risiko für die Mannschaft. Genau das ist für Tschirch und Trainer Scharf nicht nachvollziehbar, hatte man sie
doch vor dem Abflug extra noch zum Leistungstest nach Kienbaum zitiert, bei dem sie, wie auch jetzt in Athen, ihre Fitness
bewies. “Diese Argumentation ist nicht nachvollziehbar und wir sind stocksauer. Cathleen war in dieser Saison immer schneller
als Katja Wakan. Über diese Entscheidung wird mit den Verantwortlichen noch zu reden sein”, so Werner Scharf. Um den Ein-
zug ins olympische Finale bewerben sich 16 Staffeln und die deutsche Staffel hofft mit der zwölftbesten Vorleistung auf einen der
acht Finalplätze am Freitagabend und vielleicht hat Cathleen Tschirch dann noch eine Chance.

OSTFRIESEN ZEITUNG vom 27. August 2004
“Mir fehlte die Lockerheit”
Athen (gl). “Ich wollte zu viel und war zu verkrampft.” Andrea Bunjes kommentierte ihren olympischen Finalwettkampf im
Hammerwerfen kurz und knapp. Mit 68,40 Metern belegte die Ostfriesin vom SV Holtland Rang elf im Feld der zwölf Athletinnen.
Mit der eigenen Leistung war Andrea Bunjes nicht zufrieden, die Würfe der Konkurrenz erstaunten sie zugleich umso mehr. “Es
war klar, dass für den Endkampf mindestens 70 Meter erforderlich sein würden. Aber dass man mit 72 Metern nur Siebte wird, ist
ganz schön heftig.”
Die Ostfriesin hatte in der Qualifikation mit 70,73 eine persönliche Bestleistung aufgestellt. “Deshalb hätte ich gerne im Finale
auch noch einmal die 70 Meter übertroffen. Aber es fehlte mir die Lockerheit.” Letztlich war aber der Sprung ins Finale für Bunjes
schon ein großer Erfolg. Und im Endkampf konnte sie sich jedenfalls mit ihrer Teamkollegin Betty Heidler freuen, die mit 72,73
Metern einen Deutschen Rekord aufstellte. “Sie hat es verdient. Sie ist einfach unsere stärkste Werferin.” So gratulierte Andrea
Bunjes der Zimmergenossin von Herzen zur starken Leistung. “Nur schade, dass für sie keine Medaille herausgesprungen ist.”
Dabei hatten alle Experten erwartet, dass ein 72-Meter-Wurf für Bronze reichen müsste. Doch die russische Siegerin Olga
Kusenkowa (75,02), die Kubanerin Yipsi Morena (73,36) und deren Landsfrau Yunaika Crawford (73,16) übertrafen diese Marke
deutlich. Mit solchen Weiten hatte auch Andrea Bunjes nicht gerechnet. “Das Niveau war wirklich enorm.”

OSTFRIESEN ZEITUNG vom 27. August 2004
Aufgeschnappt: Holtland vor Kuba
Für die “Berliner Zeitung” ist Holtland bei Olympia offenbar eine eigenständige Nation. Detailliert wurde dort das Ergebnis der
Qualifikation im Hammerwerfen der Frauen mit Weite, Platzierung und Herkunftsland aufgeführt. Dort war neben Russland und
Griechenland auch Holtland zu lesen. Als Dritte ihrer Gruppe lag Andrea Bunjes vor der Favoritin Yipsi Moreno. Damit rangierte
in der Berliner Zeitung Holtland vor Kuba. (F)

Bericht aus Athen (9) in der OSTFRIESEN ZEITUNG vom 27. August 2004
Fernsehen bittet ins Studio
Natürlich war ich nach dem Finalwettkampf enttäuscht. Ich wollte ja nicht Elfte werden. Mein Ziel war nun einmal ein Platz unter
den besten Acht. Aber was soll´s. Ich habe immerhin in der Qualifikation eine neue persönliche Bestleistung erzielt
Der ganze Presserummel nach dem Wettkampf war ziemlich stressig. Trotzdem habe ich noch kurz meine Familie und auch
meinen Heimtrainer Klaus Beyer im Stadion gesprochen. Ich hatte ja nichts mehr mit der Dopingkontrolle zu tun. Da müssen
immer die Medaillengewinner hin. Außerdem treten dort die Sportler an, die einen Landesrekord aufgestellt haben. Also war auch
Betty Heidler an der Reihe. Sie ist deshalb noch später ins Bett gekommen als ich. Aber es war auch schon 2 Uhr nachts, als
ich totmüde ins Bett gefallen bin.
Am nächsten Tag standen wieder Pressetermine an. Nachmittags waren Betty und ich zum Interview im ZDF eingeladen. Das ist
nett, aber auch ganz schön anstrengend. Von den Olympia-Wettbewerben kriegt man deshalb nur wenig mit.
Den gestrigen Abend hatte ich mir für meine Familie frei gehalten. Die Ostfriesen fliegen jetzt wieder nach Hause. Ich aber bleibe
auf jeden Fall noch bis zur Abschlussfeier. So habe ich noch ein bisschen Zeit, mir ein paar Wettkämpfe anzugucken. Obwohl
wir auch in den nächsten Tagen nicht nur faulenzen werden. Es stehen noch Trainingseinheiten auf dem Programm. Denn nach
Olympia gibt es schließlich ebenfalls Hammerwurf-Wettbewerbe. Und wir wollen auch bei den Meetings im September noch gute
Leistungen zeigen. Heute aber ist trainingsfrei. Ich freue mich schon auf das Treffen am Abend mit meiner Familie.
(Aufgezeichnet von Georg Lilienthal - Die Aktiven dürfen selber nicht “redaktionell” für die Presse tätig werden!)

OSTFRIESEN ZEITUNG vom 27. August 2004
In Neuburg ist Athen ganz nah
Olympische Spiele Ein griechischer Abend im Heimatdorf von Andrea Bunjes
Von Jochen Brandt
Neuburg/Athen. Der Mond über dem Neuburger Hammrich ist wolkenverhangen. Auf der dunklen Weide, nur ein paar Meter
entfernt, muht eine Kuh aus tiefer Kehle. Folkert Bokelmann stemmt die Hände in die Hüften und atmet tief durch. “Man darf nicht
vergessen, was für eine Wahnsinnsleistung unsere Andrea gezeigt hat”, sagt er. “Immerhin gehört sie zu den elf besten Hammer-
werferinnen der Welt.” Die Blätter der Bäume rascheln im Wind. Bokelmann dreht sich um und geht die paar Schritte zurück zum
Haus. Er beeilt sich - vielleicht wird Andrea Bunjes noch fürs Fernsehen interviewt.
Es ist Mittwochabend. Im Wohnzimmer von Eva und Bernhard Hinrichs sind alle Plätze belegt. Eine Flasche Ouzo steht auf dem
Tisch, und ein paar Kärtchen liegen herum. Blau-weiß sind die, und irgendjemand hat “Athen 2004” und “Andrea” draufge-
schrieben. Die meisten Gläser auf dem Tisch sind halb leer. Oder halb voll - wie man will. In der Ecke läuft der Fernseher, das
flimmernde Fenster mit Blick aufs Olympia-Stadion.
Eva und Bernhard Hinrichs sind die Paten von Andrea Bunjes, der Hammerwerferin aus Neuburg, die am Mittwoch bei den
Olympischen Spielen auf dem elften Platz gelandet ist. Und das Finale der besten Zwölf wird bei ihnen geguckt. Nachbarn sind
gekommen und Verwandte. Sabine Janssen ist da, Andrea Bunjes´ Schwester. Und Johann Bunjes, der Vater, sitzt direkt vor
dem Fernseher. Er sagt nicht viel an diesem Abend. Nur ab und zu ein knapper Kommentar: “Bei der zweiten Umdrehung ist sie
eingeknickt.” Man merkt: Er weiß, wovon er spricht.
Bunjes´ ersten Versuch im Finale hat die Runde verpasst. Irgendjemand hat ungeduldig vom Ersten auf Eurosport umgeschaltet,
aber da haben sie auch nur eine Wiederholung vom Hürdenlauf gezeigt. Als der Fernseher wieder umspringt, blickt die Neuburger
Fan-Gemeinde direkt ins Gesicht der Sportlerin. Skeptisch sieht sie aus. Sie blickt dem Hammer hinterher, in Zeitlupe. Eva
Hinrichs seufzt. 68,40 Meter. Für wenige Augenblicke ist es ganz still im Zimmer. Zum ersten Mal an diesem Abend.
Vorhin, in der Küche, konnte man die Spannung spüren. Trotz der Ausgelassenheit, mit der die Gruppe bei Gyros, Tsatsiki und
Fladenbrot am großen Küchentisch saß. Griechischer Abend in Neuburg, dem 100-Seelen-Dorf direkt an der Jümme. Hier kommt
Andrea Bunjes her. Und an diesem Abend tritt sie in Athen im Finale an. “Das muss man sich mal vorstellen”, sagt jemand. Die
anderen nicken.
Wenig später ist klar, dass Bunjes ihr großes Ziel, den Einzug in das Finale der besten Acht, nicht geschafft hat. Sabine
Janssen, die Schwester, beißt sich auf ihre Unterlippe. “Das Blöde ist, dass man ihr jetzt nicht helfen kann”, sagt sie. “Dabei will
man sie doch in den Arm nehmen und sagen, wie stolz man ist.” Sie weiß genau, was ihre Schwester jetzt macht. “Vielleicht ist
sie noch ein bisschen sauer, aber sie guckt sich auf jeden Fall den Wettkampf von Betty an.” Betty Heidler ist Bunjes´ Team-
kollegin und am diesem Abend schafft sie es auf Platz vier. Eine Überraschung, eine Sensation.
Von Neid ist bei den Neuburgern aber nichts zu spüren. Im Gegenteil: “Die Betty kennen wir doch auch.” Durch Bunjes sind die
Neuburger zu Kennern der Leichtathletik-Szene geworden. Und der Olympische Gedanke zählt: “Dabei sein ist alles”, sagt je-
mand. Zustimmung. Darauf einen Ouzo. In diesem Augenblick würde Andrea Bunjes bestimmt mächtig stolz auf ihre Fan-Ge-
meinde sein. Und umgekehrt ist das ohnhin der Fall.
Über dem Hammrich hängt der Mond. Griechenland ist ein paar tausend Kilometer entfernt. Aber Athen ist an diesem Abend
ganz, ganz nah.

Bericht aus Athen (10) in der OSTFRIESEN ZEITUNG vom 28. August 2004
Der steile Weg zur Akropolis
Sportliche Höchstleistungen - darum geht es in Athen. Deshalb habe ich mich neuen Herausforderungen gestellt: Gestern etwa
bin ich mit meiner Teamkollegin Betty Heidler und unserem Bundestrainer auf die Akropolis geklettert.
Eine Herausforderung ist auch die Fahrt mit der Athener Metro. Es ist voll, und es ist unglaublich heiß. In den Waggons kann
man schwitzen wie in einer Sauna. Habe ich selber ausprobiert - am Donnerstag, als ich bei meiner Familie im Hotel war. Eine
Höllentour, zumindest was die Temperaturen angeht.
Dafür bin ich aber angesprochen worden. Der nette Herr wusste zwar nicht, wer ich bin. Aber an meinem DLV-Rucksack und
meinem Olympia-Ticket hat er erkannt, dass ich eine Sportlerin sein muss. Und seine drei Söhne wollten sogar Autogramme von
mir.
Noch eine Herausforderung: die Abschlussfeier. Ich habe mir überlegt, nicht mit den anderen ins Stadion einzumaschieren. Ich
setze mich lieber auf die Tribüne und genieße die Show. Ich habe keine Lust, zwei bis drei Stunden in den Katakomben zu
warten. Die Herausforderung ist dann doch zu groß für mich.
(Aufgezeichnet von Jochen Brandt -
Die Aktiven dürfen selber nicht “redaktionell” für die Presse tätig werden!)
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